Matthias Jung ist Meinungsforscher und leitet seit 1991
die Forschungsgruppe Wahlen, die vor allem politische Umfragen für das ZDF
erhebt. Er war ein Berater der ehemaligen Bundeskanzlerin und Ex-CDU-Vorsitzenden
Angela Merkel.
DIE ZEIT: Herr Jung, die AfD hat nicht nur die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt mit fast 44 Prozent der Stimmen gewonnen, sie führt auch in den bundesweiten Umfragen, Ihre Forschungsgruppe Wahlen sieht sie bei 27 Prozent. Wie erklären Sie sich diesen immensen Zuspruch?
Matthias Jung: Schon bei der letzten Bundestagswahl lag die AfD bei mehr als 20 Prozent. Seitdem ist die Zufriedenheit mit dem Kanzler und der Regierung insgesamt von Monat zu Monat auf einen neuen Tiefpunkt gesunken. Wenn der politische Gegner so stark unterperformt, braucht es von der AfD gar nicht viel. Ein großer Teil der AfD-Wähler sind Menschen, die gar nicht so stark politisiert sind, die aber irgendwie den Eindruck haben, es geht in die falsche Richtung. Und dann nutzen sie eben die AfD als Plattform, um ihre Unzufriedenheit auszudrücken. Sie haben gelernt: Wenn die AfD ein gutes Ergebnis einfährt, dann führt es zu einem großen Geschrei und die Politiker reagieren in irgendeiner Form, machen kostenintensive Zugeständnisse und erfüllen einen Teil der populistischen Forderungen.
Automatische Zusammenfassung
Diese Fragen beantwortet der Artikel:
- Warum gewinnt die AfD trotz sinkender Asylzahlen und Reformankündigungen weiter an Zustimmung?
- Weshalb hält Matthias Jung den Kurs von Friedrich Merz für ein Problem der Union?

