Der Wecker klingelt um 5 Uhr – und das Netz jubelt. Früh aufstehen gilt als Wundermittel für Erfolg und Produktivität. Topmanager und Spitzensportler schwören darauf. Doch Schlafmediziner schlagen Alarm: Für viele Menschen ist dieser Trend alles andere als gesund, berichtet das „Wall Street Journal“.
Der amerikanische Schlafexperte Michael Breus findet klare Worte. Der Hype ums tägliche Aufstehen um 5 Uhr sei „eine der dümmsten Ideen überhaupt“. Besonders für Menschen, die biologisch eher abends fit sind. Wer seinen natürlichen Rhythmus dauerhaft ignoriert, zahlt einen hohen Preis.
Schlafmangel macht krank
Chronischer Schlafmangel steht laut Studien mit ernsten Folgen in Verbindung. Das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigt, auch Stoffwechselprobleme, ein geschwächtes Immunsystem und psychische Beschwerden werden häufiger. Fachgesellschaften empfehlen gesunden Erwachsenen im Schnitt sieben bis neun Stunden Schlaf pro Nacht. Der genaue Bedarf kann variieren. Entscheidend ist nach Einschätzung der Experten der sogenannte Chronotyp, also die genetisch geprägte innere Uhr.
Michael Breus und andere Schlafmediziner unterscheiden grob drei Typen: „Lerchen“, „Bären“ und „Eulen“. Rund 55 bis 65 Prozent der Menschen gelten als „Bären“. Sie kommen morgens langsam in Gang, sind vormittags bis zum frühen Nachmittag am produktivsten und werden gegen 22 Uhr müde. Etwa 15 bis 20 Prozent sind echte Frühaufsteher, die „Lerchen“. Einen ähnlich großen Anteil machen „Eulen“, die abends lange leistungsfähig sind und morgens große Mühe haben, aufzustehen.
5 Uhr passt nur zu wenigen
Eine feste Weckzeit um 5 Uhr passt damit nur zu einem kleinen Teil der ausgeprägten Frühaufsteher. Wenn „Eulen“ oder typische „Bären“ sich dauerhaft so früh aus dem Schlaf reißen, rutschen sie in ein chronisches Schlafdefizit. Hinzu kommt der sogenannte soziale Jetlag. Wer unter der Woche extrem früh aufsteht, am Wochenende aber lange ausschläft, bringt seine innere Uhr weiter durcheinander. Das kann die Probleme noch verstärken.
Deshalb raten Fachleute, die Aufstehzeit an die eigene Biologie und den Alltag anzupassen – nicht an Produktivitätsmoden. Ideal sind konstante Schlafens- und Aufstehzeiten, auch am Wochenende.
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