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Stuttgart – Kaum eine Woche vergeht ohne neuen Gerichtstermin. Vergangene Woche saß Petra S. (60) noch im Amtsgericht, weil sie Polizisten und Security-Mitarbeiter verprügelt haben soll. Seit Montag muss sich die gelernte Industriekauffrau vor dem Landgericht Stuttgart wegen mutmaßlichen Millionenbetrugs verantworten. Sitzungssäle kennt sie nur zu gut.
Spätestens seit dem Start der Influencer-Karriere ihrer Tochter Joya Theresa (damals 18) im Jahr 2020 gehört der Gang vor Gericht für Petra S. zum Alltag. Die streitsüchtige Mutter engagierte mehrere Anwälte, ließ Joyas Gymnasium auf bessere Noten verklagen. Gegen missliebige Presseberichte ging Petra S. ebenfalls juristisch vor, ebenso gegen eigene Anwälte, die nach ihrer Überzeugung schlecht gearbeitet hatten.
Joya Theresa (23, ehemals 200.000 Follower), die Tochter von Petra S., hat ihre Influencer-Karriere nach mehreren Negativ-Schlagzeilen auf Eis gelegt. Im Betrugsprozess gegen ihre Mutter wird auch ihr Konto durchleuchtet
Streit um Geburtstagsparty endet vor Gericht
Derzeit zofft sie sich am Amtsgericht Stuttgart-Bad Cannstatt mit einem Club-Betreiber, weil sie dessen Rechnung für Joyas Geburtstagsparty nicht bezahlen will. Genau diese Feier endete später in einer Prügelei – ein weiterer Prozess läuft.
So sah Petra S. nach ihrer mutmaßlichen Attacke auf einen Polizisten im Februar 2023 aus
Doch inzwischen hat der juristische Dauerstreit eine neue Dimension erreicht. Die Staatsanwaltschaft wirft Petra S. vor, mit fingierten Coronatests rund 1,2 Millionen Euro ergaunert zu haben. Seit Juli 2025 sitzt sie deshalb in Untersuchungshaft. Wie am Montag bekannt wurde, gibt es gegen sie ein weiteres Strafverfahren wegen Steuerhinterziehung.
Reue zeigte die Angeklagte bislang nicht. Statt sich zum Betrugsvorwurf zu äußern, zog es die Angeklagte am Montag vor, gegen die Justiz zu wettern. „Ich werde Sie wegen Rechtsbeugung anzeigen, Herr Goretzki“, schimpfte Petra S. in Richtung des Staatsanwalts und behauptete, man habe das Handy ihrer Tochter zu Unrecht einkassiert. Im Zuge der Wohnungsdurchsuchung wurden u.a. Unterlagen aus den Teststationen und das Handy der Tochter beschlagnahmt.
Petra S. am Montag mit ihren Verteidigern. Unklar, wie lange sie es mit den beiden Anwälten aushält
Um den mutmaßlichen Millionen-Betrug zu verschleiern, soll Petra S. mit einem Tipp-Ex zahlreiche Testbögen manipuliert und neu ausgedruckt haben. Das ergaunerte Geld soll fast komplett beiseitegeschafft bzw. ausgegeben worden sein.
Ihre Dienstaufsichtsbeschwerden und Strafanzeigen wird Petra S. wohl auch künftig aus dem Gefängnis verfassen. Ihr drohen rund vier Jahre Haft.
Der Prozess wird fortgesetzt.

