Manche Kinder entwickeln Autismus – bis heute weiß man nicht genau, warum das passiert. Eine neue Studie aus China sorgt für Aufsehen: Während Gene, die mit höherem Bananenkonsum zusammenhängen, das Autismusrisiko senken sollen, erhöht es sich offenbar durch zwei andere Lebensmittel.
Forscher des Qilu-Krankenhauses der Shandong-Universität haben genetische Daten ausgewertet und einen überraschenden Zusammenhang entdeckt: Bestimmte genetisch bedingte Ernährungsvorlieben könnten mit einem höheren oder niedrigeren Autismusrisiko verbunden sein. Die Studie wurde im Fachmagazin „Frontiers“ veröffentlicht.
Gene steuern Vorlieben fürs Essen
Die Forscher schauten nicht darauf, was Kinder tatsächlich essen. Entscheidend war etwas anderes: Gene, die Menschen dazu bringen, bestimmte Lebensmittel häufiger zu konsumieren. Mithilfe der sogenannten Mendelschen Randomisierung analysierten sie genetische Daten von Hunderttausenden Menschen und prüften 199 Lebensmittel und Ernährungsfaktoren.
Das Ergebnis ist eindeutig: Für 196 dieser Faktoren gab es keinen Zusammenhang mit Autismus. Dazu zählen unter anderem Äpfel, Milch, Fisch, Beeren, Pizza, Joghurt, Eiscreme oder kalorienarme Getränke.
Vollkornnudeln und Streichkäse fallen auf
Auffällig wurden nur drei Lebensmittel. Menschen mit einer genetischen Veranlagung, besonders häufig Vollkornnudeln zu essen, hatten ein erhöhtes Autismusrisiko. Ähnlich sah es beim Streichkäse aus. Umgekehrt zeigte sich: Autismus selbst führte nicht zu diesen Vorlieben. Für die Forscher ein Hinweis, dass die genetisch geprägte Ernährung das Risiko beeinflussen könnte.
So drastisch die Zahlen wirken, so sehr sollte man sie aber auch mit Vorsicht genießen. Die Spannbreite der möglichen Risiken ist groß. Die Wissenschaftler sprechen ausdrücklich von Wahrscheinlichkeiten, nicht von Gewissheiten.
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Banane mit Schutzwirkung
Ganz anders das Bild bei Bananen. Menschen, die genetisch dazu neigen, häufiger Bananen zu essen, hatten ein deutlich geringeres Autismusrisiko. Laut Studie war es etwa halb so hoch wie bei Menschen ohne diese Veranlagung. Dieser schützende Effekt gilt als methodisch robuster als die Risiko-Effekte der anderen Lebensmittel.
Immunsystem rückt in den Fokus
Im nächsten Schritt untersuchten die Forscher das Immunsystem – mit folgenden Erkenntnissen:
- Es zeigten sich genetische Zusammenhänge zwischen Autismus, bestimmten Immunzellen und Antikörperreaktionen, unter anderem gegen das Epstein-Barr-Virus, den Auslöser des Pfeifferschen Drüsenfiebers.
- Bei Menschen mit genetischer Vorliebe für Streichkäse zeigte sich zudem eine Veranlagung für weniger regulierende Immunzellen und mehr Virus-Antikörper. Das könnte erklären, warum bei manchen Menschen das Autismusrisiko steigt.
Ernährungsstudie mit autistischen Kindern
Zusätzlich untersuchten die Forscher 78 Kinder mit Autismus im Alter von zwei bis sieben Jahren. Ein Teil ernährte sich normal, der andere gluten- und kaseinfrei.
Nach mehreren Monaten zeigte sich:
- In beiden Gruppen verbesserten sich die Symptome leicht. Bei den Kindern ohne Gluten und Milch gingen zudem Immunreaktionen gegen Weizen und Milch deutlich zurück.
- Keine klare Verhaltensverbesserung.
Die Studie liefert damit neue Hinweise darauf, dass Ernährung und Immunsystem bei Autismus enger zusammenhängen könnten, als bisher angenommen.

