Wer in die USA einreisen möchte, muss damit rechnen, dass seine persönlichen Social-Media-Profile durchforstet werden. Künftig könnte es sogar Pflicht werden, Online-Aktivitäten vor der Einreise offenzulegen. Die Vergabe von Visa an Austauschschüler und -studentinnen hat die Trump-Regierung 2025 zwischenzeitlich gestoppt. Und gerade droht sie damit, militärisch gegen Proteste gegen die US-Einwanderungsbehörde ICE in Minneapolis vorzugehen.
Welchen Einfluss haben diese Entwicklungen auf Austauschprogramme in die USA? Wie in ganz Deutschland bieten auch Schulen in den Landkreisen rund um München solche Reisen an. Dabei fliegen deutsche Schülerinnen und Schüler für einige Wochen in die USA. Im Gegenzug kommen US-amerikanische Schüler von den Partnerschulen nach Deutschland.
Gefördert werden diese Austauschprogramme über das German American Partnership Program (GAPP) des pädagogischen Austauschdienstes (PAD) der Kultusministerkonferenz. Anlass, das Programm einzuschränken, sieht der PAD bislang nicht. Er könne auch keinen Trend erkennen, dass weniger Besuche deutscher Schülergruppen stattfinden, teilt der Austauschdienst auf Anfrage mit. Bisher sei nicht bekannt, dass Schulen im GAPP wegen der politischen Umstände abgesagt hätten. Es gebe angesichts der Umstände aber „größere Unsicherheiten und Besorgnisse vonseiten der Schulen und vor allem auch Eltern“.
„Wir sensibilisieren die Schüler“, heißt es von einem Gymnasium
Susanne Falkenstein vom Korbinian-Aigner-Gymnasium in Erding bestätigt das. Die Schule hat Partnerschulen in Michigan und Boston. „Wir haben uns im Direktorat zusammengesetzt und überlegt, ob wir damit weitermachen“, erzählt Falkenstein. Die Schule hat sich dafür entschieden und macht ihre Schritte abhängig von den Sicherheits- und Reisehinweisen des Auswärtigen Amts: Wenn es eine Gefahr für Schüler und Lehrkräfte gibt, müsse man absagen. Für den Fall der Fälle hat Falkenstein die Flüge so gebucht, dass sie möglichst kurzfristig noch stornierbar sind.
Auch die Schülerinnen und Schüler wurden vorgewarnt, dass der Austausch je nach Situation abgesagt werden könnte. Sie werden in einem Wahlkurs auf den Amerika-Austausch vorbereitet. Das Interesse ist weiterhin groß: Nicht alle Teilnehmer des Kurses können mitfahren. Bei der Vorbereitung versucht die Schule auch, Risiken bei der Einreise zu verringern: „Wir sensibilisieren die Schüler dafür, im Umgang mit sozialen Netzwerken vorsichtig zu sein – was sie anschauen, was sie liken, was sie teilen“, sagt Falkenstein. Andere Schulen würden Schülern verbieten, das Alltagshandy auf die Reise mitzunehmen, erzählt sie. Beim diesjährigen Austausch werde das Einverständnis der Eltern notwendig sein, Schüler bei verweigerter Einreise allein zurückzuschicken.
Allgemein geht Falkenstein aber davon aus, dass der Austausch stattfinden wird. Die Größe der USA sei dabei von Vorteil. Ein Stadtzentrum, in dem Proteste stattfinden könnten, gebe es in der Partnerstadt gar nicht. „Wir schicken ja unsere Kinder nicht allein nach Detroit.“ Aber wie auch zuvor rate die Schule den Schülern davon ab, mit den Gastfamilien über Politik, Kirche oder Gehalt zu sprechen.
Die Schüler selbst beschäftige primär eine Frage: Darf ich mit? „Wir haben ein sehr tolles Austauschprogramm. Das ist eigentlich das Schöne, dass das vom Politischen abgekoppelt ist“, sagt Falkenstein. „Es ist wichtig, dass man sich nicht einschüchtern lässt. Dass man den Schülern die Gelegenheit gibt, vor Ort zu sehen: Die haben die gleichen Interessen wie wir.“
„Wir dachten an die deutsch-französische Freundschaft“
Peter Mareis, Schulleiter am Josef-Effner-Gymnasium in Dachau, sieht das ähnlich. Die Organisatoren hätten mögliche Probleme zwar auf dem Schirm. Doch der Aufenthalt in Alaska ist weiterhin geplant. „Wir haben uns gefragt: Unterstützen wir mit einem Austausch ein System, das wir aus persönlicher Überzeugung nicht unterstützen?“ Nein, entschied die Schule. „Wir dachten an die deutsch-französische Freundschaft. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging der Austausch über die Schulen.“ Außerdem möchte das Gymnasium seine Partner in Alaska und Philadelphia nicht im Stich lassen: „Wir wollen den Austausch ganz bewusst und gezielt weitermachen, weil es unsere Freunde sind.“
Im vergangenen Oktober habe die Gruppe bei der Einreise keinerlei Einschränkungen erfahren, sei sogar eher bevorzugt behandelt worden. Auch die Eltern scheinen bisher entspannt. Auf der Informationsveranstaltung zur Reise im Oktober habe es zu dem Thema keine Rückfragen gegeben.
Der erste Reflex sei vielleicht, dass man derzeit eher nicht in die USA fahren will, sagt Mareis. Aber: „Es ist ein Schüleraustausch und kein Urlaub.“ Kulturelle und politische Bildung stehe im Fokus. Deshalb sei auch ein Ausflug in die Hauptstadt Washington D.C. Teil des Programms. Und das Interesse ist auch hier weiterhin groß: Es möchten doppelt so viele Schüler mitfahren, wie es Plätze gibt.