Die tolle Lage am Südufer des Starnberger Sees und ein Service mit Drei-Gänge-Menü im Restaurant, eigenem Badesteg, Kulturveranstaltungen sowie Pool, Sauna und Dampfbad im Haus haben ihren Preis. Die Miete für eine Zwei-Zimmer-Dachgeschoss-Wohnung mit Balkon beläuft sich auf 3500 Euro; und das ist noch das günstigste Angebot in der Seeresidenz Alte Post in Seeshaupt. Die „Premium-Seniorenresidenz“, so die Eigenwerbung, bekommt nun einen neuen Betreiber: Das Kuratorium Wohnen im Alter (KWA) mit Hauptsitz in Unterhaching übernimmt im April den Betrieb.
Die Gemengelage ist etwas kompliziert in der Seeresidenz. Da gibt es zwei Gebäudeteile, eine Wohnungseigentümergemeinschaft und Tochtergesellschaften der Karg’schen Familienstiftung mit Sitz in Frankfurt mischen mit, die 1953 von den damaligen Besitzern der Kaufhaus-Kette Hertie gegründet worden war. Der Wechsel scheint nicht ganz einfach vonstatten zu gehen. In seiner Mitteilung berichtet das KWA von „intensiven Vertragsverhandlungen“, die sich über fast zwei Jahre hinzogen, bis die Mietverträge abgeschlossen werden konnten. Der bisherige Leiter Stefan Müller wird abgelöst, Bianca Jendrzej übernimmt seine Aufgaben. Die 51‑jährige Pflegewissenschaftlerin ist seit vielen Jahren im KWA.
Müller war seit der Eröffnung der Seeresidenz im Jahr 2001 Geschäftsführer und damit zuständig für den gesamten operativen Bereich. Er freue sich über die gesicherte Zukunft für die Bewohner und Mitarbeitenden der Seeresidenz, sagte er am Telefon. Das Haus habe für die Gemeinde eine große Bedeutung. Es sei „seit langer Zeit bestens ausgelastet“, es gebe sogar eine Warteliste, sagt Müller. Der 66-Jährige ist seit zwölf Jahren für die Parteifreien Bürger (PfB) im Seeshaupter Gemeinderat.
Wie der Münchner Rechtsanwalt Michael H. Böcker mitteilt, war der Grund für den Wechsel, dass der bisherige Betreiber die Miete um eine halbe Million Euro auf 900 000 Euro reduzieren wollte; damit seien aber die Eigentümer nicht einverstanden gewesen. Er vertritt als Geschäftsführender Gesellschafter die Seeresidenz Seeshaupt Vermietungs GbR und hat den Eindruck, dass die Karg-Leute die Verhandlungen absichtlich verzögerten.
In dem Anwesen am Starnberger See befinden sich 120 Wohnungen. Um die 145 Bewohnerinnen und Bewohner kümmern sich 70 Mitarbeiter. In einem ersten Gespräch im vergangenen November seien die Senioren über den bevorstehenden Wechsel informiert worden. Mit einer Mischung aus Neugierde und Sorge blickten die Bewohner der Übergabe entgegen, erinnert sich KWA-Sprecherin Anna Stielner, die aber versichert, es seien zunächst keine gravierenden Änderungen geplant: „Es besteht kein Grund zur Sorge. Wir werden das in erster Linie so übernehmen, wie es ist.“

„Der Standort am Starnberger See ist eine außergewöhnliche Bereicherung für KWA“, erklärt Vorstand Johannes Rückert. Er hatte im September 2023 die Konzernleitung übernommen und war zuvor als Mitglied der Geschäftsführung bei der Augustinum-Gruppe für den Bereich „Seniorenresidenzen“ zuständig. Das gemeinnützige Sozialunternehmen betreibt nach eigenen Angaben 14 Seniorenresidenzen und zwei Pflegestifte; dazu zählen Standorte in Unterhaching und Ottobrunn sowie am Georg-Brauchle-Ring und das Luise-Kiesselbach-Haus in München. Auch an der Marianne-Strauß-Klinik in Kempfenhausen, einer Spezialklinik für Multiple Sklerose ist das KWA beteiligt.

Der neue Standort am Starnberger See passt ganz offensichtlich gut ins Konzept, denn alle KWA-Wohnstifte sind laut Eigenwerbung „gehobene, einzigartige Wohnanlagen“. Eine Rezeption wie in einem Hotel und ein Café-Restaurant gehören üblicherweise dazu. „Ein KWA-Wohnstift ist weder Altenheim noch Pflegeheim“, heißt es ausdrücklich. Und die Sprecherin Stielner meint zur Seeresidenz auch, „dass es perfekt zu uns passt.“
Ambitionierte Pläne an einem anderen Standort am Starnberger See haben nicht ins Konzept des Kuratoriums gepasst. Jahrelang wurde geplant und diskutiert, bis im Herbst 2024 schließlich verkündet wurde, dass aus einem Seniorenwohnstift in Ambach in der Gemeinde Münsing aus wirtschaftlichen Gründen nichts mehr wird. „Wir halten das Risiko, mit diesem Projekt zu scheitern, für zu groß, um es tragen zu können“, sagte Vorstandsvorsitzender Rückert. Das KWA hat den Großteil des Areals des früheren Wiedemann-Kursanatoriums vor acht Jahren gekauft. Die Gebäude standen seit 2008 leer und wurden abgebrochen. Was nun mit dem Hanggrundstück oberhalb des Ostufers des Starnberger Sees geschehen soll, ist offen.

