Schönen Dank auch: Schon der Verdacht auf Asbestfasern oder Staubpartikel in der Lunge reicht, um einen in Schrecken zu versetzen. Drohen doch Luftnot oder gar Krebs! Zum Nachweis wird oft mit Elektronenmikroskopie gearbeitet. Und damit man dort etwas sieht, wird meist auch noch Uranylacetat als Kontrastmittel eingesetzt. Hochgiftig, ebenfalls krebserzeugend. Na toll, und jetzt? Ganz einfach: Kaffee ist die Lösung!
Was wie ein Scherz klingt, könnte die Elektronenmikroskopie verändern. Eine Studie österreichischer Wissenschaftler zeigt, dass Espresso als Kontrastmittel erstaunlich gut funktioniert – und das klassische Uranylacetat in vielen Fällen ersetzen kann.
[–>Untersucht wurden ultradünne Gewebeschnitte, unter anderem mit Blick auf Mitochondrien. Auf die Proben wurden entweder klassisch Uranylacetat, Salz des Schwermetalls Uran, oder gekochter Espresso (Robusta) aufgebracht. Anschließend wurden sie unter identischen Bedingungen im Elektronenmikroskop aufgenommen. Die Auswertung erfolgte standardisiert mit Bildanalyse-Software. So ließ sich der Kontrast objektiv vergleichen.
Teils besser als Uran
Das Ergebnis überraschte selbst Experten. Espresso erzielt sehr gute Kontrastwerte, in Teilen sogar bessere als Uranylacetat unter gleichen Bedingungen. Auch Chlorogensäure, ein wichtiger Bestandteil von Kaffee, zeigte ausgeprägte kontrastierende Effekte auf biologische Proben. Damit bleibt die Bildqualität erhalten – ohne den Einsatz eines radioaktiven Schwermetalls.
Der Nutzen geht über die Bilder hinaus. Uranylacetat gilt als gefährlicher Sondermüll und erfordert aufwendige Sicherheitsmaßnahmen. Espresso ist – welch Überraschung! – ein Lebensmittel, nicht radioaktiv und deutlich ohne Risiko für das Laborpersonal. Auch Genehmigungen, Dokumentation und Entsorgung werden einfacher und günstiger.
Die Autoren sehen Espresso als ernst zu nehmende Alternative zu Uranylacetat, vor allem für Labore mit strengen Sicherheitsauflagen. Für den flächendeckenden Einsatz seien jedoch weitere Untersuchungen an unterschiedlichen Geweben und Protokollen nötig.

