Trier (Rheinland-Pfalz) – Seit vielen Jahren hegte Alicja Müller einen außergewöhnlichen Herzenswunsch: „Ich wollte einmal in meinem Leben ein Auto so richtig kurz und klein schlagen“, sagt die 53-Jährige lachend. Nichtsahnend, dass sie damit einen Polizei-Einsatz auslösen würde …
Lange behieltAlicja aus Trier (Rheinland-Pfalz)ihren Wunsch für sich. „Ich dachte, mein Mann hält mich vielleicht für bekloppt.“ Doch schließlich offenbarte sie sich. „Am Wochenende sagte mein Mann, dass am Montag ein Auto für mich bereitstehen würde, an dem ich mich austoben darf. Ein Geburtstagsgeschenk.“
Alicja ist Mutter einer Tochter (23) und Fahrschullehrerin
Äxte, Hämmer und Schraubenzieher bereitgelegt
Alicja durchforstete ihren Keller, sammelte Äxte, Hämmer und Schraubenzieher zusammen. „Ich freute mich, wie sich ein Kind aufs Phantasialand freut“, so die gebürtige Polin. Ein Auto in einem sogenannten Rageroom („Wutraum“) zu verkloppen, sei für sie nicht infrage gekommen, „weil man da nur 60 Minuten Zeit hat.“
Als der schwarze Opel Corsa vor ihr stand, prüfte sie zunächst die Lage: „Das Auto war von außen in einem guten Zustand. Dann habe ich mir meine Utensilien wie in einem OP-Saal ordentlich auf den Boden gelegt.“ Ihr war wichtig, dass alle Reifen und Fensterscheiben intakt und nicht allzu viele Beulen im Blech sind.
Alicja legt los
Als die Polizei kam, zerlegte sie gerade die Motorhaube
Zuerst zerstörte Alicja eine Autotür: „Als die hintere Scheibe zersplitterte, war das eine Melodie in meinen Ohren.“ Dann tauchte plötzlich die Polizei auf. Zeugen hatten die Beamten alarmiert. Die Polizei: „Eine Frau hämmerte mit einer Axt wie wild auf einen Opel älteren Modells ein, als wolle sie ihn in seine Einzelteile zerlegen.“
Der erste Schlag
Als die Beamten eintrafen, war die 53-Jährige gerade mit der Motorhaube beschäftigt. Nach einem kurzen Gespräch war die Situation geklärt. Es gab nichts zu beanstanden: Alicjas Ehemann hatte mit dem Grundstückseigentümer alles abgesprochen und für die Entsorgung der Überreste des Autos gesorgt.
Der Polizeiwagen blieb heil
Mann schenkte seiner Frau das Auto zum Zertrümmern
Mit ihrer Aktion hat sie es inzwischen sogar in die englische Zeitung „The Times“ geschafft. Und die Bilanz nach dreieinhalb Stunden Autozerdeppern? „Ich habe immer noch Muskelkater.“ Bloß – warum überhaupt wollte sie ein ganzes Auto zerstören? Um Frust loszuwerden? Alicja erzählt: „Ich habe zwar Temperament, aber bin kein aggressiver Mensch. Die Spaß-Aktion hatte nichts mit Frustabbau zu tun. Es war Neugier. Wenn ich frustriert bin, putze ich.“
Das Auto vor der Zerstörung
Der Kleinwagen, nachdem Alicija sich ausgetobt hatte. Den Motor verschonte sie, damit nichts ausläuft
Das ist Alicjas nächster Wunsch
Ihr nächster Herzenswunsch: „Ein picobello ausgestattetes Wohnzimmer kurz und klein schlagen. Diesmal aber mit Vorschlaghammer.“ Übrigens – eigentlich ist Alicja ganz friedlich. In ihrer Freizeit restauriert sie alte Möbel, verbringt Zeit im Pferdestall und tanzt.

