Klirrende Kälte bei strahlendem Sonnenschein: Ein Hoch aus Osteuropa bringt eiskalte Luft nach Deutschland. Laut Deutschem Wetterdienst sind in vielen Regionen nachts Tiefstwerte von minus fünf bis minus zehn Grad möglich. Wer die Kälte nutzen will, kommt vielleicht auf die Idee, Eisbaden zu gehen. Der Sprung ins eiskalte Wasser klingt für viele nach einer bekloppten Mutprobe, für andere ist es ein Ritual mit vielen gesundheitlichen Vorteilen. Ob zur Stärkung des Immunsystems, zur Stressreduktion oder für den besonderen Kick – Eisbaden erfreut sich großer Beliebtheit. Doch Eisbaden kann auch richtig gefährlich werden: Anfang Januar starb ein 40-Jähriger beim Eisbaden in Wismar.
Ab wann wird Eisbaden gefährlich? Was sollte man beachten? Und was passiert in eiskaltem Wasser eigentlich im Körper?
[–>Vorsicht bei dieser Vorerkrankung
Wer im eisigen Wasser baden möchte, sollte vorher mit dem Hausarzt sprechen, um Vorerkrankungen auszuschließen. Wer nämlich Herz-Kreislauf-Probleme hat, sollte es lieber sein lassen. Allgemeinmediziner Dr. Thomas Aßmann: „Beim Eisbaden ziehen sich die Adern sekundenschnell zusammen – und das ist im Prinzip auch der Sinn des Ganzen.“ Bei Gesunden gilt: Wie beim Saunieren trainiert die Temperatur das Immunsystem. „Beim Eisbaden alarmiert der Kältereiz die Abwehrkräfte“, erklärt der Mediziner. Der Körper schaltet in eine Art Notfallmodus und zentriert die Wärme so, dass man überlebt. „Es werden im Prinzip nur noch Hirn, Herz und Eingeweide, besonders die Nieren, durchblutet.“
Es werden aber auch Glückshormone ausgeschüttet – wie beim Bungee-Jumping oder auf der Achterbahn. „Extremsituationen signalisieren dem Körper: Gefahr! Und dann schüttet er Hormone aus, um das Ganze erträglich zu machen.“ Darum strahlen viele Eisbader vor Glück. Aber: Bei entsprechenden Vorerkrankungen ist das plötzliche Zusammenziehen der Blutgefäße ein Schock für den Körper, vergleichbar mit einem Herzinfarkt oder Hirnschlag.
Das sollten Sie beim Eisbaden beachten
- Baden Sie nur dort, wo es erlaubt ist, etwa an Badeseen oder öffentlichen Ständen. Tabu sind in der Regel alle Flüsse wegen ihrer Strömung und des Schiffsverkehrs.
- Schlagen Sie kein Loch in einen zugefrorenen See. Halten Sie sich vom Inneren des Sees fern. Die Gefahr, dass Sie einbrechen und unter die Eisdecke geraten, ist zu groß.
- Springen Sie niemals ins Wasser! Der plötzliche Kälteschock kann lebensgefährlich sein. Besser: Gehen Sie vorsichtig ins Wasser, bis zum Oberkörper.
- Tauchen Sie nicht mit dem Kopf unter Wasser! Es droht Lebensgefahr, wenn feine Äderchen sich zusammenziehen und das Gehirn nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird.
- Bleiben Sie nicht zu lang im Wasser. Ein paar Minuten reichen. Hören Sie auf Ihren Körper. Wenn Sie merken, dass Sie frösteln – raus aus dem Wasser!
- Nach dem Eisbaden: Aufwärmen! Ordentlich abtrocknen, die Sitzheizung im Auto anstellen oder schnell nach Hause: Ihr Körper muss wieder auf Temperatur kommen!

