Krisenzeiten sind auch Zeiten, da Szenarien Hochkonjunktur haben. Überall findet man sie in Texten, Reden oder Diskussionen: ein Worst- oder Best-Case-Szenario hier, das wahrscheinlichste Szenario dort, oder ganz aktuell diverse Grönland-Szenarien dies – und jenseits von Nuuk. Verwunderlich ist das nicht, ist die Szenariotechnik doch eine beliebte Methode in Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Militär, über die Zukunft nachzudenken. Oder besser gesagt: über Zukünfte, Plural. Je weiter man auf Entscheidungen und Ereignisse in kommenden Stunden, Wochen oder sogar Jahren vorausblicken möchte, umso mehr Varianten muss man durchdenken. Umso mehr Punkte tauchen auf, an denen Entscheidungen auch ganz unterschiedlich fallen könnten. Umso größer wird die Unsicherheit über unerwartete Störfaktoren. Fundiert und kreativ recherchiert, bietet die Szenariotechnik viele Vorteile, um Entscheidungen vorzubereiten und zu kommunizieren. In Zeiten der Szenario-Hochkonjunktur ist sie allerdings auch anfällig für rhetorischen Missbrauch. Wenn ohne entsprechenden Warnhinweis eher intuitiv und frei spekuliert wird. Auch das hat seine Berechtigung, nur nicht unter grellstem Scheinwerferlicht.

