Straßburg (Frankreich) – Flug verspätet, Ärger groß – und jetzt droht auch noch weniger Geld für Passagiere. Genau das will das Europaparlament verhindern. Mit breiter Mehrheit haben die Abgeordneten am Mittwoch in Straßburg klargemacht: Die Entschädigungsrechte bei Flugverspätungen sollen bleiben, wie sie sind. Eine Anhebung der Schwelle, ab der Airlines zahlen müssen, lehnt das Parlament strikt ab. Der Streit um die Reform geht nun in einen Vermittlungsausschuss mit den 27 EU-Ländern.
Streit um die Drei-Stunden-Grenze
Kern der Auseinandersetzung ist die Frage, ab wann Fluggäste Anspruch auf Geld haben. Bislang gilt: Aktuell können Passagiere ab drei Stunden Verspätung eine pauschale Entschädigung verlangen, wenn die Fluggesellschaft die Verzögerung verschuldet hat. Für Flüge bis 1500 Kilometer gibt es 250 Euro, bis 3500 Kilometer 400 Euro und auf Langstrecken über 3500 Kilometer 600 Euro. Bei „außergewöhnlichen Umständen“ wie Naturkatastrophen entfällt der Anspruch. Eine Mehrheit der 27 EU-Länder will diese Grenzen anheben – mit der Folge, dass deutlich weniger Passagiere Geld bekämen. Nach ihren Plänen gäbe es für Flüge bis 3500 Kilometer und alle innereuropäischen Strecken erst ab vier Stunden 300 Euro. Auf längeren Strecken würden 500 Euro erst ab sechs Stunden Verspätung fällig. Doch das Europaparlament stellt sich quer. Die Drei-Stunden-Grenze gilt für die Abgeordneten als rote Linie.
Kostenloser Sitzplatz neben Kindern
Neben den Entschädigungen geht es um weitere Punkte. Das Parlament will etwa durchsetzen, dass Fluggäste immer einen kleinen Koffer kostenlos als Handgepäck mitnehmen dürfen. Dafür schlugen die Abgeordneten einheitliche Maße vor, fanden bei den 27 EU-Ländern bislang aber keine Mehrheit. Hier signalisiert das Parlament nun Zugeständnisse. Andere Teile der Reform sind bereits vorläufig beschlossen. Eltern sollen künftig kostenlos einen Sitzplatz neben ihren Kindern reservieren können. Außerdem sollen Passagiere nach einer Verspätung automatisch ein Formular erhalten, mit dem sie ihre Entschädigung beantragen können.
[–>Airlines argumentieren mit weniger Flugausfällen
Verbraucherschützer warnen vor einem kompletten Scheitern der Reform. Dann würden „dringend notwendige Anpassungen an neue Geschäftsmodelle“ ausbleiben, mahnte das Europäische Verbraucherzentrum. Die Fluggesellschaften sehen das anders. Der Branchenverband A4E (Air for Europe) argumentiert, eine höhere Entschädigungsschwelle könne sogar zu weniger Ausfällen führen: Drohe eine Entschädigung, würden Airlines Flüge teils ganz streichen. Eine höhere Grenze gebe mehr Zeit, Ersatzmaschinen bereitzustellen.
Vermittlungsausschuss soll Lösung finden
Nun müssen Parlament und Rat der 27 EU-Staaten einen Vermittlungsausschuss bilden. In dem Gremium sitzen je ein Vertreter aus jedem Land sowie 27 Abgeordnete des Parlaments. Der Ausschuss hat acht Wochen Zeit, um einen Kompromiss zu finden – ein konkretes Startdatum gibt es aber nicht. Scheitern die Gespräche am Ende komplett, bleibt alles beim Alten.

