Nach dem Star-Aufgebot im November und Dezember ist das Münchner Jazz-Angebot im restlichen Januar eher etwas für Entdecker und Kenner. Was ja fast immer für die Jazzkonzerte in der Seidlvilla zutrifft, von denen es in diesem Monat ausnahmsweise gleich zwei gibt. Erst präsentiert Schlagzeuger Severin Rauch sein Münchner Quartett mit Matthieu Bordenave am Saxophon, Sam Hylton am Klavier und Ludwig Klöckner am Bass (17. Januar). Drei Tage später spielt dann in der Jazz+ Reihe der italienische Bassist Ferdinando Romano mit seinem Quartett seine gerade als Album veröffentlichte sechsteilige Suite „The Legends of Otranto“ (20. Januar).
Außerhalb des engeren Jazzzirkels auch noch ein Geheimtipp ist die Sängerin Karoline Weidt. Auch wenn ihre Stimme wie ihr Programm äußerst zugänglich und genussvoll sind, wohl auch am 16. Januar in der Unterfahrt, wenn sie erstmals live Stücke aus dem kommenden neuen Album vorstellt. In der deutschen, aber auch internationalen Jazz-Landschaft – seine Band Odd Wisdom gibt es mit heimischer und internationaler Besetzung – zugange ist der aus Uruguay stammende Diego Piñera. Auch an ihm sieht man, wie schwer es heutzutage ist, sich über das Genre hinaus einen Namen zu machen. Ganz besonders als Schlagzeuger (Unterfahrt, 17. Januar).
In der Unterfahrt sind aber auch die altgedienten Größen begehrt, selbst wenn sie es aus oft unerfindlichen Gründen nicht in den allgemeinen Prominentenstatus geschafft haben. Der finnische Pianist Kari Ikonen (21. Januar) etwa, der swingboppende US-Saxofonist Jesse Davis (22. Januar, ausverkauft), und sein britischer Kollege Andy Sheppard (27. Januar). Die wohl erfolgreichste österreichische Jazz-Band, Lukas Kranzelbinders Shake Stew, ist an den drei Tagen ihres traditionellen Unterfahrt-Gastspiels so gut wie ausverkauft. Nur für das unbestuhlte letzte Konzert gibt es noch Karten (29. bis 31. Januar). Auch für Tasten-Mastermind Bugge Wesseltoft am 26. Januar nebenan in der Pianistenreihe im Einstein gibt es keine Karten mehr. Ein skandinavischer Ausweichtermin an diesem Tag wäre die tolle schwedische Pianistin und Sängerin Ida Sand mit ihrem Trio im Saal X des Gasteig HP8.

In München und Bern ist Joe Haider eine Legende. Am 3. Januar hat der einstige Haus-Pianist des „Domicile“, der mit seiner Münchner „Jazz School“ und dann an der Swiss Jazz School auch die Jazz-Pädagogik mitbegründet hat, seinen 90. gefeiert. Noch kein Grund für ihn, aufzuhören. Nach dem Auftritt mit Streichern im vergangenen Jahr kommt er auf seiner Geburtstagstour gleich mit seinem kompletten Jazz Orchestra in die Unterfahrt (19. Januar).

Eine steile Karriere wird der jungen spanischen, in New York lebenden Trompeterin Milena Casado prophezeit (20. Januar), genau wie – um schon mal in den frühen Februar vorauszuschauen – der österreichischen Saxofonistin Yvonne Moriel (5. Februar). Und vielleicht klappt das ja auch noch international beim Münchner Saxofonisten Moritz Stahl. Der Saxofonist unter anderem der Jazzrausch Bigband und von Ark Noir hat sich für sein neues Projekt Transient Bodies jedenfalls eine junge internationale All-Star-Band zusammengestellt, die jetzt auf großer Tour und „langfristig angelegt ist“, wie Stahl versichert. Was auf echtes gemeinsames Verständnis und Interesse schließen lässt, finden hier doch die Pianistin Marie Krüttli aus der Schweiz, Bassist Etienne Renard aus Frankreich und die südkoreanische Schlagzeugerin Sun-Mi Hong aus den Niederlanden zusammen (24. Januar).
Welcher Schlüsselreiz bekannte Namen sind, kann man an dem Konzert sehen, das am 18. in der Muffathalle stattfindet: Bei „Buena Vista“ denkt jeder nur halbwegs an Musik Interessierte sicher nicht zuerst an eine schöne Aussicht, sondern – unter pawlowschem Hinzufügen von „Social Club“ – an kubanische Musik. Das vor 30 Jahren von Ry Cooder und Wim Wenders losgetretene Revival des klassischen kubanischen Son läuft und läuft unter diesem Etikett. Siehe jetzt den Auftritt der 14-köpfigen Truppe Estrellas Buena Vista.

