Symbolpolitik im Supermarkt
Viele Dänen wollen offenbar US-Waren boykottieren
Angesichts des Grönlandstreits verzeichnen in Dänemark derzeit mehrere Apps Zulauf, die US-amerikanische Waren in Supermärkten aussortieren. Es ist nicht der erste Versuch, stärker auf europäische Produkte zu setzen.
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Apps »UdenUSA« und »Made O’Meter«: Gegen Wut am Weinregal
Foto: Liselotte Sabroe / EPA
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In Dänemark wollen offenbar immer mehr Menschen auf Waren Made in USA verzichten. Angesichts der vom Weißen Haus angezettelten Zolldrohungen und des Grönland-Streits informieren sich dänische Verbraucherinnen und Verbraucher jedenfalls zunehmend über die Herkunft von Produkten – inzwischen auch durch bestimmte Einkaufsapps.
Mithilfe der Apps können die Dänen Lebensmittel auf ihre Herkunft scannen. Eine der Apps entwickelt hat der 21-jährige Jonas Pipper. Gemeinsam mit seinem Freund Malthe Hensberg arbeitete er bereits seit vergangenem Jahr an der Anwendung »UdenUSA« (»OhnedieUSA«).»Wir haben gemerkt, dass es vielen wichtig war, auf Lebensmittel aus den USA zu verzichten«, sagt App-Entwickler Pipper. »Aber es ist nicht immer so leicht, die im Supermarkt auch zu erkennen.« Als Hintergrund der Boykott-Betsrebungen kann die neo-imperialistische Politik von US-Präsident Donald Trump gelten, der Ansprüche auf Grönland erhebt, das zum Königreich Dänemark gehört.
Die App schlägt Alternativen zu US-Produkten vor, damit Verbraucher stattdessen europäische Unternehmen unterstützen könnten. Die Idee scheint auf Anklang zu stoßen: Im dänischen App-Store lag »UdenUSA« am Mittwoch auf Platz 1 der Download-Hitliste der kostenlosen Apps. Die in dem skandinavischen Land ebenfalls beliebte App »Made O’Meter« wiederum hilft ebenfalls bei der Bestimmung der Herkunft der Waren.
Nur wenige Waren direkt aus den USADie Apps sind nicht der erste Versuch dänischer Verbraucher, beim Einkauf gezielt auf US-Produkte zu verzichten. Der Handelskonzern Salling, zu dem auch die Supermarktketten Føtex und Netto zählen, meldete eine »steigende Nachfrage« von Kunden, die lieber zu europäischen Marken greifen möchten
. Salling kennzeichnet deshalb seit einigen Monaten Waren europäischer Produzenten mit einem Stern auf dem Preisschild.Auch auf Facebook tauschen sich Däninnen und Dänen darüber aus, wie sie amerikanische Produkte am besten meiden können. Die Gruppe »Boykottiert Waren aus den USA « hat inzwischen mehr als 100.000 Mitglieder. Zur Einordnung: Dänemark hat rund sechs Millionen Einwohner.
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Unklar ist, was für einen Effekt solch ein Boykott haben kann. Die dänische Volkswirtschaft ist vergleichsweise klein. Selbst wenn ein relevanter Teil der dänischen Konsumenten US-Produkte meide, dürfte dies kaum ausreichen, um spürbare wirtschaftliche oder politische Wirkungen zu entfalten, sagt Sascha Raithel, Professor für Marketing an der Freien Universität Berlin.Problematisch dürfte auch sein, dass es in dänischen Supermärkten ohnehin kaum in den USA hergestellte Waren gibt. »Viele der Marken, die wir als amerikanisch betrachten, werden nicht unbedingt in den USA hergestellt«, sagte eine Analysten der Danske Bank dem Sender Danmarks Radio . Der Anteil an Lebensmitteln, die tatsächlich aus den USA kommen, liege bei gerade mal 1,1 bis 1,2 Prozent des dänischen Lebensmittelverbrauchs – vor allem Wein und Mandeln. Wie groß die Auswirkungen eines Boykotts sind, sei deshalb nur schwer einzuschätzen. Es komme auch darauf an, ob die Produkte leicht zu ersetzen seien, sagt Katharina Gangl, Direktorin des Nürnberger Instituts für Marktentscheidungen.
Vielen Verbrauchern dürfte es ohnehin um etwas anderes gehen. Sie wollen mit ihrer Kaufentscheidung bloß ihrem Ärger über die US-Politik etwas Luft machen, sagt der Verhaltensforscher Pelle Guldborg Hansen von der Universität Roskilde dem dänischen Rundfunk. »Viele Menschen sehen Nachrichten und ärgern sich über etwas«, so der Forscher. »Da möchte man einfach irgendetwas gegen seine Wut unternehmen. Und sei es noch so klein.«Lesen Sie hier mehr zum Thema: Warum sich Coca-Cola neuerdings als deutsches Unternehmen inszeniert
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