An diese Tür klopft man nicht aus Höflichkeit, sondern aus Vorsicht. Die ist auch geboten, wenn man seine Augen nicht schädigen will. In dem Raum im ersten Stock des ehemaligen Motorenforschungszentrums von Daimler-Benz in Ulm arbeiten Wissenschaftler mit starken Lasern. Der unbedarfte Besucher sieht ein Gewirr aus Regalen mit elektronischen Geräten, in der Mitte einen großen Tisch voller kleiner Spiegel und merkwürdiger Aufbauten. Was die Forscher da tun, führt einen in die Welt des Ultrakleinen. Dorthin, wo die Physik Dinge macht, die allem Gewohnten zu widersprechen scheinen. Die Welt der Quantenphysik.
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FC Bayern: Rauchfreie Zone für einen Abend
Die Chance ist groß, dass der FC Bayern an diesem Mittwoch etwas zu feiern hat. Ein Sieg gegen die Royale Union Saint-Gilloise, dann wäre dem Klub ein Platz unter den ersten Acht der riesigen Champions-League-Tabelle wohl nicht mal mehr unter Berücksichtigung anspruchsvoller arithmetischer Theorien zu nehmen. Was jetzt schon feststeht: Die Siegesfeier im Stadion würde deutlich verhaltener ausfallen als zuletzt. Denn die Blöcke 109 bis 117, der gesamte Unterrang der Südkurve, bleiben diesmal leer.
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Flohmarkt am Marienplatz: Der „Ratskeller“ schließt nach 150 Jahren – und verkauft das komplette Inventar
So eine Warteschlange ist ein klassisches Einerseits/Andererseits-Ding. Einerseits eine Erfindung aus der Hölle, vor allem wenn es draußen minus fünf Grad hat und sich die Schlange eher im Schneckentempo Richtung Ziel schiebt. Andererseits: Man kommt ins Gespräch, lernt interessante Studiengänge (Film!) und Doktorarbeits-Themen (Die Rom-Züge der deutschen Kaiser im Hochmittelalter) kennen, und kaum eineinhalb Stunden später fehlt nicht viel und man hätte mit Vor- und Hintermännern und -frauen Telefonnummern getauscht. Und das alles nur, weil der Ratskeller dichtgemacht hat.
„Aus is und gar is, und schad is, dass’s wahr is“, steht handgeschrieben am Eingang. Seit Jahresende ist das mehr als tausend Gäste fassende Wirtshaus unter dem Marienplatz Geschichte, nach 150 Jahren. Die den Laden seit 1975 betreibende Wirtsfamilie Wieser hätte umfangreiche Renovierungsmaßnahmen in der Küche, den Schankbereichen sowie in weiteren Räumlichkeiten angehen müssen, was wohl etwa 1,5 Millionen Euro teuer geworden wäre.
Da aber dem Rathaus und auch dem dazugehörigen Keller von 2032 an eine Generalsanierung bevorsteht, wollte Wirt Peter Wieser diese gewaltige Investition nicht mehr riskieren, woraufhin ihn die Stadt vorzeitig aus dem Vertrag entließ. Nun gilt es also auf- und zuerst mal auszuräumen, und so trennt man sich nach dem gängigen Motto „Alles muss raus“ vom Inventar, per mehrtägigem Flohmarkt.
Doch bevor im altehrwürdigen Keller die Neugier befriedigt werden kann, muss der geneigte Flohmarktfreund erst mal Geduld mitbringen – und am besten schön warme Schuhe, Mütze, Handschuhe und idealerweise noch eine große Thermoskanne samt Heißgetränk. Letzteres hat am ersten Flohmarkttag niemand dabei – wer hätte denn auch gedacht, dass sich eine Warteschlange quer über den Marienplatz bis rüber zum Hugendubel bilden würde, nur weil der Ratskeller seine alten Gläser, Krüge sowie Töpfe, Tassen und Teller verschachert?

Die Schlange der Kundinnen und Kunden geht bei Minusgraden einmal rüber zum Hugendubel. (Foto: Johannes Simon) Um flohmarktübliches Gedränge zu vermeiden, bestehen die Veranstalter sozusagen auf einer strengen Tür und lassen immer nur eine begrenzte Anzahl von Shopping-Willigen hinein, daher die lange und langsame Warteschlange. Zu sehen sind bei den bibbernd Wartenden Rücksäcke und der blaugelbe Tragetaschen-Klassiker eines schwedischen Möbelhauses.
Fragt man in der Schlange ein wenig herum, was die Neugierigen sich von dem unterirdischen Flohmarkt erwarten, hört man von Unverbindlichem („einfach mal schauen“) bis zum Konkreten („Eine Teekanne brauche ich“) so ziemlich alles. Und fragt man diejenigen, die offenbar ganz vorn in der Schlange gestanden haben und nun schon wieder aus dem Keller herauskommen, klingt das meist wenig ermutigend: „Braucht’s ned hingehn! Die lassen immer nur zwei Leut’ rein, da steht’s heut’ Nachmittag um drei noch da“, ruft ein älterer Herr in gelber Jacke herüber. Was es zu sehen gebe? „Ah, nur Gläser und ein paar Bilder.“ Ein Anderer schimpft: „Recht viel G’lump. Und mies organisiert!“ In der Hand hat er eine Sauciere, immerhin: „Ah, dafür rentiert sich die Warterei nicht.“ Tatsächlich entsteigen dem Keller viele ohne Beute, andere tragen rechts und links in den Händen schwere Tüten raus, ein anderer einen gut gefüllten Umzugskarton mit Geschirr.
Noch so ein Warteschlangen-Effekt: die Neugier der Passanten. Unzählige Nachfragen („Wasn hier los?“, „Gibt’s do a Freibier?“, „Wissen Sie, was die Gläser kosten?“, „Wie lange steht man denn an bis hierher?“) gilt es zu beantworten, manche erzählen auch von sich und dem gewesenen Ratskeller. Eine alte Dame winkt ab: „Da musste ich früher immer mit meinem Vater zum Frühschoppen hin, unter dem großen Fass – pfui Deibel.“ Einige in der Schlange waren noch nie da, wo sie jetzt unbedingt hin wollen, Vordermann Avi – der angehende Historiker – dagegen schon: „Wir haben da auch mal gegessen. War okay, aber schon teuer. Und viele Touristen.“
Nach 45 Minuten warten: ein Platz an der Sonne, endlich raus aus dem Schatten. Noch mal so lange, und schon kann es losgehen mit der Flohmarktstöberei in den heiligen Hallen, in denen es bereits ein wenig muffig riecht. Zu sehen gibt’s Erwartbares wie Tischdecken, Brotkörbe, Kerzen, Kleiderbügel sowie Gläser, Geschirr und Besteck aller Art, aber auch Wunderkerzen, diverse Wein- und Champagnerflaschen (der Moet für 36 Euro, die halbe Falsche Laurent-Perrier für 16 Euro) und eine ziemlich beachtliche Sammlung von alten Stichen, Zeichnungen sowie schöne Fotografien und historische Ansichten des Münchner Stadtlebens oder auch von gewesenen Weinköniginnen.

Zu kaufen gibt es eine beachtliche Sammlung von alten Stichen, Zeichnungen sowie schöne Fotografien und historische Ansichten des Münchner Stadtlebens, … (Foto: Johannes Simon) 
… Schilder, die nun ausgedient haben … (Foto: Johannes Simon) 
… und für zehn Euro historische Speisekarten – Juliennesuppe: 30 Pfennig. (Foto: Johannes Simon) Die Preise? Okay, findet der geübte Flohmarktschlenderer: 20 Euro für einen Diogenes-Stich, für einen Lucullus muss man einen Zehner mehr investieren. Auch die Zeichnung eines unbenannten Schäferhundkopfes ist zu haben, Kostenpunkt: 75 Euro. Wer’s mag.
Kunstinteressierte werden sicherlich bei Bischof Urban hängen bleiben, dessen kunstvoll geschnitzte Figur mit beachtlichen 499 Euro zu Buche schlägt. Könnte Bonifaz Kaspar von Urban darstellen, den ehemaligen Erzbischof von Bamberg, der in Beuerberg zur Welt kam, im 18. Jahrhundert. „Ein Bischof ist’s auf jeden Fall“, meint ein ebenfalls interessierter älterer Herr. Wer einen Sinn für solche Dinge hat oder einfach nur ein bissl günstigen Hausrat braucht, für den wird sich die Warterei also schon lohnen.
Und was wird nun aus dem alten Gemäuer? Weiß kein Mensch. Filmstudent Felix mutmaßt: „So wie ich München kenne, kommt da eine Osteria rein. Oder ein Irish Pub.“
Der Flohmarkt läuft noch bis Freitag, täglich von 10 bis 14 Uhr, nur Kartenzahlung möglich.
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Wirtschaftskriminalität: Wenn die KI sich als Finanzchef ausgibt
Es begann ganz harmlos. Ein Lieferant für Solaranlagen-Teile aus Nordrhein-Westfalen erhielt von einem bekannten Energieunternehmen eine Anfrage. Man wolle Kapazitäten ausbauen, mehr Solaranlagen bauen. Der Lieferant erstellte ein Angebot und gewann den Auftrag: Der Energieversorger bestellte Solarpaneele, Wechselrichter und Montagesysteme. Die Teile sollten an verschiedene Lageradressen geliefert werden, die angeblich alle zum Unternehmen gehörten.
Der Lieferant freute er sich über den lukrativen Auftrag und versendete die Ware. Als die Rechnung fällig wurden, flog der Schwindel auf. Der Energieversorger hatte den Auftrag nie erteilt. Keine der genannten Kontaktpersonen war mehr erreichbar und die Lieferadressen waren kurzfristig angemietete Lagerhallen, die inzwischen längst verlassen waren. Die Betrüger hatten die Ware schnell weiterverkauft und waren anschließend spurlos verschwunden. Schaden: 2,5 Millionen Euro.
Bestellerbetrug heißt diese Art der Wirtschaftskriminalität unter Experten. Die Zahl der Fälle ist stark gestiegen, wie aus der aktuellen Schadenstatistik des Kreditversicherers Allianz Trade hervorgeht. Im vergangenen Jahr gab es einen Anstieg um 61 Prozent, die Schadensummen waren 2025 sogar 139 Prozent höher als im Vorjahr. Allerdings schwanken die Werte stark: 2024 hatte es einen Rückgang der Fälle um 46 Prozent gegeben.
„Deepfakes sind inzwischen täuschend echt“
Immer häufiger setzen die Kriminellen künstliche Intelligenz ein. Das macht es Firmen zunehmend schwer, den Betrug zu erkennen. „E-Mails sind inzwischen makellos und die Deepfakes täuschend echt“, sagte Marie-Christine Kragh, globale Leiterin Vertrauensschadenversicherung bei Allianz Trade. Diese Art der Versicherung deckt finanzielle Schäden ab, die durch die Handlung von Vertrauenspersonen entstehen, also eigene Mitarbeiter, Vorstände oder Aufsichtsräte, aber auch durch Dritte, die sich als solche Vertrauenspersonen ausgeben. „Maßgeschneiderte E-Mails mit dem richtigen Ton und internen Details schaffen eine sehr hohe Glaubwürdigkeit und steigern damit die Erfolgschancen erheblich. Das zeigt auch unsere Statistik: Wenn es knallt, dann richtig.“
Das erlebte auch der Mitarbeiter eines Maschinenbauers aus Süddeutschland. Er wurde zunächst per SMS kontaktiert. Es meldete sich der Finanzvorstand der Muttergesellschaft. Man tauschte ein paar Freundlichkeiten aus, es ging auch um den Skiurlaub des Finanzchefs und dann zur Sache. Ein wichtiges Geschäft stehe an, die Übernahme einer anderen Firma.
Wenige Tage darauf erhielt der Mitarbeiter mehrere E-Mails. Sie kamen scheinbar von einem Rechtsanwalt einer internationalen Kanzlei, die in die Angelegenheit eingezogen worden war. Hinzu kamen Audio-Anrufe des angeblichen Finanzvorstands, dessen Stimme echt klang. Innerhalb von fünf Tagen veranlasste der Mitarbeiter Zahlungen über 1,9 Millionen Euro.
Nachdem sich kurz darauf herausstellte, dass nicht der Finanzchef, sondern Betrüger die Anweisungen veranlasst hatten, beauftragte das Unternehmen einen Spezialisten mit der Rückholung der überwiesenen Gelder. Das gelang zumindest teilweise: Knapp eine Million Euro konnte zurückgeholt werden, den Rest erstattete der Versicherer.
Die Schäden durch solche Fake-President-Fälle nehmen stark zu, stellt die Allianz fest: 2024 ging die Schadensumme um 200 Prozent nach oben, 2025 um weitere 81 Prozent. Auch für diese Masche gilt: „Die Wirtschaftskriminellen werden dank KI-Tools immer professioneller“, sagt Kragh.
Der beste Schutz für Firmen seien zweistufige Sicherheitsmaßnahmen, erklärt Rechtsanwalt Dirk Koch, Partner bei der Rechtsanwaltskanzlei Byte Law. Er betätigt sich auch als „guter“ Hacker, der Systeme von Firmen auf Schwachstellen prüft. Standard ist inzwischen die sogenannte Multi-Faktor-Authentifizierung, bei der sich Firmenangehörige auf mehreren Wegen legitimieren müssen, bevor sie Zugang zu Systemen erhalten. Auch die Nutzung von KI-basierten Filtern sowie eine sogenannte Anti-Trust-Architektur, bei der jeder einzelne Zugriff geprüft wird, könne helfen, Angriffe frühzeitig zu erkennen und Schäden zu begrenzen.
Auch wenn die Fälle mit externen Hackern und Fake Presidents spektakulär sind, den größten Teil der Schäden in der Vertrauensschadenversicherung richteten auch 2025 die sogenannten Innentäter an, also Beschäftigte der eigenen Firma. 65 Prozent der Fälle mit den höchsten Schäden entfielen laut Allianz Trade auf diese Tätergruppe. Verbrecher mit Angestelltenvertrag schmuggelten 2025 teure Designermode in den eigenen Kleiderschrank oder richteten sich einen eigenen Online-Shop mit günstigen, aus der Firma entwendeten Gartenwerkzeugen ein.
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Psychologie: Die meisten Jungs sind ganz in Ordnung
Männer an und für sich sind in manchen Kreisen mittlerweile so schlecht beleumundet, dass sie bereits vor ihrer Geburt enttäuschen. „Gender Disappointment“ lautet der Zeitgeistbegriff für den Umstand, dass Jungen heutzutage mitunter weniger willkommen sind als Mädchen. Unter großem Emo-Bohei beklagen dann Social-Media-Darstellerinnen, wie schlecht es ihnen seit der Nachricht gehe, dass sie einen Jungen statt eines Mädchens erwarten. Die giftige Wirkung der „toxischen Männlichkeit“, scheinen manche zu befürchten, könnte schon im Mutterleib beginnen. Eine Studie aus Neuseeland liefert nun allerdings Ergebnisse, die diese etwas zerstreuen könnten: Wie Psychologen um Deborah Hill Cone im Fachjournal Psychology of Men & Masculinities berichten, zeichnet nur eine kleine Minderheit von Männern ein Persönlichkeitsprofil aus, das den Begriff „toxisch“ verdient.
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Glosse: Das Streiflicht
(SZ) Der Südpol fröstelte bis zum Jahr 1911 friedlich und menschenleer vor sich hin, niemand wollte dort bei 65 Grad minus einen spannenden Outdoor-Urlaub erleben. Dann aber machten sich der Norweger Roald Amundsen und der Brite Robert Falcon Scott daran, den Südpol, wie man in solchen Fällen sagt, zu „erobern“ – selbstverständlich nicht gemeinsam, sondern gegeneinander, denn nur im Wettkampf sind Ruhm und Ehre fürs Vaterland zu gewinnen. Amundsens Expedition erreichte als erste den Pol, und man mag sich gar nicht vorstellen, was in Scott und seinen Männern vorging, als sie nach wochenlangem Marsch durch Eis und Schnee am Ziel die norwegische Flagge vorfanden, die aussah, als würde sie den Briten eine lange Nase drehen. Zweiter Sieger – das ist die schmerzhafteste aller Niederlagen. Doch es kam noch schlimmer. Scott und seine vier Gefährten erfroren auf dem Rückweg. Der Expeditionsleiter hatte einen entscheidenden Fehler gemacht. Er hatte auf Ponys als Lasttiere gesetzt, die aber starben in der antarktischen Kälte. Amundsens Zugtiere hingegen waren flink und widerstandsfähig: Schlittenhunde.
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Neue Kfz-Nummernschilder: Mut zum MU-Kennzeichen
Am Montagmorgen ist viel los in der Kfz-Zulassungsstelle in Grasbrunn. Die Sonne scheint durch die Glasfassade und verspricht, dass es ein schöner, blauer Tag werden wird. Immer wieder ertönt ein klingelndes „Wuusch!“, wenn auf der Wartenummernanzeige eine neue Zahl erscheint. Es gibt hier viele Schalter, manche Besucher wandern zunächst eine Zeit lang orientierungslos durch die Gegend. Dutzende warten in Stuhlreihen darauf, dass sie aufgerufen werden. Normalerweise warte man hier etwa zehn Minuten, sagt die Information. Heute dauert es länger.
Ab und zu läuft jemand durchs Foyer, der sie tatsächlich in der Hand hält: zwei Platten aus Aluminium und Kunststoff, darauf eine persönliche Kombination aus Buchstaben und Ziffern. Die Kombination wird ihn vielleicht jahrzehntelang begleiten. Eine große Entscheidung also, zumindest für manche.
Es ist etwa 10.30 Uhr und ein Mann kommt beschwingten Schrittes durch die Glastür hereinspaziert. Hartmut von der Osten aus Unterföhring hat heute frei. Am Morgen hat er zufällig im Radio gehört, dass es ein neues Kennzeichen gibt. Ein regelrechtes Zeichen, dachte er sich: „Da hab’ ich das heute um neun Uhr sofort online reserviert. Und bin gleich hierhergefahren mit dem alten Kennzeichen und den Papieren“, erzählt er.
Eigentlich wollte er schon vor einem Jahr sein Kennzeichen ändern lassen. Doch seine Wunschkombination war nicht mehr frei und ohnehin wurde ihm als Bewohner des Landkreises München das Kürzel MUC verwehrt, das in der Landeshauptstadt seit Dezember 2023 für Autos, Motorräder und Lastwagen angeboten wird, zusätzlich zum M. Jetzt hat auch der Landkreis München eine weitere Kennzeichenoption mit dem Kürzel MU für „Münchner Umland“. Seit dem 19. Januar kann MU neben den bestehenden Optionen M, WOR und AIB (nach den früheren Landkreisen Wolfratshausen und Bad Aibling) offiziell reserviert und zugelassen werden. Damit sind auch viele neue Buchstabenkombinationen verfügbar.

Besucher warten in der Kfz-Zulassungsstelle für den Landkreis München in Grasbrunn. (Foto: Peter Hinz-Rosin) Grund für die neuen Kennzeichen ist ein Kapazitätsmangel: Viele Kennzeichen mit dem Buchstaben M sind schon vergeben, die Kombinationen werden knapp. In Stadt und Landkreis München sind mehr als eine Million Fahrzeuge gemeldet. Eine Pflicht zu wechseln gibt es für Halter von Fahrzeugen mit M-Kennzeichen nicht. Wer will, kann aber seit Montag nicht nur ein neues MU-Kennzeichen registrieren, sondern auch ein bestehendes umstellen lassen. Die Gebühr beträgt 10,20 Euro, bei vorheriger Online-Reservierung 12,80 Euro.
Bis Montagnachmittag gab es laut dem Landratsamt München bereits über tausend Onlinereservierungen für MU-Kennzeichen, mehr als 50 wurden schon vergeben. Für die kommenden Tage erwartet das Landratsamt weitere Reservierungen. Den Leiter der Zulassungsstelle, Mario Eder, überrascht das große Interesse nicht. „Wir haben schon im Vorfeld viele Fragen wegen Kennzeichenreservierung bekommen“, erzählt er. „Es gibt auch viele, die hierherkommen, um ihr aktuelles M-Kennzeichen in ein MU-Kennzeichen umzuändern.“
Doch nicht alle wollen das. Über das MU wurde zuvor bereits kontrovers diskutiert. Mitte Juli vergangenen Jahres, als die Pläne bekannt wurden, zeigten zumindest einige Besucherinnen und Besucher in der Zulassungsstelle Neukeferloh wenig Begeisterung. In den sozialen Medien gab es teils Witzeleien und Unmut zu lesen, insbesondere in Bezug auf die Ähnlichkeit mit gewissen Tierlauten.

Die individuellen MU-Kennzeichen werden direkt in Grasbrunn geprägt. (Foto: Peter Hinz-Rosin) Auch hier in Grasbrunn gehen die Meinungen auseinander. Ein frisch gebackener Kennzeicheninhaber läuft vorbei, er trägt seine neuen Nummernschilder in der Hand, darauf prangt ein eindeutiges M. Warum denn nicht MU? „Katastrophe!“, ruft er über die Schulter und verschwindet Richtung Schalter. Keine Lust auf etwas Neues, sagt ein anderer. „Traditionell M – fertig!“ Und das ultimative Totschlagargument: „Weil ich’s hässlich finde.“ Eine junge Frau, die ein Auto für ihre Firma umgemeldet hat, findet: „Wenn man MUC liest, dann denkt man sofort an München, aber bei MU nicht.“ Auch mit dem M verbinden einige hier das Großstadtgefühl, bei MU denke man dagegen eher an kleine Orte.
Als „identitätsstiftende Option“ bezeichnet das Landratsamt das neue Kennzeichen in einer Pressemitteilung. Einigen Besuchern der Zulassungsstelle gefällt das MU tatsächlich besser. Anderen ist es schlicht egal. Viele derer, die sich heute in der Zulassungsstelle für das MU entscheiden, identifizieren sich aber viel mehr mit den Buchstaben und Zahlen, die darauf folgen. Sie freuen sich, endlich an ihre Wunschkombination zu kommen, die bei M-Kennzeichen nicht verfügbar war. RS für den Autotyp zum Beispiel, oder die einzelne Ziffer 1.
„Für 12,80 Euro dachte ich, ich mach’ das einfach“
So auch Hartmut von der Osten. An seinem Motorrad hängen bald unter dem MU ein I und ein H für den Namen seines Motorradklubs, Iron Horses MC. Auch die Ziffern, für die er sich entschieden hat, spielen eine große Rolle in der Community. „Das ist so ein Kürzel bei uns, von dem viele Mitglieder Ringe und Tattoos haben“, erzählt er. In ganz Deutschland integrieren Mitglieder ihre Zugehörigkeit auf verschiedene Art in ihre Kennzeichen. „Das fällt auf im Klub. Ist halt ein Gag. Für 12,80 Euro dachte ich, ich mach’ das einfach.“
Bis er sein neues Kennzeichen mit auf große Fahrt nehmen darf, muss er sich aber einige Tage gedulden – ihm fehlt noch ein Papier von der Versicherung. Also schlendert er wieder in die Sonne hinaus, auf der Suche nach einem Kaffee.
Bleibt eine Frage: Zelebriert denn auch jemand die vermeintliche Ländlichkeit und wählt ein MU-H oder MU-U? Zumindest an diesem Tag sind beide Kombinationen nicht vergeben worden, wie das Landratsamt München mitteilt. Bei den Reservierungen tun sich dagegen MU-SI und MU-T in ihrer Beliebtheit besonders hervor. Schelme mögen sich fragen, wo denn der Mut zum MU-H bleibt.
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Aktuelles Lexikon: Was ist eine Bazooka?
Die Bazooka gehört zu jenen ehemals neuartigen Waffen, die im Zweiten Weltkrieg neu zum Einsatz kamen. Amerikanische Soldaten feuerten mit dieser Handwaffe raketengetriebene Munition auf gepanzerte Fahrzeuge und Bunker. Sie sieht ähnlich aus und heißt deshalb auch wie das heute fast vergessene Blasinstrument, das der US-Schauspieler Bob Burns Anfang des 20. Jahrhunderts erfand: eine große Tröte, die wie eine Posaune gespielt wird. Heute leiht die nach dieser Tröte benannte Waffe regelmäßig politischen Maßnahmen ihren Namen, wenn man ihnen eine gewisse Wucht attestieren will. Das war so während der Corona-Pandemie im Jahr 2020, als der Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) unbegrenzte staatliche Kredithilfen für Unternehmen als „Bazooka“ bezeichnete. Und es ist diese Woche aktuell, wenn es um Europas Antwort auf Trumps Grönland-Zolldrohungen geht: Stellt die EU ihr Gesetz gegen wirtschaftliche Erpressung – das „Anti-Coercion Instrument“ – scharf, zückt sie also die „Handels-Bazooka“? Sie ermöglicht fast unbegrenzte Reaktionen auf Zwangsmaßnahmen, bis hin zu Importstopps und Investitionsverboten. Ähnlich der Original-Bazooka macht dieses Instrument bisher vor allem Lärm. Und eingesetzt wurde es noch nie.
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US-Senatorin Lisa Murkowski: Diese Republikanerin stellt sich seit 2016 gegen Trump
Wann ist es genug? Wann gebieten die Republikaner im Kongress diesem Präsidenten endlich Einhalt? Das fragt sich die halbe Welt immer wieder. Sie fragt es sich besonders jetzt, da Donald Trump droht, Grönland zu annektieren, womöglich gar mithilfe militärischer Gewalt. Die Mehrheit der republikanischen Abgeordneten und Senatsmitglieder schweigt auch diesmal. Einzelne wagen es aber, ihre Stimme zu erheben. Zu ihnen gehört Lisa Murkowski.
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Essen und Trinken: Comeback im Spöckmeier
Es ist wie ein Déjà-vu. Oder, wie Lorenz Stiftl sagen würde, wie ein Heimkommen. Er sagt das auch an diesem Dienstag. Gleich mehrmals. Dabei ist er genau genommen schon mehr als ein halbes Jahr „heimgekommen“. Und zwar in den Spöckmeier, wie die Einheimischen das Traditionswirtshaus in der Münchner Fußgängerzone nennen, auch wenn es einst mal „Zum Spöckmeier“ hieß und seit einigen Jahren „Der Spöckmeier“. Im Grunde ist das eine Petitesse, vor allem für diejenigen, die das Auf und Ab in dem auch bei Touristen geschätzten Lokal über die Jahre beobachtet haben.
