–>
Dortmund – Fassungslos hält Tamam (26) einen dicken Pflasterstein in der linken Hand. Der junge Syrer steht hinter der Theke seines Restaurants in den Trümmern seiner Existenz. Die Scheiben sind zerschmettert, die Schubladen verbeult. Bei einer prokurdischen Demo verwüstete eine wütende Horde das Geschäft, dann plünderte die hemmungslose Meute seine Kasse.
Ein Video zeigt die Gewaltorgie von Dienstagabend. Aufgebrachte Demonstranten zertrümmern mit Steinen, Tischen und Stühlen das Restaurant in der Innenstadt von Dortmund. Es ist der blanke Hass auf Syrer, der sie antreibt. Weil sich tausende Kilometer weit entfernt syrische Regierungstruppen blutige Gefechte mit kurdischen Milizen liefern. Es ist ein ferner Konflikt, der jetzt auf deutschen Straßen ausgetragen wird.
Hier versuchen kurdische Demonstranten, das syrische Restaurant zu stürmen. Der Boden ist übersät mit Splittern und Trümmern
„Jahrelang habe ich von diesem Restaurant geträumt“, sagt Tamam geschockt zu BILD. „Innerhalb von Minuten haben diese Leute alles zerstört. Keine Minute habe ich seit gestern geschlafen. Ich bin mit nichts nach Deutschland gekommen und habe mir alles hart erarbeitet und aufgebaut. Der Laden ist meine Existenz.“ 2020 flüchtete der Syrer vor dem Krieg in seiner Heimat über die Balkanroute bis nach Deutschland. „Weniger als einen Monat lebte ich vom Jobcenter“, erzählt er. „Ich wollte mir hier immer etwas aufbauen und niemandem auf der Tasche liegen.“
Am Abend des Angriffs ist das ganze Ausmaß der Zerstörung sichtbar
Am Dienstagabend war in der Dortmunder City kurzfristig eine Demonstration für 400 Teilnehmer angemeldet worden. Es kamen 4000, die Polizei war überfordert. Hundertschaften und BFE-Einheiten mussten nachalarmiert werden. Es kam zu hässlichen Jagdszenen und schweren Ausschreitungen, bei denen sieben Polizeibeamte verletzt wurden. Schon am Freitag soll es die nächste Kurden-Demo in Dortmund geben.
[–>„Ich habe Angst“, gesteht Tamam ganz offen. „Ich will mich in Deutschland sicher fühlen, deshalb bin ich hergekommen. Und jetzt? Ich habe das Gefühl, dass jeden Moment wieder etwas passieren kann.“ Am Freitag wird die Polizei besser auf die Demo vorbereitet sein. Trotzdem: Die Bilder von Dienstagabend haben sich tief in Tamams Gedächtnis eingebrannt. „Warum habt ihr das getan?“, fragt er geschockt. „Ihr seid selber nach Deutschland geflüchtet, um hier in Sicherheit zu leben. Und jetzt macht ihr anderen Menschen Angst.“

