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Neu Kaliß (Mecklenburg-Vorpommern) – Wieder macht ein ehemals erfolgreiches Stück deutscher Wirtschaftsgeschichte dicht: Bei Melitta im Nordosten verlieren 115 Beschäftigte ihren Job.
Es ist eine niederschmetternde Nachricht für den kleinen Ort im Süden von Mecklenburg-Vorpommern. Die moderne Fabrik für Spezialpapiere schließt zum 31. März, der Standort Neu Kaliß wird komplett aufgegeben. Das erfuhr die Belegschaft in einer Mitarbeiterversammlung. Weitere Details zur Schließung will Melitta in der kommenden Woche bekanntgeben.
Geschäft zusammengebrochen
Eine Insolvenz liegt nicht vor, doch das Geschäft ist seit Jahren rückläufig. 2023 arbeiteten noch 129 Beschäftigte in dem Werk, der Jahresumsatz lag bei knapp 26 Millionen Euro.
Das Werk ist modern, rentierte sich aber nicht mehr
Burkhard Thees (FDP), Bürgermeister von Neu Kaliß, nennt die Gründe gegenüber BILD: „Das Geschäft mit Spezialtapeten ist regelrecht zusammengebrochen. Dazu ist Russland als wichtiger Absatzmarkt weggefallen.“ Auch Standortnachteile, wie „Wasser, Strom, Gas gegenüber den Wettbewerbern aus dem Ausland“ werden angeführt.
Ende einer 226-jährigen Tradition
Das Werk gehört zur Melitta-Gruppe mit Sitz in Minden (Nordrhein-Westfalen). 1992 übernahm Melitta die Produktionsanlagen der damaligen Produktion und gründete die Neu Kaliß Spezialpapier GmbH. In den Jahren danach wurde kräftig investiert. Bis etwa 1995 entstand ein völlig neues Werk im Industriegebiet.
Seit 225 Jahren werden an dem Standort spezielle Papierprodukte wie etwa Wertpapiere oder Tapeten hergestellt
Mit dem Aus endet eine mehr als 226-jährige Geschichte der Papierherstellung in der Gemeinde. Schon am 27. Februar 1872 legten die Unternehmer Felix Schöller und Theodor Bausch hier den Grundstein für die maschinelle Papierproduktion. Zuvor gab es bereits eine Papiermühle.
Burkhard Thees (FDP, 66) ist Bürgermeister von Neu Kaliß
Gemeinde unter Schock
„Dass es so hart kommen würde, haben wir nicht erwartet“, sagt Thees. Für die Gemeinde mit nur 1870 Einwohnern ist der Verlust der vielen Arbeitsplätze besonders schlimm. „Für alle Menschen hier ist das ein enormer Tiefschlag“, so der Bürgermeister weiter zu BILD.
[–>Trotz allem gibt es noch einen kleinen Hoffnungsschimmer. Der 66-Jährige setzt auf einen neuen Investor: „In die moderne Fabrik wurde immer weiter investiert. Vielleicht findet sich ja ein Käufer und ein anderes Unternehmen siedelt sich hier an.“ Für die Beschäftigten soll es einen Sozialplan geben.

