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Der Oberschenkel macht dicht – und plötzlich liegt ein Schatten über dem emotionalen Abend. Beim EM-Krimi am Montag gegen Spanien (34:32) feiert die deutsche Handball-Nationalmannschaft den Einzug in die Hauptrunde. Ein starker Sieg, eine couragierte Leistung, große Erleichterung. Doch es gibt Sorgenfalten. Denn für einen Spieler im Kader könnte es der letzte EM-Auftritt gewesen sein.
Es geht um Lukas Zerbe, Rechtsaußen vom THW Kiel und Siebenmeterschütze Nr. 1. Zerbe hatte erst am Samstag seinen 30. Geburtstag gefeiert, zwei Tage später musste er gegen Spanien nach rund 40 Minuten vom Feld. Hinter der Bank kümmerte sich DHB-Physiotherapeut Dennis Finke (51) um ihn. Zerbe kehrte nicht mehr auf die Platte zurück.
Bundestrainer Alfred Gíslason (66) machte nach dem Spiel kein Geheimnis aus seiner Sorge – und wählte ungewöhnlich deutliche Worte: „Die beiden Außen mussten eine Weile raus. Lukas Mertens, der ein überragendes Spiel gemacht hatte, musste raus, weil er am Ende war. Kohli kam da rein. Es war schon geplant, dass er gewisse Taktiken mit ihm spielen darf. Sorgen macht mir aber Lukas Zerbe. Er kam raus. Sein Oberschenkel hat zugemacht. Häseler kam dann rein und spielt super.“
Zerbe durfte gegen Spanien drei Treffer bejubeln, musste dann aber von der Platte
Wenn sich ein Bundestrainer öffentlich so äußert, sagt das viel. Auf der Tribüne verfolgten THW-Geschäftsführer Viktor Szilagyi (47) und THW-Coach Filip Jicha (43) die Szene mit sichtbarer Anspannung. Beide waren in der Halle.
[–>Sportlich ließ sich das DHB-Team nicht bremsen, zog mit 34:32 gegen Spanien davon und qualifizierte sich für die Hauptrunde. Für Zerbe kam Mathis Häseler (23/VfL Gummersbach) – und der nutzte seine Chance, machte sein erstes EM-Tor. Der U21-Weltmeister von 2023 spielte mutig in seinem erst neunten Länderspiel.
Handball-EM: Groetzki und Kastening möglicher Ersatz
Trotz des Sieges bleibt die Unsicherheit. Auf dem 35er-Kader, den der DHB im November bei der Europäischen Handballföderation (EHF) gemeldet hat, stehen für die Position Rechtsaußen noch zwei Spieler auf Abruf: die Routiniers Patrick Groetzki (36/Rhein-Neckar Löwen) und Timo Kastening (30/MT Melsungen).
Nach Vor- und Hauptrunde darf der DHB seinen 18er-EM-Kader auf zwei Positionen verändern. Viel spricht dafür, dass die medizinische Abteilung am Dienstag in Silkeborg ein MRT ansetzt, um eine genaue Diagnose bei Lukas Zerbe zu bekommen. Anschließend wird mit der sportlichen Führung entschieden. Sollte es für Zerbe nicht weitergehen, ist davon auszugehen, dass der DHB einen Wechsel vornimmt, um sich abzusichern.

