Die Lage: Inside Austria
Femizide erschüttern Österreich
Oliver Das Gupta, Wien
Zwei Frauen werden erwürgt, geständig sind in beiden Fällen Männer, einer ist Polizist. Wieder einmal zeigt sich: Österreich hat ein großes Problem mit Gewalt gegen Frauen.
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Gleich zu Beginn des neuen Jahres hat sich in Österreich ein schrecklicher Trend fortgesetzt: im Januar wurden innerhalb von nur zwei Wochen zwei Femizide gezählt:Im Bundesland Niederösterreich gab der Tatverdächtige zu, seine Freundin erdrosselt
zu haben. Die Leiche der 36-jährigen Deutschen versteckte der Österreicher in einem Erdkeller, später erzählte er einem Bekannten von der Tat, der die Polizei alarmierte. Der geständige 45-Jährige war bereits wegen häuslicher Gewalt bekannt.Zuvor hatte in der Steiermark ein 30-jähriger Österreicher eingeräumt, seine vier Jahre ältere Bekannte erwürgt zu haben, mit der er ein Verhältnis hatte. Es ist ein Teilgeständnis: Umbringen wollte er sie angeblich nicht, behauptet er, es habe sich um einen Unfall gehandelt. Ärztliche Hilfe hatte der Tatverdächtige nicht geholt, stattdessen vergrub er nach Angaben der Behörde die Leiche. Bei dem Mann handelt es sich um einen Polizisten der Sondereinheit Cobra. Als seine Kollegen seine Wohnung durchsuchten, stellten sie zwei Dienstwaffen sicher, die er offenbar entwendet hatte.
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Töten Männer in Österreich Frauen und Mädchen häufiger, weil sie weiblich sind? Sterben Frauen zwischen dem Neusiedler See und dem Bodensee häufiger durch Männer in ihrem Umfeld als anderswo in Europa?Statistisch deutet viel darauf hin. Die Mordrate fällt zwar im Vergleich zu europäischen Nachbarländern ziemlich niedrig aus: Sie liegt in Österreich bei 0,5. Zum Vergleich: In Deutschland liegt sie bei 0,9. Doch der Anteil an weiblichen Opfern fällt auffallend groß aus. Nimmt man alle Fälle zusammen – Morde und andere Tötungsdelikte – wird noch ein anderer Befund deutlich. Seit mehr als einem Jahrzehnt werden in Österreich mehr Frauen als Männer getötet. Und in fast allen Fällen sind die Täter männlich und verwandt oder bekannt mit den Opfern.
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Gewalt gegen Frauen ein »strukturelles Problem«Die Gesamtzahl der Mordopfer ist in der Alpenrepublik seit den Siebzigerjahren rapide gesunken, aber nicht die Gewaltbereitschaft, stellte eine Studie im Oktober 2025 fest . Inzwischen verfestige sich der Eindruck, Österreich kümmere sich unzureichend um den Schutz von Frauen oder sei in diesem Bereich gar ein »Schlusslicht in Europa«, wie damals Marina Sorgo, Vizevorsitzende des Bundesverbands der Gewaltschutzzentren warnte. Für Frauenministerin Eva-Maria Holzleitner (SPÖ) ist Gewalt gegen Frauen ein »strukturelles Problem«.
Die Bundesregierung aus ÖVP, Sozialdemokraten und liberalen Neos hat das Thema gleich nach Amtsantritt im Frühjahr 2025 auf ihre Agenda gesetzt. Ein »Nationaler Aktionsplan« sieht eine Reform des Sexualstrafrechts vor, wodurch Cyber-Stalking und andere digitale Übergriffe besser verfolgt werden können. Außerdem sollen Anti-Gewalt-Trainings für Gefährder zur Pflicht werden, Betretungsverbote verschärft und Gewaltschutzambulanzen ausgebaut werden.
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Podcastfolge von »Inside Austria« zum Fall PilnacekSchon vergangene Woche hat mein Kollege Fabian Schmid vom »Standard« Sie über den jetzt angelaufenen parlamentarischen Untersuchungsausschuss zum Fall Pilnacek informiert. Der Tod des schillernden wie mächtigen Spitzenbeamten beschäftigt Österreich bis heute. Christian Pilnacek war im Oktober 2023 in einem Seitenarm der Donau ertrunken.
Offiziell gilt Ertrinken als Todesursache, Fremdverschulden wurde ausgeschlossen. Die Rede war rasch von Suizid. Doch bis heute gibt es zahlreiche Ungereimtheiten und offene Fragen. Kritisiert werden unter anderem die Ermittlungen der Behörden, es ist von Schlamperei und politischer Vertuschung die Rede. Zuletzt warfen Daten von der Smartwatch des Toten neue offene Fragen auf. Der Untersuchungsausschuss soll nun klären, ob ÖVP-Politiker versucht haben , Einfluss auf die Ermittlungen zu nehmen.
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In der aktuellen Podcastfolge von »Inside Austria« fasst Fabian Schmid den Fall Pilnacek noch einmal zusammen und gibt Einblick in den aktuellen Stand der Ermittlungen – und in die Zweifel daran. Außerdem berichtet Maximilian Werner von einem ungewöhnlichen Termin des Untersuchungsausschusses: einem Lokalaugenschein am Fundort von Pilnaceks Leiche in der Wachau. Er erzählt, was an diesem eiskalten Tag passiert ist – und womit sich das Gremium sonst noch beschäftigt hat.
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Oliver Das GuptaAutor für SPIEGEL und »Standard«
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