Wer die Berichterstattung über Iran verfolgt, hört und liest immer wieder das Wort „Mullah-Regime“. Dabei ist unter einem Mullah zunächst einmal nichts anderes zu verstehen als ein islamischer Geistlicher oder Rechtsgelehrter, den es sowohl unter Schiiten als auch unter Sunniten gibt. Sie haben keinen besonderen Rang, und darin liegt ein Unterschied zum „Ayatollah“. Dieser Titel wird für den Führer der Islamischen Republik Ali Chamenei gewählt, ebenso wie für ihren Gründer Ruhollah Chomeini, und ist die höchste Auszeichnung für einen schiitischen Geistlichen. Mit der Islamischen Revolution 1979 übernahm Chomeini die Führung Irans und baute das bis dahin westlich geprägte Land nach islamischen Glaubenssätzen um – aus einem säkularen Staat wurde eine Theokratie. Die Macht des auf Lebenszeit von einem klerikalen Expertenrat gewählten Staatsoberhauptes sichert heute in erster Linie die Revolutionsgarde, eine „Armee der Wächter der Islamischen Revolution“, die militärische, ökonomische und ideologische Macht miteinander verbindet. Gesetze werden zudem von einem „Wächterrat“ kontrolliert, in dem ebenfalls Rechtsgelehrte vertreten sind. Iranerinnen und Iraner, die ihre geistliche Führung verachten, verwenden das Wort „Mullah“ als Schimpfwort.

