Am 20. September wird in Mecklenburg-Vorpommern ein neuer Landtag gewählt. Von einer absoluten Mehrheit ist die AfD dort weit entfernt – führt aber alle Umfragen an. Doch Ministerpräsidentin Manuela Schwesigs SPD holt auf. Gelingt ihr die Überraschung?
Manuela Schwesig, SPD
Aus der Landtagswahl 2021 ging die SPD mit 39,6 Prozent als klarer Sieger hervor – mehr als 20 Prozentpunkte trennten sie von der AfD. In ihrem Wahlkreis Schwerin 1 – wo sie auch wohnt – holte Manuela Schwesig damals das Direktmandat. Die Landesregierung in Mecklenburg-Vorpommern führt sie seit 2017, erst mit der CDU, derzeit mit den Linken.
Dass die SPD in Mecklenburg-Vorpommern laut Umfragen mit etwa 30 Prozent der Wählerstimmen fünfzehn bis neunzehn Prozentpunkte über dem Bundesschnitt liegt, wird vor allem Schwesig persönlich zugerechnet. Die 52-Jährige gilt als beharrlich. Ihr Fokus liegt auf der Familien- und
Sozialpolitik, der Stärkung der Wirtschaft und der Vertretung
ostdeutscher Interessen. Eines ihrer wichtigsten Projekte ist die
beitragsfreie Kita. Im Wahlkampf warnte Schwesig wiederholt vor der AfD
und kündigte an, ihr Bundesland vor der Partei »retten« zu wollen.
Zwar hat Schwesig ausgeschlossen, SPD-Chefin zu werden oder nach Berlin wechseln zu wollen. Falls sie die Landtagswahl für ihre Partei gewinnt, dürfte darüber aber erneut diskutiert werden. Auch, weil Schwesig die Bundesregierung in den vergangenen Monaten deutlich kritisierte, unter anderem für die geplante Rentenreform. »Wir müssen den Menschen zeigen, dass wir sie und ihre Probleme ernst nehmen«, sagte sie in einem Interview mit dem Spiegel. Das »vorherrschende Gefühl« sei, dass die Bundesregierung streite, anstatt zu helfen.
Leif-Erik Holm, AfD
Einen Platz auf der Landesliste der AfD hat er nicht, tritt aber im Wahlkreis von Manuela Schwesig als Direktkandidat an: Leif-Erik Holm. Seit 2017 ist er Bundestagsabgeordneter und wirtschaftspolitischer Sprecher seiner Fraktion. Vor zehn Jahren war Holm schon einmal Spitzenkandidat der AfD in Mecklenburg-Vorpommern. Damals kam seine Partei auf 20,8 Prozent – ein deutlich besseres Ergebnis als 2021 (16,7 Prozent).
Das Ergebnis der Landtagswahl in Sachsen vom vergangenen Wochenende sieht Holm als »Rückenwind« für
seinen Landesverband. Die »blaue Welle« werde nun von Magdeburg nach
Schwerin »weiter schwappen«, sagte er.
Vor seiner politischen Karriere war Holm Radiomoderator, unter anderem bei Antenne MV. Den Rundfunkstaatsvertrag will der 56-Jährige im Falle einer Regierungsverantwortung der AfD sofort kündigen. Außerdem verspricht er eine neue »Spezialeinheit« der Polizei, die sich allein um Abschiebungen kümmern solle. Statt einer Erstaufnahmeeinrichtung brauche es »eine Ausreiseeinrichtung und diese werden wir etablieren«, sagte Holm.
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Simone Oldenburg, Die Linke
Bereits 2021 war Simone Oldenburg Spitzenkandidatin der Linken. Ihr Landtagsmandat hatte sie nach der letzten Wahl niedergelegt, weil sie Bildungsministerin wurde – gemusst hätte sie das nicht. Für innerparteiliche Spannungen in der Linken sorgte Oldenburg, als sie als Teil der Landesregierung dem Bundeswehr-Sondervermögen im Bundesrat zustimmte.
Neben bildungspolitischen Themen steht die 57-Jährige für linke und
antifaschistische Positionen und tritt mit ihrer Partei unter dem Slogan »Wir treten nach oben« auf.
Daniel Peters, CDU
Falls es nach der Wahl nicht für eine Mehrheitsregierung reicht, kann er sich auch eine Minderheitsregierung vorstellen. Mit der
AfD oder den Linken würde Daniel Peters aber nicht koalieren, sagt
er. Die Linke ist für den CDU-Landes- und Fraktionschef »ein Fall für den Verfassungsschutz«, die Brandmauer zur AfD sieht er kritisch: »In Ostdeutschland gibt es auf
Kommunalebene keine Brandmauer mehr mit der AfD«, sagte Peters schon im Frühjahr 2025. Ein »Weiter so«
funktioniere nicht.
Der 45-Jährige kritisiert aber auch, dass es bei dieser Wahl kaum um Landesthemen gehe, sondern »darum, irgendwie die AfD zu verhindern«. Dass ihm die Bundes-CDU dabei keine große Hilfe ist, weiß er – und grenzte sich noch einmal deutlich ab: »Friedrich Merz steht nicht zur Wahl, sondern ich und die Kandidatinnen und Kandidaten der Union in Mecklenburg-Vorpommern stehen zur Wahl.«
Merz’ Rücktritt fordert er – anders als der stellvertretende Landesvorsitzende Tino Schomann – aber nicht. Personaldebatten seien »kontraproduktiv«.
Claudia Müller, Grüne
Zurzeit sitzt sie noch im Bundestag, steht nun aber auf Platz eins der Grünen-Landesliste: Claudia Müller war von ihrem Landesverband gebeten worden, die Spitzenkandidatur zu
übernehmen, nachdem es parteiintern heftige Auseinandersetzungen
gegeben hatte; der früheren Fraktionsvorsitzenden im Landtag, Constanze Oehlrich, war
Machtmissbrauch vorgeworfen worden.
In der Ampel-Koalition im Bund war Müller zwischen 2023 und 2025
Staatssekretärin im Landwirtschaftsministerium sowie im
Bildungsministerium. Der rot-roten Landesregierung in Mecklenburg-Vorpommern unterstellt die 44-Jährige »lähmende Unfähigkeit und Untätigkeit«. Insbesondere beim Klimaschutz versage Schwesig, sagte Müller. Sollten die Grünen es über die Fünfprozenthürde schaffen, könnte die Partei für eine Regierungsbildung maßgeblich werden.
Peter Schabbel, BSW
Ihm soll gelingen, was dem BSW auch in Sachsen-Anhalt gelungen ist: die Fünfprozenthürde zu überwinden. Peter Schabbel ist selbstständiger Heilpraktiker und Osteopath. Er engagierte sich in der DDR-Friedensbewegung und ist seit Oktober 2025 Landeschef des BSW. Außerdem ist der 59-Jährige BSW-Fraktionsvorsitzender im Kreistag Ludwigslust-Parchim.
Eine der zentralen Forderungen des BSW in Mecklenburg-Vorpommern ist die Wiederaufnahme von direkten Gaslieferungen aus Russland – hier besteht Einigkeit mit der AfD. Für den Fall, dass seine Partei ins Parlament kommen sollte, kündigte Schabbel aber an, dass man weder einen Kandidaten der AfD, noch Manuela Schwesig zur Regierungschefin wählen werde. Stattdessen wolle das BSW das Modell eines parteilosen Ministerpräsidenten unter Einbezug der AfD unterstützen. Diese Vorstellung biete eine »überzeugende Perspektive«, sagte Schabbel.
Mit Material der Nachrichtenagentur dpa.

