London (IGroßbritannien) – US-Präsident Donald Trump warnte schwangere Frauen vor Paracetamol – und löste damit eine Welle der Verunsicherung aus. Seine Behauptung: Das Schmerzmittel könne Autismus beim Kind auslösen. Doch jetzt schlagen Forscher zurück. Eine große Übersichtsarbeit mit 43 hochwertigen Studien zeigt: Die Warnung ist unbegründet.
Das Team um Asma Khalil vom St George’s University Hospitals NHS Foundation Trust in London analysierte u. a. Daten von Geschwistervergleichen – also von Menschen mit ähnlichen genetischen Grundlagen und Umweltfaktoren. Das Ergebnis ist eindeutig: Paracetamol erhöht nicht das Risiko für Autismus, ADHS oder geistige Behinderungen. Die Forscher veröffentlichten ihre Erkenntnisse im Fachjournal „The Lancet Obstetrics, Gynecology, & Women’s Health“.
Sicherheit bei sachgemäßer Anwendung belegt
„Zusammen mit großangelegten, geschwisterkontrollierten Studien aus Schweden und Japan, die 2024 und 2025 veröffentlicht wurden, belegen unsere Ergebnisse die Sicherheit von Paracetamol bei sachgemäßer Anwendung in der Schwangerschaft“, lautet die Schlussfolgerung der Experten. Damit widerlegen sie Trumps Aussagen.
Der US-Präsident hatte im September bei einer Pressekonferenz behauptet, Schwangere sollten das Medikament – in den USA unter dem Markennamen Tylenol bekannt – nur im äußersten Notfall verwenden. Bei Kopfschmerzen oder Fieber sollten sie lieber die Zähne zusammenbeißen. Seine Warnung verbreitete sich rasend schnell in sozialen Netzwerken.
[–>Wissenschaftler widersprachen sofort vehement
Doch Experten schlugen direkt Alarm. Sie warnten, dass unbehandeltes Fieber und starke Schmerzen Mütter und Babys einer ernsten Gefahr aussetzen können. Auch das Forscherteam der aktuellen Übersichtsarbeit gibt zu bedenken: Unbehandeltes Fieber der Mutter wird mit Fehlgeburten, angeborenen Fehlbildungen, Frühgeburten und neurologischen Entwicklungsstörungen in Verbindung gebracht.
Zwar haben einzelne Studien eine mögliche Verbindung zwischen Paracetamol und Autismus nahegelegt. Doch deren Datengrundlage birgt Risiken für falsche Schlüsse. „Viele Analysen basieren auf den Angaben der Mütter zum Paracetamol-Gebrauch, die anfällig für Erinnerungsverzerrungen und Fehlklassifizierungen sind“, heißt es in der aktuellen Analyse.
Mittel der ersten Wahl weltweit
Paracetamol ist das am häufigsten verwendete Schmerz- und Fiebermittel in der Schwangerschaft und wird weltweit als Mittel der ersten Wahl zur Schmerzlinderung und Fiebersenkung empfohlen. Der Einsatz werde unverändert weiter empfohlen, hieß es nach den Trump-Sätzen unter anderem von der zuständigen europäischen Gesundheitsbehörde Ema.









