Immer mehr Kinder und Jugendliche geraten wegen seelischer Probleme in so große Not, dass sie in psychiatrische Kliniken müssen. Die Zahl der stationär behandelten Minderjährigen ist deutlich gestiegen – und die Krankenhausaufenthalte dauern oft lange. Betroffen sind hauptsächlich Mädchen.
Allein 2025 wurden wegen der fünf häufigsten psychischen Diagnosen (Angststörungen, Depressionen, Suchtstörungen, Essstörungen und Persönlichkeitsstörungen) 44.381 Kinder und Teenager stationär behandelt. Vier Jahre zuvor waren es noch 34.499. Das meldete das Recherchenetzwerk „Correctiv“ unter Berufung auf Daten der Krankenhausgesellschaft.
Wie groß das Problem inzwischen ist, zeigen auch offizielle Zahlen. Im März berichtete das Statistische Bundesamt, dass psychische Erkrankungen bei Kindern und Teenagern im Jahr 2023 die häufigste Ursache für stationäre Krankenhausbehandlungen waren. Rund 112.600 der 10- bis 19-Jährigen lagen wegen psychischer Erkrankungen oder Verhaltensstörungen im Krankenhaus.
Zu lange Wartezeiten für Therapieplätze
Besonders dramatisch: Kinder und Jugendliche warten inzwischen vier bis sechs Monate auf einen Platz in der Psychiatrie. Das sagte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß, gegenüber „Correctiv“. „Diese lange Wartezeit ist natürlich gerade in der Kinder- und Jugendpsychiatrie hochproblematisch“, erklärte Gaß.
[–>Welche Belastungen hinter den steigenden Zahlen stecken, zeigt ein aktueller Bericht der Krankenkasse DAK. Der Kinder- und Jugendreport machte vor wenigen Wochen deutlich, wie stark die Corona-Pandemie, die Klimakrise sowie Kriege, gesellschaftlicher Druck und Zukunftsängste auf junge Menschen wirken. Vor allem Mädchen seien wegen psychischer Probleme häufig dauerhaft in Behandlung, hieß es in dem Report.
Corona, Klima und Kriege setzen Kindern zu
Auch Schülervertreter schlagen Alarm. Ende Oktober warnten die Bundesschülerkonferenz (BSK) und das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) vor langfristigen Folgen für Gesellschaft und Wirtschaft. Bei einer Pressekonferenz fand BSK-Generalsekretär Quentin Gärtner deutliche Worte: „Wir stecken in einer tiefen Krise. Uns geht’s nicht gut, und wenn wir da nicht rauskommen, dann hat das extreme volkswirtschaftliche und gesellschaftliche Folgen.“
Die Bundesschülerkonferenz fordert deshalb konkrete Schritte. In einem 10-Punkte-Plan verlangt sie unter anderem mehr Schulsozialarbeiter und Schulpsychologen. Außerdem geht es um die Förderung von Medienkompetenz in allen Unterrichtsfächern sowie um Schlüsselkompetenzen wie Selbstregulation und Stressbewältigung.

