Die neue Gop-Show „Hot Spot“ in München: Rundum fabelhafter Auftakt ins neue Varieté-Jahr

Die neue Gop-Show „Hot Spot“ in München: Rundum fabelhafter Auftakt ins neue Varieté-Jahr - Fetchub

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Er kann es noch immer. Das beweist Andreas Wessels gleich zu Anfang der neuen Gop-Show „Hot Spot“ beim Jonglieren mit sechs Fußbällen: Während er sechs große Kugeln über seinen Körper spazieren lässt und gleichzeitig in der Luft hält, springt er über ein Seil und scheint die Schwerkraft kurzzeitig aufzuheben. „Der Junge hat Superstar-Qualitäten. Wie damals Rastelli, der Liebling der Götter“, schrieb die B.Z.-Kultur vor Jahren über den Ball-Akrobaten. Ein Verweis auf den legendären italienischen Jongleur Enrico Rastelli, dem Ende der 1920er-Jahre Egon Erwin Kisch eine Reportage, Ringelnatz ein Gedicht und der Philosoph Walter Benjamin eine Erzählung widmeten.

Wessels selbst tritt seit über drei Jahrzehnten rund um den Globus auf, seine Broadway-Show kommentierte die New York Times mit den Worten: „Andreas Wessels is brilliant“. Vor neun Jahren zeigte er in der Gop-Show „Lovely Bastards“ seine berühmte Bar-Nummer „Whiskey & Cigarettes“, in der er virtuos mit Gläsern, Zitronenscheiben, Löffeln, brennenden Zigaretten und Streichhölzern umeinander wirbelte.

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Mit diesem Act begeistert er auch jetzt wieder das Münchner Publikum. Das gebannt verfolgt, wie er sich eine Zigarette anzündet, indem er ein brennendes Streichholz hinter seinem Rücken in die Höhe wirft, es einen Salto beschreiben lässt, um es dann im Mund aufzufangen, wo er den Glimmstängel ohne Zuhilfenahme der Hände entzündet.

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Nebenbei erweist er sich als origineller Multiinstrumentalist, der Melodien auf einem Xylophon spielt, indem er Ping-Pong-Bälle darauf pustet. Und sogar Zuschauer zu spontanen Bälle-Akrobaten macht, ganz nach dem Vorbild von Enrico Rastelli. Das passende Schwarz-Weiß-Foto stellt er in Plakatgröße auf die Bühne, so viel historische Inspiration muss sein, wenn er auf dem Körper des auserwählten Gastes zwölf Bälle balanciert. Einen anderen Zuschauer macht er zu seinem Sparringspartner, indem er ihn eine Zigarette aus mehreren Metern Entfernung mit dem Mund fangen lässt.

Anson Lee präsentiert in seiner Darbietung rätselhafte Kartenkunststücke.
Anson Lee präsentiert in seiner Darbietung rätselhafte Kartenkunststücke. (Foto: Heike Krämer)

Auf lässige Art schlagfertig bereitet der 1,92 Meter große Artist als Moderator aber auch den anderen Künstlern dieser Show die Bühne. Und die sind ausnahmslos brillant. Danilo Marder aus Deutschland begeistert mit makelloser Handstand-Equilibristik, sein Kraftakt von ästhetischer Präzision, untermalt von einem elektronischen Beat, wurde bereits in Paris auf dem Festival du Cirque de Demain ausgezeichnet. Der Kanadier Gabriel Drouin verschmilzt Tanz und Akrobatik am Cyr Wheel, die Finnin Annika Hakala lässt ihre Hula-Hoop-Reifen in allen erdenklichen Formationen um ihren Körper kreisen. Das Geschwisterpaar Medini, hineingeboren in die fünfte Generation einer italienischen Zirkusfamilie, vereint Geschwindigkeit, Kraft und Anmut in einer Rollschuhdarbietung auf einer gerade mal zwei Meter durchmessenden Platte.

Nehmen den zu Recht begeisterten Applaus des Publikums entgegen: Das Ensemble von „Hot Spot“ um Andreas Wessels (dritter von links).
Nehmen den zu Recht begeisterten Applaus des Publikums entgegen: Das Ensemble von „Hot Spot“ um Andreas Wessels (dritter von links). (Foto: Barbara Hordych)

Zwischen all dieser Dynamik bieten von Regisseur Karl-Heinz Helmschrot dramaturgisch klug gesetzte Darbietungen Gelegenheit zum Innenhalten: Magische Momente bescheren die erstaunlichen Kartenkünste des asiatischen Zauberkünstlers Anson Lee. Überaus poetisch wird es, wenn Andreas Wessels die Neonröhren zum Tanzen bringt, ganz ohne Worte. Ein durchweg fabelhafter Auftakt ins neue Show-Jahr, der Varieté-Maßstäbe setzt. Zugleich der Einstand des neuen Haus-Direktors Oliver Fisch. Der bisherige Marketingleiter der Bayerischen Spielbanken löst den langjährigen Münchner Haus-Chef Peter Weil ab, der nun in Rente gegangen ist.

Hot Spot, bis 12. April, Gop, Maximilianstraße 47, www.variete.de