„Stecker raus, Strom sparen“ – dieser Rat gilt für viele Geräte im Haushalt. Vor allem nachts wird konsequent abgeschaltet. Das senkt den Energieverbrauch und schont die eigene Geldbörse. Doch genau hier liegt das Problem. Denn einige Geräte verbrauchen beim erneuten Einschalten mehr Strom, als wenn sie die ganze Nacht im Standby laufen. In manchen Fällen leidet sogar Funktion oder Lebensdauer.
Nicht jedes Gerät darf vom Netz
Moderne Technik reagiert meist empfindlich auf komplettes Abschalten. Es geht längst nicht nur um Strom, sondern auch um Einstellungen, Wartung und automatische Abläufe. Welche Geräte man besser nicht vollständig vom Strom trennt, zeigt myHOMEBOOK (gehört ebenfalls zu Axel Springer).
WLAN-Router halten alles zusammen
WLAN-Router, Repeater und Netzwerkswitches sind heute digitale Schaltzentralen. Sie regeln Internet, Telefonie und Smart-Home-Funktionen im Haushalt. Wird der Router komplett vom Netz genommen, verlieren manche per WLAN verbundenen Geräte ihre gespeicherten Einstellungen. Im Zweifel müssen sie neu eingerichtet werden. Zudem laufen viele Festnetzanschlüsse inzwischen über den Router. Wer ihn abschaltet, ist nur noch eingeschränkt erreichbar. Die Verbraucherzentrale empfiehlt deshalb: besser nur die WLAN-Funktion nachts ausschalten. Das gilt allerdings nur, wenn keine smarten Geräte im Haushalt aktiv sind.
OLED-Fernseher warten im Standby
OLED-Fernseher funktionieren anders als klassische LCD-Geräte. Jeder einzelne Bildpunkt leuchtet selbst. Das sorgt für perfekte Schwarztöne, bringt aber einen technischen Nachteil mit sich. Die organischen Leuchtdioden altern unterschiedlich stark. Um das auszugleichen, führen OLED-Geräte regelmäßig sogenannte Pixel-Refresh- oder Kompensationszyklen durch. Diese starten meist automatisch nach dem Ausschalten im Standby.
Dabei misst der Fernseher die Abnutzung einzelner Pixel und gleicht sie elektronisch an. Ziel sind gleichmäßige Helligkeit und weniger Risiko für Einbrenneffekte. Wird der OLED-Fernseher regelmäßig komplett vom Strom getrennt, kann diese Wartung nicht stattfinden. Die Folge können sichtbare Bildfehler sein, etwa eingebrannte Senderlogos. Viele Hersteller weisen deshalb ausdrücklich in der Bedienungsanleitung darauf hin, das Gerät nicht vom Strom zu trennen.
Smart-TVs laden nachts Updates
Bei Smart-TVs kommt ein weiterer Punkt hinzu. Viele Geräte laden im Standby-Modus automatisch Sicherheits- und Firmware-Updates herunter.
Ohne Strom ist kein Download möglich. Das kann zu Fehlermeldungen oder instabil laufenden Apps führen. Außerdem belastet ein regelmäßiger „Kaltstart“ wichtige Bauteile. Auf lange Sicht kann das die Lebensdauer des Geräts verkürzen. Eine Neuanschaffung ist teurer als ein Fernseher im Standby.
Drucker sind besondere Stromfälle
Drucker gelten als heimliche Stromfresser. Trotzdem sollten vor allem Tintenstrahldrucker besser nicht komplett vom Netz getrennt werden.
Moderne Geräte führen im Standby regelmäßig Reinigungs- und Wartungszyklen durch. Diese verhindern, dass die Düsen eintrocknen. Fällt das weg, leidet das Druckbild. Im schlimmsten Fall gibt der Druckkopf auf – ein Neukauf wird fällig.
Nach längeren Stromunterbrechungen starten viele Tintenstrahldrucker außerdem eine intensive Grundreinigung. Dabei wird viel Tinte verbraucht. Diese ist teurer als der Stromverbrauch im Standby-Modus.
Laserdrucker können bei längerer Nichtbenutzung zwar vom Netz genommen werden. Allerdings fahren ihre Heiz- und Steuereinheiten beim erneuten Einschalten jedes Mal komplett hoch. Das kostet besonders viel Energie. Die Verbraucherzentrale rät dennoch, Laserdrucker nachts vollständig vom Strom zu trennen, da sie im Standby vergleichsweise viel Strom verbrauchen.

