Interne Dokumente aus dem Haus von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer wecken Zweifel an dessen Darstellung der Vorgänge rund um den Ausschluss dreier Buchläden vom Deutschen Buchhandlungspreis. Das Portal T-Online berichtet über die Dokumente, zu denen es nach eigenen Aussagen über das Informationsfreiheitsgesetz Zugang erhalten hat. Demnach hat die zuständige Fachabteilung keine Bedenken zur Preiswürdigkeit der drei Buchhandlungen ausgesprochen.
Weimer hatte die linken Buchhandlungen Zur schwankenden Weltkugel in Berlin, The Golden Shop in Bremen und Rote Straße in Göttingen im März wegen »verfassungsschutzrelevanten Erkenntnissen« von der Liste der Preisträger entfernt. Nach anhaltender Kritik an der Entscheidung wurde die Preisverleihung abgesagt, die Preise wurden ohne Zeremonie vergeben. Ein Gericht untersagte Weimer, die Betreiber des betroffenen Berliner Ladens als »politische Extremisten« zu bezeichnen.
Einschätzung des Verfassungsschutzes nicht im Detail bekannt
Im Interview mit der ZEIT hatte Weimer im März gesagt, dass »unsere Fachbeamten, die sich in der Buchhandlungsszene sehr gut auskennen«, in drei Fällen »grundsätzliche Zweifel an der Preiswürdigkeit« gehabt hätten. Deshalb sei der Verfassungsschutz angefragt worden. Dieser habe geantwortet, dass »hier etwas Ernsthaftes« vorliege. Auf Nachfrage, was genau vorliege, sagte Weimer: »Das darf uns der Verfassungsschutz nicht im Detail sagen.«
T-Online berichtet, dass sich in den Akten der Fachabteilung solche Bedenken nicht finden würden. Im Oktober 2025 habe die Fachabteilung empfohlen, »dem Votum der Jury zu folgen« und alle vorgeschlagenen Buchhandlungen auszuzeichnen. »Alle empfohlenen Buchhandlungen erfüllen die Teilnahmebedingungen für eine Auszeichnung«, zitiert das Portal aus den Unterlagen.
Weiter heißt es, dass sich in der Vorlage nur knappe Hinweise zu den einzelnen Buchhandlungen finden würden. Im Kurzporträt zur Göttinger Buchhandlung sei lediglich die Eigendarstellung von der Homepage des Ladens wiedergegeben, wo von Büchern zu »Feminismus und Queerness, Linker Theorie und deren Diskussion, sozialen Bewegungen, Nationalsozialismus und dessen Rezeption, marxistischer Theorie, Kritischer Theorie, Antirassismus und Migration« die Rede sei. Im Abschnitt zum Bremer Buchladen werde sich ebenfalls auf die Website bezogen und darauf hingewiesen, dass es dort Verlinkungen zur Antifa in Bremen gebe. Zum Berliner Buchladen werde festgestellt, dass dieser eine offensichtliche politische Ausrichtung habe.

