Ondertussen bij de Buren (bèta/AI-testfase)

Ondertussen bij de Buren is een experimentele website met focus op Duits nieuws. Via artificiële intelligentie (AI) wordt geprobeerd het nieuws van Duitsland te selecteren. Er wordt veel geëxperimenteerd, waardoor deze site regelmatig nogal veranderd. Zo wordt getracht consistente vertalingen te realiseren. Ook de kwaliteit van de afbeeldingen wisselt door experimenten. Als bronnen dienen geselecteerde RSS-feeds van diverse Duitse nieuwsbronnen. RSS-feeds worden door de bronnen zelf beschikbaar gesteld en bevatten nooit het gehele artikel, maar in kop, introductietekst of samenvatting en waar mogelijk een afbeelding. Hierdoor is het risico op rechtenschending nagenoeg nihil.

„Ondertussen bij de Buren“ (Mitlerweile bei den Nachbarn) ist eine experimentelle Website, die sich auf deutsche Nachrichten konzentriert. Sie nutzt künstliche Intelligenz (KI), um Nachrichten aus Deutschland auszuwählen. Aufgrund laufender Experimente – etwa bei dem Versuch, konsistente Übersetzungen zu erzielen – unterliegt die Seite häufigen Änderungen; auch die Bildqualität variiert infolge dieser Versuche. Als Quellen dienen ausgewählte RSS-Feeds verschiedener deutscher Nachrichtenanbieter. Diese Feeds werden von den Anbietern selbst bereitgestellt und enthalten niemals den vollständigen Artikel, sondern lediglich eine Überschrift, einen Einleitungstext oder eine Zusammenfassung sowie – sofern verfügbar – ein Bild. Der vollständige Artikel lässt sich über einen Link bei der jeweiligen Quelle abrufen, wodurch das Risiko einer Urheberrechtsverletzung praktisch ausgeschlossen ist.

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Der Tag, den Max „mein Ablaufdatum“ nannte, ist gekommen. Seine Familie und wir, die eingeweihten Freunde, haben auf ihn hingeweint, hingelacht, hindiniert und oft genug drumherumgeredet. Es war zu absurd, zu krass, sich auf einen Zeitpunkt vorzubereiten, ab dem ein Mensch nicht mehr sein wird. Wir haben diesen Tag verteufelt, und doch hat Max ihn so sehr herbeigesehnt.

Max ist tot. Er wollte es so. Keine Option mehr, sich in eine Verlängerung zu retten, wie man in seinem geliebten Fußball sagen würde. Nun wird er nie wieder einen der klugen Sätze von sich geben können, für die er geliebt wird. Oder, wie wir von nun an sagen müssen – geliebt wurde.

„Ich bin zu dem Entschluss gekommen, dass ich gerne sterben würde“

30. Mai 2025, 9.33 Uhr, auf meinem Handy ploppt eine WhatsApp auf: „Liebe Katharina, nach reiflicher Überlegung bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass ich gerne sterben würde.“ Die Nachricht ist von Max. Auf seinem Profilbild lächelt er mich aus seinem Rollstuhl heraus an. Dieses typische Max-Grinsen, bei dem die Augen mitlachen mit den ironisch verzogenen Lippen. „Verschmitzt“, würde ich sagen, und Max würde sich amüsieren, dass mir nichts Moderneres einfällt. Nichts in Jugendsprache, wie er sie beherrscht. Ich weiß, Bro, goofy.

Max im Fußgängertunnel. Auf seinen Füßen gehen konnte er schon lange nicht mehr. Er fühlte sich gefangen, sah keinen Ausweg mehr und wollte das Leben anhalten

Max im Fußgängertunnel. Auf seinen Füßen gehen konnte er schon lange nicht mehr. Er fühlte sich gefangen, sah keinen Ausweg mehr und wollte das Leben anhalten

Max ist fast 40, seine Krankheit hat ihn in das Skelett eines kleinen Jungen gezwängt, doch sein Geist ist der eines weisen Mannes. Obendrauf kommen ein Mundwerk und ein Habitus, irgendwo zwischen referierendem Reich-Ranicki und amüsierendem Comedian Ricky Gervais. Letzterer hat mal gesagt: „Denk dran: Wenn du tot bist, weißt du nicht, dass du tot bist. Es ist nur für andere schmerzhaft. Das Gleiche gilt, wenn du dumm bist.“

„Lieber leben im Überfluss als ein überflüssiges Leben“

Ich sitze an jenem Maimorgen auf dem Balkon eines Hotels auf der griechischen Insel Zakynthos, die Unterschenkel baumeln von der Balustrade gen Meer. Ich bin hier Gast auf einer Hochzeit, feiere die Liebe und das Leben. 2000 Kilometer entfernt in München liegt Max allein in seinem vergitterten Pflegebett, spürt seine Beine nicht mehr und plant seinen Tod. Sein Profil-Status lautet: „Lieber leben im Überfluss als ein überflüssiges Leben.“

[–>Mein Magen zieht sich zusammen. Ich wähle Max’ Nummer und drücke doch nicht auf den grünen Hörer. „Das geht nicht, Max!“, schreit mein Bauch. „Nein, sag das nicht, das wäre fürchterlich übergriffig“, mahnt mein Kopf. Ich ahne, wie sehr Max leidet. Wir haben mehrmals über Sterbehilfe gesprochen, er hat es 2022 sogar vor dem Bundestag getan, um sich für eine differenzierte Debatte darüber einzusetzen. Max harrt seit mehr als 30 Jahren in einem reichlich besch… Körper aus, und es geht mich, die ich hier in der Sonne relaxe, nichts an, was er damit macht.

Später fragt er, ob ich ihn auf seinem Weg zum Tod begleiten würde. Ob ich darüber schreiben könnte. „Wenn du das wirklich möchtest, bin ich für dich da!“, antworte ich.

Max sammelt Schuhe, auch wenn er darin nie laufen können wird

Nach meiner Rückkehr treffen wir uns in seinem Zuhause in München. 69 Quadratmeter, vollgestopft mit mehr als 80 Paar Schuhen, Größe 34, deren Sohlen nie eine Straße gesehen haben. In der Küche steht ein Servierwagen voll Whiskey, den Max in diesem Leben nicht mehr schaffen wird zu leeren und den er eigentlich wegen der vielen Medikamente nie hätte anrühren sollen. „Ach, fuck it!“ oder wie ein Arzt mal zu ihm sagte: „Man darf die soziale Komponente dabei nicht unterschätzen. Machen Sie ruhig, wenn es Ihnen guttut!“

Was sammelt einer, der nicht laufen kann? Klar: Schuhe. Oder wie Max sagt: „Wenn viele Dinge nicht passen, ist es umso essenzieller, dass die Schuhe zum Outfit passen.“

Was sammelt einer, der nicht laufen kann? Klar: Schuhe. Oder wie Max sagt: „Wenn viele Dinge nicht passen, ist es umso essenzieller, dass die Schuhe zum Outfit passen.“

Max war im Jahr 2011 für ein paar Wochen Praktikant bei BILD am SONNTAG. Natürlich stach er durch seine Gestalt heraus. Noch viel mehr aber fiel er wegen seines frechen Mundwerks auf. Wegen seines Mutes, sich selbst in den großen Chef-Konferenzen mit klugen Wortmeldungen zu zeigen. Für immer in Kopf und Herz bleibt, wie wir beide eine Konzernregel brachen und Paternoster fuhren. Das ist Nichtangehörigen des Unternehmens aus Sicherheitsgründen untersagt – erst recht, wenn sie eine Gehbehinderung haben. Ich nahm Max auf den Arm, der Rollstuhl fuhr mit Kollegen im Aufzug hoch in den 15. Stock. Wir zuckelten kichernd mit dem Paternoster nach. Max strahlte.

„Ich habe Angst, dass sie sich nicht an mich erinnern“

Ich erinnere mich noch heute, wie ich mich wunderte und gleichzeitig freute, dass dieser kleine Ungehorsam eine solche Begeisterung bei ihm auslösen konnte. Später verstand ich, wie sehr er schon damals, noch vor der Querschnittlähmung, gefangen war in einem Leben voller Mauern, die andere leichtfertig überspringen oder nicht einmal wahrnehmen. Es ging nicht um das Verbotene, es ging darum, die Behinderung zu überlisten, ihr kleine Siege abzuluchsen.

Die Jahre danach verloren Max und ich uns nie ganz aus den Augen. Jetzt sitzen wir also in seiner Wohnung, die er sich mit einer 24-Stunden-Pflege-Assistenz teilen muss, und bilanzieren sein Leben, das er beenden möchte. Er will einen Text hinterlassen, um selbstbestimmtes Sterben zu enttabuisieren, „und die Freunde sollen wissen, was mit mir geschehen ist“. Vor allem aber sollen die Zeilen für seine Familie sein: die drei Schwestern, die Mama, den Vater. Für seinen Bruder, gerade erst 13 Jahre alt. Und für die kleinen Nichten, die er so liebt. Sie sind erst fünf und zwei „Ich habe Angst, dass sie sich sonst nicht an ihren Onkel erinnern“, sagt Max.

Auch und vor allem für sie soll dieser Text sein: Max und seine vierjährige Nichte Hand in Hand

Auch und vor allem für sie soll dieser Text sein: Max und seine fünfjährige Nichte Hand in Hand

Dann zeigt er mir ein Foto, wie die Fünfjährige Hand in Hand mit ihm neben seinem Rollstuhl hertrabt. Es ist Max‘ Lieblingsbild. Die beiden sind von hinten abgebildet in einer Fußgängerunterführung. Ich schaudere ob der Symbolik. Ein Ende des Tunnels erscheint ihm nicht mehr erreichbar. Und auch nicht mehr erstrebenswert. Das fröhliche kleine Mädchen aber wird hinaus hopsen. Es fällt Max schwer, es loszulassen, ohne zu wissen, dass sein Händedruck auch nach seinem Tod noch ein bisschen zu spüren sein wird.

Müde davon, sich aufzubäumen

„Ich gebe mir Mühe, festzuhalten, wer du bist“, verspreche ich Max. Eigenhändig an seine Liebsten zu schreiben, was er zweifellos hervorragend könnte: Dafür fehlt ihm mittlerweile die Kraft. Sein Geist ist müde vom Aufbäumen. Seitdem Max sechs Jahre alt ist, lehnt er sich auf gegen einen Körper, der sich selbst zerstört.

Max mit zwei Jahren. Bis zu den ersten Rheuma-Schüben mit sechs Jahren deutete nichts auf seine schwere Erkrankung hin

Max mit zwei Jahren. Vor den ersten Rheuma-Schüben mit sechs Jahren klagte der Kleine ab und an über Beinschmerzen und wollte nicht gerne lange laufen. Aber welches Kind macht das nicht?

Maximilian Nikolaus Schulz wurde geboren am 11. November 1986 als Münchner Kindl. 4210 Gramm, 56 Zentimeter. Ein kerngesunder Bub, so schien es zunächst. „Er wollte viel in den Buggy, hat oft gejammert, dass ihm die Füße wehtun“, sagt Vater Guido (65) über seinen Erstgeborenen. Aber welches Kind macht das nicht! Mit fünf verweist ihn der Fußballtrainer des Feldes, sagt, der Junge halte nix aus. Mit sechs Jahren bekommt der kleine Maximilian Fieberschübe, die Schmerzen in den Beinen werden unerträglich. Die Ärzte diagnostizieren eine „juvenile Polyarthritis“, eine Form von Rheuma, die bei Kindern unter 16 Jahren auftritt und für Schmerzen und Gelenksteifheit sorgen kann. Ihre Ursache ist unklar. „Eine Laune der Natur“, sagen die Mediziner. „Scheißlaune!“, sagt Max.

Max ist klein wie ein Kind, seine Knochen zerbröseln

Die Krankheit ist bei ihm besonders ausgeprägt und aggressiv. Er muss schon als Kind ständig ins Krankenhaus, verbringt viel Zeit in Reha-Kliniken. Hohe Dosen Kortison lindern die Entzündungen und machen gleichzeitig seine Knochen porös. Er zerbröselt heute innerlich, seine Schenkel sind mehrfach gebrochen. Max hört auf zu wachsen, als er ein Teenie ist und 129,4 Zentimeter misst. Sein Skelett bleibt klein, deformiert sich unter dem Druck der sich normal entwickelnden Organe. Die linke Seite des Brustkorbs etwa steht nach vorn ab. Dort, wo das große Herz sich Platz gemacht hat.

Max als Baby mit Mama Heike. Der kleine Maximilian entwickelte sich zunächst ganz normal. Nichts deutete auf seine schwere Krankheit hin

Max als Baby mit Mama Heike. Er ist der Erstgeborene der Familie. Mit seiner Mutter verbindet ihn eine besondere Beziehung

Man muss kein medizinisches Genie oder großer Empathiker sein, um sich vorstellen zu können, was das mit einem Menschen macht, der ansonsten ganz natürlichen, auch hormonellen Entwicklungen unterworfen ist. Wäre Max etwas später geboren worden, hätte es ein neues Medikament auf dem Markt gegeben, das ihm ein nahezu normales Leben hätte ermöglichen können. Es wurde 2011 zur Behandlung von Max‘ Erkrankung zugelassen. Da waren die „massiven Destruktionen“, wie es in seinen Arztbriefen heißt, aber nicht mehr rückgängig zu machen. „Spürst du deshalb Bitterkeit?“, frage ich. „Es war schon hart, in der Reha andere zu sehen, die das Medikament von klein auf hatten. Ich hatte trotzdem ein schönes Leben“, sagt Max. Hatte …

Der Po ist wundgelegen, der Wille zu kämpfen verblasst

Max ist müde. Er hat aufgehört zu erzählen und lässt sich von seiner Assistentin mittels einer elektrischen Hebevorrichtung ins Bett hieven. Vorsicht, die wundgelegene Stelle am Po! Noch kurz die Haare kämmen und bitte etwas Deo „Old Spice Nightpanther“. Danke!

Max möchte sich ausruhen und muss seinen wundgesessenen Po entlasten. Seine Assistentin Mika hebt ihn mithilfe einer elektrischen Hebevorrichtung aus dem Rollstuhl ins Bett

Max möchte sich ausruhen und muss seinen wundgesessenen Po entlasten. Seine Assistentin Mika hebt ihn mithilfe einer elektrischen Hebevorrichtung aus dem Rollstuhl ins Bett

Max benötigt für alles Hilfe, sein Körper muss regelmäßig gewendet werden. An sehr guten Tagen schafft er es gerade noch, selbst die Zahnbürste zu halten und den Löffel mit dem Morgenmüsli zum Mund zu führen.

Ich setze mich auf einen Sessel neben das Bett und schaue auf diesen kleinen großartigen Mann, der jetzt die Augen geschlossen hat.

Du träumtest, aber vieles blieb ein Traum

Ich denke an Grönemeyers „Der Weg“. An die Textzeilen „Du hast der Fügung deine Stirn geboten“ und „Das Leben ist nicht fair“. Ja, Max, du hast „den Regen gebogen“! Du hast dein Abi gemacht, du hast dein Studium der Sozialen Arbeit abgeschlossen, du träumtest von einem Job als Journalist oder beim Bundesnachrichtendienst.

Du hast Briefe von Bundespräsidenten und der Regie-Legende Werner Herzog gesammelt, Max Raabe hat dir ein personalisiertes Lied ins Krankenhaus geschickt, du hast wunderbare Freundschaften geknüpft, Berliner Rapper haben dich durch Szene-Clubs getragen, du bist Edel-Fan von Eintracht Frankfurt, und wenn man in deiner Stammkneipe, dem Münchner „Pussers“ anruft, erfährt man, dass eine Tischreservierung nicht nötig ist: „Für unseren Max ist immer was frei.“ Hier hast du gesessen, auf deinen „Painkiller“ geblickt, wie dein rumhaltiger Lieblingsdrink bezeichnenderweise heißt, und warst mit deiner schmerzbefreiten Art immer Zentrum der Aufmerksamkeit.

Mit Max auf einen letzten „Painkiller“ ins Pusser‘s. Seine Stammkneipe liegt nur zwei Kilometer von seiner Wohnung entfernt. Um dorthinzukommen, braucht Max einen speziellen Krankentransport. 117,40 Euro kostet der. Teilhabe ist nur für die, die es sich leisten können

Mit Max auf einen letzten „Painkiller“ ins Pussers. Seine Stammkneipe liegt nur zwei Kilometer von seiner Wohnung entfernt. Um dorthin zu kommen, braucht Max einen speziellen Krankentransport. 117,40 Euro kostet der. Teilhabe ist eben nur für die, die es sich leisten können

Mein Gott, hast du gekämpft! Während man dich wegen deiner kindlichen Statur permanent unterschätzte, konntest du stundenlang über den Nahost-Konflikt referieren. Dein Mundwerk: eine automatische Feuerwaffe. Um zu wissen, wie du tickst und wie du dem Leben immer mehr abgetrotzt hast, als es für dich bereithielt, muss man eigentlich nur eine Anekdote aus deiner Kindheit kennen: Als deine Mutter dir einst verbot, eine Spielzeugpistole zu haben, hast du dir aus Knäckebrot eine geknabbert, dich auf euren Balkon gestellt und mit einem lauten „piu, piu“ auf Passanten „geschossen“. Dabei hast du Wilhelm Busch rezitiert: „Jeder denkt, die sind perdü! Aber nein! – Noch leben sie! Knusper, knasper!“

Ruh’ dich aus, Max. Ich verstehe dich. Dass du müde bist. Dass es irgendwann reicht. Wie genervt bin ich, wenn mich mal ein Infekt niederstreckt. Wie oft sage ich dann Sätze wie: „Mir ging’s so schlecht, ich dachte, ich müsse sterben.“ Wie dumm sie sind, hast du mir beigebracht. Nach ein paar Tagen Krankheit bin ich stets heilfroh, wieder bei Kräften zu sein. Für dich gab es eine solche Perspektive nie. Es war immer nur ein Kampf um den Status Quo. Und du hast ihn regelmäßig verloren. Egal, wie sehr du dich bemüht hast.

Max mit seinen Kumpels bei der Abifeier 2005. Seit seinem x Lebensjahr braucht Max den Rollstuhl

Max mit seinen Kumpels bei der Abifeier 2005. Zu Beginn der Erkrankung konnte er noch zeitweise ohne Hilfe laufen. Ab der 10. Klasse war er ganz auf den Rollstuhl angewiesen

„Ich kann meinen hässlichen Körper keiner Frau zumuten“

Max ist wieder wach.

„Warst du eigentlich mal verliebt?“, frage ich. Er zeigt mir sein mittlerweile deaktiviertes Profil bei einem Dating-Anbieter. Der Spruch in der Selbstbeschreibung: ein typischer Max. Auf Englisch schrieb er: „I can’t do crossfit, but hit me up to run over your toxic ex.“ Auf Deutsch: „Ich kann kein CrossFit, aber meld dich bei mir, wenn ich deinen toxischen Ex überfahren soll.“ Max sagt, er habe das mit der Liebe nie richtig vorangetrieben. Scheinbar emotionslos fährt er fort: „Ich dachte immer, ich kann meinen hässlichen Körper keiner Frau zumuten.“

Eines der wenigen Vergnügen, die Max mit Mama Heike (xy) bis zuletzt teilen konnte: ein Restaurantbesuch in der Nähe seiner Wohnung

Eines der wenigen Vergnügen, die Max mit Mama Heike (64) bis zuletzt teilen konnte: ein Restaurantbesuch in der Nähe seiner Wohnung

Wie geht es Max’ Mama mit seinem Wunsch, zu sterben?

„Ach Max“, stammle ich und verstehe, was seine Mutter meinte, als sie mir sagte, sie hätte ihm oft gewünscht, „dass er nicht so streng mit sich selbst ist“. Ihr Herz, so sagt sie, drohe zu zerbersten angesichts des ernsthaften Plans ihres Kindes, nun zu sterben. „Ich steuere auf einen dunklen Schlund zu, seit ich von seinem Wunsch weiß“, sagt sie unter Tränen. Und doch verstehe sie Max. „Es ist unmenschlich, was er alles ausgehalten hat.“ Manchmal, so erzählt sie mir, habe sie versucht, sich auszumalen, was ohne die Behinderung aus ihm geworden wäre. „Aber dann habe ich schnell bemerkt, dass er so großartig ist, weil er sie hat. Und dass er genauso richtig ist, wie er ist.“

Nach der Operation 2016 blieb Max querschnittgelähmt zurück. Er musste zur Stabilisierung der Halswirbelsäule monatelang einen sogenannten Halofixateur tragen, der an den Schädelknochen geschraubt wird

Nach der Operation 2016. Max musste zur Stabilisierung der Halswirbelsäule monatelang einen sogenannten Halofixateur tragen, der an den Schädelknochen geschraubt wird

Max’ Wille zu kämpfen ist seit 2016 angeknackst. Seit der einen Operation, die ihn aus dem Leben schnitt, das er sich so mutig und zukunftsgewandt zurechtgelegt hatte. Eigentlich sollte sie „nur“ dafür sorgen, dass die Halswirbel nicht mehr aufs Stammhirn drücken. Doch während der OP erlitt Max einen Rückenmarksinfarkt und wachte ohne Gefühl für seinen Unterkörper auf. Monatelang war er in einen Fixateur gepresst, der durch die Haut an seinen Schädelknochen geschraubt wurde und seine Halswirbelsäule unbeweglich hielt. Diagnose: querschnittgelähmt. Ab da war mehr in Max abgestorben als ein paar Nerven. Er begrub all seine beruflichen Träume und befasste sich mit dem Thema Sterbehilfe.

Max kurz vor seinem Tod bei einem Spaziergang mit BILD. Sein Lächeln ist schon sehr gequält. Es war schwer, zu beobachten, wie sehr er schon müde vom Leben war. Max wohnt nur wenige Meter von der Isar entfernt. Er stand hier auch früher schon häufiger und  hat überlegt, wie es wäre, einfach loszurollen...

Max im Spätsommer bei einem Spaziergang mit BILD. Sein Lächeln ist schon sehr gequält. Es war schwer zu beobachten, wie sehr er schon müde vom Leben war. Max wohnt nur wenige Meter von der Isar entfernt. Er stand hier auch früher schon häufiger und hat überlegt, wie es wäre, einfach loszurollen …

Er listet nun auf, wie sein Ende vonstattengehen soll. Die Playlist für die Beerdigung steht, beim Raustragen aus dem Totenbett soll „A Real Hero“ von College laufen. „Bisschen größenwahnsinnig, oder?“, sagt er. „Nein, passt genau“, antworte ich.

Wie ist es, als Mensch ein maximales Haltbarkeitsdatum zu haben?

Max erzählt, dass es eine Marotte von ihm war, nie Lebensmittel auch nur einen Tag nach Ende des Mindesthaltbarkeitsdatums zu essen. Und wie skurril es sei, dass er nun ein „maximales Haltbarkeitsdatum“ habe. Ende 2025 ist das Limit, das Max sich verpasst hat.

BILD-Autorin Katharina Render (42) und Max. 2011 begegneten sie sich zum ersten Mal. Max bat sie Wochen vor seinem geplanten Tod, ihn auf seinem Weg dorthin zu begleiten

BILD-Autorin Katharina Render (42) und Max. 2011 begegneten sie sich zum ersten Mal. Max bat sie Monate vor seinem geplanten Tod, ihn auf seinem Weg dorthin journalistisch zu begleiten

Und jetzt ist es Dezember 2025, der zweite Weihnachtsfeiertag. Um 11.45 Uhr schreibt mir Max‘ Mama: „Unser wundervoller Sohn, Bruder, Onkel und Freund hat heute seine Fesseln abgestreift und endlich seine Freiheit wiedererlangt.“

Die Art des Todes, die Max eigentlich wählen wollte, nennt sich „assistierter Suizid“. An Tag X sollte ein Mediziner ihm tödliche Medikamente zur Verfügung stellen. Eine Infusion mit einer hohen Dosis kreislauflähmender Substanzen, die Max allerdings selbst hätte aktivieren müssen. In Deutschland ist dies seit 2020 nicht mehr strafbar, seitdem das Bundesverfassungsgericht entschied, dass ein Verbot gegen das Persönlichkeitsrecht verstoße. Der damalige Präsident Andreas Voßkuhle sagte: „Wir mögen seinen Entschluss bedauern, wir dürfen alles versuchen, ihn umzustimmen, wir müssen seine freie Entscheidung aber in letzter Konsequenz akzeptieren.“

Max bat seinen Vater um eine Waffe. Oder Zyankali

Max hatte zuvor schon ein paarmal überlegt, es „einfach selbst“ zu machen. Seinen Vater bat er einmal, einen Revolver zu besorgen. Oder Zyankali. Er nahm Schlaftabletten. Aber zu wenige. „Ich stand stundenlang an der Isar, schaute aufs Wasser und wollte losrollen. Aber was ist, wenn ein Kind mich entdeckt? Was ist, wenn ich nie gefunden werde und meine Familie für immer unter der Ungewissheit leidet, was mit mir geschehen ist?“

Immer am Quatschmachen: Max mit seinem Cousin und gleichzeitig bestem Freund Adrian. Dieser starb mit 29 an einem Aneurysma im Gehirn. Sein Tod hat Max schwer getroffen. „Ich hoffe, ich sehe ihn dann wieder“, sagt Max

Immer am Quatschmachen: Max mit seinem Cousin und gleichzeitig besten Freund Adrian. Adrian starb mit 29 an einem Aneurysma im Gehirn. Sein Tod hat Max schwer getroffen. „Ich hoffe, ich sehe ihn dann wieder“, sagt Max

Max stellte sich den assistierten Suizid als verantwortungsvolle, friedliche und sichere Möglichkeit vor. „Wenn es dann so weit ist, möchte ich den Tod mit offenen Armen in Empfang nehmen, wissend, dem Leben alles abgerungen zu haben, was möglich war“, sagte er.

„Was glaubst du, was danach kommt?“, fragte ich ihn, damals im Sommer, an seinem Bett. „Nichts vermutlich“, sagte Max. Er ist nie aus der Kirche ausgetreten, als einziger seiner Familie. Als Max beschloss zu sterben, fing er an, wieder Gottesdienste zu besuchen, und chattete regelmäßig mit einem evangelischen Pfarrer. „Das hat mir gut getan. Eventuell ist da ja doch ein Danach. Und vielleicht sehe ich Adrian wieder. Das hoffe ich“, sagte Max. Sein Cousin Adrian, der gleichzeitig sein bester Freund war, starb 2018 mit 29 an einem geplatzten Hirn-Aneurysma.

Edel-Fan Max bei seinem letzten Stadion-Besuch seiner Eintracht im Spätsommer 2025. Ein bewusstes Abschiednehmen von allem, was ihm im Leben wichtig war

Edel-Fan Max bei seinem letzten Stadion-Besuch seiner Eintracht im Spätsommer 2025. Ein bewusstes Abschiednehmen von allem, was ihm im Leben wichtig war

Im Juli wurde Max’ Antrag auf assistierten Suizid bewilligt. Er musste dafür Atteste vorlegen, die unter anderem belegten, dass sein Wunsch zu sterben nicht aus einer Depression heraus entstanden war. Ein Arzt kam zu ihm nach Hause und erklärte ihm das finale Prozedere. Max war überglücklich. Er rief mich an: „Kannst du spontan kommen und dabeisein?“ Kurz danach zog er zurück. „Katharina, ich glaube, ich schaffe es doch nicht, den Schalter umzulegen.“ Aber der Schalter in seinem Kopf, nicht mehr leben zu wollen, blieb irreversibel umgelegt. Es sollte nun nur anders passieren, weniger aktiv und ja, vielleicht auch ein wenig mehr im Einklang mit dem, was der Priester über Freitode sagte.

Im November aktualisiert er noch einmal seine Patientenverfügung. Sie sei nun „bombenfest“, sagte er. Mitte Dezember bittet mich Max, den Text über ihn bereitzuhalten: „Ich würde mich unendlich glücklich schätzen, wenn meine Angehörigen den in vielleicht nicht gar so entfernter Zukunft lesen könnten.“ Da hatte er schon aufgehört zu essen und zu trinken, wurde schwächer und schwächer. Sein Körper gibt in der Nacht zum 26. Dezember auf, sich gegen den Geist aufzulehnen. Max ist unruhig, schwitzt. Irgendwann schläft er ein, für immer. Neben ihm liegt seine Mama. Gesicht an Gesicht mit ihrem Sohn. So, wie sie ihn ins Leben gebracht hat, so begleitet sie ihn hinaus.

Max wollte einen Grabstein, der aussieht wie ein geöffnetes Buch. Darauf soll ein Whiskeyglas stehen. „Ich wünsche mir, dass ihr vorbeikommt und noch einmal mit mir anstoßt“, sagte er in einem unserer letzten Gespräche.

Das machen wir, Max. Und dann blättern wir in Gedanken in einem Meisterwerk, dem das Leben kein Cover schenken konnte, das ihm gerecht wurde.