Hundehaare landen oft im Müll. Doch genau dieses vermeintliche Abfallprodukt kann Pflanzen kräftig wachsen lassen. Das zeigt eine aktuelle wissenschaftliche Studie. Gleichzeitig warnen Naturschutzverbände und Verbrauchermagazine: Wer Hundehaare unbedacht im Garten verteilt, kann Vögel in Gefahr bringen. Wie passt das zusammen?
Eine Studie ist der Sache auf den Grund gegangen. Die Forscher wollten wissen, ob Hundehaare als nachhaltiger Bestandteil von Pflanzerde taugen – und damit eine Alternative zu Torf sein könnten.
Studie untersucht Hundehaare als Torf-Ersatz
Der Hintergrund ist ernst: Handelsübliche Blumenerde besteht zu großen Teilen aus Torf. Dieser Rohstoff wächst extrem langsam nach. Sein Abbau zerstört Moore und setzt große Mengen CO₂ frei, wie myHOMEBOOK (gehört ebenfalls zu Axel Springer) berichtet. Genau hier setzten die Forscher an.
Sie verwendeten Hundehaar-Abfälle aus Hundesalons und mischten sie gezielt unter Blumenerde. Ziel war es zu prüfen, ob sich daraus ein brauchbares Substrat für Topfpflanzen herstellen lässt.
Basilikum, Salat und Tagetes wachsen besser
Getestet wurden drei typische Topfpflanzen: Basilikum, Salat und die Studentenblume, auch Tagetes genannt. Alle Pflanzen wuchsen in Erde, die mit Hundehaaren angereichert war.
Das Ergebnis fiel eindeutig aus. Alle drei Pflanzenarten entwickelten sich besser als Vergleichspflanzen in normaler Blumenerde. Die Blattmasse nahm zu, ebenso Blüten- und Samenbildung. Die Effekte zeigten sich bei Nutzpflanzen genauso wie bei Zierpflanzen.
Der Grund liegt im Material selbst. Hundehaare bestehen überwiegend aus Keratin. Dieses wird im Boden langsam zersetzt und kann dabei Stickstoff freisetzen. Gleichzeitig lockern die Haare das Substrat und verbessern die Durchlüftung der Erde.
Warum Hundehaare für Vögel gefährlich werden können
Was im Topf funktioniert, ist im Garten problematisch. Denn frei ausgelegte Hundehaare werden häufig von Vögeln als Nistmaterial eingesammelt. Darauf weisen unter anderem Berichte von ÖKO-TEST und der Tagesschau hin.
Gefährlich wird es, wenn die Hunde mit Floh- oder Zeckenmitteln behandelt wurden. Rückstände dieser Insektizide oder Nervengifte können im Fell haften bleiben. Gelangen die Haare ungefiltert ins Nest, kommen die Stoffe direkt mit Eiern und Küken in Kontakt.
In solchen Nestern wurden vermehrt Entwicklungsstörungen, geringere Überlebensraten und tote Nestlinge beobachtet. Das Risiko geht dabei nicht vom Haar selbst aus, sondern von möglichen chemischen Rückständen.
Klare Empfehlungen für den Garten
Naturschützer raten deshalb dringend davon ab, Hundehaare offen im Garten zu verteilen oder sie als vermeintliche Nisthilfe anzubieten. Wenn überhaupt, sollten sie nur kontrolliert und gezielt im Substrat eingesetzt werden.
Als Alternativen für Vögel gelten Holzfasern, Kokosfasern oder Samenstände von Gräsern wie Pampasgras. Diese Materialien sind unbedenklich und werden ebenfalls gern zum Nestbau genutzt.

