–>
Berlin – Irres Gezerre um eine wohltätige Spendenaktion. Erst hatte der Senat die seit 7 Jahren in Berlin etablierte Kaffeewette wegen rechtlicher Bedenken gestoppt. Freitagabend plötzlich die Kehrtwende!
Darum geht es: 2019 rief der Supermarktbetreiber Michael Lind die Kaffeewette mit Neuköllns Bezirksbürgermeister Martin Hikel (39, SPD) ins Leben. In diesem Jahr wollten sich 11 Bezirke beteiligen.
Das Prozedere: Zunächst geben Bürger Kaffeepackungen in Rathäusern und Bibliotheken ab. Parallel dazu wetten inzwischen vier Einzelhändler auf die gespendeten Mengen – und machen dafür Geld locker. Diesmal sollten 500 Packungen mit 2500 Euro belohnt werden. Beides, Geld und Kaffee, kommt der Kältehilfe zugute.
Supermarkt-Betreiber Michael Lind ist fassungslos
Ein Bezirk blockte ab, schaltete Juristen und Korruptionsbekämpfer ein: Das grün regierte Friedrichshain-Kreuzberg witterte den Verdacht einer Vorteilsannahme, weil die Unternehmen durch ihre guten Taten Gratiswerbung erhielten.
Am Ende wurde die Senatskanzlei eingeschaltet. Eine Sachbearbeiterin teilte den Rathauschefs am 14. Januar mit, dass man sich den rechtlichen Bedenken anschließe – der Regierende Bürgermeister stimme der Aktion nicht zu. Für Initiator Lind ein Schlag ins Gesicht.
Neuköllns Bürgermeister Martin Hikel (SPD) ist sauer auf den Regierenden Bürgermeister
Wegner gibt am Freitag doch noch sein Okay
Empört zeigte sich auch Neuköllns Bürgermeister Hikel: „Ich kenne Lind seit Jahren. Er ist ein stiller Spender, wollte nie in die Öffentlichkeit. Allein der Vorwurf ist absurd: Er stellt sämtliche engagierten Unternehmer unserer Stadt unter Generalverdacht.“
Und dann wundert Hikel sich: „Spenden für das Hoffest des Regierenden Bürgermeisters sind möglich – aber nicht für die Obdachlosen in Berlin.“
[–>Freitagabend zieht der Regierende die Reißleine. In einer E-Mail informierte Kai Wegner die Bezirke darüber, dass nicht nur das Sammeln des Kaffees, sondern auch Wette und Unternehmerspende an sich in Ordnung seien: „Da durch die Kaffeewette weder der Eindruck der Befangenheit oder Käuflichkeit erweckt werden kann, noch das Ansehen des öffentlichen Dienstes gefährdet wird, erteile ich hiermit vorsorglich die Genehmigung.“
Nach dem Hickhack sammeln die Bezirke nun ab Montag Kaffeepäckchen an ihren Rathaus-Pforten (bis 5.2.).

