Der Mann, der
in Kindertagen ein Freund von mir war, ist plötzlich außer sich. Immer werktags
fahre er um 5.10 Uhr mit dem Bus in Brandenburg zur Arbeit, erzählt er mit
erhobener Stimme. 50 Minuten dauere das. Er ist Lagerist, mit einem
Gabelstapler stellt er Lieferungen zusammen. Das Pendeln sei schon okay, sagt
er. Bloß seien da überall diese Ausländer. »Gefühlt bin ich der einzige
Deutsche im Bus!« Schlimm sei das. Auch deshalb werde er künftig AfD wählen.
Es ist ein Klassentreffen
an einem Sommerabend in einer Berliner Laube. Etwa 20 Menschen, die in den Neunzigern gemeinsam die Grundschulzeit verbracht haben, stehen in großen und
kleinen Trauben bei Bier und Würstchen zusammen. Eben berichtete der
Schulfreund mir noch von seiner Frau, die Rumänin sei. Und dann das. Ich bin
überrumpelt, wechsle das Thema. Hinterher ärgere ich mich über mich selbst.
Warum habe ich ihn nicht gefragt, was genau ihn an der Situation im Bus stört?
Ob ihm mal was passiert sei? Ob es sein könne, dass da »viele Ausländer«
sitzen, weil immer weniger Deutsche früh malochen gehen wollen? Und ob er
wirklich glaube, dass die AfD seine Situation dauerhaft verbessern kann?
Automatische Zusammenfassung
Diese Fragen beantwortet der Artikel:
- Wie offen zeigen sich Ressentiments und AfD-Nähe inzwischen im Alltag?
- Was bedeutet der Aufstieg der AfD für den Zusammenhalt in Deutschland?

