Eine Frau will sich von der Außenwelt abwenden. Sie hadert mit ihrem Berufsleben, wechselt ihren Job mindestens wöchentlich. Sie arbeitet in einer Bäckerei, in einem Hotel, als Schuhverkäuferin – und empfindet jede dieser Tätigkeiten als Angriff auf ihre Würde. Sie ist lesbisch, möchte aber schwanger werden, organisiert dafür sogar eine Party, auf die sie zahlreich fremde Männer einlädt. Dann bricht sie plötzlich aus: Sie entscheidet sich für eine radikale Form der Abschottung, flieht aufs Land, mietet ein Haus ohne Heizung und ohne Bad. Dort hat sie weder Geld noch Arbeit, besitzt nur ein halbes Dutzend Hühner und einen Sack Maisschrot. Und sie hofft auf einen harten Winter, auf Schneestürme und unpassierbare Straßen – auf den vollständigen Kontaktverlust zur Zivilisation.
Categorie: Nieuws
-

Wirtschaft: Ist Grönland eine Schatzinsel?
Foto: Julia Kraus; Fotos: imago Foto: Julia Kraus; Fotos: imago Foto: Google Eearth/Data SIO, NOAA, U.S. Navy, NGA, GEBCO, Image Landsat Copernicus Image, Image U.S. Geological Survey Foto: Google Eearth/Data SIO, NOAA, U.S. Navy, NGA, GEBCO, Image Landsat Copernicus Image, Image U.S. Geological Survey Wirtschaft Ist Grönland eine Schatzinsel? Der aktuelle Streit dreht sich nicht nur um Geopolitik – es geht auch um Rohstoffe und Energie. Ein Überblick über Chancen und Risiken eines Wirtschaftswunders im Eismeer. Von der Erdumlaufbahn aus betrachtet erinnert Grönland an ein unbeschriebenes Blatt Papier, eine große weiße Fläche, umgeben von Wasser. Foto: Julia Kraus; Fotos: imago Foto: Julia Kraus; Fotos: imago Wirtschaft Ist Grönland eine Schatzinsel? Foto: Julia Kraus; Fotos: imago Foto: Julia Kraus; Fotos: imago Der aktuelle Streit dreht sich nicht nur um Geopolitik – es geht auch um Rohstoffe und Energie. Ein Überblick über Chancen und Risiken eines Wirtschaftswunders im Eismeer. Foto: Google Eearth/Data SIO, NOAA, U.S. Navy, NGA, GEBCO, Image Landsat Copernicus Image, Image U.S. Geological Survey Foto: Google Eearth/Data SIO, NOAA, U.S. Navy, NGA, GEBCO, Image Landsat Copernicus Image, Image U.S. Geological Survey Von der Erdumlaufbahn aus betrachtet erinnert Grönland an ein unbeschriebenes Blatt Papier, eine große weiße Fläche, umgeben von Wasser.
window._taboola = window._taboola || []; window._taboola.push({flush: true}); -

Protest in München: Beschäftigte des öffentlichen Diensts fordern mehr Geld
Beschäftigte im öffentlichen Dienst haben am Mittwoch vor dem bayerischen Finanzministerium, der Staatskanzlei und an der Feldherrnhalle für höhere Gehälter demonstriert. Zu Mahnwache, Demonstrationszug und Abschlusskundgebung kamen nach Angaben des Bayerischen Beamtenbunds (BBB) rund 500 Menschen. Die Aktionen fanden bewusst zur Mittagszeit statt, um auch Beamtinnen und Beamten eine Teilnahme zu ermöglichen.
Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und der Dachverband DBB Beamtenbund und Tarifunion fordern von der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) eine Gehaltserhöhung von sieben Prozent, mindestens jedoch 300 Euro pro Monat, bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Die TdL, der Arbeitgeberverband der Länder, hat bislang kein Angebot vorgelegt, das aus Sicht der Gewerkschaften akzeptabel ist.
Nach Angaben der Gewerkschaften bot die Arbeitgeberseite lediglich einen Abschluss knapp über der erwarteten Inflationsrate an – verbunden mit einer Laufzeit von 29 Monaten. Damit bliebe das Ergebnis deutlich hinter dem jüngsten Tarifabschluss für den öffentlichen Dienst zurück, der für die Beschäftigten von Bund und Kommunen gilt, also auch für die Münchner Stadtverwaltung. Dort sind die Gehälter bereits zum 1. April 2025 um drei Prozent gestiegen, mindestens aber um 110 Euro im Monat; zum 1. Mai 2026 folgt eine weitere Erhöhung um 2,8 Prozent.
Scharfe Kritik gab es auf der Kundgebung an der bayerischen Staatsregierung. Der Freistaat hat angekündigt, das Ergebnis der laufenden Tarifverhandlungen nicht zeit- und wirkungsgleich, sondern erst mit sechs Monaten Verzögerung auf die Beamtinnen und Beamten zu übertragen. „Das ist ein Unding und in Bayern noch nie dagewesen“, sagte BBB-Vorsitzender Rainer Nachtigall auf der Abschlusskundgebung.
Die Ankündigung sende ein fatales Signal, so Nachtigall weiter: „Wenn der Ministerpräsident sagt, wir sparen bei uns, wir sparen beim Staat, dann, liebe Kolleginnen und Kollegen, meint er nicht sich, sondern euch. Euch langt man in die Tasche.“ Das habe mit Wertschätzung nichts zu tun. Die Staatsregierung übe innerhalb der TdL Druck aus, „damit der Abschluss möglichst niedrig ausfällt“, so Nachtigall.
Hintergrund ist, dass sich die laufenden Tarifverhandlungen ausschließlich auf Tarifbeschäftigte der Länder beziehen, etwa in Verwaltungen, Schulen und Hochschulen. Beamte sind nicht tarifgebunden; ihre Besoldung wird gesetzlich festgelegt. In Bayern wurden Tarifergebnisse bislang zeitnah auf Beamte übertragen – genau das steht nun zur Disposition. Betroffen wären etwa Polizisten. Thorsten Grimm, stellvertretender Bundesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, sprach von einem beispiellosen Vorgang: „Das ist keine Wertschätzung – das ist eine absolute Frechheit.“
-

Rüstung: Zeitenwende in der Messehalle
In Deutschland stecken viele Branchen in der Krise, doch die Rüstungsindustrie boomt. Schließlich investieren westliche Regierungen wieder mehr in ihre Armeen, seit Russland die Ukraine überfallen hat. Das spiegelt sich auch bei den Messegesellschaften der Republik wider: Sie veranstalten mehr Branchenschauen zum Thema Verteidigung – stehen dabei aber in hartem Wettbewerb zueinander. Das wurde am Mittwoch deutlich, als die Messe Düsseldorfihre Jahreszahlen präsentierte.
-

Russlands Krieg gegen die Ukraine: US-Gesandter Witkoff reist nach Moskau
Der US-Sondergesandte Steve Witkoff plant nach seinem Treffen mit Russlands Machthaber Wladimir Putin auch Gespräche mit der ukrainischen Seite. Witkoff reist am Donnerstag nach Moskau, um mit Putin über einen Frieden zwischen Russland und der Ukraine zu sprechen. Wann er sich mit den Ukrainern beraten will, sagt Witkoff vor der Presse in Davos nicht. „Wir planen, über Frieden, die Ukraine und Russland zu sprechen“, sagte Witkoff und fügte hinzu, dass Jared Kushner, der Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump, an den Gesprächen teilnehmen werde. Witkoff sagte, er sei „zuversichtlich“ und betonte, man brauche Frieden. Zuvor war bekanntgeworden, dass Vertreter Russlands und der USA am Rande des Weltwirtschaftsforums über bilaterale Beziehungen und eine Friedensregelung für die Ukraine gesprochen haben. In Moskau sagte Kremlsprecher Dmitrij Peskow, ein Treffen zwischen mit Witkoff stehe im Kalender von Staatschef Wladimir Putin.
-

Glosse: Das Streiflicht
(SZ) Was macht die Meldung, dass die Teflon-Industrie steigende Gewinne verzeichnet, in diesen Tagen mit uns? Wo holt sie uns ab? Und warum in aller Welt beschäftigt sich das Streiflicht mit einer sonst an uns abperlenden Wirtschaftsnachricht? Als gäbe es nicht genug wichtigere News! Zum Beispiel die Nachricht, dass ein ehemaliger Verteidigungsminister sich zu sagen traut, Donald Trump benehme sich wie ein Drittklässler, dem man das Frisbee weggenommen habe. Das ist so militärisch knapp gesagt wie schief gedacht, weil dem zehnjährigen Trump niemand etwas weggenommen hat, schon gar nicht eine Nobelpreis-Scheibe und noch weniger eine Scheibe Grönlandeis. So bleibt es nur ein weiterer rührender Versuch, Donald Trump zu bremsen, indem man ihn knallhart wissen lässt, was der vernunftgesteuerte Rest der Welt von ihm hält. Welche Schlagkraft so eine Talkshow-Schelte besitzt, ahnt man, wenn man sieht, wie Trump mit dem Leader der Grande Nation umspringt und Emmanuel Macron wissen lässt, was dieser sage, sei ihm vollkommen egal.
-

Seligsprechungsverfahren für Alfred Delp: Ein Münchner Jesuitenpater, der gegen die Nazis kämpfte
Es war eine letzte Demütigung des NS-Regimes: Alfred Delp sollte nach seiner Hinrichtung am 2. Februar 1945 in Berlin-Plötzensee nicht in einem Grab die letzte Ruhe finden. „Reichsführer SS“ Heinrich Himmler hatte angeordnet, die Asche des 37 Jahre alten Münchner Jesuitenpaters und Mitglieds der Widerstandsgruppe Kreisauer Kreis über den Berliner Rieselfeldern zu verstreuen – dort, wo das Abwasser der Stadt gereinigt wurde. 81 Jahre später, am 2. Februar 2026, wird Kardinal Reinhard Marx in einem feierlichen Gottesdienst zu Mariä Lichtmess im Münchner Dom das Seligsprechungsverfahren für Pater Alfred Delp eröffnen.
-

Wirtschaft: Baukrise kostet Freisinger Werkzeug-Händler Praetner die Existenz
Die Nachricht kam auch für viele Beschäftigte überraschend – und ist doch die Folge einer längeren Entwicklung: Der seit fast 100 Jahren in Freising ansässige Werkzeug-Fachhandel Praetner schließt Ende März seine Tore. Den 43 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Familienunternehmens wurden vor einer Woche bei einer Betriebsversammlung ihre Kündigungen ausgehändigt. Firmenchef Louis Praetner hat nach drei Jahren tief in den roten Zahlen keine andere Möglichkeit mehr gesehen, sagt er sichtlich betroffen: „Eine Entscheidung, die ich ganz schweren Herzens treffen musste.“
Besonders bitter ist für ihn dabei der Hintergrund der Firmenschließung. Denn die 1929 als Eisenhandlung gegründete „Praetner GmbH Co Handels KG“ beliefert als mittelständisches Unternehmen Handwerksbetriebe und Baufirmen mit Werkzeugen, Bauelementen, Befestigungs- und Sicherheitstechnik – ein eigentlich gesundes Geschäftsmodell, das jetzt zum Opfer der anhaltenden Flaute speziell in der Bauindustrie geworden ist.
Die deutsche Baubranche steckt in der schwersten Krise seit Jahrzehnten. Gestiegene Zinsen, explodierende Baukosten sowie der herrschende Fachkräftemangel haben den Wohnungsbau massiv zurückgehen lassen: 2024 wurden laut Statistischem Bundesamt nur noch 252 000 Wohnungen fertiggestellt – ein Minus von 14,4 Prozent gegenüber 2023. In den beiden Vorjahren hatte die Zahl noch bei jeweils rund 294 000 gelegen. Die Folgen treffen Zulieferer wie Praetner mit voller Wucht.
„Bei uns kaufen Handwerker, Baufirmen und Bauträger“, sagt Firmenchef Praetner. Dieses Geschäft sei in den vergangenen drei Jahren weggebrochen. Geschäftsführer Thomas Biersack wird präziser: Wenn keine Wohnungen gebaut würden, kaufe niemand Schließanlagen, Briefkästen oder Türen. Zusätzlich gebe es einen Investitionsstau bei den Unternehmen, Sanierungsmaßnahmen würden geschoben, Reparaturen nur notdürftig vorgenommen. Handwerker ohne Aufträge aber bräuchten kein Werkzeug, verdeutlicht Biersack: „Das alles summiert sich in die Hunderttausende.“
Biersack hat sich in dem Familienunternehmen Praetner vom Lehrling in seine jetzige Position hochgearbeitet. Er bestätigt seinen Chef, wenn der sagt, dass auch ein gesundes Unternehmen Umsatzeinbrüche im zweistelligen Prozentbereich nicht dauerhaft wegstecken könne. Und dem Preiskampf, der unter den Zulieferern entbrannt sei, habe man als Kleiner in der Branche kaum etwas entgegenzusetzen.
Versucht hat man gleichwohl alles, um die traditionsreiche Firma zu retten. Das Unternehmen habe immer zu Freising gehört, man sei der Stadt verbunden und vor allem auch den Mitarbeitern, die teilweise seit Jahrzehnten in dem Betrieb arbeiteten, betont Praetner. Man habe Kosten gespart, frei werdende Stellen nicht mehr besetzt und die Verluste des ersten Jahres sogar „mit Eigenmitteln der Familie“ ausgeglichen, sagt er: „Wir sind kein rein Rendite-orientiertes Unternehmen, wir haben zu unseren Mitarbeitern auch eine Verbindung.“
Man habe aber auch eine sehr breite Produktpalette und viele Abteilungen, die mit nur einem Mitarbeiter nicht mehr arbeiten könnten, zeigt Praetner die Grenzen der Rettungsversuche auf. Ein weiterer Personalabbau sei nicht mehr möglich gewesen – und als die Konjunktur 2025, anders als erhofft, nicht wieder angesprungen sei, habe er eine Entscheidung treffen müssen.
Um eine auch für die Mitarbeitenden schlechte Insolvenz zu vermeiden, soll die Firma jetzt schlicht geschlossen werden. Statt eines Sozialplans setzt Praetner auf sehr lange Kündigungsfristen. Bei langjährigen Mitarbeitern seien das bis zu sieben Monate, in denen sie Zeit hätten, sich einen neuen Job zu suchen. Schwierigkeiten dürften sie damit angesichts des Fachkräftemangels nicht haben, davon sind Praetner und Biersack überzeugt: „Das sind lauter gut ausgebildete, motivierte Spezialisten.“
Lob für Unterstützung durch das Arbeitsamt
Voll des Lobes ist Praetner in seiner Situation für das Freisinger Arbeitsamt. Nachdem er die Entlassungen gemeldet habe, sei die Behörde innerhalb kürzester Zeit mit vier Mitarbeitern bei ihm in der Firma angerückt, um die Arbeitslosmeldungen aufzunehmen und seinen Leuten damit den Gang zum Arbeitsamt erst einmal zu ersparen. Das sei nicht selbstverständlich.
Zum Teil seien die Mitarbeiter von der Schließung überrascht worden, räumt Biersack ein. Manch einer habe sicher nicht so genaue Einblicke in den Ernst der Lage gehabt. Bei der Betriebsversammlung, in der man das Ende verkündet habe, seien viele traurig gewesen, man sei aber auch auf Verständnis gestoßen.
Bis 31. März läuft die Firma normal weiter. Anschließend wird der Lagerverkauf abgewickelt. Was mit dem 18 000 Quadratmeter großen Firmengelände im Gewerbegebiet Gute Änger, das Praetner gehört, geschehen soll, will der Firmenchef erst danach entscheiden. Jetzt gelte es erst einmal, ein geordnetes Ende herbeizuführen, sagt er. Er habe die Kündigungen alle eigenhändig unterschrieben und persönlich überreicht: „Das war die schlimmste Aufgabe, die ich in all den Jahren zu übernehmen hatte. Es ist eine bittere Geschichte, nach 97 Jahren aufgeben zu müssen. Wir hätten mindestens die 100 schon gerne vollgemacht.“
-

Kulturtipps: Zum Sehen, zum Lesen, zum Hören
Das Science-Fiction-Genre ist, egal ob in der Literatur oder im Film, ein zutiefst männlich geprägtes. In den Geschichten von Autorin Alice B. Sheldon ist das jedoch vollkommen anders. Da brauchen Männer erstaunlich lange, bis sie einsehen, dass sie ein Problem haben. Sodass die Erleuchtung entweder zu spät einsetzt, als dass es noch eine Rettung geben könnte. Oder aber Frauen in der Zwischenzeit ihre Probleme lösen. Sheldon hat ihre Erzählungen unter dem männlichen Pseudonym James Tiptree jr. veröffentlicht. Drei ihrer Geschichten hat der WDR nun als Hörspiel adaptiert. In „Houston Houston“ etwa realisieren die drei Mann Besatzung der Sunshine 1, dass sie 300 Jahre hinter der Zeit leben. Was sie zu der irrsinnigen Annahme verleitet, sie wären jetzt die Könige der Welt. Als größte Gefahr sehen die drei Männer: Frauen.
Während des Zweiten Weltkriegs war Astrid Lindgrens Karriere als Schriftstellerin noch Jahre entfernt. Sie lebte als Hausfrau und Mutter zweier Kinder mit ihrem Mann in Stockholm. Der mit Spielszenen versehene Dokumentarfilm „Astrid Lindgren – Die Menschheit hat den Verstand verloren“ widmet sich eben dieser Lebensphase. Lindgren schrieb damals ausführlich Tagebücher, die jahrzehntelang in ihrem Schlafzimmer im Wäscheschrank lagen. Sofia Pekkari trägt im Film zentrale Stellen dieser Tagebücher vor. Außerdem kommt in den Dokumentarszenen Lindgrens Tochter Karin zu Wort, die mittlerweile 91 ist. Sie war während dieser Jahre ein kränkliches Kind, das oft im Bett lag. Eines Abends habe sie ihre Mutter gebeten, ihr die Geschichte von Pippi Langstrumpf zu erzählen. Ein Name, den das Kind sich spontan ausgedacht hatte.
„Nicht erschrecken, aber ich werde gleich schreien!“ Kari Leibowitz steht im schwarzen Badeanzug auf einem Steg im Norden von Amsterdam. Dass sie gleich schreien wird, liegt daran, dass es Ende November ist, also kalt und: das Wasser noch kälter, etwa neun Grad nämlich. Sie lässt sich an der Metalltreppe hinab und: schreit. Kari Leibowitz ist Amerikanerin, hat in Stanford in Psychologie promoviert und im nordnorwegischen Tromsø geforscht, an der nördlichsten Universität der Welt. Ihre zentrale These ist: Das Leben ist nicht nur im Sommer lebenswert. Wenn man aufhört, den Winter als eine Zeit zu betrachten, die bitte einfach schnell vorübergehen soll, beginnt man, seine Möglichkeiten zu entdecken. Zeit für Ruhe, Gemütlichkeit, aber auch für andere Körpererfahrungen, die bei 25 Grad einfach nicht zu haben sind.
Das literarische Hörspiel hat eine lange und ruhmreiche Tradition, die bis heute aus guten Gründen gepflegt wird. Klaus Schöning hat damit dennoch nie etwas anfangen können – und radikal mit ihr gebrochen, vor Jahrzehnten bereits. Der Autor, Regisseur und Dramaturg hat das Hörspiel ganz bewusst aus Literatur- und Theaterzusammenhängen gelöst. Er wollte die Sprache nicht herausheben, wollte sie nicht grundsätzlich über die Musik stellen, über Geräusche, über die Wirkung, die durch die Montage, durch Schnitte, Überblendungen, Überlagerungen, Stereo-Effekte und die Kreation akustischer Räume entsteht. Klaus Schöning, einer der wichtigsten Erneuerer des Hörspiels, ist jetzt gestorben. „Mr. Ars Acustica“ ist eine rauschhafte akustische Montage, die einen durch sein fulminantes Lebenswerk schleudert.
Wir leben in einer Demokratie. Wie wenig selbstverständlich das ist, zeigt sich gegenwärtig an vielen Orten und Ereignissen. Umso mehr lohnt es sich zu ergründen, was Demokratie bedeutet und wie demokratiefähig wir sind. Wie sich davon erzählen lässt, macht „Problemwölfe“ beeindruckend vor. Es ist Winter, fünf Jugendliche stehen im Zentrum. Ein Wolf taucht auf und spaltet einen Ort. In kurzen Absätzen und schnellem Wechsel kommen die Protagonisten zu Wort, eine Perspektive kippt in die andere, fiktive O-Töne der Bewohner bringen noch mehr Standpunkte ins Spiel. Da sind die, die den Wolf tolerieren und schützen wollen, da sind die, die das Tier am liebsten abknallen würden. Das könnte sich im Komplizierten verlieren, doch die sorgfältige Komposition trägt.
Als Drogencops in Miami planen Lieutenant Dane Dumars (Matt Damon) und Detective Sergeant J. D. Byrne (Ben Affleck) nicht weit voraus. „Leben, um noch einen weiteren Sonnenaufgang zu erleben“, lautet ihr Motto. Ihre Spezialeinheit stellt Drogen sicher oder räumt Geldverstecke aus, riesige Mengen von Scheinen, die sie der zuständigen Behörde übergibt. In dem von Joe Carnahan makellos inszenierten Thriller gerät die Loyalität in ihrem Team ins Wanken, als ein anonymer Tipp zu einer größeren Menge Drogengeld in Cash hereinkommt, 20 Millionen Dollar. Für einen solchen Einsatz, „Rip“ genannt, existiert eigentlich ein klares Protokoll. Doch Dumars, gerade an Byrne vorbei zum Anführer befördert, hält sich zur Verwunderung seines Teams nicht daran.
Bis aus einer Kakaoschote Schokolade wird, dauert es Monate. Wie schwerfällig und anstrengend das Pflücken, Trocknen und Fermentieren ist, sieht man den glanzvollen Verpackungen im Supermarkt nicht an. Auch nicht, ob Kinder an dem Prozess beteiligt gewesen sind – es sei denn, man orientiert sich an dem grün-blauen Fair-Trade-Siegel. Nachdem man das Jugendbuch „The Bitter Side of Sweet“ von Tara Sullivan gelesen hat, wird man ganz besonders auf dieses Siegel achten. Der Roman ist eine klassische Geschichte von Ausbeutung und Unterdrückung, Gewalt, Macht und Ohnmacht. Gut gegen Böse spitzt sich hier politisch zu – und berührt besonders, weil die Guten Kinder sind. Ein Buch, das über Selbstverständliches neu nachdenken lässt.
Ein Tennisverein in der westdeutschen Provinz zankt sich um einen Grill. Der alte sei verrostet und vermutlich krebserregend, sagt der Vizevorstand beim Vereinstreffen. Also wolle man einen neuen anschaffen, mit noch mehr Grillfläche, für noch mehr Koteletts und Würste. Die Stimmung im Tennisklub heizt sich daraufhin schneller auf als die Holzkohle im Edelstahlgrill, es geht um Demokratie, Migration und Meinungsfreiheit. Nebenbei zanken sie über Atheismus und Vegetarismus, über zickige Frauen, Übergriffe am Netz und Dorfdeppen in Nazivereinen. Bei all dem Streit macht die Komödie „Extrawurst“ überraschend gute Laune.
Hyperstress und Flashbacks aus der Pandemie: Die hervorragende Krankenhausserie „The Pitt“ ist endlich in Deutschland zu sehen und zeigt ein heftiges Bild von der Arbeit im Krankenhaus, bei dem echte Ärzte sagen: Ja, so ist es. Das Wartezimmer ist schon frühmorgens brechend voll, die Patienten drängeln und stöhnen, die Krankenwagen rollen mit den ganz ernsten Fällen an. Und auch für Nicht-Ärzte ist „The Pitt“ ein passender Resonanzraum für den Dauerstress des modernen Alltags, in dem ebenfalls ständig alles piept und wir von einer Benachrichtigung zur nächsten eilen.
Eine Serie über den stressigen Krankenhausalltag, eine Diskussion um politische Korrektheit zwischen Würstchen und Koteletts und eine akustische Ehrung des Hörspiel-Meisters Klaus Schöning. Neun Kulturtipps für ein abwechslungsreiches Wochenende.
-

Freizeit: Der Charme alpiner Retro-Mode
Modisch versetzt einen der kleine Nebenraum des Hauses von Jörg und Constanze Metzler in Benediktbeuern zurück in die 1930- und 1940er-Jahre des Alpinismus. An Kleiderstangen hängen Knickerbocker, Kristiania-Hosen aus schwerem Wollstoff, handgestrickte Pullunder, Karohemden mit Hirschhornknöpfen Wolljacken und Blousons. Es gibt handgestrickte Mützen, Hosenträger, Strümpfe und ein wenig Damenkleidung vom Rock bis zur Hose.
Es ist so etwas wie der Mini-Showroom der kleinen Manufaktur 18nulleins für Retro-Alpinkleidung, die Jörg und Constanze Metzler im Jahr 2014 aufzubauen begonnen haben. „Ich finde die Sachen richtig schön“, sagt die studierte Textil- und Bekleidungstechnikerin. „Ich habe ein Faible dafür.“ Sie fertigt alles in Handarbeit, lässt sich gemeinsam mit ihrem Mann Jörg von historischen Modezeitschriften und Schnittmustern, Werbeplakaten und Fotografien von Alpinisten in Büchern inspirieren.
Für eine Jacke aus Schurwolle stand ein Bergsteiger aus den 1930er-Jahren auf einem Foto Pate
Pate für die Jacke Paul aus reiner Schurwolle mit einem Innenfutter aus Baumwolle stand etwa ein junger Bergsteiger, der sich in den 1930er-Jahren mit einer Gruppe in der österreichischen Gebirgsregion Gesäuse fotografieren ließ. Aus der Abbildung entwickelte Constanze Metzler einen Prototyp für die Wolljacke mit breitem Kragen, vier aufgesetzten Taschen und zweireihiger Leiste mit 18 aufgesetzten Hirschhornknöpfen. Benannt hat sie das Modell nach Paul Preuß (1886-1913). Der Bergsteiger und Freikletterer bestieg in kurzer Zeit mehr als 1200 Gipfel.
In den braunen Bergstiefeln, Wollhose mit weitem Bein und den Saum verdeckenden Stoffabschluss im Kristiania-Stil, einer Karobluse und dem grünen handgestrickten Pullunder strahlt Constanze Metzler an diesem Tag eine selbstbewusste Lässigkeit aus. Damit vermittelt sie sofort, dass die Marke 18nulleins mit 08/15-Mode nichts gemein hat. Metzler erzählt denn auch, dass vor allem viele Städter in ihrem Online-Shop Kleidung bestellen.
Womöglich liegt das daran, dass eine urbane Kundschaft besonders aufgeschlossen für den nostalgischen Charme ihrer Alpinmode ist. „Es spricht Leute an, die viel im Kopf haben, in gewisser Weise nach der guten alten Zeit und Entschleunigung suchen“, spekulieren Jörg und Constanze Metzler. Das wäre dann vergleichbar mit vielen Revivals wie dem des Plattenspielers, der Kassette oder analoger Kameras, die vermehrt jüngere Leute ansprechen.

Ein von Constanze Metzler entworfenes Dirndl-Kleid. (Foto: Benjamin Engel) Wer diese Mode trägt, muss wohl ein wenig individualistisch sein und keine Angst haben damit aufzufallen. Der Name der Manufaktur stammt übrigens von der exakten Gipfelhöhe des Benediktbeurer Hausbergs. Die Bergsilhouette ziert auch das Label von 18nulleins, das Constanze und Jörg Metzler selbst entworfen haben. Wichtig sei ihr, dass ihre Mode zeitlos und nachhaltig sei, so die Textil- und Bekleidungstechnikerin. Ihre Stoffe versucht sie möglichst direkt von europäischen Herstellern zu bestellen. Weil das Angebot schrumpft, wird das aber immer herausfordernder.
Constanze Metzler selbst stammt aus Mönchengladbach in Nordrhein-Westfalen und hat eine vielfältige Berufskarriere. Für große Unternehmen aus der Unterwäschebranche betreute sie osteuropäische Länder. Sie arbeitete für eine Modefirma in Murnau oder betrieb einen Laden mit angeschlossener Änderungsschneiderei in Benediktbeuern. In dem Dorf im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen lebt sie mit ihrem dort gebürtigen Mann um die 20 Jahre. „Ich weiß, wie man plant“, sagt Constanze Metzler.
Constanze Metzler fertigt ihre Mode selbst an
Was mit der Knickerbocker als erstem Artikel begann, ist inzwischen auf eine „kleine, feine Kollektion“ von zehn verschiedenen Modellen zuzüglich Accessoires angewachsen, wie Metzler sagt. Sie fertigt alles selbst an, zieht am im Bedarfsfall heimische Schneiderin zur Unterstützung hinzu.

Reprints wie dieser von einem historischen Werbeplakat dienen als Inspirationsquelle (Foto: Benjamin Engel) Der weiße Rock einer jungen Frau auf dem Reprint-Werbeplakat von Garmisch-Partenkirchen, das damit als führender Wintersportort Deutschlands für sich warb, könnte Inspirationsquelle für einen weit schwingenden Rock aus Metzlers Damenkollektion gewesen sein. Für die macht die Textil- und Bekleidungstechnikerin Kompromisse, setzt teils auf synthetische Materialien. Weil das sonst viel zu teuer werden würde, wie sie sagt.
Für sportliche herausfordernde Aktivitäten ist die Bekleidung von 18nulleins allerdings weniger geeignet, sondern eher für entspannte Freizeitunternehmungen. Die Windjacke „Toni“, die Constanze Metzler entworfen und dafür einen besonders dicht gewebten, wind- und wasserabweisenden Stoff genutzt hat, den etwa auch die Schweizer Armee seit den 1930er-Jahren verwendet, eignet sich dagegen schon für alpine Aktivitäten.
Aus reiner Schafschurwolle besteht dagegen eine Mütze mit seitlich umklappbaren Ohrenschützern. Die ist nach Anderl Heckmeier benannt, der ein solches Modell trug, als er mit einer Gruppe erstmals die Eiger Nordwand durchstieg. Von zahlreichen Inspirationsquellen spricht Metzler. „Ich habe viele Ideen im Kopf“ – und dafür dürften ihr auch die Namen berühmter Alpinisten nicht ausgehen.
