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    Kurz vor Davos: Trump teilt wieder gegen Macron aus

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    Trump gegen Macron – der öffentliche Streit eskaliert. Öffentliche Beleidigungen, Drohungen und neue Zölle sorgen für offene Spannungen zwischen den USA, Frankreich und Europa. Hier geht es nicht um persönliche Feindseligkeiten, sondern um Macht in der Arktis, Rohstoffe, Militärpräsenz – und Trumps Prinzip, Zölle als Druckmittel auch gegen Verbündete einzusetzen.

    Quelle: AP, Reuters

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    Ottobrunn – Ein Druckventil macht die großen Pläne zunichte: Der deutsche Raketenhersteller Isar Aerospace muss den zweiten Testflug seiner Spectrum-Rakete verschieben. Das Problem tauchte am norwegischen Weltraumbahnhof Andøya auf – kurz bevor das Modell abheben sollte. Wann der nächste Versuch stattfindet, ist offen. Das Start-up aus Ottobrunn bei München will ein neues Startdatum „in Kürze“ bekanntgeben.

    Der erste Testflug im März 2025 dauerte nur 30 Sekunden. Dann traten Probleme auf, woraufhin die Kontrollstation den Flug abbrach und die Spectrum gezielt ins Meer stürzen ließ.

    Ausgebucht für Jahre

    Trotzdem läuft das Geschäft. Unternehmenschef Daniel Metzler sagt, Isar Aerospace sei „auf Jahre ausgebucht“. Das Modell soll künftig Satelliten in niedrige Umlaufbahnen transportieren – nur wenige hundert Kilometer über der Erde. Erste Aufträge kamen bereits von der EU und der europäischen Raumfahrtagentur ESA.

    [–>Der Erfolg des Unternehmens ist für Europa entscheidend. Grund: Aktuell bringt meist SpaceX des US-Milliardärs Elon Musk die europäischen Satelliten ins All. Der rechtsgerichtete Unternehmer steht der EU eher feindselig gegenüber. Wer seine Dienste nutzt, muss umfangreiche Daten über die eigenen Projekte zur Verfügung stellen.

    Europa ist Schlusslicht

    Die Zahlen sind ernüchternd: 2024 starteten weltweit 220 zivile und militärische Trägerraketen. Mehr als die Hälfte davon kam aus den USA. China schoss 67 ins All, Russland 20, Indien 7. Europa brachte es gerade mal auf 4 Starts – Schlusslicht.

    Die französisch-deutsche ArianeGroup hat ebenfalls zu kämpfen: Sieben bis acht Starts der lang verzögerten Ariane 6 sind für dieses Jahr geplant. Anders als die Spectrum ist die Ariane eine schwere Trägerrakete, die Nutzlast in geostationäre Umlaufbahnen knapp 36.000 Kilometer über dem Erdboden befördern kann.

  • Segeln nach der Krebstherapie: „Sorgen und Probleme bleiben an Land“

    Segeln nach der Krebstherapie: „Sorgen und Probleme bleiben an Land“

    Draußen sein bei Wind und Wetter, umgeben von Wasser und Weite. Von mindestens diesen vier Ws schwärmen die meisten Segler. Philipp Seifert begeistert zudem die Leichtigkeit, die ihn umgibt, sobald er in einem Boot und auf See ist. „Die Sorgen und Probleme bleiben an Land“, sagt er. Er werde kreativer und mutiger. Seifert, 37, ist Skipper, Physiker, Arzt und jemand, der als junger Mensch erfahren hat, wie schnell das Leben von leicht auf schwer erträglich kippen kann.

    Im Januar 2013 wachte er mit starken Rückenschmerzen auf. Er habe es nur auf allen vieren aus dem Bett geschafft, erzählt Seifert. Sein Hausarzt verschrieb ihm Schmerzmittel. Die richtige Diagnose für Seiferts Symptome hatte er damals noch nicht. Der „Bobbel“ in der linken Achsel, den der damals 25-Jährige bald darauf erkannte, alarmierte erstmal nur ihn selbst. Erst nach einem halben Jahr stand fest: Seifert war an einem Hodgkin-Lymphom erkrankt, Lymphknotenkrebs. Ein Schock. „Gerade mit 25 lebt man mit dem Gefühl, unsterblich zu sein.“ Er war mitten in seiner Masterarbeit in Physik und am Anfang einer großen Lebensveränderung.

    Man sagte ihm, die Chancen geheilt zu werden, lägen bei etwa 85 Prozent. Es folgten sechs Chemotherapie-Zyklen mit Krankenhausaufenthalten, weil es ihm danach jedes Mal sehr schlecht ging. Durch diese harte Zeit trugen ihn die Unterstützung seiner Eltern und sein Freundeskreis. Die Angst vor einer Rückkehr der Krankheit aber konnte ihm keiner abnehmen. Aber es gibt etwas, was ihn bis heute stärkt, mit dieser Angst umzugehen: das Segeln.

    Schon als Kind lernte Philipp Seifert segeln auf kleinen Booten, Optimisten, damals auf dem Neckar. 13 Jahre nach seiner Krebsdiagnose sind Wind-und-Wetter-Erlebnisse auf dem Meer zu seinem Lebensthema geworden. Im Februar 2023 gründete er mit Freunden, die Ähnliches wie er durchgemacht haben, den Verein Resailience. Zusammen organisieren sie nun Segeltörns für junge Erwachsene (zwischen 18 und 45 Jahren) nach einer Krebstherapie. „Es braucht gerade für sie mehr, um wieder Halt im Leben zu finden“, sagt Seifert.

    Gemeinsame Segeltörns sollen Zuversicht nach einer schweren Erkrankung geben.
    Gemeinsame Segeltörns sollen Zuversicht nach einer schweren Erkrankung geben. (Foto: Benedikt Ziegler)

    An einem Mittwochnachmittag im Januar stehen er und Co-Skipperin Nele Lienhard in einem Hörsaal der Ludwig-Maximilians-Universität im Klinikum München-Großhadern. Die beiden präsentieren hier mit einigen Mitseglern zwei Kurzfilme. Sie entstanden im vergangenen Herbst bei einem Segeltörn in der Ägäis. Man sieht eine lebhafte Crew, die Segel setzt, Knoten übt, beieinandersitzt, Augenpaare auf den Horizont richtet. Mit solchen Bildern wirbt Resailience nun auf der Vereinswebseite und auf Youtube für seine Ziele: Sie wollen betroffene junge Menschen erreichen und Sponsoren finden. Die Reisen sollen erschwinglich sein, auch für diejenigen, die womöglich durch ihre Krankheit in eine finanziell schwierige Situation geraten sind. Die Eigenbeteiligung liegt derzeit bei 280 Euro für sieben Tage.

    Von Nele Lienhard hören die Zuschauer im Laufe der Präsentation Sätze, die deutlich machen, wie sehr sie nach ihrer Krebserkrankung am Boden war. Sie sagt: „Segeln war meine persönliche Rettung.“ Auf dem Wasser habe sie wieder Glück gespürt und das Gefühl, „das ist mein Leben, es kann auch wieder ein gutes Leben sein“. Die junge Frau mit dem kurzen Pony hatte vor ihrer Diagnose noch Medizin studiert, sich dann aber für eine Ausbildung zur Hebamme umentschieden. Seifert hingegen brachte seine Erfahrungen und ein behandelnder Onkologe zur Medizin. Der habe ihn damals mit all seinen Bedürfnissen abgeholt, so wie sonst niemand. Er habe sich alle Zeit der Welt für ihn genommen, sagt Seifert. Marcus Hentrich, mittlerweile Ärztlicher Direktor des Rotkreuzklinikums, ist ein Vorbild für ihn und Schirmherr des Vereins.

    Nele Lienhard und Esther (rechts) bei der Präsentation der Filme im Klinikum der Universität München.
    Nele Lienhard und Esther (rechts) bei der Präsentation der Filme im Klinikum der Universität München. (Foto: Katrin Glückler)

    An diesem Nachmittag im LMU-Klinikum erfährt man von Teilnehmern sowohl in den Filmen als auch vor Ort, wie sie die Segeltörns erlebten. Yannic, 29, dem im Klinikum ein seltener Gehirntumor entfernt wurde, sagt: „Die Ruhe und die Weite auf dem Schiff, daran wird man sich zurückerinnern.“ Er betont die Emotionen, die sie miteinander geteilt hätten, die auch ohne Worte verstanden wurden, „weil alle Ähnliches durchgemacht haben“.

    Auch Esther ist nach München gekommen und erzählt begeistert, wie sicher und aufgehoben sie sich in der Gemeinschaft gefühlt habe. Für acht bis zehn Leute ist auf den gecharterten Booten Platz. Sie habe vorher keine rechte Vorstellung vom Segeln gehabt und wie sich ein Aufenthalt auf so engem Raum anfühlen würde, sagt sie. Und sie sagt auch, dass sie seit zehn Jahren gegen den Krebs kämpft. Dreimal schon musste sie Chemo-Zyklen ertragen. „Ich will leben“, ist ihr Credo geworden, und auch sie nimmt von der Segelreise mit: Nach jedem Sturm kommt wieder Sonnenschein.

    Jeder Törn sei einzigartig und laufe immer etwas unterschiedlich ab, erzählt Seifert. Manches aber sei immer gleich: Es gebe keine Hürden, über die Erkrankung zu sprechen. „Man ist sofort tief in dem Thema drin, alle wissen, was gemeint ist.“ Wer mal nicht reden möchte oder Ruhe für sich brauche, könne sich auch in die Koje verkrümeln. Aber niemand kann sich der Gruppe ganz entziehen: „Wenn die Momente der Freiheit und Weite Emotionen auslösen und Tränen fließen, dann hält man das gemeinsam aus.“ Als festes Element, so Seifert, gebe es Reflexionsrunden, in denen einander zugehört wird, ohne den anderen zu bewerten. Das entlastet.

    „Nach jedem Sturm kommt wieder Sonnenschein“, diese Segelerfahrung nehmen die Teilnehmenden zurück mit in den Alltag.
    „Nach jedem Sturm kommt wieder Sonnenschein“, diese Segelerfahrung nehmen die Teilnehmenden zurück mit in den Alltag. (Foto: Benedikt Ziegler)

    Im vergangenen Jahr hat Seifert seinen gesamten Jahresurlaub für die Segeltörns von Resailience verwendet. Das soll 2026 anders sein. Acht Reisen sind derzeit geplant, los geht es im April nach Elba. Er selbst wird dieses Jahr nicht immer dabei sein. Mit 37 gehört er noch zur Zielgruppe des Vereins, aber irgendwann wird das nicht mehr so sein. „Unsere Vision ist es, Skipper-Nachwuchs zu finden, vielleicht ehemaligen Teilnehmenden die Ausbildung zu finanzieren“, sagt er. Damit der Verein auch in Zukunft die Möglichkeit bieten kann, in Gemeinschaft Kraft zu tanken – und Ängste über Bord zu werfen.

  • Türkei: Wie Erdoğan die Kurden in Syrien bekämpft

    Türkei: Wie Erdoğan die Kurden in Syrien bekämpft

    Drüben liegt Syrien, unerreichbar. Blickt man vom türkischen Nusaybin nach Süden, sieht man, wenige hundert Meter entfernt, die Häuser des syrischen Kamischli, man sieht die Lichter an- und ausgehen, sieht Autos fahren. Kurden leben auf beiden Seiten der Grenze, in beiden Städten, in der Türkei wie in Syrien. Sie können einander anrufen, sie hören denselben Gebetsruf der Moscheen, über die Grenze hinweg. Nur treffen können sie sich nicht, die Grenze ist geschlossen. Seit 2012.

  • Erst in der vergangenen Woche hatte sich der Verein von Arlind Gashi

    Erst in der vergangenen Woche hatte sich der Verein von Arlind Gashi


    Erst in der vergangenen Woche hatte sich der Verein von Arlind Gashi getrennt. Am Dienstagabend leitete der Nachfolger bereits die erste Trainingseinheit am Hülspaßweg. Dieser Mann plant mit dem aktuellen Vorletzten eine erfolgreiche Aufholjagd.
  • Mit der „Red Edition“ beginnt die beliebte Winter-Event-Serie. Für viele Reiterinnen und

    Mit der „Red Edition“ beginnt die beliebte Winter-Event-Serie. Für viele Reiterinnen und


    Mit der „Red Edition“ beginnt die beliebte Winter-Event-Serie. Für viele Reiterinnen und Reiter ist es der lang ersehnte Neustart in die Saison. Das Turnierwochenende verspricht packende Prüfungen und sportliche Höhepunkte. Das ist geplant.
  • Niederbayern: Streit ums Zubettgehen – Polizei schlichtet bei Familie

    Niederbayern: Streit ums Zubettgehen – Polizei schlichtet bei Familie

    In Niederbayern hat ein schlafloses Baby eine so heftige Auseinandersetzung der Eltern ausgelöst, dass die Polizei einschreiten musste. Wie die Beamten mitteilten, wollte das Kind einfach nicht ins Bett. Das Pärchen aus Landshut bekam sich dadurch derart in die Haare, dass die Polizei am Dienstagabend gegen 22.30 Uhr alarmiert wurde.

    Anschließend war vor Ort das therapeutische Geschick der Polizisten gefordert. „Die eingesetzten Beamten konnten die Situation vor Ort beruhigen und den Streit schlichten“, berichtete Polizeisprecher Franz Hundhammer. Die Familie wurde anschließend ohne weitere Maßnahmen wieder alleine gelassen.

  • Restaurant Elsa: Kaviar mit Brezn, Austern mit Grammeln

    Restaurant Elsa: Kaviar mit Brezn, Austern mit Grammeln

    Vielleicht verhält es sich mit diesem neuen Restaurant in der Altstadt wie mit dem Schwarz-Weiß-Foto an der Wand. Auf einem der München-Bilder im Gastraum erkennen Ortskundige die Propyläen, davor steht ein Riesenrad. Ein irritierender Anblick des Königsplatzes. An manchen Abenden fragt der Geschäftsführer Lucas Kucz seine Gäste, aus welchem Jahr die Aufnahme wohl stamme. Wer richtig rät oder Bescheid weiß, bekommt einen Obstler aufs Haus.

    Was das nun über den Wesenskern des Restaurants Elsa aussagt, das seit Herbst 2025 die touristenwuselige Bräuhausstraße aufwertet? Gene Tonic meint: jede Menge. Denn auch auf den Tellern erblickt man Vertrautes aus München und Bayern, Deutschland und den alpinen Nachbarländern – und wird doch regelmäßig überrascht, manchmal auch irritiert. Der viel beschworene Twist bei lieb gewonnenen Gerichten, hier ist er Programm.

    Ein paar Beispiele vorab. Die Kaskrainer (16 Euro) ist nicht einfach eine Kaskrainer. Sie ist eine Wurst aus Wagyu-Rind (Westerberger Fullblood), die bunt garniert mit Zwiebelmarmelade, Senf, Röstzwiebeln, Kren und Salat von einer Brioche ummantelt wird.

    Die Kasspatzn kommen mit Trüffelschaum daher, wahlweise zusätzlich mit geriebenem Trüffel (24 beziehungsweise 29 Euro). Und auch den Steckerlfisch gibt’s als kleine feine Portion, mit köstlichem Makrelensud und Minibrezn (19 Euro). Wir staunten, wie wir auch beim Anblick des Riesenrades vor den Propyläen staunten.

    Hier ist die Kaskrainer nicht einfach eine Kaskrainer. Die Wurst besteht aus edlem Wagyu-Rind, wird bunt garniert und in einer Brioche serviert.
    Hier ist die Kaskrainer nicht einfach eine Kaskrainer. Die Wurst besteht aus edlem Wagyu-Rind, wird bunt garniert und in einer Brioche serviert. (Foto: Stephan Rumpf)

    Aber der Reihe nach. Das Elsa befindet sich in direkter Nachbarschaft zu einer anderen Münchner Sehenswürdigkeit: Nur wenige Schritte sind es zum Hofbräuhaus, weniger noch zum Luxushotel Mandarin Oriental. Lucas Kucz und Küchenchef Philipp Naase haben die überschaubaren Gasträume für ihr erstes eigenes Restaurant auserwählt. Zuvor hatte hier die Brasserie Thi ihre Heimat.

    Kucz, Naase und ihr junges Team bringen reichlich Erfahrung aus der Spitzengastronomie mit (Chiemgauhof in Übersee, Atelier im Bayerischen Hof, Essenz in Grassau). Im Elsa versprechen sie „deutsche Wohlfühlküche“, Bewährtes „mit einer Prise Österreich – und einer eigenen Handschrift, die das Gericht ins Heute holt“. Ein zu Scherzen aufgelegter Stadtführer würde aufgrund der oben beschriebenen Lage möglicherweise sagen: Sie bringen dem Hofbräuhaus ein bisschen Luxus nahe.

    Jung und ambitioniert: Geschäftsführer Lucas Kucz und Küchenchef Philipp Naase.
    Jung und ambitioniert: Geschäftsführer Lucas Kucz und Küchenchef Philipp Naase. (Foto: Stephan Rumpf)

    Wie die Ergebnisse des Konzepts ausschauen und schmecken, sei exemplarisch an ein paar Gerichten skizziert, die sich besonders eingeprägt haben. Generell überzeugten uns an zwei Abenden die meisten der etwa zehn probierten Gerichte, von Vorspeisen und Zwischengerichten über Hauptgerichte bis zum Dessert. Lediglich der zu fettig geratene Reiberdatschi zur gelungenen Lachsforelle (28 Euro) und der Gurken-Rahm-Salat zum Cordon bleu vom Kalb (31 Euro) waren „nur“ solide.

    Aufs Schönste verblüfft haben uns folgende Meisterwerke. Da wäre zum einen der geschmorte Spitzkohl mit Sauce hollandaise (mit Marille verfeinert) und Kartoffelpüree (22 Euro). Ausgewogen war das Spiel der Aromen, definitiv ein Gericht für die Seele. Gene Tonics Begleitung frohlockte: „Schmeckt, wie wenn man in Großmutters gemütlicher Bauernstube zum ersten Mal die Sisi-Filme schaut.“ Das wiederum dürfte dem Anspruch der Gastgeber recht nahekommen, die auf der Homepage verkünden: „Zu Hause beginnt dort, wo der Geschmack Erinnerungen weckt.“

    Irritierend und faszinierend zugleich

    Einen Hui-Moment bescherte uns das auf den ersten Blick unscheinbare und für 31 Euro nicht gerade üppige Cordon bleu. Das gute panierte Stück badete in einem Preiselbeerspiegel. Beim Durchschneiden des Fleisches floss der Käse in perfekter Käsefondue-Konsistenz heraus. Ein kleines, sanftes Spektakel auf dem Teller. Auf Nachfrage erklärte man uns, die später ins Fleisch eingearbeitete Liaison aus Appenzeller und Comté werde genau so vorbereitet: als Käsefondue (in eine Richtung gerührt!). Geschmacklich herrlich würzig, die Panade kross, das Fleisch zart.

    Ähnlich beglückt waren wir bei der fluffigen Dampfnudel mit Vanillesoße, Blaubeeren und Mohn (12 Euro), die lediglich optisch etwas irritierte, weil arg flach geraten. Ein Störfaktor auch bei der hauseigenen Bratapfel-Interpretation (10 Euro). Diese bestand aus Vanille-Eis, Spekulatius-Krümel und Krokant-Plättchen, weißer Schokoladen-Mousse in einer Essenz aus Bratapfel. Der Störfaktor waren grüne Tröpfchen in der klaren Essenz, die sich als Dill-Tropfen entpuppten. Irritierend und faszinierend zugleich. Wie das Riesenrad vor den Propyläen.

    Das Elsa gibt sich elegant und münchnerisch, in bester Lage in der Altstadt.
    Das Elsa gibt sich elegant und münchnerisch, in bester Lage in der Altstadt. (Foto: Stephan Rumpf)

    Wenn Herrschaften aus der Spitzengastronomie am modernen Wirtshaus anklopfen, dürfen womöglich auch Kaviar und Austern nicht fehlen. Über ein bisserl bodenständige Dekadenz darf man auch im Elsa schmunzeln, wenn etwa „Kaviar Brotzeit“ (10 Gramm 27 Euro, 30 Gramm 80 Euro) oder „Bayerische Auster“ (6 Euro pro Stück) auf der Karte um Beachtung buhlen.

    Erstere bedeutete ein Döschen Kaviar (Ossetra Imperial), eine kleine Brezn (etwas staubig für unseren Geschmack) und Schmand mit Röstzwiebeln. Brezn und Kaviar, na servus! Aber warum eigentlich nicht? Die Auster kam mit Grammeln und Apfel daher, sah köstlich aus und schmeckte auch so. Tipp: unbedingt das Vinschgauer Brot dazu bestellen (6,50 Euro). Nicht nur das warme Brot, auch der dazu gereichte Erdapfelkas waren ein Gedicht!

    Brezn und Kaviar, na servus! Aber warum eigentlich nicht?
    Brezn und Kaviar, na servus! Aber warum eigentlich nicht? (Foto: Stephan Rumpf)

    Nun kann man das alles dekadent finden. Dann geht man besser in eines der Wirtshäuser mit den immergleichen Gerichten. Wer aber offen ist für ein feinfühliges Update deutscher Wohlfühlküche, der wird im Restaurant Elsa eine Bereicherung der Innenstadt erkennen. Laut Auskunft wechselt die Karte alle sechs Wochen, einige Gerichte bleiben länger. Wenn die Wahl schwerfällt, kann man sich auch für das Vier-Gänge-Überraschungs-Menü entscheiden (69 Euro, mit Weinbegleitung 115 Euro).

    Service und Beratung waren an beiden Abenden ausgezeichnet im Sinne von: aufmerksam, gut gelaunt und kompetent. Als Alternative zum (vorzüglichen) Wein wurde ein alkoholfreier „Champagner“ empfohlen, der der Bestellerin sehr gut gefiel, weil weich, perlend und tief im Geschmack („Blanc de Blancs“ von Oddbird, kleines Glas für 10 Euro).

    Gelöst wurde schließlich auch das Rätsel um das Foto mit dem Riesenrad. Gene Tonics bester Freund lag bei seiner Schätzung nur ein Jahr daneben. Tipp: Die Szenerie ist weniger lange her, als die altmodisch anmutende Schwarz-Weiß-Aufnahme suggeriert. Also: hingehen, anschauen, mitraten. Vor allem aber: genießen!

    Restaurant Elsa, Bräuhausstraße 8, 80331 München, Telefon: 089/59998867, Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag 18 bis 24 Uhr (Küche bis 21 Uhr)

    Die Restaurant-Kritik „Kostprobe“ der Süddeutschen Zeitung hat eine lange Tradition: Seit 1975 erscheint sie wöchentlich im Lokalteil, seit einigen Jahren auch online. Etwa ein Dutzend kulinarisch bewanderter Redakteurinnen und Redakteure aus sämtlichen Ressorts – von München, Wissen bis zur Politik – schreiben im Wechsel über die Gastronomie in der Stadt. Die Auswahl ist unendlich, die bayerische Wirtschaft kommt genauso dran wie das griechische Fischlokal, die amerikanische Fast-Food-Kette, der besondere Bratwurststand oder das mit Sternen dekorierte Gourmetlokal. Das Besondere an der SZ-Kostprobe: Die Autorinnen und Autoren schreiben unter Pseudonym, oft ist dies kulinarisch angehaucht. Sie gehen unerkannt etwa zwei- bis dreimal in das zu testende Lokal, je nachdem wie lange das von der Redaktion vorgegebene Budget reicht. Eiserne Grundregeln: hundert Tage Schonfrist, bis sich die Küche eines neuen Lokals eingearbeitet hat. Und: sich nie bei der Arbeit als Restaurantkritiker erwischen lassen – um unbefangen Speis und Trank, Service und Atmosphäre beschreiben zu können.

  • Auf die Frontscheibe geschleudert: Radfahrer bei Unfall in Gilching schwer verletzt

    Auf die Frontscheibe geschleudert: Radfahrer bei Unfall in Gilching schwer verletzt

    Offenbar aufgrund mehrerer Regelverstöße zweier Verkehrsteilnehmer musste am Dienstagabend ein Fahrradfahrer mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus gebracht worden. Wie die Gautinger Polizei mitteilt, war der 70-Jährige nahe des Gilchinger Sportzentrums von einem Kleinlaster angefahren worden.

    Dieser war auf der Staatsstraße 2069 in Richtung Autobahn unterwegs, als gegen 20.20 Uhr der Radler auf Höhe der Talhofstraße die Staatsstraße überqueren wollte. Dabei übersah er wohl den Kleinlaster, der Vorfahrt hatte und wurde von diesem frontal erfasst. Durch den Aufprall wurde der Fahrradfahrer mit solcher Wucht auf die Frontscheibe des Lasters geschleudert, dass diese brach und erheblich beschädigt wurde. Der 70-Jährige brach sich unter anderem ein Bein, er musste vom Rettungsdienst ins Klinikum Großhadern gebracht werden.

    Laut Polizei ist noch unklar, ob der Radler mit Beleuchtung unterwegs war. Beim 68-Jährigen am Steuer des Lasters wiederum stellten die Beamten einen Alkoholwert von mehr als 0,7 Promille fest, er wurde wegen Gefährdung des Straßenverkehrs angezeigt. Die Staatsstraße war während der Rettungs- und Aufräumarbeiten etwa eine Stunde lang gesperrt.