Nebula X1 Pro im (Kälte-)Test
Mit diesem Beamer wird der Garten zum Kino
Im Freien Filme und Fußball schauen? Mit dem neuen Projektor von Soundcore soll das gehen. Im Test zeigt sich: Das Gerät taugt sogar für Public Viewing. Allerdings nur in der Dunkelheit und wenn die Nachbarn mitspielen.
Matthias Kremp
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Soundcore X1 Pro von Anker: Heimkino auf Rädern
Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL
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Zunächst eine Warnung: Dieser Text könnte sich negativ auf das Verhältnis zu Ihren Nachbarn auswirken. Denn wenn Sie den Soundcore Nebula X1 Pro bestimmungsgemäß benutzen, werden auch die etwas davon haben. Ob sie wollen oder nicht.
Hersteller Anker, der das Gerät unter seiner für Kopfhörer bekannten Marke Soundcore anbietet, bezeichnet das gewaltige Gerät als »das weltweit erste mobile Heimkino«. Der Apparat ist so groß wie ein Golftrolley, aber viel schwerer. Anker gibt ein Gewicht von 32,8 Kilogramm an. Weil daraus inklusive Verpackung gut 42 Kilo werden, stöhnte der Paketbote, der mein Testgerät anlieferte: »Wer bestellt sich denn sowas?«Inklusive Augenschutz
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Beamer-Bild an Hauswand: Die Immobilie hatte zu wenig Freifläche für ein größeres Bild
Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL
Für die gut 152 Euro pro Kilogramm – der Listenpreis beträgt 5000 Euro – bekommt man ein Heimkino auf Rollen, mit 4K-Beamer, Dolby-Soundssytem, Karaoke-Mikrofonen und einem ausziehbaren Griff, damit man ihn wie einen sehr schweren Rollkoffer hinter sich herziehen kann. Auf meinem Rasen hat das nur geklappt, weil ich den Test in der Weihnachtszeit bei frostigen vier Grad unter Null gemacht habe. Auf gefrorenem Boden rollt es sich gut, im Sommer könnte der Heimkino-Trumm auf weichem Boden durchaus einsinken.Für den ersten Test stelle ich den Roll-Projektor im Wohnzimmer auf. Bevor ich mich damit in meinen Wintergarten bewege, möchte ich mich lieber im muckeligen Wohnraum mit den Grundfunktionen und der Technik des Geräts vertraut machen. Dazu gehört zunächst der Laser-Beamer, dessen großes Objektiv beim Transport von einer Klappe geschützt wird. Laut Hersteller schafft er eine Helligkeit von bis zu 3500 ANSI-Lumen. Das ist so hell, dass ich mein 35 Quadratmeter großes Wohnzimmer damit sehr gut beleuchten könnten – wenn es eine Lampe wäre. Eine Schutzfunktion, die erkennt, wenn jemand ins Bild läuft, dimmt die Beleuchtung, um Augenschäden zu vermeiden, sollte man ins Objektiv schauen.
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Augenschutz-Meldung: Wird aktiviert, wenn jemand vor die Linse läuft
Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL
Die Automatik wird es richtenStattdessen richte ich den Beamer auf die einzige halbwegs freie Wand des Raumes aus und lasse ihn loslegen. Wie bei vielen modernen Beamern üblich, muss das Objektiv dabei nicht exakt auf die Wand ausgerichtet sein. Vielmehr kann der Beamer auch ein bisschen schräg stehen, Elektronik und optisches System richten es automatisch so aus, dass sich ein gerades, unverzerrtes Bild ergibt, das die verfügbare Fläche möglichst gut ausnutzt. In meinem Fall wird das noch erschwert, dass die Wand in einem Grünton gestrichen ist. Der Nebula bemüht sich nach Kräften, den Farbstich auszugleichen, was ganz gut klappt.
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Beamer-Bild im Wohnzimmer: Trotz grüner Wand korrekte Farben
Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL
Die Software des Beamers basiert auf Google TV. Das macht es einerseits leicht, weil die Benutzeroberfläche des Systems aufgeräumt und übersichtlich ist, man nicht lange braucht, um zu verstehen, wie das funktioniert. Wer einen Smart-TV hat, kann auch damit umgehen. Dabei hat man die Wahl, das Gerät per Fernbedienung oder Smartphone-App zu steuern. Ein paar Funktionen sind auch über ein Tastenfeld samt Mini-Joystick direkt am Gerät regelbar, komfortabel ist das aber nicht. Praktisch: auf der Fernbedienung kann man für »Kurzwahltasten« direkt etwa zu Netflix oder YouTube springen. Das dicke gedruckte Handbuch nehme ich wahr, aber nur kurz in die Hand.
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Nebula-Handbuch: Lange nicht mehr so viel Papier gesehen
Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL
Raus damit!Im Anschluss geht es ins Freie. Aus reiner Vorsicht und Sorge um meine Bandscheiben lasse ich mir dabei helfen, den Kinokoloss über eine Treppe auf die Terrasse zu wuchten. Dort angekommen, fällt mir auf, wie kurz das fest mit dem Gerät verbundene Stromkabel ist. 1,74 Meter misst mein iPhone. Zu wenig, um damit bis zu meiner Gartensteckdose zu kommen. Statt eines Verlängerungskabels hole ich eine Powerstation, im Grunde eine gigantische Powerbank, als mobile Stromversorgung hinzu (hier unser Test solcher Energiespeicher). Letztlich kann der Verzicht auf ein langes Kabel aber sinnvoll sein, denn der X1 Pro klinkt sich fürs Streaming ins heimische WLAN ein. Wie weit das in den Garten reicht, hängt von der Wanddicke und der Position des Routers ab.
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Powerstation zur Energieversorgung: Das eingebaute Kabel ist einfach zu kurz
Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL
Wer draußen schauen möchte, braucht dort nicht nur gutes WLAN, sondern auch eine größere freie Wandfläche. Die habe ich leider nicht. Trotzdem bemüht sich der X1 Pro, sein Bild an meiner Hauswand optimal auszurichten – und scheitert. Statt nur die Wand beleuchtet er auch Fenster und Terrassentür. So wird das Bild schön groß, bis zu 200 Zoll (gut 5 Meter). In diesem Fall aber mache ich das Bild manuell kleiner, damit nichts abgeschnitten wird. Hier draußen muss die Elektronik die Zahnsteinfarbe meiner Hauswand kompensieren. Auch das klappt gut.
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Beamer-Bild an Hauswand: Türen und Fenster werden von der Automatik ignoriert
Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL
Das Bild ist, wie es meine Tochter ausdrückt, »leider gut«. Hell, scharf, kontrastreich und so fein aufgelöst, dass selbst auf dem Putz meiner Hauswand feine Details sichtbar sind. Das könnte mir gefallen. Allerdings nur Nachts. So grandios das Bild bei Dunkelheit ist – davon gibt es im Winter reichlich – so enttäuschend war es bei Sonnenschein. Meine Fotos können das nur unzureichend wiedergeben, aber von den Nachmittagsspielen der Bundesliga würde man wohl nur den Kommentar mitbekommen. Eine Leinwand, die besser reflektiert als meine Hauswand, könnte helfen, das Bild aufzuhellen. Ansonsten aber genügen auch 3500 Lumen offenbar nicht, um gegen die Wintersonne anzukommen.
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Beamer-Bild bei Tag: Bei Sonne nicht hell genug (die falschen Farben sind der Kamera geschuldet)
Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL
Bass-da!Das integrierte Soundsystem lässt sich dagegen von nichts bremsen, außer vom Nachbarn. Im Korpus stecken neben einem Subwoofer vier abnehmbare Lautsprecherboxen, die man um sich und seine Gäste herum platzieren kann. Anker bezeichnet das als »7.1.4‑Soundsystem mit Dolby Atmos und Dolby Audio« obwohl ein solches System eigentlich aus zwölf Lautsprechern bestehen müsste. Im Outdoor-Betrieb kamen dabei allerdings die Klangkomponenten, die eigentlich von oben kommen müssten, mangels Raumdecke, die dafür als Reflektor genutzt werden könnte, zu kurz.
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Ausgeklappte Frontlautsprecher: Können am Gehäuse bleiben oder abgenommen werden
Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL
Trotzdem können die fünf Boxen, von denen zwei auf ausziehbaren Beinchen stehen, eine recht beeindruckende Klangkulisse aufbauen, die es in Actionfilmen auch kräftig rumpeln und donnern lassen kann. Die Basswiedergabe ist so kräftig, dass man sie zumindest im Wohnzimmer herabregeln sollte, sofern man nicht in einem Betonbunker lebt.
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Rücklautsprecher auf Aufklappbeinen: Im Test frostfest
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Unter einem Deckel an der Oberseite sind zudem zwei kabellose Mikrofone angebracht, mit denen man den Nebula X1 Pro als Karaoke-Box verwenden kann, wenn man mag. Noch mehr als bei Outdoor-Filmabenden im Hochsommer bezweifle ich allerdings, dass sich auch die Nachbarschaft für diese Idee erwärmen kann.FazitDen Soundcore Nebula X1 Pro hat Anker nach der Devise »Viel hilft viel« konzipiert: 4K-Auflösung und 3500 ANSI-Lumen machen das Bild hell und groß, mit insgesamt 400 Watt Musikleistung liegt seine Maximallautstärke von 107 Dezibel irgendwo zwischen Presslufthammer und Motorsäge. Wer also viel will, bekommt auch viel. Für viel Geld allerdings: 5000 Euro muss man sich leisten können und wollen. Wenn man mag, kann man sich das schönrechnen, indem man den Beamer nicht nur draußen, sondern auch drinnen benutzt und dafür den Fernseher einspart. Dann muss man nur damit leben wollen, dass dieses große dunkelgraue Ding im Wohnzimmer steht. Immerhin hat es Rollen, sodass man es aus dem Weg wuchten kann.
👍 Einfache Bedienung👍 Gutes Bild (bei Dunkelheit)👍 Kräftiger Sound👎 Schwer👎 Kurzes Stromkabel👎 Bei Tag nicht hell genug
Was aber immer beachten sollte: Wegen seiner potenziell sehr lauten Lautsprecher und dem zumindest nachts sehr hellen Bild, ist der Nebula X1 Pro eigentlich eine Maschine für einsame Insulaner und Stadtrandbewohner mit guter Rechtsschutzversicherung oder duldungswilligen Nachbarn. In der Regel ist es schwer vorstellbar, dass man dieses Gerät im Freien verwenden kann, ohne andere damit zu stören. Das beste Mittel gegen Ärger und Streit ist in solchen Fällen: einfach alle einladen. Wer dabei ist, wird nicht meckern.
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