DIE ZEIT: Herr Begrich, wie sind Sie am Montag nach der Wahl erwacht?
David Begrich: Um es mal mit Kafka zu sagen: aus unruhigen Träumen, nach einer kurzen Nacht. Ich bin immer noch dabei, zu verstehen, was da am Sonntag passiert ist. Und ich bin ein bisschen überrascht davon, wie sehr mich das überrascht hat: 44 Prozent für die AfD, nicht 42.
ZEIT: Das wäre unsere zweite Frage gewesen. Was ist am Sonntag passiert?
Begrich: Offenkundig ist es Ulrich Siegmund gelungen, Menschen an die Wahlurne zu bringen, die zuvor lange nicht gewählt haben und für die Politik sonst ein weit entferntes Hintergrundrauschen ihres Alltags ist. Das hat die AfD sehr frühzeitig verstanden, lange, lange vor diesem Wahlkampf. Und sie hat es diesmal zur Perfektion getrieben: Komplexitätsreduktion, die Inszenierung von Nahbarkeit, die Inszenierung von Sozialräumlichkeit und so weiter. Das andere, was wieder aufgefallen ist, ist die Unschärfe der Umfrageinstitute bezogen auf Sachsen-Anhalt. Ja, es gibt da immer eine Fehlertoleranz von zwei bis drei Prozentpunkten. Aber wenn ich das richtig sehe, hat keines der Institute gesehen, dass die CDU unter 20 Prozent fallen würde. Und keines hat gesehen, dass die AfD wesentlich über 40 Prozent liegen könnte. Mich bestärkt das in der These, dass wir es mit einer Ausnahmesituation zu tun haben, was die Volatilität in Sachsen-Anhalt angeht. Die Wählerschaft ist enorm schwer zu taxieren.
Automatische Zusammenfassung
Diese Fragen beantwortet der Artikel:
- Warum erzielte die AfD in Sachsen-Anhalt fast 44 Prozent?
- Wie sollte Politik und Öffentlichkeit auf diesen Erfolg reagieren?

