In der Gemeinde Großbeeren bei Berlin haben CDU-Mitglieder einen Brandbrief an Bundeskanzler Friedrich Merz geschrieben. »Wir brauchen keine CDU-Führung, die der Basis erklärt, warum ihre Politik eigentlich richtig sei. Wir brauchen eine CDU-Führung, die bereit ist, sich zu fragen, warum immer weniger Menschen diese Politik für richtig halten«, schrieb der Vorsitzende der CDU Großbeeren, Adrian Hepp, bei Facebook, stellvertretend für insgesamt 33 Mitglieder, die namentlich aufgeführt sind. Darunter ist auch Bürgermeister Martin Wonneberger.
Die Christdemokraten der Gemeinde im Landkreis Teltow-Fläming halten den AfD-Sieg und das Debakel für die CDU bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt nicht für einen »Betriebsunfall«. »Wir verlieren Wähler nicht deshalb, weil diese Menschen plötzlich radikal geworden sind«, heißt es in dem Brandbrief. »Wir verlieren einen erheblichen Teil von ihnen, weil sie das Vertrauen in die CDU und in die Fähigkeit der etablierten Politik verloren haben, ihre Probleme tatsächlich zu lösen.«
Rücktritt von Merz nicht gefordert
Die 33 CDU-Mitglieder vermissen die versprochenen Reformen. »Wir sind mit dem Versprechen angetreten, Deutschland wirtschaftlich wieder auf Kurs zu bringen, Bürger und Unternehmen zu entlasten, Energie bezahlbarer zu machen, Migration konsequenter zu steuern, Bürokratie abzubauen und dafür zu sorgen, dass sich Leistung wieder lohnt«, schreiben sie. »Doch was davon ist bei den Menschen bisher tatsächlich angekommen?«
Einen Rücktritt von Merz fordern sie nicht. »An dem Punkt sind wir noch nicht«, sagte der Vorsitzende der CDU Großbeeren Hepp der Nachrichtenagentur dpa.

