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Berlin – Mehr denn je muss Europa Einigkeit demonstrieren. Der europäische Film versucht dies schon seit 1988. Am Samstagabend schaute wieder ganz Film-Europa an die Spree. Denn im Haus der Kulturen der Welt fanden in Berlin die 38. European Film Awards statt.
Der große Abräumer des Abends: „Sentimental Value“, das gleich sechs der begehrten Trophäen einheimste. Die deutsche Oscar-Hoffnung „In die Sonne schauen“ war siebenmal nominiert, gewann am Ende aber nur einen Preis.
Das Team von „Sentimental Value“ hatte mehrfach Grund zur Freude. Sie gewannen in den Kategorien „Bester europäischer Film“, „Beste Regie“, „Beste Hauptdarstellerin“, „Bester Hauptdarsteller“, „Beste Filmmusik“ und „Bestes Drehbuch“. In dem Film geht es um zwei Schwestern, die sich auseinandergelebt haben. Nach dem Tod der Mutter taucht ihr entfremdeter Vater plötzlich wieder auf
Norweger sind die Abräumer des Abends
Das norwegische Drama „Sentimental Value“ geht jetzt auch ins Oscar-Rennen. Der Film wurde von der Berliner Filmproduktion „Komplizen Film“ mitproduziert. Aber auch Frankreich, Dänemark und Schweden waren an dem Projekt beteiligt. Die Produktion ist quasi eine europäische Zusammenarbeit. So zeigt man Einigkeit!
Die war auch am roten Teppich spürbar. Da tummelten sich neben deutschen Stars wie Maria Schrader (60) und David Bennent (59) auch der Däne Mads Mikkelsen (60, nominiert für „Therapie für Wikinger“) und die Französin Juliette Binoche (61), Präsidentin der Europäischen Filmakademie.
Die deutsche Schauspielerin Maria Schrader (60, „Aimée & Jaguar“) zu Gast beim Europäischen Filmball
Schauspiel-Star Mads Mikkelsen (60, „James Bond 007: Casino Royale“, „Tage des Zorns“) kam in Begleitung von Ehefrau Hanne Jacobsen (65) zur Verleihung
Norwegische Grand Dame des Schauspiels geehrt
In dieser Funktion überreichte sie der Schauspielerin und Regisseurin Liv Ullmann (87) den Ehrenpreis – gewiss der bewegendste Moment des Abends. Die norwegische Grand Dame war gerührt, bekam Standing Ovations und sagte:
„Ich zittere nicht, weil ich aufgeregt, sondern jetzt in dem Alter bin.“ Berlin bezeichnete sie als eine der schönsten Städte: „Wir sind hier im Haus der Kulturen der Welt. Könnte es einen besseren Namen für ein solches Event geben?“
Die norwegische Schauspielerin Liv Ullmann (87, „Szenen einer Ehe“, „Persona“) bekam von der Präsidentin der Europäischen Filmakademie, Schauspielerin Juliette Binoche (61), den Ehrenpreis verliehen
Berliner Regisseurin war gleich siebenmal nominiert
Vielleicht ein Wermutstropfen für die Berliner Regisseurin Mascha Schilinski (41), die für „In die Sonne schauen“ siebenfach nominiert war. Am Ende gab es nur einen Preis für „Beste Kostüme“ an Sabrina Krämer (43). Neben ihr wurde nur noch Maskenbildner Torsten Witte (58) aus Deutschland ausgezeichnet, allerdings für den irischen Beitrag „Bugonia“.
Die großen Abräumer des Abends waren schließlich Stellan Skarsgård (74) als „Bester Darsteller“, Renate Reinsve (38) als „Beste Darstellerin“ Joachim Trier (51) als „Bester Regisseur“ – alle für das Familiendrama „Sentimental Value“, und obendrauf gab es noch Trophäen für Drehbuch, Musik und den „Besten Film“.
Freute sich sichtlich über seinen Sieg: Der norwegische Filmregisseur und Drehbuchautor Joachim Trier (51) wurde in der Kategorie „Bester Regisseur“ für das Familiendrama „Sentimental Value“ ausgezeichnet
[–>Erstmals fand die Verleihung der European Film Awards im Januar statt. Grund: mehr Sichtbarkeit in der internationalen Filmpreis-Saison zwischen den Golden Globes und den Oscars.
Ob es gelingt, mit „Sentimental Value“ europäische Einigkeit zu demonstrieren? „Es ist wirklich ein europäischer Gemeinschaftsfilm“, so Joachim Trier. „Wir versuchen in der EU auch Filme zu machen, die riskant sind, weil sie nicht nur der kommerziellen Vermarktung dienen. Durch das großartige Finanzierungssystem unterstützen wir uns dabei gegenseitig. Das ist wunderbar.“

