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  • Aus für Trainer Toppmöller in Frankfurt Zu lange mit Samthandschuhen Eintracht Frankfurt

    Aus für Trainer Toppmöller in Frankfurt Zu lange mit Samthandschuhen Eintracht Frankfurt

    Aus für Trainer Toppmöller in Frankfurt

    Zu lange mit Samthandschuhen

    Eintracht Frankfurt trennt sich von Dino Toppmöller. Der Trainer scheiterte an der brüchigen Defensive und an der Attitüde in der Öffentlichkeit wie auf dem Rasen. Doch viele der Probleme am Main liegen tiefer.

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    Grübler im Rollkragen: Viele in Frankfurt wurden mit Dino Toppmöllers ruhiger Art nie ganz warm

    Foto: Christian Charisius / dpa

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    Es war ein typischer Satz von Abstiegskandidaten, aber bei einem Champions-League-Teilnehmer. »Wir brauchen ein Erfolgserlebnis, dass die Leinen losgelassen werden.« Gesagt hat ihn Frankfurts Trainer Dino Toppmöller am Freitag vor dem Spiel bei Werder Bremen. Aus dem Wörterbuch von Krisenvereinen im Profisport hätte auch noch stammen können: den Bock umstoßen, das Glück erzwingen, den Turnaround schaffen. Was auch immer – die Eintracht schaffte es nicht und spielte bei Werder Bremen mit viel Glück nur 3:3-Unentschieden. Am Sonntag folgte die Trennung von Trainer Toppmöller, die sich über einen Monat lang angebahnt hatte.

    Dennis Schmitt und der in Frankfurt als »Fußball-Gott« verehrte Alex Meier übernehmen vorerst. Die Eintracht sei »zu der Überzeugung gelangt, dass wir aufgrund der rückläufigen Entwicklung in den letzten Wochen einen neuen sportlichen Impuls brauchen«, sagte Sportvorstand Markus Krösche.

    Gegentore wie ein AbsteigerJene rückläufige Entwicklung ist klar: Bei der Eintracht fielen nicht nur Worte wie bei einem Abstiegskandidaten, sondern auch Gegentreffer. Neun davon hat Frankfurt in drei Spielen nach der Winterpause kassiert, das Team stellt die schlechteste Defensive der gesamten Liga. Im Frankfurter Tor wurde häufiger eingeschenkt als in den hiesigen Apfelweingaststätten am Samstagabend. Diese Schwäche war der letztlich entscheidende, aber nicht einzige Faktor beim Votum gegen den Trainer.

    Die reinen Fakten allerdings lassen die Entlassung für Außenstehende erst einmal merkwürdig erscheinen. Frankfurt steht eben nicht am Tabellenende, sondern auf Platz sieben. Toppmöller, dessen Vater einst die Eintracht mit dem »Fußball2000« elektrisierte und der selbst glühender Fan war, führte den Verein 2025 erstmals in der Geschichte über die Liga in die Champions League.Gleichzeitig formte er Stürmer wie Omar Marmoush oder Hugo Ekitiké zu solcher Extraklasse, dass der Klub ungeahnte Millionensummen für ihren Verkauf kassierte. Trotz all der Abgänge und Hürden hat sich Toppmöller gemäß seinem sachlichen und zuvorkommenden Umgang nie öffentlich beklagt. Eine ähnliche Loyalität und Ruhe in den Medienrunden wäre wohl bei seinem Vorgänger Oliver Glasner schwer vorstellbar gewesen.

    Zu nüchtern für das PublikumDoch wahrscheinlich war das auch ein Teil des Problems, das man mit einem Zitat von Heiner Geißler am besten beschreiben kann. »In der Politik werden Emotionen Fakten«, hat der CDU-Politiker einmal gesagt. Und ähnlich verhält es sich im Fußball. Das Umfeld in Frankfurt war dem Vorgänger Glasner auch von dem Moment an bis heute verfallen, als er bei einem Auswärtsspiel in Piräus einen Ball wutentbrannt auf die Tribüne donnerte. Toppmöller hingegen lieferte zwar in seiner letzten Pressekonferenz in Frankfurt endlich einen entschlosseneren und emotionaleren Auftritt.

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    Auch sein Hang zum Leisetreten wurde Dino Toppmöller zum Verhängnis

    Foto: Tom Weller / dpa

    »Wir müssen die Samthandschuhe beiseitelegen«, hatte er beispielsweise gesagt. Doch sowohl an den Mikrofonen als auch auf dem Platz fehlte es an Emotionen. Nicht »Eintracht-like«, sei das Auftreten seiner Mannschaft gewesen, formulierten es Offizielle. Zu wenig Entschlossenheit, zu wenig Chuzpe, ja zu wenig Rotzigkeit, die es in dieser selbstbewussten, ja manchmal breitbeinigen Stadt bedarf. Diese Lücke in der Metaphysik (eines der Lieblingswörter von Vorstandssprecher Axel Hellmann) hatte der Klub schon nach Toppmöllers erster Saison beanstandet. Schon damals hatte sich Toppmöller erst in einer Analyse nach der Saison retten können.

    Fehlender Spielwitz, zu wenig Aggressivität, zu viele Gegentore, Personalwechsel und Verunsicherung. Die Liste der Mängel erklärt die Trennung am Main. Noch beim Abschied zeigte der Geschasste Stil, indem er sich mit den Worten zitieren ließ: »Es war mir eine Ehre. Ich wünsche der Eintracht ruhigere und vor allem erfolgreichere Zeiten«, so Toppmöller.

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    Bei aller berechtigter Kritik ließen sich zu seiner Verteidigung aber auch die Hürden für seine Arbeit anführen, die auf tieferliegende Probleme im Klub schließen lassen. Der oft gerühmte »Transfermeister« Eintracht Frankfurt hat jüngst mit der Verpflichtung von Elye Wahi für kolportierte 25 Millionen Euro kolossal daneben gelegen.

    Plus: Seit Jahren, wohl nach dem Abschied von Vereinslegende Sebastian Rode, braucht diese Mannschaft einen erfahrenen Mann in der Schaltzentrale, der das Team sowohl mitreißt wie auch beruhigt. Auch aus dieser Vakanz resultieren die vielen Gegentore. In der kicker-Winterrangliste für das defensive Mittelfeld stehen gleich 17 Profis, kein einziger von der Eintracht. Alle anderen Klubs vor den Hessen verfügen auf dieser Nukleus-Position über Klassespieler.Mehr Wertanlage als TeamgefügeNeben der Verbindung auf dem Rasen hapert es augenscheinlich an den »glue players« in der Kabine, dem Klebstoff für das Kollektiv. Der mehrsprachige Kevin Trapp hatte die unterschiedlichen Gruppen immer wieder zusammengehalten, heißt es rund ums Team. In der jetzigen Lage gehen sich die Spieler auf dem Rasen immer wieder verbal an. Trapp wurde mehr oder weniger weggelobt nach Paris (auch wenn es offiziell heißt, er habe unbedingt in seine zweite Heimat gewollt), weil die Eintracht in dem Brasilianer Kaua Santos das nächste große Ding auf der Torhüterposition sah.

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    Degradiert, reinstalliert, verunsichert: Eintracht-Torhüter Kauã Santos kann die Gegentorflut nicht stoppen

    Foto: Ralf Brueck / Jan Huebner / IMAGO

    Die Bild konnte bereits im März 2025 von einem Preisschild von über 60 Millionen Euro für den Youngster berichten, der aber noch gar nicht richtig in der Bundesliga angekommen war. Die gleichen Pläne für mögliche Einnahmen gab es auch für Jean-Matteo Bahoya oder Nathaniel Brown. Frankfurt wirkte zeitweise wie ein Aktienmarkt, nicht wie ein Profiteam. Es ging um das dicke Geld in der Zukunft und weniger um die Basiselemente in der Gegenwart.Dennoch versammelt sich in Hessen der wohl teuerste Kader der Frankfurter Historie. Die Anlagen in der Mannschaft sind groß. Wohl deswegen dürfte nicht wenige diese Trainer-Aufgabe reizen. Marco Rose soll über enge Drähte in Frankfurt verfügen, Edin Terzić schon einmal nah an einem Engagement bei der Eintracht gestanden haben. Der eine war zuletzt bei den in Frankfurt ungeliebten Leipzigern, der andere stand früher beim BVB in der Kurve. Von der reinen Vita verkörpern sie weit weniger als Toppmöller das Sehnsuchtsgefühl in Frankfurt: Eintracht-like sein.

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  • Düsseldorf – Große Trauer auf der Kö! Nach über 200 Jahren Erfolgsgeschichte

    Düsseldorf – Große Trauer auf der Kö! Nach über 200 Jahren Erfolgsgeschichte

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    Beate Kreuter (l.) kommt seit 35 Jahren regelmäßig zu Franzen. Die Neusserin begeistert sich für hochwertiges Porzellan. Zur Schnäppchenjagd hatte sie ihren Mann Michael sowie die gemeinsame Freundin Cornelia Wilkert (r.) aus Aachen mitgenommen

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    Mitarbeiterin wegen Geschäftsschließung bestürzt

    Mitarbeiterin Christiane Hendrix ist bestürzt über das Aus. Die 64-Jährige arbeitet seit ihrem 16. Lebensjahr für Franzen. Sie zu BILD: „Ich habe hier schon meine Ausbildung gemacht. Für mich gab es nie einen Grund, den Arbeitgeber zu wechseln. Im April wäre ich nach 48 Jahren sowieso in Rente gegangen. Trotzdem trifft mich die Nachricht wie ein Schlag.“

    Arbeitet seit 48 Jahren für Franzen: Christiane Hendrix, Leiterin der Beletage und Expertin für französisches Porzellan, Silberbesteck und Kristallglas

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    Claudia Schiffer shoppte bei Franzen

    Ihr Kollege Herbert Sosnowski (67) blickt auf 30 Jahre als Verkäufer bei Franzen zurück: „Ich hatte früher so viele Stammkunden und habe auch viele Prominente bedient.“ Er erinnert sich etwa an Claudia Schiffer, die gemeinsam mit ihrem damaligen Verlobten David Copperfield nach einem Schlüsselanhänger suchte. Sosnowski: „Am Ende entschied sie sich für einen Anhänger aus Silber für etwa 300 D-Mark.“

  • Konstant ist bei den Eisbären nur die Inkonstanz. Dem schönen 5:3-Sieg von

    Konstant ist bei den Eisbären nur die Inkonstanz. Dem schönen 5:3-Sieg von

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    Konstant ist bei den Eisbären nur die Inkonstanz. Dem schönen 5:3-Sieg von Schwenningen folgt prompt eine 2:5-Niederlage in Wolfsburg.

    Tor beim Saisondebüt

    Mann des Tages ist Nationalspieler Kai Wissmann (30), der sein 1. Saisonspiel nach überstandener Achillessehnen-OP bestreitet. Und was für ein Comeback! Mit sattem Schuss hämmert der Verteidiger das 2:2 ein (21). Weiterer Berliner Torschütze: Ronning (17.). Doch die Eisbären lassen viele Chancen liegen und sind in der Defensive oft unsortiert. Smith (11.), Gaudet (17.), Ruckdäschel (28.), Feser (29.) und Lynch (50.) die Torschützen der Niedersachsen. Acht Gegentore in zwei Spielen sind ganz schwach! Für die Defensivarbeit, Stürmer nicht ausgenommen davon, ist das Co-Trainergespann hauptsächlich zuständig.

    [–>Das waren noch Zeiten, als 2004/2005 unter Chefcoach Pierre Page der legendäre Don Jackson für die Abwehr verantwortlich zeigte. So vermiesen die Eisbären in Wolfsburg Wissmanns Comeback.

    Der Kapitän bei MagentaSport: „Ich habe nicht gemerkt, dass es das erste Saisonspiel für mich war. Wir haben nicht viele Wolfsburger Möglichkeiten zugelassen. Wenn die Grizzlys allerdings zu Chancen kamen, waren diese hochkarätig. Im Gegenzug haben wir unsere Möglichkeiten heute leider nicht genutzt. Ich habe mich sehr gut gefühlt. Ich freue mich, direkt im ersten Spiel getroffen zu haben. Pech: Blaine Byron muss verletzt vom Eis. Kaum sind die Eisbären fast komplett, da fällt der nächste Stürmer aus…

    Unter freiem Himmel : DEL-Spiel des Jahres vor 32.000 Zuschauern

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  • Köln-Coach Lukas Kwasniok (44) bleibt im Amt. Aber wie fest sitzt er

    Köln-Coach Lukas Kwasniok (44) bleibt im Amt. Aber wie fest sitzt er

    Köln-Coach Lukas Kwasniok (44) bleibt im Amt. Aber wie fest sitzt er im Sattel? Nach dem Endspiel-Sieg gegen Mainz, arbeitet Sportboss Thomas Kessler jetzt die Krise der letzten Wochen auf und hat konkrete Forderungen an seinen Trainer. Worum es dabei genau geht und was Kwasniok ändern muss, lesen Sie mit BILDplus.

  • Coup in Gelsenkirchen: Sparkassen-Einbrecher erbeuten halbe MilliardeMehr zum Video anzeigen Einbrecher erbeuteten

    Coup in Gelsenkirchen: Sparkassen-Einbrecher erbeuten halbe MilliardeMehr zum Video anzeigen Einbrecher erbeuteten

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    Coup in Gelsenkirchen: Sparkassen-Einbrecher erbeuten halbe Milliarde

    Mehr zum Video anzeigen

    Einbrecher erbeuteten in der Sparkasse in Gelsenkirchen weit über 100 Millionen Euro aus 3256 Schließfächern.

    Quelle: BILD

  • Traum-Start verpasst! Stuttgart verspielt mit dem 1:1 gegen Union Berlin den dritten

    Traum-Start verpasst! Stuttgart verspielt mit dem 1:1 gegen Union Berlin den dritten

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    Traum-Start verpasst! Stuttgart verspielt mit dem 1:1 gegen Union Berlin den dritten Sieg im neuen Jahr. Innerhalb von neun Tagen hätten die Schwaben neun Punkte einfahren können. So sind es sieben Punkte aus drei Spielen, Tabellenplatz vier. Zuvor wurden mit Leverkusen (4:1) und Frankfurt (3:2) noch zwei direkte Champions-League-Konkurrenten besiegt.

    Union stoppt Stuttgarts Sieg-Serie. Ausgerechnet der Ex-Stuttgarter Woo-Yeong Jeong trifft zum 1:1 (83.). Unglaublich: Die letzten sechs Union-Tore erzielten ausschließlich Joker. Trainer Steffen Baumgart (54) hat aktuell das richtige Händchen, ist mit den Berlinern jetzt seit fünf Spielen unbesiegt. Jeong verpasst sogar einen Berliner Auswärtssieg, scheitert an Nübel (88.).

    Union mit Joker-Tor-Serie

    Union, bei denen mit Haberer, Juranovic, Burcu, Kemlein und Ilic fünf Neue starten, ist bereits in Halbzeit eins unangenehm, giftig, stellt Stuttgart vor echte Probleme. Burcu sieht nach 18 Sekunden Gelb für seinen Knöchel-Tritt gegen Mittelstädt. Glück für den VfB, dass Ilic (14.) nur am Pfosten scheitert. Union hat zur Pause 10:7 Torschüsse.

    Für Stuttgart trifft Flügelflitzer Chris Führich (28), der in dieser Form wieder ein WM-Kandidat wird. 59. Minute: Führich vollendet aus 16 Metern links unten – 1:0! Sein drittes Saisontor. Zuvor hatte er bereits eine Top-Chance von Vagnoman (48.) vorbereitet. Stiller (80.) verpasst die vorzeitige Entscheidung.

    Auffällig: Jamie Leweling (24), mit zuvor drei Toren (und zwei Assists) Spieler der Stunde beim VfB, bleibt diesmal blass, reibt sich in Zweikämpfen auf. 

  • Wintersport: Das Anti-Kitzbühel aus dem Chiemgau

    Wintersport: Das Anti-Kitzbühel aus dem Chiemgau

    In Ruhpolding ticken die Tickets anders. Die VIP-Eintrittskarte etwa ermächtigt den Halter im Biathlonstadion zwar zum Konsum von Speisen und Getränken, sie hat aber einen Beigeschmack: Die VIPs warten in Ruhpolding meist länger auf den Bus als das sogenannte einfache Fußvolk. Der VIP-Busfahrer hat dafür einen speziell ausgeprägten Humor. „Bei Fragen wenden Sie sich gerne an mich, ich werde die meisten zwar nicht beantworten können, aber vielleicht fühlen Sie sich dann besser.“

    Wem die schicke, von prominenten Nebenfiguren geprägte Wintersportwelt im nahegelegenen Kitzbühel missfällt, dem sei der Gegenentwurf empfohlen: Ruhpolding im Chiemgau, wo die Kuhmistschaufeln neben Schneeschippen an den Hausmauern stehen und wo statt Champagner Klopferschnäpse ein Milieu erzeugen, in dem sich alles zwischen Après-Ski-Hütten mischt, Trainer, Athleten, Fans – und VIPs. Spätestens im sogenannten Championspark, der Ruhpoldinger Wintervariante des Oktoberfests, sind alle gleich.

    Tod des Biathleten Sivert Bakken

    :Das Rätsel um die Höhenmaske

    Woran starb der Biathlet Sivert Bakken, der zum Todeszeitpunkt ein Gerät auf dem Gesicht trug, das spezielle Bedingungen simuliert? Nachforschungen beim Weltcup in Ruhpolding.

    SZ PlusVon Korbinian Eisenberger

    Die Siegerzeremonie sagt nicht alles über Ruhpolding, aber vieles. Protagonisten sind nicht nur jene, die dann Medaillen überreicht bekommen. Mehr sind es eigentlich die lokalen Vereine, denen der Ausschank vor der Bühne im besagten Championspark obliegt und gutes Geld in die Kassen spült, auch dank einer listigen Pfandmarkenstrategie – mit den Abendstunden verschwinden die Marken verlässlich dahin. Und ehe am Samstagabend das Finale im Almstadl, in der Fritzn Alm und in der Strafrunde eingeläutet wurde, wo sich die Menschen am Eingang drängten, als gäbe es Freibier (gab es nicht), ehrten die Ruhpoldinger die Sieger des samstäglichen Sprintrennens der Männer. Sieger Sebastian Samuelsson aus Schweden trat auf die Bühne, der Zweite Tommaso Giacomel aus Italien und Isak Frey aus Norwegen als Dritter gesellten sich hinzu. Bühnensprecher Geri Egger holte noch einen Einzelapplaus für David Zobel beim Publikum ein, der 29-Jährige hatte im Sprintrennen als bester deutscher Skijäger Rang neun belegt und die Olympianorm erfüllt.

    Sportlich werden diese Tage im Miesenbacher Tal als kleineres Kapitel der deutschen Biathlongeschichte hinterlegt bleiben. Die Ruhpoldingerin Franziska Preuß zeigte sich bei ihren Heimwettkämpfen nach Problemen in der Staffel samt Strafrunde (ohne Schnaps) deutlich formverbessert. Die 31-Jährige verpasste am Freitag als Tagesfünfte im Sprint um fünf Sekunden das Podest der besten drei, ehe sie am Sonntag im Verfolgungsrennen als Siebte ins Ziel kam. Preuß’ Teamkollegin Selina Grotian, die krankheitsbedingt einen Großteil der bisherigen Biathlonsaison verpasst hat, gelang mit Rang 15 und 13 knapp drei Wochen vor Beginn der Winterspiele in Antholz noch die Olympianorm. Den einzigen deutschen Podestplatz bringt das Staffelteam der Männer aus Ruhpolding, Rang drei wurde es bei der Generalprobe für die Spiele. Im abschließenden Jagdrennen am Sonntag siegte der Norweger Johannes Dale-Skjevdal vor Eric Perrot aus Frankreich und dem Schweden Martin Ponsiluoma. Lokalmatador Philipp Nawrath kam mit 17,7 Sekunden Rückstand als Zehnter ins Ziel. Er hätte das Rennen wohl gewonnen, wäre er nicht einmal zu viel in die Strafrunde eingebogen, wie so viele dieser Tage.

    Es gab Jahre, da bewegte sich das deutsche Biathlonteam beschwingt über die Ruhpoldinger Loipe, fast schwebten die Skijäger einst durch die Arena, als hätten sie die Produktionsschleife der Ruhpoldinger Windbeutelgräfin durchlaufen. Vor 30 Jahren etwa, als 50 000 Zuschauer zur Weltmeisterschaft nach Ruhpolding kamen und dabei zusahen, wie Uschi Disl, Simone Greiner-Petter-Memm, Katrin Apel und Petra Behle Staffelgold gewannen. Das Männerquartett mit Ricco Groß, Peter Sendel, Frank Luck und Sven Fischer holte damals Silber. Und 2026, im Olympiajahr? Scheinen die deutschen Biathleten ähnlich weit entfernt wie „Ruapading“ von „Kitz“.

    Wobei es beim Biathlon ähnlich wie bei diversen Ski-alpin-Weltcups stets mehr um die Nebengeräusche des Schießstands und Skistadions geht. In Kitzbühel, wo kommende Woche die Alpinrennläufer antreten, tummelt sich Prominenz von internationalem Rang um Arnold Schwarzenegger, Heidi Klum und Weißwursttöpfe, die VIPs dort sind zwar nicht wichtiger als andere, aber zugegebenermaßen prominenter. Im Ruhpoldinger Stadion samt Championspark ist die prominenteste und lauteste Figur stets Karlheinz Kas: Der wortgewaltige Stadionsprecher empfängt alljährlich junge Menschen mit Behinderung in seiner Reporterkabine; und am Abend im Championspark erfreut er den Turnverein oder den Leichathletikklub, in dem er den weniger prominenten Gästen fortlaufend wärmende Getränke spendiert. Sensationell.

    Fast anachronistisch wirkt Ruhpolding dieser Tage, wo so viel Schnee liegt wie zu Zeiten, als Klimawandel noch ein Fremdwort war. Aber eben nur fast, weil sogar in oberbayerischen Alpenregionen Veränderungen möglich sind. Der Nachhaltigkeit zuliebe durften die Zuschauer erstmals kostenlos ab München mit der Bahn nach Ruhpolding anreisen. Bisher war dies nur ab der Zwischenstation Traunstein möglich. Von dort geht es dann – ob mit oder ohne VIP-Ticket – über die „Bedarfshaltestelle“ Bibelöd nach Ruhpolding.

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