Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, ist entsetzt über den Vorstoß von CDU und der gesichert rechtsextremistischen AfD im sächsischen Heidenau, dort keine Stolpersteine mehr im öffentlichen Raum zu verlegen. Orte der Erinnerung aus dem Stadtbild zu entfernen, sei der »völlig falsche Weg«, sagte Knobloch den Zeitungen der Funke Mediengruppe.
Knobloch erklärte, sie sei keine »Freundin des Konzepts der Stolpersteine«, gleichwohl sei »dezentrales Gedenken, das nicht aus dem öffentlichen Raum verbannt wird«, entscheidend für eine echte Kultur des Erinnerns. Knobloch hatte die Stolpersteine in der Vergangenheit vehement abgelehnt und sich für aus ihrer Sicht würdigere Alternativen ausgesprochen. In ihrer Heimatstadt München werden auf städtischem Grund keine Stolpersteine verlegt – stattdessen gibt es aber Stelen an Häuserwänden als Gedenken im öffentlichen Raum. »Ich bin entsetzt, dass eine demokratische Partei sich dafür hergibt, ein so durchsichtiges Manöver der Extremisten von der AfD zu unterstützen«, sagte Knobloch.
»Ein Skandal«
Grünen-Chef Felix Banaszak sagte der Presseagentur dpa: »Dass sich CDU und AfD in Heidenau die Hand reichen, um Stolpersteine im öffentlichen Raum zu verhindern, ist ein Skandal.« Gerade angesichts der aktuellen Debatten über den Umgang mit Rechtsextremismus und dem Vormarsch der AfD müsse man alles dafür tun, »um das Gedenken an diejenigen, die verfolgt und ermordet wurden, lebendig zu halten«.
Banaszak sagte: »Die Begründung, man könne auf den Stolpersteinen herumtreten, ist absurd.« Der eigentliche Skandal sei, dass hier die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus mit Füßen getreten werde. Wer dieses Gedenken aus dem Straßenbild verbannen wolle, müsse sich fragen lassen, warum die sichtbare Erinnerung an die Opfer störe.
Im sächsischen Heidenau nahe Dresden sollen keine Stolpersteine mehr zur Erinnerung an Opfer des Nationalsozialismus verlegt werden. Ein gemeinsamer Antrag von Stadträten der gesichert rechtsextremistischen AfD und der CDU wurde am Donnerstagabend mehrheitlich beschlossen. Viele empfänden diese Form der Erinnerung an Opfer des Nationalsozialismus als nicht angemessen, hieß es als offizielle Begründung in dem Antrag. Stattdessen solle das Gedenken vorzugsweise auf dem Nordfriedhof der Stadt stattfinden, so »dass ein direktes Betreten der Gedenkelemente ausgeschlossen ist«. Die Entscheidung löste bundesweit Kritik und Diskussionen aus.

