Der österreichische Rechtsextremist Martin Sellner hat übereinstimmenden Medienberichten zufolge in Sachsen-Anhalt ein sogenanntes »Institut für Remigration« gegründet. Das Unternehmen ist demnach seit Ende August als deutsche Kapitalgesellschaft mit beschränkter Haftung (UG) beim Amtsgericht Stendal eingetragen. Als Sitz ist die Landeshauptstadt Magdeburg angegeben. Die Geschäftsadresse liegt jedoch in Chemnitz, wo die als rechtsextrem eingestufte Identitäre Bewegung ein Zentrum unterhält. Den Berichten nach ist Sellner selbst Geschäftsführer. Laut der taz ist auch der frühere Chef der Landesgruppe der Identitären Bewegung in Wien, Philipp Huemer, beteiligt.
Das Institut veröffentlichte bereits ein Strategiepapier zur Migrationspolitik in Sachsen-Anhalt. Darin wird vorgeschlagen, das Bundesland zu einem »Remigrationsmusterland« zu machen. Zu den Ideen gehören ein eigenes »Landesamt für Remigration«, eine härtere Abschiebepraxis und eine Überprüfung bestehender Duldungen. Als mögliche Zielgruppen nennt das Papier neben Menschen ohne gesicherten Aufenthaltsstatus auch Ausländer mit rechtmäßigem Aufenthalt sowie Menschen, die es als »nicht assimiliert« bezeichnet.
Immer wieder Überschneidungen von Identitären mit der AfD
Aus Sicht des Flüchtlingsrates könnten Sellners Pläne eine Handlungsanweisung für die AfD sein, die in Sachsen-Anhalt künftig den Ministerpräsidenten stellen könnte. In einer Erklärung warnt der Rat, dass das Strategiepapier für Sachsen-Anhalt ausdrücklich Deutsche mit Migrationsgeschichte einbeziehe, die rechtlich eigentlich nicht abgeschoben werden können. »Trotzdem werden Menschen, die als nicht ausreichend ›assimiliert‹ gelten, ebenfalls als Zielgruppe rassistischer Pläne benannt. Für uns ist klar: Es gibt keine Menschen erster, zweiter oder dritter Klasse.« Der Rat werde genau beobachten, ob solche Konzepte Eingang in Politik und Verwaltung finden.
Sellner und der AfD-Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund, nahmen 2023 am Potsdamer Treffen zur »Remigration« teil. Ob das gegründete Unternehmen in direkter Abstimmung mit der AfD entstanden ist, blieb zunächst offen. Die AfD führt die Identitäre Bewegung offiziell auf ihrer Unvereinbarkeitsliste. In der Praxis spielt das jedoch kaum eine Rolle.
So war der Sprecher der als rechtsextrem eingestuften Identitären Bewegung, Maximilian Märkl, AfD‑Mitglied. Erst als das öffentlich bekannt wurde, trat Märkl Anfang Februar 2026 aus der Partei aus. Auch Auftritte von AfD‑Mitgliedern mit Sellner ließ die AfD zu. So gab es Anfang des Jahres im brandenburgischen Vetschau eine Veranstaltung des Rechtsextremisten, zusammen mit der AfD-Landespolitikerin Lena Kotré.

