• Flugstornierungen und Verspätungen wegen Airbus-Software-Problem

    Weltweit arbeiten Fluggesellschaften unter Hochdruck daran, das Software-Problem bei Tausenden Airbus-Maschinen aus der A320-Familie zu beheben. Sie mussten dazu am Freitag und Samstag kurzfristig neue Software aufspielen, nachdem der europäische Flugzeughersteller über die notwendige Nachbesserung informiert hatte. Auslöser war ein Flug von Cancún (Mexiko) nach Newark (New Jersey) Ende Oktober, bei dem das Flugzeug plötzlich…

  • Mallorca: Touristen-Rekord trotz Proteste

    Bei sengender Hitze quält sich eine kilometerlange Mietwagenkolonne die Serpentinen hinauf. Ein Heer von Urlaubern hat sich an diesem Spätsommermorgen auf den Weg nach Valldemossa gemacht. Das malerische Bergdorf gehört zu den beliebtesten Ausflugszielen auf der Mittelmeer-Insel Mallorca, und auch in diesem Jahr kommt es auf der schmalen Gebirgsstraße tagtäglich zum Verkehrskollaps. Betroffen davon sind…

  • Reisen durch Europa: Worauf LGBTQIA+-Personen achten sollten

    Weltweit variieren die Rechte für LGBTQIA+-Personen stark: Was in manchen Ländern mit dem Tod bestraft wird, wird anderorts regelmäßig bei bunten Pride-Events gefeiert. Auch innerhalb Europas unterscheiden sich sowohl die rechtliche Lage als auch die soziale Akzeptanz der queeren Community stark zwischen den Ländergrenzen. “Grundsätzlich sind die Bedürfnisse von Lesben, Schwulen, Trans* und allem möglichen…

  • UNESCO-Komitee berät in Paris über neue Welterbe-Stätten

    Nur noch wenige Tage, und auch die Schlösser König Ludwigs II. von Bayern werden voraussichtlich UNESCO Welterbe. Nominiert wurden Neuschwanstein, Linderhof, Schachen und Herrenchiemsee – gemeinsam mit 31 weiteren Orten rund um den Globus. Die Entscheidungen trifft das Welterbekomitee auf seiner 47. Sitzung in Paris (bis 16. Juli 2025). Seit zehn Jahren stehen die bayerischen Königsschlösser ganz…

  • So heftig protestiert Spanien gegen Massentourismus

    Rechtzeitig zum Beginn der sommerlichen Urlaubssaison gehen auch die Proteste gegen den Massentourismus wieder los, wie es sie bereits seit Jahren in besonders beliebten Urlaubsdestinationen Italiens, Portugals vor allem aber Spaniens gibt. Am 15. Juni ist es so weit. Die Plattform Sur de Europa contra la Turistización (Südeuropa gegen die Touristifizierung) kündigte Aktionen unter anderem…

  • Urlaub: Mallorca rüstet sich für den Ansturm der Touristen

    Noch haben die Möwen den Strand an der Playa de Palma fast ganz für sich alleine. Träge blinzeln die Vögel in die Frühlingssonne und nur hin und wieder heben sie kreischend ab, wenn ihnen einer der wenigen Strandbesucher zu nahe gekommen ist. Die wichtigste Urlaubermeile der spanischen Mittelmeerinsel erwacht erst ganz allmählich aus dem Winterschlaf.…

  • Was Trumps Politik für den US-Tourismus bedeutet

    Herbert Bopp will erst einmal nicht wieder in die USA reisen. “Wir gehörten jahrzehntelang zu denen, die liebend gerne das Nachbarland im Süden besuchten”, schreibt der gebürtige Deutsche, der seit vielen Jahren in Kanada lebt, in seinem Blog. Seit Trumps “Attacken” sei er aus Protest nicht mehr in den USA gewesen. “Er will Kanada zum 51. Bundesstaat…

  • Neue Hürden: Brexit erschwert das Reisen

    Seinen britischen Pass wollte John Francis nicht mehr haben, nachdem der Brexit am 1. Februar 2020 endgültig vollzogen war. Stattdessen beantragte er die deutsche Staatsbürgerschaft – und konnte so auch weiterhin als EU-Bürger auf Reisen gehen. John Francis vermittelt mit seinem Unternehmen Britain.de von der deutschen Kleinstadt Obertshausen aus Ferienhäuser in England, Schottland und Wales. Der…

  • Wie Touristenorte Urlauber zur Kasse bitten

    Susanne Meier lässt sich von dem hohen Preis nicht abschrecken: Die 39-Jährige ist bereits zweimal in Bhutan gewesen, dem Land mit der weltweit höchsten Übernachtungssteuer für Touristen. Derzeit werden dort pro Person und Tag 100 US-Dollar fällig – zusätzlich zu den auch sonst nicht gerade günstigen Preisen für Unterkunft und Verpflegung. “Die Menschen dort wollen…

  • Fake-Reviews führen Reisende in die Irre

    Geradezu überschwänglich fällt das Lob des Mannes aus, der sich “Dan” nennt: “Die Zimmer sind ein absoluter Traum: geräumig, stilvoll eingerichtet und bis ins Detail durchdacht”, schreibt er in der Google-Kommentarspalte des Flamingo-Hotels in Timmendorfer Strand an der deutschen Ostseeküste. “Besonders hervorheben möchten wir die Sauberkeit und den herrlichen Ausblick – einfach wundervoll!”. “Anja” dagegen…

Categorie: Nieuws

  • Flugstornierungen und Verspätungen wegen Airbus-Software-Problem

    Weltweit arbeiten Fluggesellschaften unter Hochdruck daran, das Software-Problem bei Tausenden Airbus-Maschinen aus der A320-Familie zu beheben. Sie mussten dazu am Freitag und Samstag kurzfristig neue Software aufspielen, nachdem der europäische Flugzeughersteller über die notwendige Nachbesserung informiert hatte.

    Auslöser war ein Flug von Cancún (Mexiko) nach Newark (New Jersey) Ende Oktober, bei dem das Flugzeug plötzlich an Höhe verloren hatte. Die Maschine wurde nach Tampa (Florida) umgeleitet. Die Untersuchungen hatten ergeben, dass intensive Sonnenstrahlung Daten beschädigen könne, die für die Funktion der Flugsteuerung bei Flugzeugen der A320-Baureihen entscheidend sind.

    Ein logistischer Kraftakt für die Fluggesellschaften

    Ein Konzernsprecher schätzt, dass insgesamt etwa 6000 Flugzeuge betroffen sein dürften. Die Updates mussten noch vor dem nächsten Flug vorgenommen werden. Bis zum Samstagmorgen meldeten mehrere Airlines rasche Fortschritte. Dennoch wurden Dutzende Flüge gestrichen und Passagiere vor etwaigen Verspätungen oder Verschiebungen gewarnt. Die deutsche Lufthansa geht nicht von Flugausfällen durch Airbus-Software-Problem aus.

    Silhouette einer A320 der TAP vor dem Vollmond über Lissabon (23.06.2024)
    A320 im Landeanflug : Bis spätestens Sonntag sollten alle Maschinen wieder einsatzbereit seinBild: Armando Franca/AP Photo/picture alliance

    Japans größte Fluggesellschaft ANA sagte 65 Flüge wegen des Problems ab. Auch am Sonntag könne es noch zu Störungen im Flugverkehr kommen.

    In Indien musste nach Angaben der dortigen Flugaufsichtsbehörde bei insgesamt 338 Maschinen die Software aktualisiert werden. Bis Sonntag dürften die notwendigen Arbeiten abgeschlossen sein. Air India teilte mit, es sei mit keinen größeren Auswirkungen zu rechnen. Allerdings könne es bei einigen Flügen zu Verspätungen oder Umbuchungen kommen. Ähnlich äußerten sich Fluggesellschaften in Australien und Südkorea.

    Ausgerechnet am Thanksgiving-Wochenende

    Bei American Airlines waren nach Unternehmensangaben 209 Flugzeuge betroffen. Die Fluggesellschaft gab sich aber zuversichtlich, dass bis Samstagvormittag (Ortszeit USA) nahezu alle Maschinen auf dem neuen Software-Stand sein dürften. In den USA läuft wegen des Thanksgiving-Familienfests das verkehrsreichste Reisewochenende des Jahres.

    Mike Stengel, Partner des Beratungsunternehmens AeroDynamic Advisory für die Luft- und Raumfahrtindustrie, sagte der Nachrichtenagentur AP, es sei “definitiv nicht ideal, dass dies bei einem sehr weit verbreiteten Flugzeug an einem stark frequentierten Feiertagswochenende passiert”. Aber immerhin dauere das Software-Update nur wenige Stunden, so der Experte aus Ann Arbor, Michigan.

    Airbus hat seinen Hauptsitz in Frankreich, ist aber in den Niederlanden registriert. A320-Maschinen werden unter anderem im Airbuswerk in Hamburg im Norden Deutschlands montiert. Das Unternehmen gehört neben Boeing zu den größten Flugzeugherstellern der Welt.

    fab/AR (rtr, ap)

    Redaktionsschluss: 17.30 Uhr (MEZ) – dieser Artikel wird nicht weiter aktualisiert.

  • Mallorca: Touristen-Rekord trotz Proteste

    Bei sengender Hitze quält sich eine kilometerlange Mietwagenkolonne die Serpentinen hinauf. Ein Heer von Urlaubern hat sich an diesem Spätsommermorgen auf den Weg nach Valldemossa gemacht. Das malerische Bergdorf gehört zu den beliebtesten Ausflugszielen auf der Mittelmeer-Insel Mallorca, und auch in diesem Jahr kommt es auf der schmalen Gebirgsstraße tagtäglich zum Verkehrskollaps. Betroffen davon sind nicht nur die Urlauber selbst: Auch ein Bus steckt fest, in dem vor allem Berufstätige sitzen, die zur Arbeit wollen. “Das ist doch nicht mehr zu ertragen”, schimpft einer von ihnen mit Blick auf das schier endlose Stop-and-Go.

    Das Dorf Valldemossa auf Mallorca, Spanien
    Das Dorf Valldemossa ist ein beliebtes Ausflugsziel auf MallorcaBild: Markus Mainka/picture alliance

    19 Millionen Urlauber auf den Balearen

    Obwohl der Unmut über den Massentourismus auf den Balearen wie auch in anderen Teilen Spaniens seit Jahren zunimmt und sich immer wieder in Protestaktionen entlädt, steuern die Inseln auch in diesem Jahr auf einen neuen Urlauberrekord zu. Bis einschließlich Juli kamen fast elf Millionen Touristen und damit etwas mehr als im selben Vorjahreszeitraum. Im gesamten Jahr 2024 lag die Zahl bei 18,7 Millionen. In diesem Jahr wird der Wert aller Voraussicht nach auf mehr als 19 Millionen steigen – das ist etwa jeder fünfte Spanien-Urlauber.

    Demonstration im Mai 2025 gegen Wohnungsnot und Luxustourismus auf Mallorca, Spanien
    Im Mai gingen in Palma mehrere tausend Menschen gegen die Auswüchse des Massentourismus auf die StraßeBild: Clara Margais/dpa/picture alliance

    Trotz der auf den ersten Blick vielversprechenden Zahlen ist Mallorcas Tourismusbranche jedoch nicht in Jubelstimmung. Gastronomen, Einzelhändler und Betreiber touristischer Attraktionen klagen über deutliche Umsatzrückgänge. Sorge bereiten ihnen ausgerechnet die deutschen Touristen. Deren Zahl nämlich ist in den vergangenen Sommermonaten drastisch gesunken im Vergleich zum Vorjahr, allein im Juli um mehr als acht Prozent. Die Deutschen stellen traditionell die mit Abstand größte Urlaubergruppe auf Mallorca. Darum schrillen bei vielen die Alarmglocken.

    Pedro Oliver, Vorsitzender des Verbands der Reiseführer auf der Insel, ist überzeugt, dass die Anti-Tourismus-Proteste eine Teilschuld haben. “Ich habe keinen Zweifel, dass sie einen Effekt hatten: Die Botschaft ist angekommen.” Er und seine Kollegen merkten das in ihrer täglichen Arbeit. “Ständig kommen Nachfragen der Touristen, ob es wahr ist, dass man auf Mallorca keine Urlauber mehr will.” Ähnlich sieht das Rafel Roig, Vorsitzender des mallorquinischen Transportunternehmerverbandes. “Ist doch klar: Wenn ich höre, dass man mich an einem Ort nicht haben will, fahre ich da doch nicht hin.”

    Zunehmende Sommerhitze könnte ein Faktor sein

    Dass sich die Deutschen tatsächlich von den antitouristischen Protesten abschrecken lassen, bezweifelt derweil Álvaro Blanco vom spanischen Fremdenverkehrsbüro in Berlin. Gerade einmal zwei E-Mails besorgter Bundesbürger zu dem Thema seien in den vergangenen Monaten eingegangen. “Ich glaube nicht, dass die Proteste Folgen haben.” Entscheidender dürfte die angespannte wirtschaftliche Lage in Deutschland sein. Auch die zunehmende Hitze in den Sommermonaten in Südeuropa könnte den einen oder anderen Reisenden abschrecken, vermutet er.

    Eine Frau kühlt sich bei über 30 Grad mit einem Fächer ab, Mallorca, Spanien
    Immer häufiger suchen Hitzewellen Südeuropa heim, so auch MallorcaBild: Clara Margais/dpa/picture alliance

    Das sieht auch Carlos Cendra vom auf Tourismus spezialisierten Beratungsunternehmen Mabrian so, wenngleich die tourismuskritischen Proteste zumindest auf lange Sicht Auswirkungen haben könnten, wie er meint. “Man muss verhindern, dass sich die Vorstellung festsetzt, Reisende seien auf den Balearen nicht willkommen”, sagt er. Auch Cendra macht in erster Linie ökonomische Gründe für den Rückgang der Zahl deutscher Urlauber verantwortlich und verweist dabei vor allem auf die zuletzt stark gestiegenen Preise.

    Hotelpreise belasten die Urlaubskasse

    Tatsächlich setzt die Tourismusbranche auf Mallorca seit Jahren ganz bewusst auf Qualitätssteigerung. Das beste Beispiel dafür ist die Veränderung des Hotelangebots: In den vergangenen 20 Jahren verdreifachte sich die Zahl der Vier- und Fünf-Sterne-Hotels, während Ein- bis Drei-Sterne-Hotels vom Markt verschwinden. Das belastet die Urlaubskasse der Touristen. Außerdem setzt die Balearen-Regierung auf Diversifizierung und hat etwa die Tourismuswerbung in den USA verstärkt. In diesem Jahr nun kamen ungewöhnlich viele Franzosen, Italiener und Skandinavier, was den Rückgang der Zahl deutscher Urlauber mehr als ausglich.

    Hinweisschild zu einem Fünf-Sterne-Hotel auf Mallorca, Spanien
    Die Zahl der Vier- und Fünf-Sterne-Hotels hat sich auf Mallorca seit 2004 verdreifachtBild: Clara Margais/dpa/picture alliance

    Und so steuert die Insel also trotz allem auf einen erneuten Rekord zu. Zwar hat die Regional-Regierung wiederholt betont, die Grenzen der Aufnahmefähigkeit seien erreicht, Maßnahmen zur Limitierung des Tourismus aber hat sie bislang gescheut. Nach langem Hin und Her konnte sie sich weder zur Anhebung der Übernachtungssteuer durchringen, noch zur Einführung einer Sonderabgabe auf Mietwagen oder strengerer Regeln für die Ferienvermietung. Zu groß ist die Abhängigkeit vom Tourismus und die Sorge davor, die Nachfrage könnte tatsächlich sinken.

    Protestaktionen soll es weiterhin geben

    Für Jaume Pujol steht daher fest, dass sich nicht wirklich etwas geändert hat auf Mallorca. “Dieser Sommer war nicht anders, als die vorherigen”, sagt der Sprecher der Plattform “Menys turisme mes vida” (Weniger Tourismus, mehr Leben), die bereits mehrere Großdemonstrationen gegen die Auswüchse des Massentourismus organisiert hat. “Die Straßen waren auch in diesem Jahr überfüllt, das Gesundheitssystem überlastet. Die Wachstumslogik gilt unverändert.” Und so kündigt er weitere Protestveranstaltungen an. “Das Thema bleibt weiter aktuell”, sagt er. Auch im kommenden Jahr werde es gewiss wieder eine Großdemonstration geben.

  • Reisen durch Europa: Worauf LGBTQIA+-Personen achten sollten

    Weltweit variieren die Rechte für LGBTQIA+-Personen stark: Was in manchen Ländern mit dem Tod bestraft wird, wird anderorts regelmäßig bei bunten Pride-Events gefeiert. Auch innerhalb Europas unterscheiden sich sowohl die rechtliche Lage als auch die soziale Akzeptanz der queeren Community stark zwischen den Ländergrenzen.

    “Grundsätzlich sind die Bedürfnisse von Lesben, Schwulen, Trans* und allem möglichen andern, was dazwischen ist, genau die gleichen wie von jeder oder jedem anderen auch”, betont Jörg Argelander. Gemeinsam mit Gregor Hiebel leitet er seit 1996 das Berliner Reisebüro “overtherainbow” und berät dort regelmäßig LGBTQIA+-Personen zum sicheren Reisen.

    “Ich möchte Erholung haben, ich möchte Spaß haben, ich möchte neue Leute kennenlernen und mich frei bewegen können”, fasst er die Wünsche seiner Kund*innen zusammen. Für queere Reisende kann es deshalb sinnvoll sein, sich im Voraus über gesellschaftliche Normen, mögliche Anlaufstellen und die eigenen Rechte im Zielland zu informieren.

    Die Progress Pride Flagge weht im Wind
    Die Pride Progressive Flagge beinhaltet neben den ursprünglichen Farben der Regenbogenfahne zusätzlich die Farben der Trans*-Flagge sowie braune und schwarze Farben für People of ColorBild: Cavan Images/IMAGO

    Die Länder im Ranking

    Die EU setzt sich durch verschiedene Bestimmungen wie dem Vertrag von Amsterdam (1997), der Charta der Grundrechte der Europäischen Union (2000) und den Richtlinien zur Bekämpfung von Diskriminierung für den Schutz von LGBTQIA+-Personen ein. Trotzdem lassen sich bei einigen EU-Mitgliedsstaaten oder Beitrittskandidaten aktuell rückläufige Tendenzen finden: So strichen zuletzt beispielsweise Ungarn und Georgien “Geschlechtsidentität” aus ihren Gleichstellungsgesetzen.

    Gleichzeitig gibt es aber auch andere Entwicklungen: Österreich legt seit diesem Jahr im Bundesgleichbehandlungsgesetz fest, dass “Geschlecht” Geschlechtsmerkmale, Geschlechtsidentität und -ausdruck umfasst. Zur Einschätzung der rechtlichen und politischen Situation europäischer Reiseziele bietet sich die Rainbow Map der International Lesbian, Gay, Bisexual, Trans and Intersex Association (ILGA) an. Als weltweiter Dachverband von Organisationen, die sich für LGBTQIA+-Rechte einsetzen, bewertet ILGA jährlich 49 europäische Länder anhand von 76 Kriterien in sieben Kategorien.

    Seit zehn Jahren belegt Malta den ersten Platz des Rankings, in diesem Jahr erzielte der Inselstaat eine Bewertung von 88,83% und liegt somit deutlich über dem europäischen Durchschnitt von 41,85% sowie dem der Europäischen Union (51,13%). Die letzten drei Plätze belegen 2025 Russland (2%), Aserbaidschan (2%) und die Türkei (5%). Deutschland landet mit 69,1% auf dem achten Platz.

    Pride-Flaggen im LGBTQAI+-freundlichen Viertel in Paris, Frankreich
    Cafés und Restaurants im Marais, dem bekannten LGBTQAI+-Viertel in Paris, werden jährlich zur Pride und auch darüber hinaus mit bunten Regenbogenflaggen geschmücktBild:

    Nationale Gepflogenheiten

    Für die Reisevorbereitung lohnt sich jedoch auch ein Blick über die rechtlichen Bestimmungen im Land hinaus, um nicht unabsichtlich gegen soziale Normen oder Sitten zu verstoßen. LGBTQIA+-Reiseführer, Reiseblogs, Apps oder auch die Website des Auswärtigen Amts können nützlich sein, um sich im Voraus über nationale Gepflogenheiten zu informieren.

    Auf den Straßen portugiesischer Großstädte beispielsweise sind gleichgeschlechtliche Pärchen keine Besonderheit – das öffentliche Austauschen von Zärtlichkeiten zwischen Erwachsenen, unabhängig vom Geschlecht, ist jedoch unüblich. Portugal zählt auch zu den wenigen europäischen Ländern, in denen es, ähnlich wie seit November 2024 in Deutschland, ein Selbstbestimmungsgesetz gibt.

    Ein Mann arbeitet am Schreibtisch, eine Pride-Flagge steht neben ihm
    LGBTQAI+-freundliche Reisebüros können bei der Vorbereitung helfen, genauso wie Apps, bestimmte Websites und ReiseführerBild: Andrey Popov/Pond5 Images/IMAGO

    Vorkehrungen für TIN*-Menschen

    Für TIN*-Menschen (trans*, inter* und nicht-binäre Personen) können Reisen mit Grenzkontrollen zu einer besonderen Herausforderung werden. “Also ganz konkret: Wenn nicht M oder F im Pass steht, sondern divers, dann ist es in gewissen Ländern ein Problem, da einzureisen. Und das beginnt schon beim Flugticket”, weiß Argelander.

    Dass Fluggesellschaften die Angabe “divers” auf dem Ticket anbieten, sei noch immer die Ausnahme. Auch die emotionale Vorbereitung auf invasive Fragen, beispielsweise durch Sicherheitspersonal am Flughafen, ist im Jahr 2025 noch immer ratsam. “Gerade wenn es um Trans*-Personen geht, dann ist das eben kein Spaß, wenn man bei den Body-Scannern raus gewunken wird und das jedes Mal passiert. Das ist eine Sache, die betrifft diese Menschen, die machen sich Leute, die nicht in dieser Problematik sind, überhaupt nicht bewusst”, betont der Reisebüroleiter.

    In Deutschland kann beim Verein dgtiaußerdem ein Ergänzungsausweis beantragt werden, in dem alle selbstgewählten personenbezogenen Daten und ein aktuelles Passfoto dokumentiert werden. Somit zeigt er Unterschiede zwischen dem eigenen Aussehen und Angaben in offiziellen Dokumenten auf. Der Ausweis soll Diskriminierung verhindern und bietet sich nach der Einführung des Selbstbestimmungsgesetzes vor allem auch für Menschen an, die noch keine endgültige Entscheidung zur rechtskräftigen Namens- oder Geschlechtsänderung getroffen haben.

    Der dgti-Ausweis wird bei vielen Behörden, Innenministerien, Banken, Universitäten, Versicherungen und der Polizei anerkannt, ist jedoch nur gültig in Kombination mit einem behördlichen Personaldokument. Zusätzlich gibt der Verein auf der Website zahlreiche Tipps zum Reisen und anderen Lebensbereichen für TIN*-Personen.

    U-Bahn-Haltestelle Alexanderplatz mit Pride-Farben, Berlin, Deutschland
    Mit seinen vielen LGBTQAI+-freundlichen Clubs und Bars zählt Berlin zu einer der beliebtesten Städte für queere ReisendeBild: Arnulf Hettrich/IMAGO

    Aktivitäten im Land

    Ist man erst einmal im Zielland, kann es schön sein, sich mit der Community vor Ort zu vernetzen. Hierzu gibt es beispielsweise Apps, über die man Mitreisende oder queere Hostels finden kann. Auch LGBTQIA+-Reisebüros stellen eine gute Möglichkeit dar, um Menschen aus der Community kennenzulernen, wenn gewünscht. Darüber hinaus gibt es besonders in Großstädten oft Viertel oder Straßen, die für die Szene bekannt sind: Das Marais in Paris, Chueca in Madrid oder die Via Lecco und die Via Tadino in Mailand sind nur einige Beispiele.

    Auch “Gay Beaches”, an denen mehrheitlich queere Personen zusammenkommen, existieren an manchen Standorten. Besonders bekannt sind der Elia Beach und Paraga Beach auf Mykonos. Wer mehr Lust auf kulturelle Angebote hat, findet in vielen Städten natürlich auch ruhigere Orte, an denen man dennoch Zugänge zur Community entdecken kann: Im Museum “Queer Britain” in London oder in der queeren Buchhandlung “Antigone” in Mailand, zum Beispiel.

    Als besonders beliebte Städte gelten im Jahr 2025 durch ein breites Angebot an LGBTQIA+-Bars und Clubs übrigens Berlin, Amsterdam und Helsinki. Argelander zählt außerdem Spanien und Griechenland als die gefragtesten Länder auf. “Weil dort vor Ort die Gesellschaft teilweise sogar weiter ist als wir in Deutschland. Und es gar nicht weiter thematisiert wird”, erklärt er.

    In den meisten europäischen Ländern können LGBTQIA+-Menschen grundsätzlich sorglos reisen und dabei sicher sein, dass sie besonders in den Großstädten auf Menschen aus ihrer Community treffen. Vorsicht ist trotzdem geboten, da es auch in Europa vereinzelt zu Angriffen auf queere Menschen kommen kann. Jörg Argelander betont: “Am besten wäre, man würde völlig unsichtbar diesbezüglich durch die Welt gehen. Aber wir sind nicht unsichtbar und wir wollen es auch nicht sein.”

  • UNESCO-Komitee berät in Paris über neue Welterbe-Stätten

    Nur noch wenige Tage, und auch die Schlösser König Ludwigs II. von Bayern werden voraussichtlich UNESCO Welterbe. Nominiert wurden Neuschwanstein, Linderhof, Schachen und Herrenchiemsee – gemeinsam mit 31 weiteren Orten rund um den Globus. Die Entscheidungen trifft das Welterbekomitee auf seiner 47. Sitzung in Paris (bis 16. Juli 2025).

    Seit zehn Jahren stehen die bayerischen Königsschlösser ganz oben auf der deutschen Wunschliste. Neuschwanstein, das über dem Alpenrand thront und mit seinen vielen Türmchen aussieht wie ein Märchenschloss, gehört zu den weltweit bekanntesten Bauten Deutschlands. Der vielgerühmte “Traum aus Stein” zieht jedes Jahr über 1 Million Besucher aus aller Welt an.

    König Ludwig II. von Bayern (1845-1886) hatte das Schloss in Auftrag gegeben, der Bau begann 1869 und sollte ihm als Rückzugsort dienen. Heute gehört das pittoreske Gebäude dem Freistaat Bayern. Es ist auch berühmt für seine prunkvolle Innenausstattung.

    Ein Kronleuchter im Sängersaal des Schlosses Neuschwanstein, Deutschland
    Prunkvolles Innenleben: Blick in den Sängersaal des Schlosses Neuschwanstein Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa/picture alliance

    Viele Welterbestätten in Deutschland

    Vom Aachener Dom bis Zeche Zollverein reicht schon heute die Liste der mehr als 50 deutschen Welterbestätten, die seit 70ern ernannt wurden, als die UNESCO die Welterbekonvention verabschiedete. Auslöser waren damals die Verluste von Kulturgütern im Zweiten Weltkrieg. Den Ausschlag aber gab der Bau des ägyptischen Assuan-Staudamms in den 1960er Jahren, der drohte, die weltberühmten Tempel von Abu Simbel zu überfluten. Die Übereinkunft, der bis heute rund 195 Staaten beigetreten sind, soll Kultur- und Naturstätten von außergewöhnlichem universellem Wert schützen. Derzeit gibt es 1223 Welterbestätten, 952 davon Kulturerbe, 231 Naturerbe.

    Der Blick des Welterbekomitees reicht deshalb auch weit über Deutschland hinaus. Insgesamt 32 Kulturorte sind in diesem Jahr von Ländern rund um den Globus nominiert worden. Dazu zählt das antike Khuttal in Tadschikistan ebenso wie der im Meer versunkene Karibik-Hafen Port Royal auf Jamaika, das modernistische Stadtzentrum von Gdynia in Polen oder auch die Gedenkstätten in Kambodscha, die an die Verbrechen der Roten Khmer und ihre Opfer erinnern.

    Indische Festungen – auch bald Weltkulturerbe?

    Indien hat in diesem Jahr ein Ensemble antiker Festungen als Weltkulturerbe vorgeschlagen. Die beeindruckenden Anlagen in Maharashtra und Tamil Nadu belegen die militärische Stärke des Maratha-Reiches, das vom 17. bis 19. Jahrhundert blühte und weite Teile des indischen Subkontinents kontrollierte.

    Historische Befestigungsanlage über bewaldeten Bergen, Militärlandschaft der Maratha, Indien
    Indiens Welterbe-Kandidat: Militärlandschaft der Maratha im Westen des SubkontinentsBild: DRONAH

    Die Vereinigten Arabischen Emirate nominierten die Faya-Paläolandschaft als herausragendes Beispiel einer Wüstenlandschaft aus der Steinzeit. Südkorea wirbt für die Petroglyphen von Bangudae, wundersame prähistorische, in Stein gearbeitete Felsbilder. Russland verweist mit seiner Nominierung auf bis zu 20.000 Jahre alte Felsmalereien in der Schulgan-Tasch-Höhle im südlichen Uralgebirge.Chinas Welterbe-Kandidat ist die Nekropole der Tanguten in Xixia, eine der größten Totenstädte der Welt.

    Die Nachzeichnung einer Felsmalerei in roter und violetter Farbe bildet die Form eines Trampeltiers, Felsmalereien der Shulgan-Tash-Höhle, Paris, Frankreich
    Russland: Die Felsmalereien der Shulgan-Tash-Höhle sollen Weltkulturerbe werdenBild: Yu.M. Svoysky, EV Romanenko, S. Peshkov, SI SPC

    Derzeit stehen 1223 Kultur- und Naturstätten in 168 Ländern auf der Liste des UNESCO-Welterbes, 56 davon gelten als bedroht. Das weltweite Ranking stößt vor allem in Wissenschaftlerkreisen immer häufiger auf Kritik. Wie objektiv kann eine solche Aufstellung überhaupt sein, fragt etwa Christoph Brumann vom Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung in Halle.

    Kritik am UNESCO-Ranking

    Der Ethnologe und Welterbe-Experte hinterfragt das Vergabeverfahren und forscht zu den Folgen eines Welterbe-Titels für die jeweilige Region. Die wohl häufigste: ein Massenansturm an Besuchern. “Davon kann die Bevölkerung profitieren, oft leidet sie aber auch darunter”, so Brumann im Wissenschaftsmagazin der Max-Planck-Gesellschaft. Er hat 2021 das englischsprachige Buch “The Best We Share: Nation, Culture and World-Making in the Unesco World Heritage Arena” veröffentlicht.

    Die Aufbauten alter Totengräber versammeln sich im Tal vor einer Gebirgslandschaft, Yinchuan, China
    Chinas Welterbe-Kandidat: Die Kaisergräber der Xixia im heutigen Südwesten ChinasBild: Verwaltungsbüro des Xixia-Grabgebiets der Stadt Yinchuan

    Das Welterbekomitee, zusammengesetzt aus 21 gewählten Vertragsstaaten der Welterbekonvention, befasst sich in Paris auch mit den wachsenden Gefahren für bereits ernannte Stätten, etwa durch bewaffnete Konflikte wie in der Ukraine oder im Nahen Osten, durch Naturkatastrophen, Umweltverschmutzung, Wilderei oder auch unkontrollierte touristische Entwicklung. Besonders bedrohlich aber wirken sich aktuell Wasserknappheit und Überschwemmungen aus.  Sie bedrohen einer jüngsten Studie der Weltkulturorganisation und des World Resources Institute zufolge fast drei Viertel aller Welterbestätten.

    Der Taj Mahal ist ein weltberühmtes Mausoleum aus weißem Marmor in Agra, Indien
    Sinkende Grundwasserspiegel gefährden den Taj Mahal im indischen Agra Bild: Anton Aleksenko/Shotshop/picture alliance

    Danach streckt ein Fünftel der Orte in der Zwickmühle zwischen Wassermangel und Überfluss. Dazu zählen etwa das Taj Mahal in Indien, das durch den sinkenden Grundwasserspiegel abzusacken droht. Der Yellowstone Nationalpark in den USA musste 2022 nach massiven Überschwemmungen geschlossen werden, die Reparatur der Infrastruktur kostete Medienberichten zufolge mehr als 20 Millionen Dollar (17 Millionen Euro). Zu den am stärksten betroffenen Regionen zählen der Nahe Osten, Nordafrika, Teile Südasiens und der Norden Chinas. 

    Im bayerischen Schloss Neuschwanstein wird die Entscheidung aus Paris unterdessen mit Hochspannung erwartet. Wenn das Schloss in den Rang des Welterbes aufsteigt, werden es wohl noch mehr Touristen besuchen. Wichtiger dürfte aber der Bayerischen Schlösserverwaltung die weltweite Anerkennung sein, die mit der Auszeichnung einhergeht. 

  • So heftig protestiert Spanien gegen Massentourismus

    Rechtzeitig zum Beginn der sommerlichen Urlaubssaison gehen auch die Proteste gegen den Massentourismus wieder los, wie es sie bereits seit Jahren in besonders beliebten Urlaubsdestinationen Italiens, Portugals vor allem aber Spaniens gibt. Am 15. Juni ist es so weit. Die Plattform Sur de Europa contra la Turistización (Südeuropa gegen die Touristifizierung) kündigte Aktionen unter anderem in Venedig, Mailand und Lissabon, San Sebastián, Valencia und Barcelona sowie auf den Balearen-Inseln an.

    Besonders gut organisiert ist die Protestbewegung in der nordspanischen Stadt Barcelona, wo es in der Vergangenheit bereits mehrfach Großdemonstrationen mit tausenden Teilnehmern gegeben hatte sowie aufsehenerregende Protestaktionen: Zuletzt blockierten dort Aktivisten im April vor der wichtigsten Urlauberattraktion der Stadt, der Sagrada Família, einen vollbesetzten Touristenbus und beschossen die verdutzten Urlauber mit Wasserpistolen.

    Eine Frau fotografiert ein tourismuskritisches Wandbild in Barcelona, Spanien
    Tourismuskritisches Wandbild in BarcelonaBild: Lorena Sopena/Anadolu/picture alliance

    “Der heutige Tourismus in Barcelona ist nicht kompatibel mit dem Leben der einheimischen Bevölkerung”, sagt Daniel Pardo, Mitglied der Bürgervereinigung Assamblea de Barris pel Decreixement Turístic (Versammlung der Stadtviertel für die Schrumpfung des Tourismus), die seit Jahren an der Organisation tourismuskritischer Aktionen beteiligt ist. Lärmbelästigung, Luftverschmutzung, überfüllte Straßen – es führe kein Weg daran vorbei, den Tourismus in Barcelona zu reduzieren, so Pardo. “Der Moment, in dem noch ein halbwegs vernünftiges Gleichgewicht herrschte, liegt schon lange zurück.”

    Der Tourismus sichert 150.000 Arbeitsplätze

    30 Millionen Besucher strömen jährlich in die Stadt. Unter den Touristen sind vor allem Reisende aus Italien, Frankreich, Großbritannien, Deutschland – schon auf Rang fünf aber liegen die US-Amerikaner. Angaben der Stadtverwaltung zufolge erwirtschaftet die Tourismusindustrie rund 14 Prozent des Bruttoinlandsproduktes der 1,7-Millionen-Stadt und sichert 150.000 Arbeitsplätze.

    “Ja, das wird immer angeführt als Argument, dass man sich nicht beklagen dürfe”, sagt Pardo. “Wir beklagen uns aber!” Viele Arbeitsverhältnisse im Tourismus seien prekär, die dort gezahlten Löhne unterdurchschnittlich. “Letztendlich lässt die Abhängigkeit vom Tourismus die Bevölkerung verarmen.”

    Tausende demonstrierten im Mai 2024 in Mallorcas Hauptstadt Palma gegen den Massentourismus, Spanien
    Tausende demonstrierten im Mai 2024 in Mallorcas Hauptstadt Palma gegen den MassentourismusBild: Clara Margais/dpa/picture alliance

    Ganz ähnlich klingt das auf der rund 200 Kilometer entfernt gelegenen Mittelmeerinsel Mallorca. Auch dort sind für den 15. Juni Protestveranstaltungen geplant. Das Motto: “Für das Recht auf ein würdevolles Leben: Stoppen wir die Touristifizierung.” Die Kritik, die die Aktivisten vorbringen, ähnelt sich im ganzen Land: in Barcelona, auf den Balearen, in Andalusien, im Baskenland, auf den kanarischen Inseln. Ganz oben auf der Mängelliste steht die Ferienvermietung, die seit Jahren zunimmt und eine Mitschuld an den zuletzt extrem gestiegenen Mieten trägt, wie Kritiker argumentieren.

    Immer mehr Einheimische ziehen fort

    Aber nicht nur das: In den bei Touristen besonders beliebten Altstädten verschwindet auch der traditionelle Einzelhandel. Vielerorts ist es einfacher, eine Eisdiele oder einen Waschsalon zu finden als einen Bäcker oder ein Lebensmittelgeschäft. Immer mehr Einheimische fühlen sich fremd und ziehen fort.

    “Der Tourismus vertreibt uns aus unseren Häusern, aus unseren Dörfern und Stadtvierteln”, heißt es bei der Bürgerplattform Menys Turisme, més vida (“Weniger Tourismus, mehr Leben”), die den Anti-Tourismus-Protest auf Mallorca organisiert. “Vor einem Jahr gingen Tausende auf die Straße, um zu sagen: Es reicht!” Passiert sei seitdem aber nichts.

    Tatsächlich steuert Spanien auch in diesem Jahr auf einen neuen Touristenrekord zu. 2024 kamen fast 94 Millionen internationale Reisende ins Land. Damit liegt Spanien weltweit auf Rang zwei hinter Frankreich.

    Touristen fotografieren im Park Güell in Barcelona, Spanien
    Der Park Güell gehört zu den beliebtesten Touristenattraktionen in BarcelonaBild: Davide Bonaldo/SOPA Images/Sipa USA/picture alliance

    Zumindest gibt es mittlerweile Versuche, die Ferienvermietung strenger zu regulieren. Die Zentralregierung in Madrid verpflichtete kürzlich die entsprechenden Anbieter dazu, ihre Immobilien in ein neu geschaffenes Register einzutragen. Auf diese Weise sollen illegale Angebote verhindert werden. Mitte Mai dann forderte das spanische Verbraucherschutzministerium die Plattform Airbnb auf, insgesamt 65.000 Wohnungsanzeigen zu löschen, weil die vorgeschriebene Registrierungsnummer nicht angegeben war.

    Barcelona wirbt mit neuem Slogan

    In Barcelona wiederum kündigte die Stadtverwaltung an, die Ferienvermietung bis zum Jahr 2028 komplett abschaffen zu wollen. Auslaufende Lizenzen sollen nicht mehr erneuert werden. Alles in allem aber sei der Tourismus eine der tragenden Säulen der Wirtschaft und sein Wachstum habe eine wichtige Rolle bei der ökonomischen Belebung der Stadt gespielt, heißt es in einem kürzlich veröffentlichten Strategiepapier.

    Jordi Valls, der Tourismusdezernent im Rathaus der Stadt, räumt aber ein, dass der Tourismus in Barcelona nicht weiter wachsen könne. “Wir stoßen an unsere Grenzen”, sagt er. Deshalb wolle man auch die Zahl der Kreuzfahrtschiffe reduzieren, die im Hafen festmachen.

    Die Marketinggesellschaft der Stadt wiederum änderte kürzlich ihren Slogan. Statt Visit Barcelona heißt es nun This is Barcelona. Man wolle künftig stärker die Eigenheiten der Stadt hervorheben, so die Erklärung.

    Von einer Schrumpfung des Tourismus aber sei man in Barcelona noch weit entfernt, sagt der Aktivist Daniel Pardo. “Wenigstens traut sich kein Politiker mehr, ganz offen ein weiteres Wachstum zu fordern.” Das aber reiche bei weitem nicht aus. “Wir brauchen eine echte Debatte über die Grenzen des Tourismus.” Diese anzustoßen, dabei sollen nun die erneuten Proteste helfen.

  • Urlaub: Mallorca rüstet sich für den Ansturm der Touristen

    Noch haben die Möwen den Strand an der Playa de Palma fast ganz für sich alleine. Träge blinzeln die Vögel in die Frühlingssonne und nur hin und wieder heben sie kreischend ab, wenn ihnen einer der wenigen Strandbesucher zu nahe gekommen ist. Die wichtigste Urlaubermeile der spanischen Mittelmeerinsel erwacht erst ganz allmählich aus dem Winterschlaf.

    Ein paar Kilometer weiter im Zentrum Palmas aber geht es hoch her. Tausende Demonstranten zogen am vergangenen Wochenende durch die Straßen der Inselhauptstadt. Ihre Hauptforderung: bezahlbarer Wohnraum. Mehr als 60 Organisationen hatten zu dem Protestmarsch aufgerufen, bei dem auch das aktuelle Tourismusmodell in der Kritik stand. Ferienvermietung und ausländische Immobilienkäufer hätten eine Mitschuld daran, dass immer mehr Einheimische Schwierigkeiten haben, die Preise auf dem Wohnungsmarkt zu bezahlen. In den vergangenen Tagen tauchten an mehreren Immobilienbüros der Insel Graffiti auf, die Unbekannte dort hinterlassen hatten. “Ihr seid schuld!”, stand dort in großen Buchstaben zu lesen.

    Mietwohnungen erst ab 1200 Euro

    “Wohnraum ist zum Spekulationsobjekt geworden”, sagt Carme Reynés, eine der Mitorganisatorinnen der Demonstration. Sie stammt aus dem kleinen Ort Sencelles, wo man derzeit keine einzige Mietwohnung für weniger als 1200 Euro finde. Da das für die meisten Normalverdiener nicht zu bezahlen ist, teilten sich immer mehr Menschen eine Wohnung. “Ich weiß von ganzen Familien, die in einem einzigen Zimmer leben.” Gleichzeitig gebe es in Sencelles 180 Wohnungen und Häuser, die zur Ferienvermietung genutzt werden. “Immer mehr Leute verlassen die Insel, weil sie sich das Leben hier nicht mehr leisten können”, sagt Reynés.

    Bereits vor einigen Wochen hatte ein offener Brief einer Reihe von Bürgervereinigungen für Wirbel gesorgt, in dem sich die Unterzeichner ganz direkt an die Urlauber richteten: “Die Einheimischen sind wütend und nicht mehr gastfreundlich, weil man die Insel, die wir lieben, zerstört – und weil viele gezwungen sind, wegzuziehen, weil Mallorca unbewohnbar wird”, heißt es darin. “Wir brauchen keine weiteren Touristen – Ihr seid die Ursache unseres Problems. Bleibt zu Hause!”

    Ein Paar genießt die Aussicht auf das Dorf Valldemossa im Gebirge Serra de Tramuntana, Mallorca
    13 Millionen Urlauber kamen im vergangenen Jahr nach Mallorca. Das Bergdorf Valldemossa gehört zu den meistbesuchten OrtenBild: Clara Margais/dpa/picture alliance

    Die Insel steuert auf einen Touristenrekord zu

    Mallorca ist seit Jahren eines der gefragtesten Reiseziele in Spanien und ganz Europa, insbesondere unter Deutschen und Briten, die dort Sonne, Strand und Meer genießen. Mehr als 13 Millionen Touristen kamen im vergangenen Jahr auf die Insel – so viele wie noch nie. In diesem Jahr werden es wohl noch mehr sein. Dabei reichen die natürlichen Ressourcen der Insel schon längst nicht mehr aus: Ohne die Entsalzungsanlagen etwa gäbe es schon seit vielen Jahren nicht genügend Trinkwasser. In den Sommermonaten sind viele Strände, Straßen und Städte hoffnungslos überfüllt. Auch die Regionalregierung hat mittlerweile erkannt, dass es so nicht weitergehen kann. “Der Moment ist gekommen, Grenzen zu setzen”, sagte Ministerpräsidentin Marga Prohens bereits vor einem Jahr. “Wir können nicht endlos weiterwachsen.”

    Drastische Maßnahmen aber scheut die konservative Regierung. Zuletzt kündigte sie zwar eine moderate Anhebung der Übernachtungssteuer an, eine Sonderabgabe für Mietwagen und strengere Regeln für die Ferienvermietung, aufgrund fehlender Mehrheiten im Parlament aber kann davon zumindest kurzfristig wohl nichts umgesetzt werden. Stattdessen reisten balearische Spitzenpolitiker auch diesmal wieder zu den einschlägigen Tourismusmessen, um die Inseln zu bewerben und neue Märkte zu erschließen. So baut etwa die Fluggesellschaft United Airlines ihre seit 2022 bestehende Direktverbindung zwischen New York und Mallorca in diesem Jahr weiter aus.

    Ein Flugzeug von United Airlines landet in Palma de Mallorca, Spanien
    United Airlines verbindet New York mit Palma. Hier die erste Landung auf Mallorca im März 2022Bild: Thomas Reiner/picture alliance

    Hoffen auf die US-Amerikaner

    Während das für die Demonstranten in Palma nur ein weiterer Hinweis ist, dass es den Politikern keineswegs ernst ist mit der Begrenzung des Massentourismus, hofft Mika Ferrer auf mehr zahlungskräftige Kundschaft aus den USA. Ferrer ist Gastronom und Vorsitzender der Qualitätsoffensive Palma Beach. Er will aus der Playa de Palma, die wegen des Party- und Sauftourismus immer wieder Negativschlagzeilen produziert, eine schicke Destination machen. “US-Amerikaner konsumieren viel und geben im Urlaub reichlich Geld aus”, sagt er. Solche Touristen sind ihm lieber, als die übliche Klientel, die nur zum Party machen kommt, sich im Supermarkt mit billigem Alkohol eindeckt und dann betrunken daneben benimmt.

    Die Stadt Palma versucht seit vielen Jahren, ihre wichtigste Urlaubermeile aufzuwerten. Bislang waren alle Bemühungen vergeblich. Das soll in diesem Sommer anders sein. Bürgermeister Jaime Martínez kündigte in der vergangenen Woche ein umfassendes Sicherheitskonzept an, das Exzesse wie in der Vergangenheit künftig verhindern soll. Die Zahl der Polizisten an der Playa de Palma wird massiv aufgestockt, es gibt Videoüberwachung und Drohnen, die die Beamten bei der Strafverfolgung unterstützen. Die Einhaltung der Benimmregeln, die es bereits seit Jahren gibt, soll nun tatsächlich kontrolliert werden. Unter anderem sind Besäufnisse in der Öffentlichkeit nicht gestattet.

    Blick auf den Bierkönig am Ballermann, Mallorca
    Der “Bierkönig” ist eines der Zentren des deutschen Partytourismus auf MallorcaBild: Joerg Niebergall/Eibner-Pressefoto/picture alliance

    Zumindest an der Playa de Palma will man dem Tourismus künftig also klare Grenzen setzen.

    Von all dem bekommen die Möwen an dem kilometerlangen Sandstrand nichts mit. Sie genießen weiterhin die Ruhe – es ist die Ruhe vor dem Sturm.

  • Was Trumps Politik für den US-Tourismus bedeutet

    Herbert Bopp will erst einmal nicht wieder in die USA reisen. “Wir gehörten jahrzehntelang zu denen, die liebend gerne das Nachbarland im Süden besuchten”, schreibt der gebürtige Deutsche, der seit vielen Jahren in Kanada lebt, in seinem Blog. Seit Trumps “Attacken” sei er aus Protest nicht mehr in den USA gewesen. “Er will Kanada zum 51. Bundesstaat machen, beleidigt unseren Premierminister und macht sich lächerlich über alles, was nach Ahornsirup riecht”, so Bopp. “So jemanden sollen wir mit unseren feinen kanadischen Dollars unterstützen? Ganz sicher nicht.”

    Ein Einzelfall ist der 76-Jährige damit nicht. Daten der kanadischen Statistikbehörde zufolge lag die Zahl der Kanadier, die von einem USA-Trip zurückkehrten, im Februar um 23 Prozent unter dem Wert desselben Vorjahresmonats. Der Unternehmerverband der US-Tourismusbranche, die US Travel Association, sah sich schon vor Wochen genötigt, angesichts des sich zuspitzenden Konflikts auf die Bedeutung der kanadischen Reisenden für die US-Wirtschaft hinzuweisen. “Kanada ist das wichtigste Herkunftsland der internationalen Besucher in den Vereinigten Staaten”, heißt es in der Pressemitteilung. 20,4 Millionen Reisende aus dem Nachbarland hätten im vergangenen Jahr während ihres Aufenthalts insgesamt 20,5 Milliarden US-Dollar ausgegeben und so den Erhalt von 140.000 Jobs garantiert. Eingehender will man sich bei dem Verband nicht zu den aktuellen Entwicklungen äußern. Das gilt auch für die Hoteliervereinigung AHLA (American Hotel & Lodging Association).

    Touristen vor Hollywood-Schriftzug in Los Angeles, USA
    72 Millionen Touristen besuchten die USA im vergangenen JahrBild: Barbara Munker/dpa/picture alliance

    Die USA wollten sich von ihrer besten Seite zeigen

    Eigentlich hofft die US-Tourismuswirtschaft auf einen Boom, finden doch in den kommenden Jahren nacheinander Fußball-Weltmeisterschaft (2026), Olympische Spiele (2028), Rugby World Cup (2031) und Olympische Winterspiele (2034) im Land statt. Zuletzt, vor dem Amtsantritt von Donald Trump, hatte der US-Tourismus im internationalen Vergleich nachgelassen. Laut offizieller Statistik der US-Tourismusbehörde National Travel and Tourism Office kamen 2024 etwas mehr als 72 Millionen internationale Besucher in den USA an. In den Jahren 2018 und 2019 waren es noch fast 80 Millionen. Frankreich und Spanien haben die USA als beliebteste Reiseländer überholt. Hinter den Kanadiern stellen die Mexikaner mit knapp 17 Millionen die zweitgrößte Gruppe der Gäste in den USA, gefolgt von Briten (vier Millionen), Indern (2,2 Millionen) und Deutschen (2 Millionen). Angesichts der bevorstehenden Sport-Großereignisse wollten sich die USA der Welt von ihrer besten Seite präsentieren, um die verlorenen Marktanteile zurückzugewinnen.

    Zoll- und Grenzschutzbehörde am Flughafen Liberty International in Newark, USA
    An den internationalen US-Flughäfen wurden die Einreisekontrollen verschärftBild: Nicolas Economou/NurPhoto/picture alliance

    Stattdessen gibt es nun zunächst einmal einen Reisebann für Staatsangehörige mehrerer überwiegend muslimischer Staaten, eine restriktivere Visavergabe, verschärfte Einreisekontrollen und eine strengere Abschiebepolitik. Nachdem zuletzt mehrere deutsche Staatsbürger bei der Ankunft in den USA festgenommen worden waren, weist das Auswärtige Amt in Berlin nun ausdrücklich auf die gestiegenen Anforderungen hin: Vorstrafen, falsche Angaben zum Aufenthaltszweck oder eine Überschreitung der Aufenthaltsdauer könnten zu Festnahme und Abschiebung führen, heißt es auf der entsprechenden Internetseite. Schon Ende Februar hatte es eine Aktualisierung der Reisehinweise gegeben: Steht im Pass der Geschlechtseintrag “X” oder weicht der Geschlechtseintrag vom Geschlechtseintrag bei der Geburt ab, solle man unbedingt vor der Reise eine US-Auslandsvertretung kontaktieren. Als eine seiner ersten Amtshandlungen hatte US-Präsident Donald Trump im Januar einen Erlass unterzeichnet, demzufolge in den USA nur zwei Geschlechter anerkannt werden, männlich und weiblich.

    US-Reiseveranstalter verzeichnet Rückgang der Nachfrage

    Auch in Deutschland scheint derzeit der eine oder andere Urlauber seine US-Reisepläne zu hinterfragen. Das hat zumindest Timo Kohlenberg festgestellt, Geschäftsführer von America Unlimited, einem Veranstalter für Reisen in die USA und nach Kanada. “Seit März gibt es einen spürbaren Rückgang der Nachfrage”, sagt er. Immer häufiger bekomme er von Kunden mit Verweis auf die derzeitige US-Politik zu hören, man wolle diesmal lieber nach Kanada fahren. Nicht für einen generellen Trend hält das allerdings Martin Lohmann von der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen, der sich seit vielen Jahren mit dem touristischen Reiseverhalten beschäftigt. Die Vergangenheit habe gezeigt, dass sich die Mehrheit nicht von politischen Ereignissen bei der Wahl des Urlaubsortes beeinflussen lasse. “Wir hatten schon einmal vier Jahre Trump”, sagt Lohmann. “Das hatte auch keine großen Auswirkungen auf den Tourismus.”

    Touristen in Gondel des Stowe Mountain Resort, Stowe, Vermont, USA
    Vermont gehört zu den US-Bundesstaaten mit besonders hohem Anteil kanadischer TouristenBild: Ronen Tivony/ZUMA/picture alliance

    Zumindest in den Regionen der USA mit hohem Touristenaufkommen aus Kanada sieht das derzeit anders aus. In Vermont etwa, unweit der kanadischen Grenze, berichten lokale Medien seit Wochen von Stornierungen aus dem Nachbarland, ebenso in den angrenzenden Bundesstaaten Maine und New York. Dort fuhr auch Herbert Bopp immer wieder gerne hin. “Doch damit ist Schluss”. Zwar täten ihm die US-Amerikaner leid, die Trumps Vorgehen nicht unterstützen und ebenfalls von einem Boykott betroffen seien: “Aber es geht um die Message.” Ob die mittlerweile auch in Washington angekommen ist?

  • Neue Hürden: Brexit erschwert das Reisen

    Seinen britischen Pass wollte John Francis nicht mehr haben, nachdem der Brexit am 1. Februar 2020 endgültig vollzogen war. Stattdessen beantragte er die deutsche Staatsbürgerschaft – und konnte so auch weiterhin als EU-Bürger auf Reisen gehen. John Francis vermittelt mit seinem Unternehmen Britain.de von der deutschen Kleinstadt Obertshausen aus Ferienhäuser in England, Schottland und Wales. Der Brexit hatte nicht nur für ihn persönlich Folgen. “Zeitweilig gab es große Unsicherheit bei meinen Kunden”, sagt er. “Was wird künftig verlangt zur Einreise? Gibt es eine Visumpflicht? Braucht man einen Reisepass?” Das habe sich lange auch auf die Buchungszahlen für Reisen ins Vereinigte Königreich ausgewirkt.

    Genau zu beziffern sind die Folgen des Brexit für die Reisebranche allerdings nicht, fiel er doch mit dem Beginn der Corona-Pandemie zusammen, die zu einen weltweiten Zusammenbruch des Tourismus führte. Darauf verweist man auch beim offiziellen britischen Tourismusverband Visit Britain: Wie sich der Brexit zahlenmäßig ausgewirkt hat, könne man nicht genau sagen, teilt eine Sprecherin mit. “Dazu sind die Entwicklungen der vergangenen Jahre zu komplex.” Stattdessen verweist Visit Britain auf die zuletzt wieder deutlich gestiegenen Besucherzahlen.

    Historischer Souvenirshop und Erfrischungen in Land's End, Großbritannien
    38 Millionen Besucher kamen 2023 nach Großbritannien. Das Foto zeigt Land’s End in CornwallBild: Angela to Roxel/imageBROKER/picture alliance

    Für EU-Bürger ist die Einreise komplizierter

    Die Urlauberstatistik belegt allerdings auch, dass, während Länder wie Italien, Spanien und Frankreich nach dem Ende der Corona-Pandemie 2023 schon wieder neue Touristenrekorde feierten, das Vereinigte Königreich mit 38 Millionen Besuchern noch deutlich hinter der Zahl von 2019 lag (40,9 Millionen). Dazu kommt: Die Zahl der Reisenden aus den USA, aus Kanada und Australien hatte 2023 den Wert von 2019 bereits wieder übertroffen, für Urlauber aus den europäischen Nachbarstaaten dagegen galt das nicht. Kein Wunder: vor allem für deren Bürger bedeutete der britische EU-Austritt neue Hürden.

    Ein gutes Beispiel sind Klassenfahrten. Veranstalter, die solche anbieten, leiden bis heute massiv unter den Auswirkungen des Brexit. Der britische Unternehmerverband Tourism Alliance klagte schon vor einiger Zeit, die neuen Reisepass-Regeln hätten die Zahl der Besuche in diesem Marktsegment regelrecht einbrechen lassen. Der jährliche Verlust für die Wirtschaft belaufe sich auf mehrere hundert Millionen Pfund. Seit 2021 müssen auch EU-Bürger bei der Einreise ins Vereinigte Königreich einen Reisepass vorlegen. Der Personalausweis reicht nicht mehr.

    In der Tourismusbranche fehlen Arbeitskräfte

    Was das im Alltag bedeutet, weiß Christoph Knobloch, Geschäftsführer des auf Gruppen- und Studienreisen spezialisierten deutschen Unternehmens CTS Reisen. Die zusätzlichen Kosten für den Reisepass wirkten vor allem bei jüngeren Schülern abschreckend. Dazu komme, dass Schüler ohne EU-Staatsbürgerschaft anders als bisher nun auch ein Visum benötigen. Die Kosten lägen bei bis zu 300 Euro, wobei ungewiss sei, ob man die Einreisegenehmigung überhaupt bekommt. “Der organisatorische Aufwand ist immens und viele Lehrer möchten hier kein Risiko eingehen”, so Knobloch.

    Gastronomie im The Dorchester Hotel London, Großbritannien
    Vor allem in Hotels und Restaurants ist der Arbeitskräftemangel spürbarBild: Kirsty Wigglesworth/AP Photo/picture alliance

    Am deutlichsten werden die Folgen des EU-Austritts für die britische Tourismusbranche im Bereich des Arbeitskräftemangels. Da EU-Bürger nun ein Arbeitsvisum brauchen, um im Vereinigten Königreich berufstätig zu sein, haben zehntausende Arbeitnehmer das Land verlassen. Angaben der schottischen Regierung zufolge verzeichnete in manchen Gegenden fast jeder zweite touristische Betrieb einen Personalrückgang. Das hat auch Ferienhausvermittler John Francis festgestellt. “Für viele touristische Betriebe ist es schwierig, den gewohnten Betrieb aufrechtzuerhalten”, sagt er.

    Neues Registrierungssystem ab 2. April

    Und es wird noch komplizierter: Ab 2. April wird für EU-Bürger die sogenannte Electronic Travel Authorization (ETA) Pflicht. Das Registrierungssystem gilt für Reisende, die nicht der Visumpflicht unterliegen. Indische Staatsbürger also betrifft das zum Beispiel nicht. US-Amerikaner dagegen können zwischen Visum und ETA wählen. Vorgesehen ist die Anmeldung per App oder Internet, was gerade für weniger technikaffine Reisende zum Problem werden könnte, wie Kritiker meinen. Die Kosten liegen zunächst bei zehn Pfund, eine Anhebung auf 16 Pfund ist aber bereits angekündigt. Harsche Ablehnung kommt vom Internationalen Luftfahrtverband IATA: “Es macht keinen Sinn, Besucher mit hohen Kosten abzuschrecken, noch bevor sie einen Fuß in das Land setzen”, heißt es in einer offiziellen Mitteilung.

    ETIAS - Europäische Union
    Sowohl Großbritannien als auch die EU führen neue Registrierungssysteme für Reisende einBild: Pavlo Gonchar/SOPA Images/ZUMA Press Wire/picture alliance

    Im Gegenzug kommen auch auf Briten weitere Schwierigkeiten zu, ebenso wie auf Touristen aus vielen anderen Ländern, darunter Indien, China und die USA. Denn die EU führt nicht nur ebenfalls ein Authorisierungssystem für Reisende aus Ländern ohne Visumpflicht ein, das im Jahr 2026 in Kraft treten soll (Europäisches Reiseinformations- und -genehmigungssystem, ETIAS, Kosten: 7 Euro), sondern auch eine Online-Registrierung (Entry/Exit System, EES), die voraussichtlich ab Herbst 2025 alle Reisenden aus Nicht-EU-Staaten betrifft (mehr Informationen unter travel-europe.europa.eu).

    Die Hürden nehmen als Folge des Brexit also weiter zu. Kein Wunder, dass das dem einen oder anderen zu umständlich wird. So auch John Francis. Mittlerweile hat er seinen britischen Reisepass doch wieder erneuert und ist damit im Besitz zweier Staatsangehörigkeiten. Das erlaubt es ihm bei der Einreise, mal den einen, mal den anderen Pass zu zücken – je nachdem, was gerade weniger Schwierigkeiten verspricht.

  • Wie Touristenorte Urlauber zur Kasse bitten

    Susanne Meier lässt sich von dem hohen Preis nicht abschrecken: Die 39-Jährige ist bereits zweimal in Bhutan gewesen, dem Land mit der weltweit höchsten Übernachtungssteuer für Touristen. Derzeit werden dort pro Person und Tag 100 US-Dollar fällig – zusätzlich zu den auch sonst nicht gerade günstigen Preisen für Unterkunft und Verpflegung. “Die Menschen dort wollen einen sanften Tourismus, keinen Billig-Tourismus“, sagt Meier, die beim Reiseunternehmen Bhutan Travel mit Sitz im bayrischen Moosburg arbeitet. “Wenn man den positiven Effekt sieht, den die Übernachtungssteuer dort hat, dann zahlt man das gerne”, sagt sie. Das hätten bisher auch alle ihre Kunden so gesehen.

    26 Millionen für die nachhaltige Entwicklung

    Die Einnahmen aus der sogenannten Gebühr für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Fee) kommen den Menschen in Bhutan zugute, heißt es bei der Tourismusbehörde des im Himalaja gelegenen buddhistischen Landes. Investiert werde in die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung, in das Bildungswesen, in die Verbesserung der Infrastruktur, in den Umweltschutz sowie Initiativen zur Unterstützung lokaler Unternehmen. 26 Millionen US-Dollar kamen im Jahr 2023 zusammen. Die Gebühr begrenzt aber auch die Zahl der Touristen, 2023 waren es gerade einmal 103.000, die sich einen Bhutan-Urlaub leisteten – bei knapp 800.000 Einwohnern.

    Tigernest-Kloster in Bhutan
    In Bhutan müssen Touristen derzeit eine Übernachtungsgebühr in Höhe von 100 Dollar pro Tag zahlenBild: Nick Kaiser/dpa/picture alliance

    Nur geringfügig mehr Menschen leben auf Mallorca. Allerdings kamen im vergangenen Jahr mehr als 13 Millionen Urlauber auf die spanische Mittelmeerinsel. Kein Wunder, dass man sich dort Gedanken macht über die Grenzen des Massentourismus. Auch auf Mallorca müssen Urlauber seit 2016 eine Sonderabgabe zahlen. Je nach Hotelkategorie beträgt diese bis zu vier Euro pro Tag. Die Balearen-Regierung plant nun eine Anhebung auf bis zu sechs Euro. Im Winter soll sie dagegen ganz wegfallen. Mit dem Geld werden Projekte finanziert, die Mallorca nachhaltiger machen sollen. Zur Reduzierung der Touristenzahl führt die Steuer jedoch nicht. Jahr für Jahr schreibt die Insel neue Rekorde.

    Bisher keine abschreckende Wirkung

    “Der Effekt solcher Abgaben auf die touristische Nachfrage ist sehr gering”, sagt Jaume Rosselló, Professor für angewandte Ökonomie an der Balearen-Universität in Mallorcas Hauptstadt Palma. Zumindest bei den üblicherweise geforderten Summen. In Barcelona etwa zahlen Urlauber derzeit je nach Hotelkategorie bis zu 7,50 Euro am Tag, kürzlich wurde eine Verdoppelung angekündigt. In Berlin sind es 7,5 Prozent des Übernachtungspreises, in Paris bis zu 15,60 Euro. Ab welcher Größenordnung es einen abschreckenden Effekt gibt, sei ungewiss, sagt Rosselló.

    Laut Harald Zeiss vom Institut für Nachhaltigen Tourismus in Wernigerode werden die Einnahmen in vielen Destinationen genutzt, um Umweltbelastungen auszugleichen, nachhaltige Projekte zu finanzieren oder touristische Infrastruktur zu erhalten. “Zumindest wird das bei der Planung und Einführung so beschrieben”, sagt er. Die konkrete Verwendung variiere jedoch stark und reiche von der Förderung nachhaltiger Mobilität bis hin zur reinen Haushaltskonsolidierung. “Entscheidend ist daher die Transparenz und Zweckbindung der Mittel. Aber wenn die Kassen leer sind, dann wird der Verwendungszweck auch mal weit gefasst.”

    Gewichtiges Argument gegen Tourismuskritik

    Tatsächlich machen die Einnahmen aus den Touristenabgaben in vielen Destinationen einen bedeutenden Teil des Steueraufkommens aus. In Barcelona kalkuliert man mit 100 Millionen Euro jährlich – damit ist die Touristenabgabe der drittgrößte Einnahmeposten. Ganz bewusst setzt die Stadtverwaltung angesichts der jüngsten tourismuskritischen Proteste auf die Finanzierung von Projekten, die der Allgemeinheit und nicht etwa nur dem Tourismussektor nutzen. 100 Millionen Euro fließen derzeit in die Klimatisierung der städtischen Schulgebäude.

    Protest gegen Mietpreise in Barcelona, Spanien
    In Barcelona häuften sich zuletzt die tourismuskritischen ProtesteBild: Matthias Oesterle/ZUMA Press/picture alliance

    Keiner Zweckbindung unterliegen die Einnahmen aus der Übernachtungssteuer in Berlin. Das Geld – 2024 fast 90 Millionen Euro – fließt in den Gesamthaushalt. Das ist auch in der niederländischen Hauptstadt Amsterdam so, in der es bereits seit 1973 eine Touristensteuer gibt. Sie beträgt derzeit 12,5 Prozent des Übernachtungspreises und soll 2025 Einnahmen in Höhe von 260 Millionen Euro generieren, so ein Sprecher der Stadtverwaltung. “Die Steuer ist eine wichtige Einnahmequelle, aber sie wird auch als Instrument zur Steuerung und Kontrolle des Tourismuswachstums eingesetzt.” Diese Wirkung allerdings sei gering.

    Venedig verdoppelt Eintrittsgebühr

    Das hat man auch in Venedig festgestellt, wo Tagesausflügler seit dem vergangenen Jahr an bestimmten Tagen eine Eintrittsgebühr zahlen müssen. Oppositionspolitiker kritisieren, die Gebühr sei viel zu niedrig, um Touristen von einem Venedig-Besuch abzuhalten. Und so kündigte die Stadtverwaltung an, dass Tagesausflügler die Zutrittsgebühr, die 2024 fünf Euro betrug und an 29 Tagen kassiert wurde, im Jahr 2025 an 54 Tagen zahlen müssen. Wer mindestens vier Tage im Voraus bucht, zahlt weiterhin fünf Euro. Für alle anderen wird die Gebühr auf zehn Euro verdoppelt.

    Venedig nimmt Tagesgebühr von Touristen, Italien
    Die Eintrittsgebühr für Tagesausflügler in Venedig ist im Jahr 2025 zum Teil doppelt so hoch wie bisherBild: Michael Bihlmayer/chromeorange/picture alliance

    Ob damit schon die Schmerzgrenze erreicht ist, bleibt abzuwarten. Forscher Jaume Rosselló von der Balearen-Universität hat da so seine Zweifel. “Urlaub machen ist für die meisten Menschen kein Luxus, sondern ein grundlegendes Bedürfnis.” Das zeige auch das Beispiel Mallorca, wo die Übernachtungssteuer von den meisten Touristen ohne Murren gezahlt werde. “Solche Abgaben werden generell ziemlich gut angenommen”, sagt Rosselló. “Insbesondere, wenn sie zur Nachhaltigkeit der Destination beitragen.”

    Grenzen aber gibt es dennoch. Das zeigt das Beispiel Bhutan. Als die Touristensteuer dort vor einigen Jahren auf 200 Dollar angehoben wurde, führte das zu einem drastischen Rückgang der Urlauberzahl, sagt Susanne Meier. “Auch wir haben das an den Buchungszahlen gemerkt. Diese Summe wollte dann doch niemand mehr bezahlen.”

  • Fake-Reviews führen Reisende in die Irre

    Geradezu überschwänglich fällt das Lob des Mannes aus, der sich “Dan” nennt: “Die Zimmer sind ein absoluter Traum: geräumig, stilvoll eingerichtet und bis ins Detail durchdacht”, schreibt er in der Google-Kommentarspalte des Flamingo-Hotels in Timmendorfer Strand an der deutschen Ostseeküste. “Besonders hervorheben möchten wir die Sauberkeit und den herrlichen Ausblick – einfach wundervoll!”. “Anja” dagegen war nicht so zufrieden: “Wenn man einen Anspruch an Sauberkeit und Qualität hat, dann ist dies nicht der richtige Ort”, schreibt sie über das Hotel. Haare im Abfluss, Staub, dreckige Handtücher, Schimmel, Fingerspuren – die Mängelliste ist lang. Das Flamingo-Hotel selbst wollte sich nicht zu den Bewertungen äußern.

    Frau sucht auf Booking.com nach Flugtickets und Hotelzimmern
    Booking.com ist weltweit Marktführer, was Hotelbewertungen von Reisenden angehtBild: Serene Lee/SOPA Images/Sipa USA/picture alliance

    Auch wenn die persönliche Bewertung bisweilen sehr unterschiedlich ausfällt – Nutzer-Kommentare spielen für viele Reisende, die auf der Suche nach einem hübschen Hotel oder einem netten Restaurant am Urlaubsort sind, eine große Rolle. “Online-Bewertungen und -Reviews haben heute einen extrem hohen Stellenwert”, sagt Tobias Warnecke, Geschäftsführer des deutschen Hotelverbandes IHA. Neben Empfehlungen von Freunden und Bekannten sowie der Hotelkategorie seien Kommentare bei Google, Booking.com oder Tripadvisor für Reisende heute das wichtigste Kriterium bei der Entscheidungsfindung.

    Kampf um die Meinungshoheit in den Kommentarspalten

    Kein Wunder, dass die Meinungshoheit in den Kommentarspalten des Internets umkämpft ist. “Wenn ich auf den einschlägigen Portalen nicht auf den ersten beiden Seiten der Suchergebnisse auftauche, dann läuft die Buchung ohne mich”, sagt Warnecke. Bei der Reihenfolge der Suchergebnisse spielen auch die Kunden-Bewertungen eine Rolle. Die große Mehrheit der Hoteliers betreibe daher mittlerweile einigen Aufwand, um diese zu sichten und zu beantworten. Auch, weil die Zahl der Betrugsfälle steigt. Gefälschte Kommentare gehören auf den Reiseplattformen im Internet zum Alltag. Einer Untersuchung der EU-Kommission zufolge ist bei fast zwei Dritteln der geprüften Bewertungen die Authentizität zweifelhaft.

    Paar entspannt in Luxus-Poolvilla am Strand eines 5-Sterne-Resorts
    Mehr als 70 Prozent der Reisenden sind bei der Wahl einer Unterkunft Bewertungen anderer Kunden wichtig, belegen StudienBild: Fokke Baarssen/Zoonar/picture alliance

    Tagtäglich damit zu tun hat der Fachanwalt für Medienrecht Jonas Kahl. “Da Internet-Bewertungen für Verbraucher immer wichtiger werden, steigt auch die Zahl der Rechtsstreitigkeiten”, sagt er. Die Bandbreite reiche von gekauften Positiv-Kommentaren, von denen sich Unternehmen ein besseres Image erhoffen, über negative Reviews von Kunden, die das kritisierte Unternehmen erpressen wollen, bis hin zu erfundenen Bewertungen, mit denen Firmen versuchen, ihre Konkurrenten schlechtzumachen.

    Skepsis bei ausschließlich positiven Bewertungen

    Zu erkennen sind Fake-Reviews selten auf den ersten Blick. Der Firma Trusted Shops zufolge, die Internet-Unternehmen zertifiziert und auch ein eigenes Bewertungssystem anbietet, sollte man zumindest hellhörig werden, wenn man bei einer Dienstleistung ausschließlich auf positive Bewertungen stößt. Gekaufte Bewertungen fielen zudem häufig durch schlechten Schreibstil auf, da automatische Übersetzer zum Einsatz kommen. Dafür, dass es sich um Fake-Reviews handeln könnte, spricht auch, wenn die Anzahl der Bewertungen plötzlich in die Höhe schießt. Auch bei anonym verfassten Kommentaren sei Skepsis geboten.

    Der Weg zum gefälschten Kommentar ist jedenfalls kurz: Es gibt zahllose Firmen im Internet mit entsprechendem Angebot. Rechtsexperten wie Jonas Kahl raten dringend ab, davon Gebrauch zu machen. “Das ist ganz klar wettbewerbswidrig”, sagt er. “Das Problem ist, dass man der Hintermänner meist nicht habhaft werden kann.”

    Reiseplattformen sagen Fake-Reviews den Kampf an

    Also steigt stattdessen der Druck auf die Internet-Plattformen. In der EU gilt seit einiger Zeit, dass diese zumindest kenntlich machen müssen, ob sie die Authentizität von Kommentaren und Bewertungen geprüft haben. Mittlerweile hat auch die Branche selbst erkannt, dass Fake-Reviews ihre Glaubwürdigkeit und damit ihr Geschäftsmodell infrage stellen. Und so taten sich im Jahr 2023 unter anderem die größten Reiseplattformen Booking.com, Tripadvisor und Expedia zur “Koalition für vertrauenswürdige Bewertungen” (“Coalition for trusted reviews”) zusammen. Die Mitglieder verpflichten sich dazu sicherzustellen, dass die Verbraucher Online-Bewertungen vertrauen können.

    Restaurant-Bewertungen auf Tripadvisor
    Allein Tripadvisor veröffentlicht jährlich mehr als 30 Millionen KundenbewertungenBild: Boutria Luc/PHOTOPQR/NICE MATIN/MAXPPP/picture alliance

    Tripadvisor etwa berichtet in seinem aktuellsten Transparenz-Bericht, dass im Jahr 2022 von etwas mehr als 30 Millionen neuen Reviews etwa 1,3 Millionen als gefälscht identifiziert und gelöscht wurden. Bewertungen würden nicht umgehend veröffentlicht, sondern zunächst von einem Analysesystem und bei Bedarf vom Moderatorenteam geprüft. Bei Booking.com verweist man auf Anfrage darauf, dass nur Kunden, die tatsächlich eine Unterkunft auf Booking.com gebucht haben, eine Bewertung abgeben können. Google wiederum erklärt, Rezensionen würden vor ihrer Veröffentlichung nicht überprüft, man suche aber gezielt nach gefälschten Inhalten, um sie zu entfernen.

    Verbraucherschützern gehen die derzeit gültigen Regelungen nicht weit genug. “So, wie sie derzeit dargestellt werden, sind Online-Reviews für Verbraucher wenig hilfreich”, sagt Stefanie Grunert, Referentin Recht und Handel beim Bundesverband der Verbraucherzentrale in Berlin. “Es herrscht ein großes Durcheinander.” Deshalb fordert sie klare und einheitliche Regeln. Bis es so weit ist, werden Reisende wohl auch weiterhin mit Bewertungen konfrontiert sein, deren Echtheit unklar ist.