Dortmund (NRW) – Ermittlungen in den Kellern der Rechtsmedizin! Die Stadt Dortmund hat ihre Chef-Obduzentin vor die Tür gesetzt und Strafanzeige gegen Dr. Katharina J. gestellt. Staatsanwalt Henner Kruse: „In zwei Anzeigen wurden Vermögensdelikte, insbesondere Untreue, als mögliche verwirklichte Straftatbestände benannt.“
Stadt hinterfragt Abrechnungen von Leichenschauen
Zum konkreten Vorwurf will sich die Stadt nicht äußern. Eine Sprecherin: „Bei der Überprüfung des Institutes für Rechtsmedizin sind Unregelmäßigkeiten aufgefallen. Daraufhin hat die Stadt Dortmund arbeitsrechtliche und strafrechtliche Maßnahmen eingeleitet.“
In diesem Institut werden die Obduktionen durchgeführt
Nach BILD-Informationen sollen u. a. Leichenschauen nicht ordnungsgemäß abgerechnet worden sein. Zudem soll J. erzielte Einnahmen aus Nebentätigkeiten (wie rechtsmedizinischen Gutachten) nicht angegeben haben. Es geht um Geld, das der Institutsleiterin nach Auffassung der Stadt gar nicht zusteht – denn solche Arbeiten seien bereits mit ihrem Lohn abgegolten.
Anwalt sieht kein „strafbewährtes Verhalten“
Dr. J. erklärte gegenüber BILD ihre Unschuld, sie könne die Vorwürfe nicht nachvollziehen: „Ich habe im guten Gewissen die Abrechnungspraxis fortgeführt, die ich von meinem Vorgänger übernommen habe. Auch in anderen Instituten wird so abgerechnet.“
Ihr Anwalt Malte Englert ist überzeugt, dass „kein strafbewährtes Verhalten“ festzustellen sei. Er vermutet, dass man eine unliebsame Mitarbeiterin loswerden wolle, die auf personelle Änderungen gedrängt habe. Bei den Mitarbeitern bestehe der Verdacht der Scheinselbstständigkeit.
Unpassenderweise liegt das Institut für Rechtsmedizin in Dortmund gegenüber des Heiterkeitswegs
Münster: Weniger Obduktionen, viel mehr Ärzte
Demnach habe Dr. J. rund 900 Obduktionen und Leichenschauen im Jahr sowie weitere Aufgaben (wie Bereitschaftsdienste für die Polizei) ausschließlich mit freien Mitarbeitern bewältigen müssen. Englert: „Nach Überzeugung meiner Mandantin kollidiert das mit steuerrechtlichen und arbeitsrechtlichen Vorgaben.“
Zum Vergleich: In der Rechtsmedizin in Münster werden von 13 fest angestellten Ärzten im Jahr knapp 600 Obduktionen durchgeführt.
Vier Planstellen für Mediziner in Dortmund
Die Stadt Dortmund erklärte, dass es vier Planstellen für fest angestellte Mediziner gebe, derzeit seien allerdings drei davon vakant. Zudem verfüge das Institut aktuell über einen Pool von neun Freiberuflern.
Die Dortmunder Rechtsmedizin ist eine der letzten in kommunaler Trägerschaft. Sie ist für die Gerichtsbezirke Dortmund, Hagen und Arnsberg zuständig. Zu den Aufgaben zählen neben Obduktionen und Leichenschauen etwa Gutachten zu Knochenfunden, Tatortbesichtigungen und Untersuchungen von Verbrechensopfern.

