London – Die Australier haben es vorgemacht und Millionen von Teenagern und Kindern aus den sozialen Medien ausgesperrt. Jetzt spitzt sich die Debatte auch im britischen Parlament zu: Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren sollen von Social Media ausgeschlossen werden.
Nach einer deutlichen Abstimmung im Oberhaus wächst jetzt der Druck auf die Regierung in London. Dort stimmten die Mitglieder am Mittwochabend klar für eine Gesetzesänderung, die ein Social-Media-Verbot für Unter-16-Jährige vorsieht. Mit 261 zu 150 Stimmen sprach sich das Oberhaus dafür aus, Social-Media-Anbieter dazu zu verpflichten, innerhalb von zwölf Monaten hochwirksame Altersprüfungen einzuführen.
[–>Prominente Unterstützung kam zuletzt auch vom britischen Schauspieler Hugh Grant (65, „Notting Hill“). Laut einer YouGov-Umfrage im Dezember befürworten 74 Prozent der Briten ein Social-Media-Verbot für Jugendliche. Entscheiden muss am Ende aber das Unterhaus, das von der Regierungspartei Labour dominiert wird.
Regierung setzt auf Prüfphase
Die Regierung von Premierminister Keir Starmer (63) zeigte sich bislang deutlich zurückhaltender. Sie lehnt ein Verbot nicht mehr grundsätzlich ab, will aber vorerst keine schnelle Entscheidung. Stattdessen soll es eine dreimonatige Konsultationsphase geben. In dieser Zeit sollen Vor- und Nachteile eines Verbots sowie weitere Möglichkeiten zur Einschränkung von Social Media für Kinder geprüft werden.
Australien sperrte 4,7 Millionen Accounts
Ein Blick nach Australien zeigt, wie ein solches Verbot aussehen könnte. Dort trat im Dezember ein entsprechendes Gesetz in Kraft. Nach Angaben der Regierung wurden seitdem mehr als 4,7 Millionen Accounts von Kindern und Jugendlichen deaktiviert, gelöscht oder eingeschränkt. Auch in Deutschland gibt es eine Debatte über ein Verbot, eine nationale Umsetzung gilt wegen des europäischen Binnenmarkts jedoch als deutlich schwieriger.

