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Halle – Diese Nachricht sorgte für einen Schreckmoment in Sachsen-Anhalt: Das belgische Unternehmen Domo Chemicals hat Insolvenz angemeldet und wollte seine Produktion am bekannten Chemiestandort in Leuna stoppen. Für die Landesregierung war das keine Option: Sie ordnete den Weiterbetrieb an und investiert Millionen.
Ende Dezember hatte Domo Chemicals angekündigt, die Anlagen am Standort Leuna bei Halle herunterfahren zu müssen. Das Land Sachsen-Anhalt reagierte sofort und ordnete einen Weiterbetrieb „aus Gründen der Gefahrenabwehr“ an.
„Ich glaube, wir haben jetzt eine gewisse Chance, dass Domo in einer etwas anderen Form vielleicht auch weiter existieren kann“, sagte Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Sven Schulze (46, CDU) beim Neujahrsempfang der IHK Halle-Dessau und der Handwerkskammer Halle.
Sven Schulze (CDU), Wirtschaftsminister des Landes Sachsen-Anhalt
Weiterbetrieb wegen Winter-Wetter
Minister Schulze erklärt gegenüber BILD: „Letzten Freitag sah es so aus, als ob es keine Lösung für Domo mehr gebe. Da habe ich alle Beteiligten an einen Tisch geholt, das heißt alle Ministerien, die Landesverwaltung und die Verantwortlichen des Konzerns.“
Bei einer siebenstündigen Krisensitzung, habe man festgestellt, dass die abrupte Abschaltung der Werke Gefahren birgt! „Das geht eigentlich erst ab 6 Grad plus, aber bei den winterlichen Temperaturen, teilweise mit Minusgraden, ist das zu gefährlich, diese chemischen Prozesse einfach abzuschalten“, so der Wirtschaftsminister.
Für die 585 Domo-Mitarbeiter in Sachsen-Anhalt gibt es jetzt trotz Insolvenz ihres Arbeitgebers einen kleinen Hoffnungsschimmer
Chancen auf neuen Investor steigen
Für den Weiterbetrieb könnten Kosten im Millionenbereich anfallen. „Das Land kalkuliert derzeit mit einem höheren einstelligen bis niedrigen zweistelligen Millionenbetrag“, sagte eine Sprecherin des Landesverwaltungsamts. Zudem könne der Insolvenzverwalter die so gewonnene Zeit nutzen, um Investoren zu suchen. „Es gibt Interessenten, hier einzusteigen“, sagte Schulze. Das Unternehmen in Leuna sei „durchaus sehr interessant“.
[–>Hoffnungsschimmer für 585 Domo-Mitarbeiter
Für die 585 Mitarbeiter der drei deutschen Domo-Standorte – zwei in Sachsen-Anhalt und einer in Brandenburg – besteht also wieder ein kleiner Hoffnungsschimmer.
Insolvenzverwalter Lucas Flöther zu BILD: „Dass das Land Sachsen-Anhalt für die Werke in Leuna eingesprungen ist, hat den netten Nebeneffekt, dass auch das Werk in Premnitz weiterarbeiten kann. Denn es erhält Ware aus Leuna, die sie veredeln.“ Die Gehälter aller 585 Mitarbeiter seien bis Ende März durch das Insolvenzgeld gesichert.
Prof. Dr. Lucas F. Flöther wurde als Insolvenzverwalter bestellt
Der Großteil der deutschen Domo-Mitarbeiter ist in Leuna beschäftigt, bei der Domo Chemicals GmbH sind es rund 35, bei der Domo Caproleuna GmbH etwa 480. Für die Domo Engineering Plastics GmbH in Premnitz (Brandenburg) arbeiten rund 70 Angestellte.

