Es ist eine Werbeanzeige der besonderen Art, die kürzlich auf der Website der Gemeinde Taufkirchen aufgetaucht ist. Darin preist die Kommune ein Grundstück an, dessen Verkauf Geld in die klamme Rathauskasse spülen soll. Gemeint ist das Areal der früheren Grundschule am Wald, deren altes Gebäude aktuell von der Mittelschule genutzt wird. Auf dem 14 000 Quadratmeter großen Gelände soll ein neues Wohnviertel mit einer möglichen Wohnfläche zwischen 12 000 und 14 000 Quadratmetern entstehen. Als avisierten Verkaufspreis werden in der Annonce 40 Millionen Euro genannt.
Dieses Geld braucht die finanziell angeschlagene Gemeinde dringend. Sie musste wegen der angespannten Haushaltslage zuletzt den geplanten Bau einer neuen Mittelschule auf Eis legen. Diese hat bereits vor eineinhalb Jahren ihr Interimsquartier in der einstigen Grundschule bezogen, die ihrerseits 2023 in einen Neubau auf der gegenüberliegenden Seite der Pappelstraße umgezogen ist. Für die Gemeinde bedeutet das, dass das zum Verkauf angebotene Grundstück auf absehbare Zeit belegt und eine unmittelbare Bebauung unmöglich ist.
Schließlich wird der auf 70 Millionen Euro taxierte Neubau der Mittelschule samt eines angrenzenden Kinderhauses mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Aus diesem Grund nennt die Gemeinde in ihrer Anzeige als Bedingung für den Verkauf die Zahlung einer „Bereitstellungsgebühr“ in Höhe von fünf Prozent des Preises nach Vertragsabschluss. Selbiger solle demnach „möglichst in 2026“ erfolgen.
Dabei hatte die Gemeinde bereits vor fünf Jahren in einer Pressemitteilung den Verkauf des Schulgrundstücks vermeldet – für „mehr als 30 Millionen Euro“, wie Bürgermeister Ullrich Sander (parteilos) damals sagte. Doch dann zerschlugen sich die Pläne während der Pandemie, und in der Folge musste sich die Kommune abermals auf die Suche nach einem Käufer machen – bisher erfolglos.
Dabei liege eine mögliche Bebauungsidee bereits vor, heißt es aus dem Rathaus mit Verweis auf ein Konzept aus dem Jahr 2020. Dieses sieht mehrere drei- bis sechsstöckige Gebäude samt Tiefgarage mit 200 Stellplätzen vor. Dadurch könnten laut dem Konzept 164 Wohneinheiten für etwa 380 Bewohnerinnen und Bewohner entstehen.
Die Nachbarn kritisieren die Pläne für eine Bebauung des Grundstücks
Nicht zuletzt diese Zahlen wirken auf viele Menschen in der Nachbarschaft abschreckend. Sie haben die Pläne wiederholt kritisiert und warnen vor allem vor einer zu dichten Bebauung und einer drohenden Verkehrsproblematik. Bei der jüngsten Bürgerversammlung forderte eine Anwohnerin, die laut eigenen Angaben für eine „Bürgergemeinschaft am Wald“ spricht, dass die Öffentlichkeit rechtzeitig über die Neuplanung für das Schulgrundstück informiert und beteiligt wird – und zwar vor der Entscheidung über eine Nachnutzung.
Ihrem Antrag stimmte eine Mehrheit der Anwesenden zu, der Gemeinderat jedoch lehnte ihn dann ab. Schließlich habe das Gremium bereits einen ähnlich lautenden Beschluss gefasst, sagte Ullrich Sander. Zudem werde die Öffentlichkeit ohnehin im Rahmen des Bauleitverfahrens informiert und beteiligt.

