Edinburgh (Schottland) – Tief unter dem ewigen Eis der Antarktis verbirgt sich eine Landschaft, die bisher unbekannt war – jetzt holen Forscher sie ans Licht! Ein internationales Forscherteam unter Leitung der Universität Edinburgh hat mit Satellitendaten und der Physik des Eisflusses den Untergrund des südlichsten Kontinents neu vermessen. Das Ergebnis: eine Karte von bisher unerreichter Detailgenauigkeit!
Die Antarktis gehört zu den „am wenigsten kartierten Planetenoberflächen des Sonnensystems“.
Forscher kartieren Antarktis neu
Die Antarktis gilt laut dem Team als „eine der am wenigsten kartierten Planetenoberflächen des Sonnensystems“. Seit Jahrtausenden liegt ihr Untergrund unter kilometerdickem Eis verborgen. Genau das macht die neue Karte so wertvoll für das Verständnis der Geschichte und Entwicklung des Kontinents. Die Daten sollen Forschern helfen, künftige Expeditionen gezielter zu planen. Außerdem könnten sie Modelle verbessern, mit denen der durch den Klimawandel verursachte Meeresspiegelanstieg berechnet wird, wie u.a. „The Debrief“ berichtet.
[–>Untergrund steuert Eisfluss
Die sogenannte subglaziale Topografie beeinflusst direkt, wie das Eis fließt und wie die Oberfläche der Antarktis aussieht. Frühere Studien hatten bereits Hügel, Gebirgskämme und Ebenen nachgewiesen. Doch oft fehlten genaue Daten – dabei sind sie entscheidend, um die Reaktion des Eises auf den Klimawandel zuverlässig vorherzusagen. „Weil es schwierig ist, wissenschaftliche Beobachtungen durch Eis hindurch durchzuführen, wissen wir weniger über die Landschaft, die unter der Antarktis verborgen ist, als über die Oberfläche des Mars oder der Venus“, erklärte Dr. Helen Ockenden, die die Kartierungsarbeiten leitete. Ockenden und ihr Team werteten hochauflösende Satellitenbeobachtungen der Eisoberfläche und Messungen der Eisdicke aus und analysierten den Eisfluss über die darunter liegende Felsformation.
Verschiedene Analysemethoden wurden für die Kartierung zusammengeführt
Täler und Flüsse
Nach dem Zusammenführen aller Daten zeigte die neue Karte Strukturen, die bis zu 30 Kilometer unter der Eisoberfläche liegen. Zu sehen sind tiefe Täler, ausgewaschene Niederungen und hunderte Kilometer lange Flussläufe. Viele dieser Formen entstanden durch Druck und Bewegung des Eises. „Über Millionen von Jahren hat das antarktische Eis eine Landschaft geformt, die aus flachen Ebenen, zerklüfteten Hochebenen und schroffen Bergen besteht, die alle unter der heutigen kilometerdicken Eisdecke verborgen sind“, erklärte Mitautor Professor Robert Bingham. Insgesamt entdeckte das Team rund 30.000 bislang unbekannte kleine Hügel und Täler, verteilt über den gesamten Kontinent.

