• Ist der Tourismus-Boom im Nahen Osten vorbei?

    Hunderttausende Reisende aus aller Welt sitzen nach den jüngsten Angriffen der USA und Israels auf den Iran sowie dessen Gegenschlägen in der Region fest. Vor allem die weiträumige Sperrung des Luftraumes über der arabischen Halbinsel hat dazu geführt, dass Touristen und Geschäftsreisende vor Ort strandeten. Beeinträchtigungen des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus betrafen auch…

  • Kann man noch guten Gewissens reisen? Das sagen Experten

    Wer auf Reisen geht, der gerät hin und wieder in ein moralisches Dilemma. Seien es nun Alltagssituationen, in denen sich das schlechte Gewissen meldet, weil Fliegen große Mengen CO2 freisetzt, oder wegen der negativen Folgen des modernen Massentourismus. Muss man das in Kauf nehmen? Oder gibt es Auswege? Für Wolfgang Strasdas ist die Antwort klar: “Ich…

  • Zu viel des Guten: So kommt es zum Massentourismus

    Noch nie waren weltweit so viele Touristen unterwegs wie im vergangenen Jahr. Die Zahl der internationalen Reisenden belief sich laut World Tourism Barometer, das von der Tourismusorganisation der Vereinten Nationen herausgegeben wird, auf 1,5 Milliarden. Alleine in Europa kamen 793 Millionen internationale Touristen an. Immer mehr Destinationen stoßen angesichts dieses enormen Andrangs an ihre Grenzen und…

  • Griechenland: Massive Störung legt Flugverkehr lahm

    Es herrschte Funkstille im Tower: Probleme mit den Funkfrequenzen brachten den Luftverkehr am Himmel über Griechenland an diesem Sonntag weitgehend zum Erliegen. An den ⁠Flughäfen des südosteuropäischen Landes wurden Starts und Landungen ausgesetzt, wie die Luftfahrtbehörde mitteilte. Wie der öffentlich-rechtliche ⁠Sender ERT berichtet, hoben ab 9.00 Uhr Ortszeit an den griechischen Flughäfen keine Maschinen mehr…

  • Flugstornierungen und Verspätungen wegen Airbus-Software-Problem

    Weltweit arbeiten Fluggesellschaften unter Hochdruck daran, das Software-Problem bei Tausenden Airbus-Maschinen aus der A320-Familie zu beheben. Sie mussten dazu am Freitag und Samstag kurzfristig neue Software aufspielen, nachdem der europäische Flugzeughersteller über die notwendige Nachbesserung informiert hatte. Auslöser war ein Flug von Cancún (Mexiko) nach Newark (New Jersey) Ende Oktober, bei dem das Flugzeug plötzlich…

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    Bei sengender Hitze quält sich eine kilometerlange Mietwagenkolonne die Serpentinen hinauf. Ein Heer von Urlaubern hat sich an diesem Spätsommermorgen auf den Weg nach Valldemossa gemacht. Das malerische Bergdorf gehört zu den beliebtesten Ausflugszielen auf der Mittelmeer-Insel Mallorca, und auch in diesem Jahr kommt es auf der schmalen Gebirgsstraße tagtäglich zum Verkehrskollaps. Betroffen davon sind…

  • Reisen durch Europa: Worauf LGBTQIA+-Personen achten sollten

    Weltweit variieren die Rechte für LGBTQIA+-Personen stark: Was in manchen Ländern mit dem Tod bestraft wird, wird anderorts regelmäßig bei bunten Pride-Events gefeiert. Auch innerhalb Europas unterscheiden sich sowohl die rechtliche Lage als auch die soziale Akzeptanz der queeren Community stark zwischen den Ländergrenzen. “Grundsätzlich sind die Bedürfnisse von Lesben, Schwulen, Trans* und allem möglichen…

  • UNESCO-Komitee berät in Paris über neue Welterbe-Stätten

    Nur noch wenige Tage, und auch die Schlösser König Ludwigs II. von Bayern werden voraussichtlich UNESCO Welterbe. Nominiert wurden Neuschwanstein, Linderhof, Schachen und Herrenchiemsee – gemeinsam mit 31 weiteren Orten rund um den Globus. Die Entscheidungen trifft das Welterbekomitee auf seiner 47. Sitzung in Paris (bis 16. Juli 2025). Seit zehn Jahren stehen die bayerischen Königsschlösser ganz…

  • So heftig protestiert Spanien gegen Massentourismus

    Rechtzeitig zum Beginn der sommerlichen Urlaubssaison gehen auch die Proteste gegen den Massentourismus wieder los, wie es sie bereits seit Jahren in besonders beliebten Urlaubsdestinationen Italiens, Portugals vor allem aber Spaniens gibt. Am 15. Juni ist es so weit. Die Plattform Sur de Europa contra la Turistización (Südeuropa gegen die Touristifizierung) kündigte Aktionen unter anderem…

  • Urlaub: Mallorca rüstet sich für den Ansturm der Touristen

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Auteur: admin

  • Ist der Tourismus-Boom im Nahen Osten vorbei?

    Hunderttausende Reisende aus aller Welt sitzen nach den jüngsten Angriffen der USA und Israels auf den Iran sowie dessen Gegenschlägen in der Region fest. Vor allem die weiträumige Sperrung des Luftraumes über der arabischen Halbinsel hat dazu geführt, dass Touristen und Geschäftsreisende vor Ort strandeten. Beeinträchtigungen des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus betrafen auch Kreuzfahrtschiffe, die noch im Persischen Golf unterwegs waren.

    “Die derzeitige Krise ist ein absoluter Schock für die betroffenen Länder in der Region”, sagt Hans Hopfinger, langjähriger Professor für Kulturgeographie an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, der zur Tourismusentwicklung im Nahen Osten und Nordafrika geforscht hat. Einige der Golfstaaten hätten sich in der Vergangenheit als Hort touristischer Sicherheit vermarktet. “In Dubai oder anderen Emiraten hat es noch nie terroristische Anschläge gegeben wie in anderen arabischen Tourismushochburgen”, sagt Hopfinger.

    Keine andere Region erlebte ein solches Wachstum

    Auch dies ist ein Grund für den Besucherboom, den die Region in den vergangenen Jahren erlebt hat. “Der Nahe Osten ist eine der am schnellsten wachsenden Tourismusregionen der Welt”, heißt es bei der Tourismusorganisation der Vereinten Nationen. Im vergangenen Jahr kamen erstmals knapp 100 Millionen internationale Reisende an – von Ägypten und Jordanien bis nach Katar und Saudi Arabien. Ein Plus von 39 Prozent im Vergleich zum Vor-Corona-Wert. Keine andere Weltregion erlebte seitdem ein solches Wachstum.

    Grab des Lihyan, Sohn des Kuza (Qasr al-Farid), Hegra, Saudi-Arabien
    Die Felsengräber von Hegra waren 2008 die erste UNESCO-Welterbestätte in Saudi Arabien – mittlerweile sind es achtBild: Christian Goupi/robertharding/picture alliance

    Welche Größenordnung die Reisebranche insbesondere in den Golfstaaten mittlerweile angenommen hat, verdeutlicht besonders gut der Dubai International Airport, der sich in den vergangenen Jahren zum globalen Drehkreuz entwickelt hat. Eigenen Angaben zufolge wurden dort 2025 mehr als 95 Millionen internationale Passagiere abgefertigt – so viele wie noch nie und wie auf keinem anderen Flughafen weltweit. Gleichzeitig verzeichnete das Emirat mit fast 20 Millionen Touristen im dritten Jahr in Folge einen neuen Besucherrekord.

    Zurückzuführen sind solcherlei Erfolge vor allem auf weitsichtige Planung, so Hans Hopfinger. “Man erkannte als strategisches Element der wirtschaftlichen Differenzierung, dass man weg von der Abhängigkeit von Öl und Gas kommen musste.” Auf diese Weise war Dubai das erste Emirat, das bereits frühzeitig einen Masterplan erstellte, um Shopping-Tourismus, Golfturniere und andere Sportgroßereignisse, aber auch den Kulturtourismus zu fördern. Mittlerweile haben auch andere Golfstaaten umgedacht.

    Burj Khalifa in Dubai, Vereinigte Arabische Emirate
    20 Millionen Touristen besuchten Dubai im vergangenen Jahr – eine der Hauptattraktionen des Emirats: der Burj Khalifa, das höchste Gebäude der WeltBild: David Davies/empics/PA Wire/picture alliance

    Saudi-Arabien vergibt erst seit 2019 Touristenvisa

    “Die reichen, erdöl- und erdgasbesitzenden Länder hatten es lange Zeit nicht nötig, auf den Tourismus zu setzen”, erklärt Hopfinger. Im Gegensatz zu Staaten ohne bedeutende Bodenschätze. Ägypten, Tunesien, Jordanien, Marokko und Oman investierten daher frühzeitig in den Tourismus. Saudi-Arabien dagegen vergibt erst seit 2019 überhaupt Touristenvisa. Das Königreich will mit seiner Strategie “Vision 2030”, die Milliardeninvestitionen in diverse Megaprojekte vorsieht, nun in die Top-Liga der weltweiten Tourismus-Destinationen aufsteigen. Das Ziel: Spätestens 2030 sollen pro Jahr 70 Millionen internationale Touristen allein nach Saudi-Arabien kommen.

    Die Besucher locke vor allem die Vielfalt des Angebots in die Golfstaaten, sagt Hopfinger. Die Bandbreite reicht von historischen Tempelanlagen bis hin zu den modernen Megastädten mit ihren spektakulären Hotels, Einkaufszentren und Museen. Dazu kommen Großveranstaltungen wie Formel-1-Rennen. Auch die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar 2022 oder die Expo in Dubai 2021 haben das Image des Reiseziels enorm erhöht. Mit Mekka und Medina befinden sich in Saudi-Arabien zudem zwei der bedeutendsten Pilgerstätten des Islam, die jährlich Millionen Gläubige anlocken.

    Red Sea Project in Saudi Arabien
    Mit Milliardenprojekten fördert das Königreich Saudi-Arabien den Tourismus: Am Roten Meer entsteht eine LuxusdestinationBild: The Red Sea Development Company/Handout via Xinhua/picture alliance

    Es dürfte zu Umbuchungen und Stornierungen kommen

    Für die Bestrebungen, den Tourismus in der Region zu fördern, bedeutet der Iran-Krieg nun einen bedeutenden Rückschlag. Aufgrund der unsicheren Lage und der geltenden Reisewarnungen dürfte es zu massenhaften Umbuchungen und Stornierungen kommen. Die Sicherheitslage im Nahen Osten sei noch nie stabil gewesen, sagt Hopfinger. “Die Region ist seit Jahrzehnten von gravierenden Auseinandersetzungen betroffen.” Vertreter der Reisebranche erwarten für die kommenden Monate eine Verlagerung der Reisebuchungen in traditionelle Urlaubsgebiete, etwa rund um das Mittelmeer.

    Wie lange es nach einer Normalisierung der Lage in den betroffenen Ländern dauert, bis der internationale Tourismus dorthin wieder in Schwung kommt, hänge von mehreren Faktoren ab, erklärt Martin Lohmann von der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen, der sich seit vielen Jahren mit der Motivation von Urlaubern beschäftigt. Bei Fortfall der Risiken, intakter Infrastruktur und Erhalt der typischen Attraktionsfaktoren gehe das schnell, also innerhalb weniger Wochen, erklärt er. “Das kann ich mir für die Vereinigten Arabischen Emirate vorstellen.”

    Erste Nahost‑Reisende zurück in Deutschland

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    Zunächst geht es aber nun darum, die gestrandeten Urlauber in Sicherheit zu bringen. Insbesondere die Reiseveranstalter bemühen sich darum, ihre Gäste auszufliegen. Vereinzelte Maschinen konnten in den vergangenen Tagen bereits wieder abheben. Bis alle Reisenden wieder in der Heimat sind, dürften angesichts der instabilen Lage allerdings noch Tage vergehen.

  • Kann man noch guten Gewissens reisen? Das sagen Experten

    Wer auf Reisen geht, der gerät hin und wieder in ein moralisches Dilemma. Seien es nun Alltagssituationen, in denen sich das schlechte Gewissen meldet, weil Fliegen große Mengen CO2 freisetzt, oder wegen der negativen Folgen des modernen Massentourismus. Muss man das in Kauf nehmen? Oder gibt es Auswege?

    Für Wolfgang Strasdas ist die Antwort klar: “Ich finde gar nicht, dass man ein schlechtes Gewissen haben muss”, sagt der wissenschaftliche Leiter des Zentrums für Nachhaltigen Tourismus in Berlin, der sich seit vielen Jahren mit den Auswirkungen des Reisens befasst. Tourismus sei in vielen Regionen der Welt ein wichtiger Wirtschaftszweig und trage erheblich zum Wohlstand bei. Über einige Dinge aber solle man sich durchaus vorab Gedanken machen, findet er, insbesondere über die Umweltauswirkungen des Reisens und den Overtourism.

    Lieber Nebensaison statt Hauptsaison

    “Man sollte sich schon fragen: Muss ich auch noch im Hochsommer nach Athen fahren, wo es da ohnehin schon überfüllt ist?” Auf die Nebensaison auszuweichen, wenn dies von den eigenen Umständen her möglich ist, trage zumindest zur Entzerrung bei. Man könne sich auch fragen, ob es nicht alternative Reiseziele gibt, die auch interessant, aber weniger überlaufen sind: Leipzig statt Berlin, Philadelphia statt New York, schlägt er vor. “Es gibt auch Undertourism”, sagt Strasdas – Orte, deren Bewohner sich über mehr Besucher durchaus freuen würden.

    Besucher spazieren auf der historischen Stadtmauer von Girona, Spanien
    Viel beschaulicher als in Barcelona geht es im gar nicht weit entfernten Girona zuBild: Tolo/Zoonar/picture alliance

    Das sieht auch Petra Thomas so. “In Katalonien etwa wünschen sich viele Menschen im Hinterland mehr Tourismus“, sagt sie. Barcelona, die Hauptstadt der nordspanischen Region, habe davon derweil eindeutig zu viel. Thomas ist Geschäftsführerin des Forums Anders Reisen, eines Verbandes für nachhaltigen Tourismus, dem mehr als 140 Reiseveranstalter angeschlossen sind. Diese verpflichten sich, einen strengen Kriterienkatalog einzuhalten, um ihren Kunden Urlaub ganz ohne schlechtes Gewissen zu ermöglichen. Darin heißt es unter anderem, dass Regionen, die durch den Tourismus “bereits so stark frequentiert werden, dass die Gefahr einer Übernutzung besteht”, gemieden werden sollen.

    Fremdschämen in Kamerun

    Thomas ist überzeugt: “Es gibt Rahmenbedingungen, unter denen Tourismus positive Auswirkungen hat.” Menschen kommen zusammen, es findet kultureller Austausch statt, Reisende machen wertvolle Erfahrungen, die ihren Blick auf die Welt verändern, zählt sie auf. Dass man aber auch in unangenehme Situationen geraten kann, hat sie vor nicht allzu langer Zeit selbst erlebt, als sie mit einer Reisegruppe im ländlichen Kamerun unterwegs war. Einige der Mitreisenden begannen, die einheimischen Dorfbewohner zu fotografieren und machten auch nicht vor deren Hütten halt. “Mehrere knipsten in die Wohnungen hinein, als wäre nichts dabei”, erinnert sie sich. “Ich habe mich fremdgeschämt.” Sie hatte ganz stark das Gefühl, dass es sich dabei um eine Verletzung der Privatsphäre handelte. “Solche Momente erleben viele Reisende.”

    Das bestätigt Oliver Zwahlen. Der leidenschaftliche Weltenbummler und Autor des Blogs “Weltreiseforum” beschäftigt sich seit Jahren mit den alltäglichen moralischen Konflikten, mit denen man auf Reisen konfrontiert wird. “Irgendwann ist mir aufgefallen, dass sich eigentlich alle Leute auf Reisen richtig verhalten und möglichst keinen Schaden anrichten wollen”, so der Schweizer. Gleichzeitig aber gebe es eine große Diskrepanz bei der Frage, was richtiges Handeln ist. “Soll man bettelnden Kindern Stifte geben?”, fragt Zwahlen. “Hilft ihnen das in der Schule oder sorgt man dafür, dass es für die Eltern lukrativer ist, Kinder zum Betteln zu schicken als in die Schule?”

    “Ein Reiseboykott trifft die einfachen Menschen”

    Auch der Umgang mit Ländern, deren Regierung und politische Ausrichtung man nicht unterstützen möchte, sei bisweilen schwierig. “Ja, es mag berechtigte Einwände gegen Bräuche, Gesetze oder Regierungen geben”, sagt er. “Doch mit einem Reiseboykott treffen wir in erster Linie die einfachen Menschen. Zum Beispiel die Leute, die in ihren kleinen Läden den Touristen Wasser verkaufen oder die in einem Restaurant eine Anstellung als Kellner gefunden haben.” Dazu komme, dass gerade in Ländern, die sich stark abschotten, Touristen für die Menschen eine gute Möglichkeit sind, um mit der Außenwelt in Kontakt zu bleiben.

    Ein Flugzeug am Himmel mit Kondensstreifen
    Flugreisen sorgen für besonders hohe EmissionenBild: Arnulf Hettrich/imageBROKER/picture alliance

    Ein Dilemma aber lässt sich laut Zwahlen nicht auflösen: “Egal was man macht, für den Umweltschutz ist Reisen immer ein Problem.” Die Klimabilanz insbesondere des Flugverkehrs ist nun einmal schlecht – und wird das auch auf längere Sicht bleiben. Man könne als Reisender nur versuchen, den Schaden so gering wie möglich zu halten. “Ich achte seit jeher darauf, lieber weniger Reisen zu machen, die dann aber länger dauern.” Außerdem fliege er nur, wenn es nicht anders gehe und dann auch nach Möglichkeit direkt und mit modernen Maschinen, die weniger Treibstoff benötigen.

    Index bewertet Airlines nach Klimaeffizienz

    Dafür plädiert man auch beim Forum Anders Reisen. “Aus unserer Sicht geht es darum, die Emissionen dort zu reduzieren, wo es möglich ist”, sagt Petra Thomas. Die Mitglieder ihres Verbandes verpflichten sich, ihren Kunden Bus- und Bahnverbindungen anzubieten. “Es gibt aber nun mal Destinationen, die nur per Flugzeug erreichbar sind.”

    Tourismusforscher Wolfgang Strasdas empfiehlt in solchen Fällen, einen Blick auf den Airline-Index der Klimaschutzorganisation Atmosfair zu werfen, die darin Fluggesellschaften nach ihrer Klimaeffizienz bewertet. Den verbleibenden CO2-Ausstoß solle man anschließend kompensieren. Trotz aller Umweltbedenken überwiegen für ihn letztendlich aber die positiven Aspekte des Reisens. “Grundsätzlich ist Reisen für alle Beteiligten ein Gewinn”, findet er.

  • Zu viel des Guten: So kommt es zum Massentourismus

    Noch nie waren weltweit so viele Touristen unterwegs wie im vergangenen Jahr. Die Zahl der internationalen Reisenden belief sich laut World Tourism Barometer, das von der Tourismusorganisation der Vereinten Nationen herausgegeben wird, auf 1,5 Milliarden. Alleine in Europa kamen 793 Millionen internationale Touristen an. Immer mehr Destinationen stoßen angesichts dieses enormen Andrangs an ihre Grenzen und versuchen, dem Massentourismus Einhalt zu gebieten. So etwa Paris und Barcelona, zwei der meistbesuchten Städte weltweit. Die Verwaltung der nordspanischen Stadt beschloss kürzlich eine Verdoppelung der Übernachtungsgebühr. Die französische Hauptstadt hob diese bereits im Jahr 2024 drastisch an. In Rom wiederum müssen Touristen seit Anfang Februar 2026 Eintritt zahlen, um den berühmten Trevi-Brunnen aus nächster Nähe zu sehen. In Venedig gibt es seit 2024 eine Gebühr für Tagestouristen.

    Einmal im Leben den Eiffelturm sehen

    Wie aber kommt es, dass bestimmte Destinationen besonders große Menschenmassen anlocken? “Man muss in diesem Zusammenhang zwischen Sightseeing- und Bade- oder Erholungstourismus unterscheiden”, sagt Hasso Spode. Der Historiker forscht seit Jahren zum Thema Tourismus und hat kürzlich das Buch “TraumZeitReise: Eine Geschichte des Tourismus” veröffentlicht. Natürlich spielten in Städten wie Paris, Barcelona, Rom oder Venedig die dortigen Sehenswürdigkeiten eine große Rolle, die Reisende aus aller Welt anlocken. Viele Menschen wollen eben einmal im Leben den Eiffelturm sehen, die Sagrada Família und das Kolosseum. Mit steigendem Wohlstand können sich immer mehr Menschen diesen Traum dann auch erfüllen.

    Touristen fotografieren den Eiffelturm, Paris, Frankreich
    Paris gehört zu den meisbesuchten Städten weltweitBild: Beata Zawrzel/NurPhoto/picture alliance

    “Zwei Drittel des weltweiten Tourismus gehen aber an die Sonnenstrände des Südens”, sagt Spode. “Der Durchschnittstourist sucht einen paradiesischen Zustand.” Tatsächlich ist die Tourismusintensität europaweit an den Küsten des Mittelmeeres am höchsten, einer im vergangenen Jahr präsentierten Studie des Statistischen Bundesamtes zufolge. Auf den ersten Plätzen der Rangliste, die die Zahl der touristischen Übernachtungen in Relation zur Einwohnerzahl setzt, liegen die südliche Ägais und die Ionischen Inseln in Griechenland mit 117 beziehungsweise 98 Übernachtungen je Einwohner. Ganz vorne mit dabei sind auch die Adriaküste Kroatiens, Kreta und die balearischen Inseln – allesamt Reiseziele für Strand- und Sonnentourismus.

    Ein Fischernest lockt Touristenmassen an

    Außer zuverlässig gutem Wetter und angenehmen Badebedingungen müsse es dort eigentlich nichts Besonderes geben, um die Massen anzulocken, sagt Spode. Ein gutes Beispiel sei der Touristenort Lloret de Mar an der Mittelmeerküste in Nordspanien. Dabei handele es sich um einen sogenannten Kunstort: Findige Strategen und Investoren entschieden einst, das verschlafene Fischernest für den Tourismus auszubauen. Ursprünglich für Leute mit Geld, dann für feierlustige Jugendliche. Heute reihen sich dort Dutzende Hotels am künstlich aufgeschütteten Strand aneinander.  “Das hätte man auch problemlos 100 Kilometer weiter machen können”, sagt Spode.

    Am Strand des Seebads Brighton an der englischen Küste, Großbritannien
    Auch ohne gutes Wetter ein gefragtes Reiseziel: das südenglische BrightonBild: Peter Schickert/IMAGO/picture alliance

    Die wichtigste Voraussetzung für die Entwicklung einer massentouristischen Destination seien vielmehr die Infrastruktur und die Anbindung, erklärt er – “Kein Paradies ohne Bahnanschluss.” Das habe schon im 19. Jahrhundert gegolten, als der Tourismus im heutigen Sinne zunächst in Großbritannien aufkam. Die Königsfamilie verbrachte ihre Freizeit damals im Seebad Brighton, lediglich ein paar Dutzend Kilometer von London entfernt. Für Normalsterbliche war der Küstenort dennoch nahezu unerreichbar. Der Adel war unter sich – bis dann im Jahr 1841 eine Eisenbahnlinie von London an die Küste gebaut wurde. Brighton wurde schlagartig zum massentouristischen Hotspot. “Die Royals traten die Flucht an, heute geht es dort zu wie am Ballermann in Arenal”, sagt Spode.

    Eine der am besten erreichbaren Destinationen Europas

    Der Strandabschnitt unweit der Inselhauptstadt Palma ist eines der Paradebeispiele für die Entwicklung des Massentourismus auf der Baleareninsel Mallorca. Entscheidend für den Tourismusboom ab den 1960er-Jahren war auch dort die Erreichbarkeit. Das Düsenflugzeug löste das Propellerflugzeug ab, Reisen nach Mallorca wurden billiger, Pauschalangebote kamen auf und der Flughafen wurde ausgebaut, erklärt Spode. Heute werden dort jährlich 30 Millionen Passagiere abgefertigt, die Insel ist eine der am besten per Flugzeug erreichbaren Destinationen Europas. Hinzu kommt der stetig wachsende Kreuzfahrtsektor, der wie an vielen anderen Orten zum Anstieg der Besucherzahlen beiträgt.

    Reisende mit Koffern am Flughafen, Mallorca, Spanien
    Alle paar Minuten startet und landet im Sommer ein Flugzeug an Palmas Flughafen auf MallorcaBild: Schoening/picture alliance

    Auch gutes Marketing spiele durchaus eine Rolle bei der Entwicklung einer Destination zum massentouristischen Reiseziel. “Man darf das aber auch nicht überbewerten”, sagt Spode. “Der Versuch, ein bestimmtes Image zu schaffen, stößt schnell an seine Grenzen.” Es müsse in jedem Fall einen realen Hintergrund geben, andernfalls funktioniere die Werbung nicht. “Man kann nicht beliebig Destinationen kreieren.”

    Ein vergleichsweise neues Phänomen ist die Massifizierung als Folge von Social Media. Ein besonders spektakulärer Aussichtspunkt, eine entlegene Badebucht mit kristallklarem Wasser, Drehorte populärer Serien – über Nacht verwandeln sich manche Orte in Hotspots, die von tausenden Touristen auf der Jagd nach einem Instagram-Schnappschuss überrannt werden.

    “Das ist, was früher Mundpropaganda war”, sagt Spode. “Es geht aber viel schneller und erreicht viel mehr Leute.” Insgesamt gesehen seien die touristischen Verhaltensweisen in den vergangenen Jahrzehnten aber recht stabil geblieben und ließen sich nur bedingt beeinflussen, sagt Spode

    Kein Ende des Wachstums abzusehen

    Und so dürften vor allem die massentouristischen Destinationen auch weiterhin gefragt sein. Jedenfalls ist ein Ende des Wachstums nicht abzusehen. Laut der Tourismusorganisation der Vereinten Nationen wird auch das Jahr 2026 weltweit einen neuen Rekord der internationalen Reisenden bringen. Man rechnet dort mit einem Wachstum von drei bis vier Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

  • Griechenland: Massive Störung legt Flugverkehr lahm

    Es herrschte Funkstille im Tower: Probleme mit den Funkfrequenzen brachten den Luftverkehr am Himmel über Griechenland an diesem Sonntag weitgehend zum Erliegen. An den ⁠Flughäfen des südosteuropäischen Landes wurden Starts und Landungen ausgesetzt, wie die Luftfahrtbehörde mitteilte.

    Wie der öffentlich-rechtliche ⁠Sender ERT berichtet, hoben ab 9.00 Uhr Ortszeit an den griechischen Flughäfen keine Maschinen mehr ab. Tausende Reisende strandeten unter anderem am Athener Flughafen Eleftherios Venizelos (IATA-Code: ATH) und am “Makedonia Airport” von Thessaloniki (IATA-Kürzel: SKG).  An den Terminals drängten sich die Passagiere. Ankommende Flüge würden in benachbarte Länder umgeleitet. Auf der Insel Rhodos wurden Touristen zurück in ihre Hotels geschickt, berichteten griechische Medien. Sie sollen nun am Montag zurück in die Heimat fliegen. 

    Erste Starts am frühen Nachmittag

    “Aus irgendeinem Grund gingen plötzlich alle Frequenzen verloren”, sagte der Präsident des Verbands der Fluglotsen Panagiotis Psarros in einem ERT-Interview. Das Problem scheine ein Ausfall der zentralen Funkfrequenzsysteme der größten Flugsicherungseinrichtung des Landes zu sein, die ihre Zentrale in Athen hat.

    Von dort werden weite Teile des griechischen Luftraums überwacht. Aufgrund der Funkprobleme konnten demnach die griechischen Fluglotsen weder untereinander noch mit den Piloten kommunizieren.

    Griechenland Thessaloniki 2026 | Passagiere stehn am Check-in-Schalter in einer langen Schlange (04.01.2026)
    Schlangen am “Makedonia Airport” von ThessalonikiBild: Sakis Mitrolidis/AFP/Getty Images

    Ein technischer Kniff lässt den Luftverkehr seit dem frühen Nachmittag wieder langsam anlaufen: “Die Fluglotsen nutzen alternative Frequenzen und können nun wieder erste Flüge abwickeln”, so der Verbandschef. Wann der Luftverkehr wieder vollständig normal laufen sollte, konnte er nicht sagen.

    Ein Mitarbeiter des Verkehrsministeriums sagte der Nachrichtenagentur Reuters , dass einige Flugzeuge starten durften, die in Richtung Norden und Osten fliegen wollten. Mehr als 75 Flüge seien verspätet, so der Ministeriumsmitarbeiter.

    Cyberattacke wird ausgeschlossen

    Eine Cyberattacke schloss Lotsenverbandschef Psarros aus. Er kritisierte vielmehr den Zustand der Kommunikationssysteme der griechischen Luftraumüberwachung: “Unsere Systeme sind uralt”, machte Panagiotis Psarros deutlich. Darauf habe die Fluglotsengewerkschaft bereits mehrfach hingewiesen.

    Griechenland 2026 | Karte von Flugradar24, die zeigt dass über Griechenland kaum Flugzeuge unterwegs sind (04.01.2026)
    Darstellung des Luftraums in Südosteuropa am Sonntagmittag (auf Flightradar24)Bild: Flightradar24.com/REUTERS

    Die Panne hatte Auswirkungen weit über Griechenland hinaus. Betroffen waren auch Flüge, die gar nicht Griechenland zum Ziel hatten. Einige Überflüge konnten die Lotsen trotzdem weiterhin abwickeln. Aus Sicherheitsgründen seien aber Beschränkungen für den Flugbetrieb verhängt worden, teilte die griechische Luftfahrtbehörde mit.

    Auf Flightradar24, einem Online-Dienst zur Echtzeit-Flugverfolgung, war am Mittag ein nahezu leerer griechischer Luftraum zu sehen. Dafür drängten sich in den umliegenden Ländern die Flugzeuge, weil sie umgeleitet wurden.

    AR/as (rtr, dpa)

    Redaktionsschluss 17.45 Uhr (MEZ) – Dieser Artikel wird nicht weiter aktualisiert.

  • Flugstornierungen und Verspätungen wegen Airbus-Software-Problem

    Weltweit arbeiten Fluggesellschaften unter Hochdruck daran, das Software-Problem bei Tausenden Airbus-Maschinen aus der A320-Familie zu beheben. Sie mussten dazu am Freitag und Samstag kurzfristig neue Software aufspielen, nachdem der europäische Flugzeughersteller über die notwendige Nachbesserung informiert hatte.

    Auslöser war ein Flug von Cancún (Mexiko) nach Newark (New Jersey) Ende Oktober, bei dem das Flugzeug plötzlich an Höhe verloren hatte. Die Maschine wurde nach Tampa (Florida) umgeleitet. Die Untersuchungen hatten ergeben, dass intensive Sonnenstrahlung Daten beschädigen könne, die für die Funktion der Flugsteuerung bei Flugzeugen der A320-Baureihen entscheidend sind.

    Ein logistischer Kraftakt für die Fluggesellschaften

    Ein Konzernsprecher schätzt, dass insgesamt etwa 6000 Flugzeuge betroffen sein dürften. Die Updates mussten noch vor dem nächsten Flug vorgenommen werden. Bis zum Samstagmorgen meldeten mehrere Airlines rasche Fortschritte. Dennoch wurden Dutzende Flüge gestrichen und Passagiere vor etwaigen Verspätungen oder Verschiebungen gewarnt. Die deutsche Lufthansa geht nicht von Flugausfällen durch Airbus-Software-Problem aus.

    Silhouette einer A320 der TAP vor dem Vollmond über Lissabon (23.06.2024)
    A320 im Landeanflug : Bis spätestens Sonntag sollten alle Maschinen wieder einsatzbereit seinBild: Armando Franca/AP Photo/picture alliance

    Japans größte Fluggesellschaft ANA sagte 65 Flüge wegen des Problems ab. Auch am Sonntag könne es noch zu Störungen im Flugverkehr kommen.

    In Indien musste nach Angaben der dortigen Flugaufsichtsbehörde bei insgesamt 338 Maschinen die Software aktualisiert werden. Bis Sonntag dürften die notwendigen Arbeiten abgeschlossen sein. Air India teilte mit, es sei mit keinen größeren Auswirkungen zu rechnen. Allerdings könne es bei einigen Flügen zu Verspätungen oder Umbuchungen kommen. Ähnlich äußerten sich Fluggesellschaften in Australien und Südkorea.

    Ausgerechnet am Thanksgiving-Wochenende

    Bei American Airlines waren nach Unternehmensangaben 209 Flugzeuge betroffen. Die Fluggesellschaft gab sich aber zuversichtlich, dass bis Samstagvormittag (Ortszeit USA) nahezu alle Maschinen auf dem neuen Software-Stand sein dürften. In den USA läuft wegen des Thanksgiving-Familienfests das verkehrsreichste Reisewochenende des Jahres.

    Mike Stengel, Partner des Beratungsunternehmens AeroDynamic Advisory für die Luft- und Raumfahrtindustrie, sagte der Nachrichtenagentur AP, es sei “definitiv nicht ideal, dass dies bei einem sehr weit verbreiteten Flugzeug an einem stark frequentierten Feiertagswochenende passiert”. Aber immerhin dauere das Software-Update nur wenige Stunden, so der Experte aus Ann Arbor, Michigan.

    Airbus hat seinen Hauptsitz in Frankreich, ist aber in den Niederlanden registriert. A320-Maschinen werden unter anderem im Airbuswerk in Hamburg im Norden Deutschlands montiert. Das Unternehmen gehört neben Boeing zu den größten Flugzeugherstellern der Welt.

    fab/AR (rtr, ap)

    Redaktionsschluss: 17.30 Uhr (MEZ) – dieser Artikel wird nicht weiter aktualisiert.

  • Mallorca: Touristen-Rekord trotz Proteste

    Bei sengender Hitze quält sich eine kilometerlange Mietwagenkolonne die Serpentinen hinauf. Ein Heer von Urlaubern hat sich an diesem Spätsommermorgen auf den Weg nach Valldemossa gemacht. Das malerische Bergdorf gehört zu den beliebtesten Ausflugszielen auf der Mittelmeer-Insel Mallorca, und auch in diesem Jahr kommt es auf der schmalen Gebirgsstraße tagtäglich zum Verkehrskollaps. Betroffen davon sind nicht nur die Urlauber selbst: Auch ein Bus steckt fest, in dem vor allem Berufstätige sitzen, die zur Arbeit wollen. “Das ist doch nicht mehr zu ertragen”, schimpft einer von ihnen mit Blick auf das schier endlose Stop-and-Go.

    Das Dorf Valldemossa auf Mallorca, Spanien
    Das Dorf Valldemossa ist ein beliebtes Ausflugsziel auf MallorcaBild: Markus Mainka/picture alliance

    19 Millionen Urlauber auf den Balearen

    Obwohl der Unmut über den Massentourismus auf den Balearen wie auch in anderen Teilen Spaniens seit Jahren zunimmt und sich immer wieder in Protestaktionen entlädt, steuern die Inseln auch in diesem Jahr auf einen neuen Urlauberrekord zu. Bis einschließlich Juli kamen fast elf Millionen Touristen und damit etwas mehr als im selben Vorjahreszeitraum. Im gesamten Jahr 2024 lag die Zahl bei 18,7 Millionen. In diesem Jahr wird der Wert aller Voraussicht nach auf mehr als 19 Millionen steigen – das ist etwa jeder fünfte Spanien-Urlauber.

    Demonstration im Mai 2025 gegen Wohnungsnot und Luxustourismus auf Mallorca, Spanien
    Im Mai gingen in Palma mehrere tausend Menschen gegen die Auswüchse des Massentourismus auf die StraßeBild: Clara Margais/dpa/picture alliance

    Trotz der auf den ersten Blick vielversprechenden Zahlen ist Mallorcas Tourismusbranche jedoch nicht in Jubelstimmung. Gastronomen, Einzelhändler und Betreiber touristischer Attraktionen klagen über deutliche Umsatzrückgänge. Sorge bereiten ihnen ausgerechnet die deutschen Touristen. Deren Zahl nämlich ist in den vergangenen Sommermonaten drastisch gesunken im Vergleich zum Vorjahr, allein im Juli um mehr als acht Prozent. Die Deutschen stellen traditionell die mit Abstand größte Urlaubergruppe auf Mallorca. Darum schrillen bei vielen die Alarmglocken.

    Pedro Oliver, Vorsitzender des Verbands der Reiseführer auf der Insel, ist überzeugt, dass die Anti-Tourismus-Proteste eine Teilschuld haben. “Ich habe keinen Zweifel, dass sie einen Effekt hatten: Die Botschaft ist angekommen.” Er und seine Kollegen merkten das in ihrer täglichen Arbeit. “Ständig kommen Nachfragen der Touristen, ob es wahr ist, dass man auf Mallorca keine Urlauber mehr will.” Ähnlich sieht das Rafel Roig, Vorsitzender des mallorquinischen Transportunternehmerverbandes. “Ist doch klar: Wenn ich höre, dass man mich an einem Ort nicht haben will, fahre ich da doch nicht hin.”

    Zunehmende Sommerhitze könnte ein Faktor sein

    Dass sich die Deutschen tatsächlich von den antitouristischen Protesten abschrecken lassen, bezweifelt derweil Álvaro Blanco vom spanischen Fremdenverkehrsbüro in Berlin. Gerade einmal zwei E-Mails besorgter Bundesbürger zu dem Thema seien in den vergangenen Monaten eingegangen. “Ich glaube nicht, dass die Proteste Folgen haben.” Entscheidender dürfte die angespannte wirtschaftliche Lage in Deutschland sein. Auch die zunehmende Hitze in den Sommermonaten in Südeuropa könnte den einen oder anderen Reisenden abschrecken, vermutet er.

    Eine Frau kühlt sich bei über 30 Grad mit einem Fächer ab, Mallorca, Spanien
    Immer häufiger suchen Hitzewellen Südeuropa heim, so auch MallorcaBild: Clara Margais/dpa/picture alliance

    Das sieht auch Carlos Cendra vom auf Tourismus spezialisierten Beratungsunternehmen Mabrian so, wenngleich die tourismuskritischen Proteste zumindest auf lange Sicht Auswirkungen haben könnten, wie er meint. “Man muss verhindern, dass sich die Vorstellung festsetzt, Reisende seien auf den Balearen nicht willkommen”, sagt er. Auch Cendra macht in erster Linie ökonomische Gründe für den Rückgang der Zahl deutscher Urlauber verantwortlich und verweist dabei vor allem auf die zuletzt stark gestiegenen Preise.

    Hotelpreise belasten die Urlaubskasse

    Tatsächlich setzt die Tourismusbranche auf Mallorca seit Jahren ganz bewusst auf Qualitätssteigerung. Das beste Beispiel dafür ist die Veränderung des Hotelangebots: In den vergangenen 20 Jahren verdreifachte sich die Zahl der Vier- und Fünf-Sterne-Hotels, während Ein- bis Drei-Sterne-Hotels vom Markt verschwinden. Das belastet die Urlaubskasse der Touristen. Außerdem setzt die Balearen-Regierung auf Diversifizierung und hat etwa die Tourismuswerbung in den USA verstärkt. In diesem Jahr nun kamen ungewöhnlich viele Franzosen, Italiener und Skandinavier, was den Rückgang der Zahl deutscher Urlauber mehr als ausglich.

    Hinweisschild zu einem Fünf-Sterne-Hotel auf Mallorca, Spanien
    Die Zahl der Vier- und Fünf-Sterne-Hotels hat sich auf Mallorca seit 2004 verdreifachtBild: Clara Margais/dpa/picture alliance

    Und so steuert die Insel also trotz allem auf einen erneuten Rekord zu. Zwar hat die Regional-Regierung wiederholt betont, die Grenzen der Aufnahmefähigkeit seien erreicht, Maßnahmen zur Limitierung des Tourismus aber hat sie bislang gescheut. Nach langem Hin und Her konnte sie sich weder zur Anhebung der Übernachtungssteuer durchringen, noch zur Einführung einer Sonderabgabe auf Mietwagen oder strengerer Regeln für die Ferienvermietung. Zu groß ist die Abhängigkeit vom Tourismus und die Sorge davor, die Nachfrage könnte tatsächlich sinken.

    Protestaktionen soll es weiterhin geben

    Für Jaume Pujol steht daher fest, dass sich nicht wirklich etwas geändert hat auf Mallorca. “Dieser Sommer war nicht anders, als die vorherigen”, sagt der Sprecher der Plattform “Menys turisme mes vida” (Weniger Tourismus, mehr Leben), die bereits mehrere Großdemonstrationen gegen die Auswüchse des Massentourismus organisiert hat. “Die Straßen waren auch in diesem Jahr überfüllt, das Gesundheitssystem überlastet. Die Wachstumslogik gilt unverändert.” Und so kündigt er weitere Protestveranstaltungen an. “Das Thema bleibt weiter aktuell”, sagt er. Auch im kommenden Jahr werde es gewiss wieder eine Großdemonstration geben.

  • Reisen durch Europa: Worauf LGBTQIA+-Personen achten sollten

    Weltweit variieren die Rechte für LGBTQIA+-Personen stark: Was in manchen Ländern mit dem Tod bestraft wird, wird anderorts regelmäßig bei bunten Pride-Events gefeiert. Auch innerhalb Europas unterscheiden sich sowohl die rechtliche Lage als auch die soziale Akzeptanz der queeren Community stark zwischen den Ländergrenzen.

    “Grundsätzlich sind die Bedürfnisse von Lesben, Schwulen, Trans* und allem möglichen andern, was dazwischen ist, genau die gleichen wie von jeder oder jedem anderen auch”, betont Jörg Argelander. Gemeinsam mit Gregor Hiebel leitet er seit 1996 das Berliner Reisebüro “overtherainbow” und berät dort regelmäßig LGBTQIA+-Personen zum sicheren Reisen.

    “Ich möchte Erholung haben, ich möchte Spaß haben, ich möchte neue Leute kennenlernen und mich frei bewegen können”, fasst er die Wünsche seiner Kund*innen zusammen. Für queere Reisende kann es deshalb sinnvoll sein, sich im Voraus über gesellschaftliche Normen, mögliche Anlaufstellen und die eigenen Rechte im Zielland zu informieren.

    Die Progress Pride Flagge weht im Wind
    Die Pride Progressive Flagge beinhaltet neben den ursprünglichen Farben der Regenbogenfahne zusätzlich die Farben der Trans*-Flagge sowie braune und schwarze Farben für People of ColorBild: Cavan Images/IMAGO

    Die Länder im Ranking

    Die EU setzt sich durch verschiedene Bestimmungen wie dem Vertrag von Amsterdam (1997), der Charta der Grundrechte der Europäischen Union (2000) und den Richtlinien zur Bekämpfung von Diskriminierung für den Schutz von LGBTQIA+-Personen ein. Trotzdem lassen sich bei einigen EU-Mitgliedsstaaten oder Beitrittskandidaten aktuell rückläufige Tendenzen finden: So strichen zuletzt beispielsweise Ungarn und Georgien “Geschlechtsidentität” aus ihren Gleichstellungsgesetzen.

    Gleichzeitig gibt es aber auch andere Entwicklungen: Österreich legt seit diesem Jahr im Bundesgleichbehandlungsgesetz fest, dass “Geschlecht” Geschlechtsmerkmale, Geschlechtsidentität und -ausdruck umfasst. Zur Einschätzung der rechtlichen und politischen Situation europäischer Reiseziele bietet sich die Rainbow Map der International Lesbian, Gay, Bisexual, Trans and Intersex Association (ILGA) an. Als weltweiter Dachverband von Organisationen, die sich für LGBTQIA+-Rechte einsetzen, bewertet ILGA jährlich 49 europäische Länder anhand von 76 Kriterien in sieben Kategorien.

    Seit zehn Jahren belegt Malta den ersten Platz des Rankings, in diesem Jahr erzielte der Inselstaat eine Bewertung von 88,83% und liegt somit deutlich über dem europäischen Durchschnitt von 41,85% sowie dem der Europäischen Union (51,13%). Die letzten drei Plätze belegen 2025 Russland (2%), Aserbaidschan (2%) und die Türkei (5%). Deutschland landet mit 69,1% auf dem achten Platz.

    Pride-Flaggen im LGBTQAI+-freundlichen Viertel in Paris, Frankreich
    Cafés und Restaurants im Marais, dem bekannten LGBTQAI+-Viertel in Paris, werden jährlich zur Pride und auch darüber hinaus mit bunten Regenbogenflaggen geschmücktBild:

    Nationale Gepflogenheiten

    Für die Reisevorbereitung lohnt sich jedoch auch ein Blick über die rechtlichen Bestimmungen im Land hinaus, um nicht unabsichtlich gegen soziale Normen oder Sitten zu verstoßen. LGBTQIA+-Reiseführer, Reiseblogs, Apps oder auch die Website des Auswärtigen Amts können nützlich sein, um sich im Voraus über nationale Gepflogenheiten zu informieren.

    Auf den Straßen portugiesischer Großstädte beispielsweise sind gleichgeschlechtliche Pärchen keine Besonderheit – das öffentliche Austauschen von Zärtlichkeiten zwischen Erwachsenen, unabhängig vom Geschlecht, ist jedoch unüblich. Portugal zählt auch zu den wenigen europäischen Ländern, in denen es, ähnlich wie seit November 2024 in Deutschland, ein Selbstbestimmungsgesetz gibt.

    Ein Mann arbeitet am Schreibtisch, eine Pride-Flagge steht neben ihm
    LGBTQAI+-freundliche Reisebüros können bei der Vorbereitung helfen, genauso wie Apps, bestimmte Websites und ReiseführerBild: Andrey Popov/Pond5 Images/IMAGO

    Vorkehrungen für TIN*-Menschen

    Für TIN*-Menschen (trans*, inter* und nicht-binäre Personen) können Reisen mit Grenzkontrollen zu einer besonderen Herausforderung werden. “Also ganz konkret: Wenn nicht M oder F im Pass steht, sondern divers, dann ist es in gewissen Ländern ein Problem, da einzureisen. Und das beginnt schon beim Flugticket”, weiß Argelander.

    Dass Fluggesellschaften die Angabe “divers” auf dem Ticket anbieten, sei noch immer die Ausnahme. Auch die emotionale Vorbereitung auf invasive Fragen, beispielsweise durch Sicherheitspersonal am Flughafen, ist im Jahr 2025 noch immer ratsam. “Gerade wenn es um Trans*-Personen geht, dann ist das eben kein Spaß, wenn man bei den Body-Scannern raus gewunken wird und das jedes Mal passiert. Das ist eine Sache, die betrifft diese Menschen, die machen sich Leute, die nicht in dieser Problematik sind, überhaupt nicht bewusst”, betont der Reisebüroleiter.

    In Deutschland kann beim Verein dgtiaußerdem ein Ergänzungsausweis beantragt werden, in dem alle selbstgewählten personenbezogenen Daten und ein aktuelles Passfoto dokumentiert werden. Somit zeigt er Unterschiede zwischen dem eigenen Aussehen und Angaben in offiziellen Dokumenten auf. Der Ausweis soll Diskriminierung verhindern und bietet sich nach der Einführung des Selbstbestimmungsgesetzes vor allem auch für Menschen an, die noch keine endgültige Entscheidung zur rechtskräftigen Namens- oder Geschlechtsänderung getroffen haben.

    Der dgti-Ausweis wird bei vielen Behörden, Innenministerien, Banken, Universitäten, Versicherungen und der Polizei anerkannt, ist jedoch nur gültig in Kombination mit einem behördlichen Personaldokument. Zusätzlich gibt der Verein auf der Website zahlreiche Tipps zum Reisen und anderen Lebensbereichen für TIN*-Personen.

    U-Bahn-Haltestelle Alexanderplatz mit Pride-Farben, Berlin, Deutschland
    Mit seinen vielen LGBTQAI+-freundlichen Clubs und Bars zählt Berlin zu einer der beliebtesten Städte für queere ReisendeBild: Arnulf Hettrich/IMAGO

    Aktivitäten im Land

    Ist man erst einmal im Zielland, kann es schön sein, sich mit der Community vor Ort zu vernetzen. Hierzu gibt es beispielsweise Apps, über die man Mitreisende oder queere Hostels finden kann. Auch LGBTQIA+-Reisebüros stellen eine gute Möglichkeit dar, um Menschen aus der Community kennenzulernen, wenn gewünscht. Darüber hinaus gibt es besonders in Großstädten oft Viertel oder Straßen, die für die Szene bekannt sind: Das Marais in Paris, Chueca in Madrid oder die Via Lecco und die Via Tadino in Mailand sind nur einige Beispiele.

    Auch “Gay Beaches”, an denen mehrheitlich queere Personen zusammenkommen, existieren an manchen Standorten. Besonders bekannt sind der Elia Beach und Paraga Beach auf Mykonos. Wer mehr Lust auf kulturelle Angebote hat, findet in vielen Städten natürlich auch ruhigere Orte, an denen man dennoch Zugänge zur Community entdecken kann: Im Museum “Queer Britain” in London oder in der queeren Buchhandlung “Antigone” in Mailand, zum Beispiel.

    Als besonders beliebte Städte gelten im Jahr 2025 durch ein breites Angebot an LGBTQIA+-Bars und Clubs übrigens Berlin, Amsterdam und Helsinki. Argelander zählt außerdem Spanien und Griechenland als die gefragtesten Länder auf. “Weil dort vor Ort die Gesellschaft teilweise sogar weiter ist als wir in Deutschland. Und es gar nicht weiter thematisiert wird”, erklärt er.

    In den meisten europäischen Ländern können LGBTQIA+-Menschen grundsätzlich sorglos reisen und dabei sicher sein, dass sie besonders in den Großstädten auf Menschen aus ihrer Community treffen. Vorsicht ist trotzdem geboten, da es auch in Europa vereinzelt zu Angriffen auf queere Menschen kommen kann. Jörg Argelander betont: “Am besten wäre, man würde völlig unsichtbar diesbezüglich durch die Welt gehen. Aber wir sind nicht unsichtbar und wir wollen es auch nicht sein.”

  • UNESCO-Komitee berät in Paris über neue Welterbe-Stätten

    Nur noch wenige Tage, und auch die Schlösser König Ludwigs II. von Bayern werden voraussichtlich UNESCO Welterbe. Nominiert wurden Neuschwanstein, Linderhof, Schachen und Herrenchiemsee – gemeinsam mit 31 weiteren Orten rund um den Globus. Die Entscheidungen trifft das Welterbekomitee auf seiner 47. Sitzung in Paris (bis 16. Juli 2025).

    Seit zehn Jahren stehen die bayerischen Königsschlösser ganz oben auf der deutschen Wunschliste. Neuschwanstein, das über dem Alpenrand thront und mit seinen vielen Türmchen aussieht wie ein Märchenschloss, gehört zu den weltweit bekanntesten Bauten Deutschlands. Der vielgerühmte “Traum aus Stein” zieht jedes Jahr über 1 Million Besucher aus aller Welt an.

    König Ludwig II. von Bayern (1845-1886) hatte das Schloss in Auftrag gegeben, der Bau begann 1869 und sollte ihm als Rückzugsort dienen. Heute gehört das pittoreske Gebäude dem Freistaat Bayern. Es ist auch berühmt für seine prunkvolle Innenausstattung.

    Ein Kronleuchter im Sängersaal des Schlosses Neuschwanstein, Deutschland
    Prunkvolles Innenleben: Blick in den Sängersaal des Schlosses Neuschwanstein Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa/picture alliance

    Viele Welterbestätten in Deutschland

    Vom Aachener Dom bis Zeche Zollverein reicht schon heute die Liste der mehr als 50 deutschen Welterbestätten, die seit 70ern ernannt wurden, als die UNESCO die Welterbekonvention verabschiedete. Auslöser waren damals die Verluste von Kulturgütern im Zweiten Weltkrieg. Den Ausschlag aber gab der Bau des ägyptischen Assuan-Staudamms in den 1960er Jahren, der drohte, die weltberühmten Tempel von Abu Simbel zu überfluten. Die Übereinkunft, der bis heute rund 195 Staaten beigetreten sind, soll Kultur- und Naturstätten von außergewöhnlichem universellem Wert schützen. Derzeit gibt es 1223 Welterbestätten, 952 davon Kulturerbe, 231 Naturerbe.

    Der Blick des Welterbekomitees reicht deshalb auch weit über Deutschland hinaus. Insgesamt 32 Kulturorte sind in diesem Jahr von Ländern rund um den Globus nominiert worden. Dazu zählt das antike Khuttal in Tadschikistan ebenso wie der im Meer versunkene Karibik-Hafen Port Royal auf Jamaika, das modernistische Stadtzentrum von Gdynia in Polen oder auch die Gedenkstätten in Kambodscha, die an die Verbrechen der Roten Khmer und ihre Opfer erinnern.

    Indische Festungen – auch bald Weltkulturerbe?

    Indien hat in diesem Jahr ein Ensemble antiker Festungen als Weltkulturerbe vorgeschlagen. Die beeindruckenden Anlagen in Maharashtra und Tamil Nadu belegen die militärische Stärke des Maratha-Reiches, das vom 17. bis 19. Jahrhundert blühte und weite Teile des indischen Subkontinents kontrollierte.

    Historische Befestigungsanlage über bewaldeten Bergen, Militärlandschaft der Maratha, Indien
    Indiens Welterbe-Kandidat: Militärlandschaft der Maratha im Westen des SubkontinentsBild: DRONAH

    Die Vereinigten Arabischen Emirate nominierten die Faya-Paläolandschaft als herausragendes Beispiel einer Wüstenlandschaft aus der Steinzeit. Südkorea wirbt für die Petroglyphen von Bangudae, wundersame prähistorische, in Stein gearbeitete Felsbilder. Russland verweist mit seiner Nominierung auf bis zu 20.000 Jahre alte Felsmalereien in der Schulgan-Tasch-Höhle im südlichen Uralgebirge.Chinas Welterbe-Kandidat ist die Nekropole der Tanguten in Xixia, eine der größten Totenstädte der Welt.

    Die Nachzeichnung einer Felsmalerei in roter und violetter Farbe bildet die Form eines Trampeltiers, Felsmalereien der Shulgan-Tash-Höhle, Paris, Frankreich
    Russland: Die Felsmalereien der Shulgan-Tash-Höhle sollen Weltkulturerbe werdenBild: Yu.M. Svoysky, EV Romanenko, S. Peshkov, SI SPC

    Derzeit stehen 1223 Kultur- und Naturstätten in 168 Ländern auf der Liste des UNESCO-Welterbes, 56 davon gelten als bedroht. Das weltweite Ranking stößt vor allem in Wissenschaftlerkreisen immer häufiger auf Kritik. Wie objektiv kann eine solche Aufstellung überhaupt sein, fragt etwa Christoph Brumann vom Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung in Halle.

    Kritik am UNESCO-Ranking

    Der Ethnologe und Welterbe-Experte hinterfragt das Vergabeverfahren und forscht zu den Folgen eines Welterbe-Titels für die jeweilige Region. Die wohl häufigste: ein Massenansturm an Besuchern. “Davon kann die Bevölkerung profitieren, oft leidet sie aber auch darunter”, so Brumann im Wissenschaftsmagazin der Max-Planck-Gesellschaft. Er hat 2021 das englischsprachige Buch “The Best We Share: Nation, Culture and World-Making in the Unesco World Heritage Arena” veröffentlicht.

    Die Aufbauten alter Totengräber versammeln sich im Tal vor einer Gebirgslandschaft, Yinchuan, China
    Chinas Welterbe-Kandidat: Die Kaisergräber der Xixia im heutigen Südwesten ChinasBild: Verwaltungsbüro des Xixia-Grabgebiets der Stadt Yinchuan

    Das Welterbekomitee, zusammengesetzt aus 21 gewählten Vertragsstaaten der Welterbekonvention, befasst sich in Paris auch mit den wachsenden Gefahren für bereits ernannte Stätten, etwa durch bewaffnete Konflikte wie in der Ukraine oder im Nahen Osten, durch Naturkatastrophen, Umweltverschmutzung, Wilderei oder auch unkontrollierte touristische Entwicklung. Besonders bedrohlich aber wirken sich aktuell Wasserknappheit und Überschwemmungen aus.  Sie bedrohen einer jüngsten Studie der Weltkulturorganisation und des World Resources Institute zufolge fast drei Viertel aller Welterbestätten.

    Der Taj Mahal ist ein weltberühmtes Mausoleum aus weißem Marmor in Agra, Indien
    Sinkende Grundwasserspiegel gefährden den Taj Mahal im indischen Agra Bild: Anton Aleksenko/Shotshop/picture alliance

    Danach streckt ein Fünftel der Orte in der Zwickmühle zwischen Wassermangel und Überfluss. Dazu zählen etwa das Taj Mahal in Indien, das durch den sinkenden Grundwasserspiegel abzusacken droht. Der Yellowstone Nationalpark in den USA musste 2022 nach massiven Überschwemmungen geschlossen werden, die Reparatur der Infrastruktur kostete Medienberichten zufolge mehr als 20 Millionen Dollar (17 Millionen Euro). Zu den am stärksten betroffenen Regionen zählen der Nahe Osten, Nordafrika, Teile Südasiens und der Norden Chinas. 

    Im bayerischen Schloss Neuschwanstein wird die Entscheidung aus Paris unterdessen mit Hochspannung erwartet. Wenn das Schloss in den Rang des Welterbes aufsteigt, werden es wohl noch mehr Touristen besuchen. Wichtiger dürfte aber der Bayerischen Schlösserverwaltung die weltweite Anerkennung sein, die mit der Auszeichnung einhergeht. 

  • So heftig protestiert Spanien gegen Massentourismus

    Rechtzeitig zum Beginn der sommerlichen Urlaubssaison gehen auch die Proteste gegen den Massentourismus wieder los, wie es sie bereits seit Jahren in besonders beliebten Urlaubsdestinationen Italiens, Portugals vor allem aber Spaniens gibt. Am 15. Juni ist es so weit. Die Plattform Sur de Europa contra la Turistización (Südeuropa gegen die Touristifizierung) kündigte Aktionen unter anderem in Venedig, Mailand und Lissabon, San Sebastián, Valencia und Barcelona sowie auf den Balearen-Inseln an.

    Besonders gut organisiert ist die Protestbewegung in der nordspanischen Stadt Barcelona, wo es in der Vergangenheit bereits mehrfach Großdemonstrationen mit tausenden Teilnehmern gegeben hatte sowie aufsehenerregende Protestaktionen: Zuletzt blockierten dort Aktivisten im April vor der wichtigsten Urlauberattraktion der Stadt, der Sagrada Família, einen vollbesetzten Touristenbus und beschossen die verdutzten Urlauber mit Wasserpistolen.

    Eine Frau fotografiert ein tourismuskritisches Wandbild in Barcelona, Spanien
    Tourismuskritisches Wandbild in BarcelonaBild: Lorena Sopena/Anadolu/picture alliance

    “Der heutige Tourismus in Barcelona ist nicht kompatibel mit dem Leben der einheimischen Bevölkerung”, sagt Daniel Pardo, Mitglied der Bürgervereinigung Assamblea de Barris pel Decreixement Turístic (Versammlung der Stadtviertel für die Schrumpfung des Tourismus), die seit Jahren an der Organisation tourismuskritischer Aktionen beteiligt ist. Lärmbelästigung, Luftverschmutzung, überfüllte Straßen – es führe kein Weg daran vorbei, den Tourismus in Barcelona zu reduzieren, so Pardo. “Der Moment, in dem noch ein halbwegs vernünftiges Gleichgewicht herrschte, liegt schon lange zurück.”

    Der Tourismus sichert 150.000 Arbeitsplätze

    30 Millionen Besucher strömen jährlich in die Stadt. Unter den Touristen sind vor allem Reisende aus Italien, Frankreich, Großbritannien, Deutschland – schon auf Rang fünf aber liegen die US-Amerikaner. Angaben der Stadtverwaltung zufolge erwirtschaftet die Tourismusindustrie rund 14 Prozent des Bruttoinlandsproduktes der 1,7-Millionen-Stadt und sichert 150.000 Arbeitsplätze.

    “Ja, das wird immer angeführt als Argument, dass man sich nicht beklagen dürfe”, sagt Pardo. “Wir beklagen uns aber!” Viele Arbeitsverhältnisse im Tourismus seien prekär, die dort gezahlten Löhne unterdurchschnittlich. “Letztendlich lässt die Abhängigkeit vom Tourismus die Bevölkerung verarmen.”

    Tausende demonstrierten im Mai 2024 in Mallorcas Hauptstadt Palma gegen den Massentourismus, Spanien
    Tausende demonstrierten im Mai 2024 in Mallorcas Hauptstadt Palma gegen den MassentourismusBild: Clara Margais/dpa/picture alliance

    Ganz ähnlich klingt das auf der rund 200 Kilometer entfernt gelegenen Mittelmeerinsel Mallorca. Auch dort sind für den 15. Juni Protestveranstaltungen geplant. Das Motto: “Für das Recht auf ein würdevolles Leben: Stoppen wir die Touristifizierung.” Die Kritik, die die Aktivisten vorbringen, ähnelt sich im ganzen Land: in Barcelona, auf den Balearen, in Andalusien, im Baskenland, auf den kanarischen Inseln. Ganz oben auf der Mängelliste steht die Ferienvermietung, die seit Jahren zunimmt und eine Mitschuld an den zuletzt extrem gestiegenen Mieten trägt, wie Kritiker argumentieren.

    Immer mehr Einheimische ziehen fort

    Aber nicht nur das: In den bei Touristen besonders beliebten Altstädten verschwindet auch der traditionelle Einzelhandel. Vielerorts ist es einfacher, eine Eisdiele oder einen Waschsalon zu finden als einen Bäcker oder ein Lebensmittelgeschäft. Immer mehr Einheimische fühlen sich fremd und ziehen fort.

    “Der Tourismus vertreibt uns aus unseren Häusern, aus unseren Dörfern und Stadtvierteln”, heißt es bei der Bürgerplattform Menys Turisme, més vida (“Weniger Tourismus, mehr Leben”), die den Anti-Tourismus-Protest auf Mallorca organisiert. “Vor einem Jahr gingen Tausende auf die Straße, um zu sagen: Es reicht!” Passiert sei seitdem aber nichts.

    Tatsächlich steuert Spanien auch in diesem Jahr auf einen neuen Touristenrekord zu. 2024 kamen fast 94 Millionen internationale Reisende ins Land. Damit liegt Spanien weltweit auf Rang zwei hinter Frankreich.

    Touristen fotografieren im Park Güell in Barcelona, Spanien
    Der Park Güell gehört zu den beliebtesten Touristenattraktionen in BarcelonaBild: Davide Bonaldo/SOPA Images/Sipa USA/picture alliance

    Zumindest gibt es mittlerweile Versuche, die Ferienvermietung strenger zu regulieren. Die Zentralregierung in Madrid verpflichtete kürzlich die entsprechenden Anbieter dazu, ihre Immobilien in ein neu geschaffenes Register einzutragen. Auf diese Weise sollen illegale Angebote verhindert werden. Mitte Mai dann forderte das spanische Verbraucherschutzministerium die Plattform Airbnb auf, insgesamt 65.000 Wohnungsanzeigen zu löschen, weil die vorgeschriebene Registrierungsnummer nicht angegeben war.

    Barcelona wirbt mit neuem Slogan

    In Barcelona wiederum kündigte die Stadtverwaltung an, die Ferienvermietung bis zum Jahr 2028 komplett abschaffen zu wollen. Auslaufende Lizenzen sollen nicht mehr erneuert werden. Alles in allem aber sei der Tourismus eine der tragenden Säulen der Wirtschaft und sein Wachstum habe eine wichtige Rolle bei der ökonomischen Belebung der Stadt gespielt, heißt es in einem kürzlich veröffentlichten Strategiepapier.

    Jordi Valls, der Tourismusdezernent im Rathaus der Stadt, räumt aber ein, dass der Tourismus in Barcelona nicht weiter wachsen könne. “Wir stoßen an unsere Grenzen”, sagt er. Deshalb wolle man auch die Zahl der Kreuzfahrtschiffe reduzieren, die im Hafen festmachen.

    Die Marketinggesellschaft der Stadt wiederum änderte kürzlich ihren Slogan. Statt Visit Barcelona heißt es nun This is Barcelona. Man wolle künftig stärker die Eigenheiten der Stadt hervorheben, so die Erklärung.

    Von einer Schrumpfung des Tourismus aber sei man in Barcelona noch weit entfernt, sagt der Aktivist Daniel Pardo. “Wenigstens traut sich kein Politiker mehr, ganz offen ein weiteres Wachstum zu fordern.” Das aber reiche bei weitem nicht aus. “Wir brauchen eine echte Debatte über die Grenzen des Tourismus.” Diese anzustoßen, dabei sollen nun die erneuten Proteste helfen.

  • Urlaub: Mallorca rüstet sich für den Ansturm der Touristen

    Noch haben die Möwen den Strand an der Playa de Palma fast ganz für sich alleine. Träge blinzeln die Vögel in die Frühlingssonne und nur hin und wieder heben sie kreischend ab, wenn ihnen einer der wenigen Strandbesucher zu nahe gekommen ist. Die wichtigste Urlaubermeile der spanischen Mittelmeerinsel erwacht erst ganz allmählich aus dem Winterschlaf.

    Ein paar Kilometer weiter im Zentrum Palmas aber geht es hoch her. Tausende Demonstranten zogen am vergangenen Wochenende durch die Straßen der Inselhauptstadt. Ihre Hauptforderung: bezahlbarer Wohnraum. Mehr als 60 Organisationen hatten zu dem Protestmarsch aufgerufen, bei dem auch das aktuelle Tourismusmodell in der Kritik stand. Ferienvermietung und ausländische Immobilienkäufer hätten eine Mitschuld daran, dass immer mehr Einheimische Schwierigkeiten haben, die Preise auf dem Wohnungsmarkt zu bezahlen. In den vergangenen Tagen tauchten an mehreren Immobilienbüros der Insel Graffiti auf, die Unbekannte dort hinterlassen hatten. “Ihr seid schuld!”, stand dort in großen Buchstaben zu lesen.

    Mietwohnungen erst ab 1200 Euro

    “Wohnraum ist zum Spekulationsobjekt geworden”, sagt Carme Reynés, eine der Mitorganisatorinnen der Demonstration. Sie stammt aus dem kleinen Ort Sencelles, wo man derzeit keine einzige Mietwohnung für weniger als 1200 Euro finde. Da das für die meisten Normalverdiener nicht zu bezahlen ist, teilten sich immer mehr Menschen eine Wohnung. “Ich weiß von ganzen Familien, die in einem einzigen Zimmer leben.” Gleichzeitig gebe es in Sencelles 180 Wohnungen und Häuser, die zur Ferienvermietung genutzt werden. “Immer mehr Leute verlassen die Insel, weil sie sich das Leben hier nicht mehr leisten können”, sagt Reynés.

    Bereits vor einigen Wochen hatte ein offener Brief einer Reihe von Bürgervereinigungen für Wirbel gesorgt, in dem sich die Unterzeichner ganz direkt an die Urlauber richteten: “Die Einheimischen sind wütend und nicht mehr gastfreundlich, weil man die Insel, die wir lieben, zerstört – und weil viele gezwungen sind, wegzuziehen, weil Mallorca unbewohnbar wird”, heißt es darin. “Wir brauchen keine weiteren Touristen – Ihr seid die Ursache unseres Problems. Bleibt zu Hause!”

    Ein Paar genießt die Aussicht auf das Dorf Valldemossa im Gebirge Serra de Tramuntana, Mallorca
    13 Millionen Urlauber kamen im vergangenen Jahr nach Mallorca. Das Bergdorf Valldemossa gehört zu den meistbesuchten OrtenBild: Clara Margais/dpa/picture alliance

    Die Insel steuert auf einen Touristenrekord zu

    Mallorca ist seit Jahren eines der gefragtesten Reiseziele in Spanien und ganz Europa, insbesondere unter Deutschen und Briten, die dort Sonne, Strand und Meer genießen. Mehr als 13 Millionen Touristen kamen im vergangenen Jahr auf die Insel – so viele wie noch nie. In diesem Jahr werden es wohl noch mehr sein. Dabei reichen die natürlichen Ressourcen der Insel schon längst nicht mehr aus: Ohne die Entsalzungsanlagen etwa gäbe es schon seit vielen Jahren nicht genügend Trinkwasser. In den Sommermonaten sind viele Strände, Straßen und Städte hoffnungslos überfüllt. Auch die Regionalregierung hat mittlerweile erkannt, dass es so nicht weitergehen kann. “Der Moment ist gekommen, Grenzen zu setzen”, sagte Ministerpräsidentin Marga Prohens bereits vor einem Jahr. “Wir können nicht endlos weiterwachsen.”

    Drastische Maßnahmen aber scheut die konservative Regierung. Zuletzt kündigte sie zwar eine moderate Anhebung der Übernachtungssteuer an, eine Sonderabgabe für Mietwagen und strengere Regeln für die Ferienvermietung, aufgrund fehlender Mehrheiten im Parlament aber kann davon zumindest kurzfristig wohl nichts umgesetzt werden. Stattdessen reisten balearische Spitzenpolitiker auch diesmal wieder zu den einschlägigen Tourismusmessen, um die Inseln zu bewerben und neue Märkte zu erschließen. So baut etwa die Fluggesellschaft United Airlines ihre seit 2022 bestehende Direktverbindung zwischen New York und Mallorca in diesem Jahr weiter aus.

    Ein Flugzeug von United Airlines landet in Palma de Mallorca, Spanien
    United Airlines verbindet New York mit Palma. Hier die erste Landung auf Mallorca im März 2022Bild: Thomas Reiner/picture alliance

    Hoffen auf die US-Amerikaner

    Während das für die Demonstranten in Palma nur ein weiterer Hinweis ist, dass es den Politikern keineswegs ernst ist mit der Begrenzung des Massentourismus, hofft Mika Ferrer auf mehr zahlungskräftige Kundschaft aus den USA. Ferrer ist Gastronom und Vorsitzender der Qualitätsoffensive Palma Beach. Er will aus der Playa de Palma, die wegen des Party- und Sauftourismus immer wieder Negativschlagzeilen produziert, eine schicke Destination machen. “US-Amerikaner konsumieren viel und geben im Urlaub reichlich Geld aus”, sagt er. Solche Touristen sind ihm lieber, als die übliche Klientel, die nur zum Party machen kommt, sich im Supermarkt mit billigem Alkohol eindeckt und dann betrunken daneben benimmt.

    Die Stadt Palma versucht seit vielen Jahren, ihre wichtigste Urlaubermeile aufzuwerten. Bislang waren alle Bemühungen vergeblich. Das soll in diesem Sommer anders sein. Bürgermeister Jaime Martínez kündigte in der vergangenen Woche ein umfassendes Sicherheitskonzept an, das Exzesse wie in der Vergangenheit künftig verhindern soll. Die Zahl der Polizisten an der Playa de Palma wird massiv aufgestockt, es gibt Videoüberwachung und Drohnen, die die Beamten bei der Strafverfolgung unterstützen. Die Einhaltung der Benimmregeln, die es bereits seit Jahren gibt, soll nun tatsächlich kontrolliert werden. Unter anderem sind Besäufnisse in der Öffentlichkeit nicht gestattet.

    Blick auf den Bierkönig am Ballermann, Mallorca
    Der “Bierkönig” ist eines der Zentren des deutschen Partytourismus auf MallorcaBild: Joerg Niebergall/Eibner-Pressefoto/picture alliance

    Zumindest an der Playa de Palma will man dem Tourismus künftig also klare Grenzen setzen.

    Von all dem bekommen die Möwen an dem kilometerlangen Sandstrand nichts mit. Sie genießen weiterhin die Ruhe – es ist die Ruhe vor dem Sturm.